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Mittwoch, 23.05.2012     Medical Tribune Group





Hausarztmedizin mit Verfassungsrang

Stellenwert des Berufsstandes verbessern

BASEL - Mit der Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" wollen die Schweizer Ärzte in die Offensive gehen und ihren Berufsstand stärken. Es brauche die Hausarztmedizin mehr denn je, waren sich die Teilnehmer an einer Kadertagung der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) kürzlich einig.

Die Grundversorger hoffen auf einen Solidarisierungseffekt der Patienten, die ja zugleich auch Wähler sind. Doch lassen sich die Probleme des Berufsstandes wirklich mit einem Volksbegehren aus dem Weg räumen? Die Vizepräsidentin der SGAM, Dr. Margot Enz, ist guter Dinge.

Im Gespräch mit Medical Tribune begründet sie die Stossrichtung damit, dass so Druck auf die Regierung und das Parlament ausgeübt werden könne. Man sei parallel dazu aber auch in anderen Bereichen unterstützend für die Hausärzte tätig. "Wer braucht die Hausärzte in Zukunft noch?" Die Antwort fiel an der letzten Kadertagung der SGAM eindeutig aus.

Die Nachfrage nach Grundversorgern wird sich nicht nur aus demografischen Gründen erhöhen. Den Hausärzten kommt auch eine immer wichtigere Funktion in einem sich wandelnden Umfeld zu. Die Spezialistenmedizin splittert sich auf. Je mehr Spezialisten sich um einen Patienten kümmern, desto gefragter ist die Rolle des Allgemeinmediziners. Dieser kann als einziger den Überblick behalten und koordinierende Funktionen auf dem Weg vom aktuellen Notfall bis zur Langzeitbetreuung in einem Alters- und Pflegeheim wahrnehmen.

"Sie (die Allgemeinmediziner) sind die eigentlichen Spezialisten für Mehrfacherkrankungen bis ins hohe Alter", steht in einem Abschlusscommuniqué der SGAM. Abgesehen davon weisen die Hausärzte ökonomisch gesehen das beste Kosten/Nutzen-Verhältnis auf. Die zunehmende Bedeutung der Hausärzte steht allerdings in einem gewissen Missverhältnis zur Wertschätzung durch die Politik.

Von den Damen und Herren Politikern fühlen sich Hausärzte oft im Stich gelassen. Im Mittelpunkt der Kritik figuriert gegenwärtig Bundesrat Pascal Couchepin, dem seitens der Ärzteschaft geradezu eine "Anti- Hausarzt"-Politik vorgeworfen wird. Grosse Hoffnung setzt die SGAM deshalb in die eigene Volksinitiative, die im Herbst lanciert werden soll. Die Zeit drängt. Denn die Hausärzte in der Schweiz sterben langsam aus. Die schlechten Arbeitsbedingungen schrecken Medizinstudenten ab, diese Facharztrichtung zu wählen. Schon heute ist es um die Versorgung in ländlichen Gegenden manchmal schlecht bestellt.

Im Zentrum der ärztlichen Volksinitiative steht nun das Bestreben, die Hausarztmedizin als "wesentlichen Bestandteil der Grundversorgung" zu garantieren. Realisiert werden soll dieses Ziel durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Ärzte. Ausgearbeitet wurde der Initiativtext unter der Federführung von Heinrich Koller, Professor für öffentliches Recht an der Universität Basel.

Der frühere Direktor des Bundesamtes für Justiz bekam noch Schützenhilfe von den beiden Gesundheitsjuristen Professor Dr. iur. Thomas Gächtner, Inhaber des Lehrstuhls für Staats-, Verwaltungsund Sozialversicherungsrecht der Universität Zürich, und Professor Dr. iur. Thomas Poledna, Titularprofessor für öffentliches Recht an der Universität Zürich. In einem ersten Schritt vorausgegangen war eine Befragung der hausärztlichen Basis.

Im Initiativkomitee sitzen ausschliesslich Hausärzte. Die Initiative soll unmittelbar nach der Gründung des Dachverbandes Hausärzte Schweiz in die Wege geleitet werden. Markus Sutter





 
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