Ärztliche Medikamentenabgabe – patientengerecht, kostengünstig und machbar in der Praxis
Patienten und Krankenkassen profitieren
BASEL – Die ärztliche Medikamentenabgabe ist sowohl für Patienten als auch für Prämienzahler sinnvoll. Die Behandlung wird zeitlich optimiert und die Gesundheitsausgaben sind in Regionen mit Selbstdispensation (SD) generell tiefer.
Die Patientenapotheke ist in der Landarztpraxis kaum wegzudenken. Doch genau da setzte Pascal Couchepin, unterstützt vom Gesamtbundesrat, zum letzten Rundumschlag an – die ärztliche Medikamentenabgabe sei zu verbieten. Dies mit dem Argument, der Arzt folge zwangsweise einem Anreiz zur Mengenausweitung.
Behandlungsvorteile
Vor allem akut erkrankte Patienten schätzen es: Der direkte Medikamentenbezug in der Arztpraxis spart den zusätzlichen Weg in die Apotheke. Apotheker argumentieren dagegen, das Vier-Augen-Prinzip schütze Patienten vor Fehlentscheiden der Ärzte. Das stimmt, doch tragen Ärzte oft auch die Verantwortung für andere risikoreiche Entschiede, die nichts mit Medikamenten zu tun haben. Ein Fehlermanagement, (Stichworte: Fehlerkultur und Interaktionscheck) das auch ohne Kontrolle durch Arzt oder Apotheker Sicherheit bietet, ist angebracht.
Teure Selbstdispensation?
Das Hauptargument von Herrn Couchepin gegen die ärztliche Medikamentenabgabe liegt denn auch in der Ökonomie: Ärzte, die wirtschaftlich von der Verschreibung und Abgabe von Medikamenten profitieren, würden dies zwangsweise auch mehr tun. Doch fehlt genau hier der stichhaltige Beweis. Die santésuisse verzeichnet die Pro-Kopf Gesundheitsausgaben pro Patient in der Schweiz. Die Kantone mit SD sind grossmehrheitlich günstiger. Da aber eher die Ostschweizer Kantone SD-Gebiete sind – die Westschweiz und die grösseren Städte sind es eher nicht –
kann dieser Kostenvorteil der SD- Gebiete auch durch andere Faktoren wie Lebensführung und Ärztedichte bedingt sein. Ein Direktvergleich zwischen den beiden ländlichen Kantonen Luzern (mit SD) und Aargau (ohne SD) zeigt aber trotzdem tiefere Gesamtkosten mit SD.
Die ärztliche Medikamentenabgabe ist somit im Interesse des Patienten und des Prämienzahlers.
Management der Medikamentenabgabe
Damit sie auch im Interesse des zeitlich beanspruchten Arztes ist, muss sie einfach und pragmatisch gehandhabt werden können. Der vorliegende Sonderbund soll gemeinsam mit den Tools und Formularen zum download auf www.medical-tribune.ch Praxiseinsteigern helfen, die SD einzuführen und zu bereits bestehenden Patientenapotheken den einen oder anderen nützlichen Management-Tipp geben.
Patrick Halter, Adelphy Development
|