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Mittwoch, 23.05.2012     Medical Tribune Group





Deutscher Internist gegen Zwangs-CME

Ärzte sind doch keine Verkehrssünder!

An MEDICAL TRIBUNE

Als Schulkind habe ich Fleisspunkte gesammelt und dafür schöne Bildchen bekommen - das war damals so und ich war ziemlich fleissig. Das bin ich heute noch - aber kein Schulkind mehr. Inzwischen habe ich eine gute Matura abgelegt, das Physikum und drei Abschnitte der ärztlichen Prüfung bestanden, dann Doktorprüfung, Facharztprüfung, Schwerpunktprüfung ... Nach 13 Schuljahren und sieben Jahren für den Facharzt mit Schwerpunkt, also 20 Jahren Lernen, klar, da hat man genug und hört schlagartig auf, sich fortzubilden.

Denken anscheinend die Verantwortlichen in Politik und bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ausgerechnet der Berufsstand mit der längsten Studien- und Ausbildungszeit wie Verkehrssünder zur Nachschulung geschickt wird - mit drakonischen finanziellen Sanktionen für Hausärzte, die keine Fleissbildchen vorlegen können.

Wer Verantwortung trägt

Was ist mit Richtern, Anwälten, Ministern und Staatssekretären, Behördenchefs und Abteilungsleitern, die ähnlich verantwortungsvolle Jobs haben? Denen vertraut man - zurecht, wie ich meine! Sind Ärzte aber böse Buben und Mädchen, faul und geldgierig? Ich protestiere dagegen auf das Heftigste - ich habe seit meiner Schulzeit keine Punkte mehr gesammelt und werde damit auch nicht wieder anfangen!

Die paar schwarzen Schafe, die es in jedem Berufsstand gibt, können auch jetzt Vorträge verdämmern und danach Buffet und Punkte abräumen. Natürlich bilden wir uns fort - aber nicht für Fleisspunkte, sondern aus Verantwortung unseren Patienten gegenüber und aus Leidenschaft für die Medizin.

Mehr Selbstbewusstsein!

Mich ruft Frankreich zurück - wenn es die Verantwortlichen zu bunt treiben. Dort habe ich doppelt so viel verdient wie in Deutschland und war hochgeachtet - eine unterschwellige Medizinerschelte wie manchmal in der deutschen Öffentlichkeit habe ich dort nie erfahren. Die Ärzte haben dort schon 2002 eine Hausbesuchsvergütung erstreikt, die beim Doppelten der derzeitigen deutschen liegt - weil dort Ärzte ein besseres Selbstbewusstsein haben. Das muss man wieder lernen.

Dr. Peter Pommer Internist und Pneumologe Oberammergau





 
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