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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Mehr als nur Blutdrucksenker

Was Sartane sonst noch können

DAVOS - Dass man mit Angiotensin- II-Antagonisten den Blutdruck senken kann und dass sie sich bei der endothelialen Dysfunktion vorteilhaft auswirken, ist bekannt. Dass in dieser Substanzklasse aber noch anderes überraschendes Potenzial steckt, erklärte Professor Dr. Thomas Unger, Direktor des Instituts für Pharmakologie, Charité Berlin.

"Die Sartane wurden entwickelt, um den AT1-Rezeptor zu blockieren und den Blutdruck zu senken, und alle erledigen ihren Job sehr gut," sagte Prof. Unger. Doch die Angiotensin- II-Antagonisten sind nicht alle gleich und unterscheiden sich zum Teil deutlich in ihrer Pharmakokinetik. Telmisartan zum Beispiel hat mit ca. 24 Stunden eine deutlich längere Halbwertszeit als die anderen Angiotensin-II-Antagonisten. "Telmisartan hat auch eine hohe Affinität zum AT1-Rezeptor und kann aufgrund seiner lipophilen Eigenschaft sehr gut Membranen penetrieren und das wohl auch im Gehirn", wie Prof. Unger bemerkte.

Die unterschiedliche Pharmakokinetik der Sartane führt dazu, dass die Dissoziations-Halbwertszeiten am Rezeptor unterschiedlich lang sind: In einer Studie untersuchten Kakuta et al.1 die Dissoziationsrate verschiedener Angiotensin-II-Antagonisten am AT1-Rezeptor in vitro. Telmisartan zeigte darin eine sehr lange HWZ (213 min), gefolgt von Olmesartan (166 min), Candesartan (133 min) Valsartan (70 min) und Losartan (67).

Damit hat Telmisartan unter den untersuchten Substanzen die stärkste Bindungsaffinität zum AT1- Rezeptor, verbunden mit einer langanhaltenden blutdrucksenkenden Wirkung.
Prof. Unger hält diese pharmakologischen Eigenschaften für klinisch relevant und belegte dies anhand eines Vergleichs2: In einer mehrwöchigen Doppelblindstudie hatten die Probanden entweder 80 mg/d Telmisartan oder 160 mg/d Valsartan erhalten.

In den letzten sechs Stunden des 24-Stunden-Dosisintervalls war sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck unter ersterem signifikant niedriger. "Der blutdrucksenkende Effekt spielt besonders in den frühen Morgenstunden eine Rolle", so Prof. Unger.
Haben Sartane auch eine neuroprotektive Wirkung?3 Einiges spricht dafür: Das Gehirn von Säugern besitzt alle Komponenten des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems).

Während der AT1-Rezeptor verantwortlich für die klassischen Angiotensin-II-Wirkungen ist, wie Blutdruckkontrolle, Durst, endotheliale Dysfunktion etc., kommt der AT2-Rezeptor in geringer Dichte vor und wird bei verschiedenen Krankheitsbildern hochreguliert. Der AT2-Rezeptor spielt offensichtlich nicht nur bei Mechanismen, die mit dem Schlaganfall zusammenhängen, eine Rolle, sondern auch bei postischämischen Gehirnschäden.

Dieser Rezeptor ist in die Regulation verschiedener Funktionen der Nervenzellen involviert, wie z.B. beim Ionenfluss, bei der Zelldifferenzierung, der neuronalen Geweberegeneration und beim programmierten Zelltod. Prof. Unger hält es für möglich, dass die Blockade des AT2-Rezeptors die Schlaganfallinzidenz und den Schweregrad von Schlaganfällen günstig beeinflussen könnte. Auch bei der Entwicklung eines Aortenaneurysmas spielt das RAAS offensichtlich eine Rolle4.

Vermutlich spielt das RAAS nicht nur eine Schlüsselrolle bei der Atherosklerose, sondern auch bei der Aktivierung der Transition von der Atherosklerose zum Aneurysma, erklärte der Experte.
Wir wissen heute, dass in atherosklerotischem Gewebe alle Komponenten des RAAS bis auf den AT2-Rezeptor hochreguliert sind und beim Aortenaneurysma die Konzentrationen noch höher als bei der Atherosklerose sind. Hier bietet sich noch eine mögliche Indikation für den Einsatz von Sartanen.

Die AT1-Blockade und die ACEHemmung haben auch einen Einfluss auf die Insulinempfindlichkeit. Prof. Unger zitierte Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass durch ACE-Hemmer oder Angiotensin- II-Antagonisten die Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Patienten mit arterieller Hypertonie oder Herzinsuffizienz signifikant reduziert wurde.5 Dabei war der Effekt von ACE-Hemmer oder Sartan gleich. Etwaige Kombinationen mit Plazebo, Beta-Blocker, Diuretikum oder Amlodipin hatten keinen Einfluss auf die Insulinempfindlichkeit.

Die Mechanismen, die dieser protektiven Wirkung zu Grunde liegen, sind komplex und noch nicht geklärt. Sie beeinflussen wahrscheinlich sowohl die Insulinempfindlichkeit als auch die Sekretion. Aber damit noch nicht genug, Prof. Unger präsentierte noch eine weitere Überraschung. In einer kleinen Studie konnten japanische Wissenschafter zeigen, dass Telmisartan einen Einfluss auf die viszerale Fettverteilung hat.6 Das Sartan ist ein partieller Agonist von PPARgamma, einem Schlüsselregulator der Adipozyten-Differenzierung und -funktion.

Die Japaner verglichen Hypertoniker, die Amlodipin oder Telmisartan bekamen. Nach 24 Wochen war der Blutdruck in beiden Gruppen gesenkt. Die Glukose- und Insulinspiegel konnten aber nur im Sartan-Arm gesenkt werden. Mittels Computertomografie wurde das Bauchfett gemessen. Auch hier konnte eine Reduzierung nur in der Sartan-Gruppe gezeigt werden. Das subkutane Fett war in beiden Gruppen unverändert. Pow

1Kakuta H et al., Int J Clin Pharmacol Res, 2005;25(1):41-46
2Lacourcière Y et al., Bood Press Monit. 2004;9(4):203-210
3Wilm H et al., A J Cardovasc Drugs, 2005;5(4):245-253
4Kaschina E et al., Atheroscerosis 2009 Jan 13
5Scheen AJ et al., Diabetes Metab. 2004;30(6):487-496
6Shimabukuro M et al., J Hypertension 2007;25(4):841-848
+von Boehringer Ingelheim und Bayer Healthcare unterstütztes Satellitensymposium "Telmisartan: Standing out in a Crowded Contest", anlässlich des Cardiology Update 2009

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