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Mittwoch, 23.05.2012     Medical Tribune Group





"Volksinitative erzeugt Druck auf Parlament und Regierung"

Medical Tribune: Sinn und Zweck der Hausarzt-Initiative ist letztlich eine Aufwertung des eigenen Berufsstandes. Mit einem Verfassungsartikel haben die Ärzte aber noch nichts in der Hand. Was soll dieser Verfassungsartikel konkret auslösen?

Dr. Enz: Die Idee für die Volksinitiative basiert auf der Überzeugung, dass die Hausärztinnen und Hausärzte das gleiche Interesse an einer optimalen Hausarztmedizin haben wie ihre Patientinnen und Patienten. Die Volksinitiative ist unter anderem ein Mittel, die Diskussion über die Zukunft unseres nach wie vor sehr guten Gesundheitswesens, und dabei insbesondere der Hausarztmedizin, in die Öffentlichkeit zu tragen. Damit soll der Druck auf das Parlament und die Regierung erhöht werden, die anstehenden Probleme anzupacken und die längst nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich die Hausarztmedizin in ihrem veränderten Umfeld behaupten, und vor allem auch weiter entwickeln kann.

MT: Mit dem Verfassungsartikel möchten die Ärzte auch bessere finanzielle Rahmenbedingungen erreichen. Ist/wäre das aber nicht in erster Linie ein Thema für die Sozialpartner? Warum versucht man dieses Ziel nicht über TARMED-Verhandlungen zu realisieren?

Dr. Enz: Wir wollen kein Mittel ungenutzt lassen, um die uns gebührende Anerkennung auch in finanzieller Hinsicht zu erlangen. Nicht zuletzt von politischer Seite haben wir immer wieder verbale Unterstützung erhalten. Endlich müssen Taten folgen. Wir sind aber auch bei den Tarmed-Verhandlungen aktiv, um die finanziellen Rahmenbedingungen für die Hausarztmedizin entsprechend ihrer zentralen Position im Gesundheitswesen und ihrem umfassenden Leistungsauftrag zu verbessern. Mit der neuen Position "Besuchsinkonvenienzpauschale" und der Wiederaufwertung der NF-Inkonvenienzen haben wir per 01.03. 2009 einen Teilerfolg erreicht. Weitere Möglichkeiten sehen wir im Projekt "TARMED 2010", der umfassenden Revision von TARMED, welche aber aktuell bei TARMED Suisse blockiert ist.

MT: Die Hausarztmedizin soll laut der Initiative für alle "zugänglich, fachlich umfassend und qualitativ hochstehend sein". Ist das heute nicht bereits der Fall?

Dr. Enz: Da kann ich Ihnen nur recht geben! Das Problem aber ist der in bestimmten Regionen der Schweiz bereits vorherrschende und sich rasch ausbreitende Hausärztemangel. Es braucht eine zielgerichtete Aus- und Weiterbildung, attraktivere Rahmenbedingungen sowie neue Arbeitszeitmodelle und neue Formen der Zusammenarbeit, wenn wir auch in Zukunft über eine qualitativ hervorragende Hausarztmedizin verfügen wollen.

MT: Sind Sie auch der Meinung gewisser Fachleute, die sagen, das Hausarzt-Modell sei letztlich ein Auslaufmodell? Dieser Beruf habe nur im Rahmen einer stärkeren Vernetzung (Gemeinschaftspraxen) eine Zukunft?

Dr. Enz: Es gilt zu unterscheiden zwischen der Hausarztmedizin und den Modellen der Berufsausübung. Ich zweifle persönlich keinen Moment, dass die Hausarztmedizin auch in Zukunft eine sehr wichtige Rolle spielen wird. Sie begleitet die Menschen von der Geburt bis zum Tod, verfügt über das Spezialwissen bei der Behandlung alter und mehrfachkranker Menschen und weist in ihren Leistungen eine sehr hohe Kosteneffizienz auf. Die Veränderung sozialer Strukturen und Lebensformen, aber auch die Wertehaltung und das berufliche Selbstverständnis der neuen Ärztegeneration erfordern neue Formen der Zusammenarbeit. Mit der Initiative wollen wir auch dafür die entsprechenden Voraussetzungen schaffen. Interview: Markus Sutter





 
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