Hausarztmedizin mit Verfassungsrang
Stellenwert des Berufsstandes verbessern
BASEL - Mit der Volksinitiative
"Ja zur Hausarztmedizin" wollen die Schweizer Ärzte in die Offensive
gehen und ihren Berufsstand stärken. Es brauche die Hausarztmedizin mehr
denn je, waren sich die Teilnehmer an einer Kadertagung der Schweizerischen
Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) kürzlich einig.
Die Grundversorger hoffen
auf einen Solidarisierungseffekt der Patienten, die ja zugleich auch Wähler
sind. Doch lassen sich die Probleme des Berufsstandes wirklich mit einem Volksbegehren
aus dem Weg räumen? Die Vizepräsidentin der SGAM, Dr. Margot Enz,
ist guter Dinge.
Im Gespräch mit Medical Tribune begründet sie die
Stossrichtung damit, dass so Druck auf die Regierung und das Parlament ausgeübt
werden könne. Man sei parallel dazu aber auch in anderen Bereichen unterstützend
für die Hausärzte tätig. "Wer braucht die Hausärzte
in Zukunft noch?" Die Antwort fiel an der letzten Kadertagung der SGAM
eindeutig aus.
Die Nachfrage nach Grundversorgern wird sich nicht nur aus demografischen
Gründen erhöhen. Den Hausärzten kommt auch eine immer wichtigere
Funktion in einem sich wandelnden Umfeld zu. Die Spezialistenmedizin splittert
sich auf. Je mehr Spezialisten sich um einen Patienten kümmern, desto gefragter
ist die Rolle des Allgemeinmediziners. Dieser kann als einziger den Überblick
behalten und koordinierende Funktionen auf dem Weg vom aktuellen Notfall bis
zur Langzeitbetreuung in einem Alters- und Pflegeheim wahrnehmen.
"Sie
(die Allgemeinmediziner) sind die eigentlichen Spezialisten für Mehrfacherkrankungen
bis ins hohe Alter", steht in einem Abschlusscommuniqué der SGAM. Abgesehen
davon weisen die Hausärzte ökonomisch gesehen das beste Kosten/Nutzen-Verhältnis
auf. Die zunehmende Bedeutung der Hausärzte steht allerdings in einem gewissen
Missverhältnis zur Wertschätzung durch die Politik.
Von den Damen
und Herren Politikern fühlen sich Hausärzte oft im Stich gelassen.
Im Mittelpunkt der Kritik figuriert gegenwärtig Bundesrat Pascal Couchepin,
dem seitens der Ärzteschaft geradezu eine "Anti- Hausarzt"-Politik
vorgeworfen wird. Grosse Hoffnung setzt die SGAM deshalb in die eigene Volksinitiative,
die im Herbst lanciert werden soll. Die Zeit drängt. Denn die Hausärzte
in der Schweiz sterben langsam aus. Die schlechten Arbeitsbedingungen schrecken
Medizinstudenten ab, diese Facharztrichtung zu wählen. Schon heute ist
es um die Versorgung in ländlichen Gegenden manchmal schlecht bestellt.
Im Zentrum der ärztlichen Volksinitiative steht nun das Bestreben, die
Hausarztmedizin als "wesentlichen Bestandteil der Grundversorgung"
zu garantieren. Realisiert werden soll dieses Ziel durch eine Verbesserung der
Rahmenbedingungen für die Ärzte. Ausgearbeitet wurde der Initiativtext
unter der Federführung von Heinrich Koller, Professor für öffentliches
Recht an der Universität Basel.
Der frühere Direktor des Bundesamtes
für Justiz bekam noch Schützenhilfe von den beiden Gesundheitsjuristen
Professor Dr. iur. Thomas Gächtner, Inhaber des Lehrstuhls für Staats-,
Verwaltungsund Sozialversicherungsrecht der Universität Zürich, und
Professor Dr.
iur. Thomas Poledna, Titularprofessor für öffentliches
Recht an der Universität Zürich. In einem ersten Schritt vorausgegangen
war eine Befragung der hausärztlichen Basis.
Im Initiativkomitee sitzen
ausschliesslich Hausärzte. Die Initiative soll unmittelbar nach der Gründung
des Dachverbandes Hausärzte Schweiz in die Wege geleitet werden. Markus
Sutter
|