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Praxis & Tarif


LUZERN, 16. Oktober 2006

Wie weiter nach der Ärztedemo?

Handeln statt jammern!

Kein Zweifel: Die Hausärztedemonstration vom 1. April 2006 in Bern hat eine grosse Beachtung gefunden. „Wie soll es jetzt weitergehen?“ war zwei Monate später das Thema einer Podiumsdiskussion anlässlich der 8. Fortbildungstagung des Kollegiums für Hausarztmedizin KHM. Die Prominenz auf dem Podium spendete den Grundversorgern viel Lob, sparte aber auch nicht an Kritik. Die Hausärzte müssen vor allem lernen, ihr Berufsbild besser nach aussen zu tragen und ihre Anliegen prägnanter und medienwirksamer zu formulieren.

„Die Hausärzte – eine aussterbende Spezies“: Auf den ersten Blick macht diese Aussage auf einem Demonstrationsplakat zwar Eindruck, doch sie vertritt die Anliegen der Grundversorger denkbar schlecht, musste sich der SGAM-Präsident Dr. Hansueli Späth von Professor Dr. Kurt Imhof, Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung, Universität Zürich, sagen lassen. Wer ausstirbt, hat keine Bedeutung. Müssen sich die Hausärzte tatsächlich in der Opferrolle präsentieren und an das Mitleid appellieren? Wollen sie mit den Schweizer Bauern verglichen werden, die um ihre existentielle Zukunft bangen und die man früher oder später als Landschaftsgärtner beschäftigen muss?

Wir erleben nicht nur eine Kostendiskussion, sondern einen Reputationswettstreit zwischen Hausärzten und Spezialisten. Momentan haben die Spezialärzte die besseren Karten. Die Grundversorger müssen ihr Berufsbild besser nach aussen tragen. Am Eingangsportal der Gesundheitsversorgung steht kein Spezialist, sondern der Hausarzt.

Das Jammertal Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist ein Jammertal. Alle jammern, fuhr Prof. Imhof fort, und es macht kaum mehr viel Eindruck, wenn auch die Hausärzte ins allgemeine Jammern einstimmen. Es war nicht klug, dass sie lediglich ihren Binnendiskurs nach aussen trugen und zum Thema der Demonstration gemacht haben. Frustration ist kein Lösungsansatz. Statt zu jammern, müssten die Hausärzte vielmehr ihre Qualitäten besser ins Licht rücken, ergänzte die St. Galler Regierungsrätin Heidi Hanselmann. Die Grundversorger weisen viel zu wenig auf ihre kostengünstigen Leistungen für den Service Public und für eine ganzheitliche Medizin hin.

Was wollen die Hausärzte?

„Ich weiss gar nicht, was die Hausärzte überhaupt wollen“ – Mit diesen Worten soll Bundesrat Pascal Couchepin auf die Nachricht über die Ärztedemo reagiert haben. Für die betroffenen Ärzte war diese Aussage ein neuer Beweis für die selbstherrliche Arroganz des Magistraten, doch Prof. Imhof nahm die bundesrätliche Bemerkung zum Anlass für eine weitere Lektion an die Adresse der Hausärzte: „Wenn die Hausärzte ein ernst genommener Player werden und bleiben wollen, dann müssen sie ihre Anliegen genau und prägnant formulieren, klar gliedern und unter maximal drei Begriffen zusammenfassen.“

Die Medien selektieren und haben den hausärztlichen Diskurs auf das Jammern reduziert, ergänzte der Medienfachmann Dr. phil. Peter Stücheli-Herlach, Zürcher Hochschule Winterthur. Um zu einem interessanteren Ansprechpartner zu werden, der von den Medien angerufen wird, müssen die Hausärzte den Diskurs auf eine besser fassbare Ebene bringen.

Professionelle Führung notwendig?

Nachdem der Zürcher VSAO seine Führung in professionelle Hände gelegt hatte, ging es plötzlich aufwärts. Diese Feststellung gab Anlass zur Frage, ob ein nebenamtliches Führungsgremium einer ärztlichen Fachgesellschaft überhaupt genügend Zeit, Kraft und Know-how besitzt, um seine Aufgaben optimal wahrzunehmen. Dr. Stücheli bestätigte, dass eine gewisse Professionalisierung tatsächlich nützlich wäre. Entscheidungen und Inputs müssen aber weiterhin von der Fachseite her kommen und dürfen nicht einfach den Kommunikationsleuten überlassen werden. Ein neues Logo brächte weniger als beispielsweise ein Medienseminar. Die Medien tragen wesentlich zur Meinungsbildung bei.

Als Vertreter von Santésuisse bekam Peter Marbet vor allem aus der Zuhörerschaft sein Fett ab. Nicht nur wegen seiner österlichen Medienmitteilung, dass sich jeder 20. Schweizer Arzt an seinen Patienten unrechtmässig bereichern soll. Auch Kostenneutralität und Taxpunktwert gaben Anlass zu engagierten Wortmeldungen. Die Votanten waren sich allerdings nicht einig, wohin die Reise gehen soll. Während die einen nicht ohne Skepsis zur Kenntnis nahmen, dass auch für Santésuisse der Taxpunktwert nicht zwingend kantonal festgesetzt werden muss und auch regionale Lösungen denkbar wären, plädierten andere für einen gesamtschweizerisch einheitlichen Taxpunktwert. In der Tat sah auch Peter Marbet nicht ein, warum ausgerechnet der Kanton Genf mit der zweitgrössten Ärztedichte über den höchsten Taxpunktwert verfügt.

TarMed: Wo waren die Hausärzte?

„Nicht Santésuisse, sondern die Kantonsregierungen und letztlich der Bundesrat setzen die Höhe des Taxpunktes fest“, antwortete Peter Marbet auf die Feststellung von Regierungsrätin Hanselmann, dass Ärztegruppen faktisch bestraft werden, wenn sie kostengünstig gearbeitet haben. „Ein entscheidendes Gebot für Santésuisse ist die Einhaltung der Kostenneutralität. Wenn die Kosten 1,3 % über dem allgemeinen Index gelegen haben, müssen wir dies eben über den Taxpunktwert korrigieren“, konterte Peter Marbet. Nationalrätin Christine Egerszegi bemerkte dazu, dass bei öffentlichen Bauten des Bundes eine Kostenüberschreitung bis 5 % diskussionslos hingenommen wird. Eigentlich hätte TarMed dazu dienen sollen, die Arbeit der Grundversorger aufzuwerten, fuhr der Vertreter von Santésuisse fort. Doch als es damals darum ging, das Tarifwerk konkret auszugestalten, gab es niemanden, der explizit die Stimme der Hausärzte vertreten hätte. Diese haben offenbar geglaubt, dass es die FMH schon richten werde. Die Spezialisten hingegen brachten sich in der entscheidenden Phase umso aktiver ein und haben auf diese Weise eine Besserstellung der Grundversorger erfolgreich verhindert.

Diese Feststellung gab Anlass für weitere Wortmeldungen aus der Zuhörerschaft. Sie forderten ein Ende des doppelspurigen Nebeneinanders der Hausärzte aus SGAM, SGIM, SGP und KHM und stattdessen den Zusammenschluss zu einer schlagkräftigen Fachgesellschaft „Grundversorgung“. Noch weiter ging ein stark applaudiertes Votum eines Kollegen, der den Austritt der Hausärzte aus der FMH vorschlug. Vorgängig hatte Nationalrätin Egerszegi festgestellt, dass die Ärzte für ihren hohen Mitgliederbeitrag von der FMH eigentlich mehr erwarten dürften. Thü





 
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