PRoFESS
am Start: Grösste Schlaganfallstudie aller Zeiten
PHOENIX
– Nicht weniger als 15500 Patienten sollen in die bislang grösste prospektiv
randomisierte Schlaganfallstudie aufgenommen werden. Das Mammutprojekt wurde
anlässlich der 28. International Stroke Conference gestartet. PRoFESS steht für Prevention Regimen
For Effectively avoiding Second Strokes und wird
einen direkten Vergleich bringen zwischen der Effektivität zweier aggregationshemmender
Kombinationen (Acetylsäure plus Dipyridamol retardiert und Acetylsalicylsäure
plus Clopidogrel). Darüber hinaus wird die Wirkung von Telmisartan
(Micardis®) geprüft und damit auch die aktuelle Hypothese, dass dieser Angiotensinrezeptorblocker
neuroprotektiv wirkt.
Auf
einem Satellitensymposium, zu dem Boehringer Ingelheim eingeladen hatte, zog
Professor Dr. Philip B. Gorelick, Center for Stroke Research, Chicago,
eine klare Trennlinie zwischen Myokardinfarkt und Schlaganfall als Folgerisiko
eines bereits eingetretenen kardiovaskulären Ereignisses. Der praktisch tätige
Arzt mag versucht sein, in der Sekundärprävention alle kardiovaskulären Ereignisse
in einen Topf zu werfen. Gefässe sind aber nicht gleich Gefässe: Für die Behandlung
scheint es wichtig zu sein, ob als Sekundärereignis ein Apoplex oder ein Infarkt
zu erwarten ist. Im Trend erscheint die Kombination Acetylsalicylsäure plus
Clopidogrel nach einem kardialen Ereignis in der Sekundärprävention eines
weiteren Infarkts die wirksamere Kombination. Umgekehrt verhält es sich aber
nach dem häufigeren Apoplex: hier erwies sich die Kombination ASS plus Dipyridamol
in verzögerter Freisetzung (Aggrenox®) als überlegen. Allerdings sind diese
Aussagen bisher nur über indirekte Vergleiche beider Kombinationen zu treffen.
PRoFESS wird nun einen direkten Vergleich erlauben.
Eine
weitere noch offene Frage ist der Nutzen der Angiotensin-Rezeptor-Blocker
(ARB) in der Sekundärprävention des Apoplex. Diese Wissenslücke soll ebenfalls
durch PRoFESS geschlossen werden. Grundlagenforschungen weisen daraufhin,
dass die ARBs einen protektiven Effekt im Nervensystem entfalten könnten.
Die
Details der Studie wurden von Professor Dr. Hans-Christoph Diener,
Universität Essen, und Professor Dr. Ralph Sacco, Columbia Universität
New York, vorgestellt. Das Design sieht eine Randomisierung in 2 mal 2 Untergruppen
vor. Eingeschlossen werden Normo- und Hypertensive nach Schlaganfall, geprüft
werden soll die Wirkung in der Frühphase und auf längere Sicht.
Genaue Daten
zum PRoFESS-Studiendesign
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ASS + Dipyridamol
(Asasantin® retard bzw. Aggrenox®)
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ASS + Clopidogrel
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Telmisartan (Micardis®)
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Asasantin® retard + Telmisartan
(n = 3875)
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Clopidogrel + ASS + Telmisartan
(n = 3875)
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n= 7750
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Plazebo
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Asasantin® retard + Plazebo
(n = 3875)
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Clopidogrel + ASS + Plazebo
(n = 3875)
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n= 7750
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n = 7750
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n = 7750
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Schnarchen
abstellen – Schlaganfallrisiko um 20% senken
PHOENIX
– Dass das obstruktive Schlafapnoesyndrom eine chronische Hypertonie auslösen
oder verstärken kann, ist bestens bekannt. Dass seine Behandlung mit kontinuierlichem
positivem Atemwegsdruck (CPAP) auch das Schlaganfallrisiko senken kann, wurde
dagegen noch gar nicht so richtig gewürdigt. Das holte Dr. Antonio Culebras,
Syracuse, an der 28. International Stroke Conference nach.
Schlaganfallrisiko
und obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS) sind über mehrere Wege miteinander
verknüpft. Durch Verlegung des Kehlkopfes während des Schlafs kommt es zur
Hyperkapnie, dadurch zum Aufwachen, insgesamt zu einer Sympathikusaktivierung.
Der Blutdruck steigt hierbei unzählige Male während einer Nacht auf systolische
Drücke über 200 mmHg. Die Hypertonie kann schließlich chronisch werden und
erhöht bereits hierdurch das Risiko einer Apoplexie. Die CPAP-Beatmung senkt
bereits ohne weitere antihypertensive Behandlung den Blutdruck um etwa 3 mmHg.
Dr. Culebras errechnete daraus eine Senkung des Apoplex-Risikos um 20%.
Die
Schlafapnoe vermindert darüber hinaus aber auch den zerebralen Blutfluss.
Der negative Thorakaldruck in der Apnoephase verlangsamt den zerebralen Blutfluss
um mehr als 50%. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2002 ergab ultrasonografisch
eine dickere Karotiswand bei Patienten mit OSAS, eine weitere dokumentierte
vermehrte atriale Fibrillationen unter OSAS-Patienten. Alles das steigert
das Apoplexrisiko um weitere Faktoren. Deshalb muss dem Zusammenhang zwischen
OSAS und Schlaganfall zukünftig unbedingt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden,
wünschte sich Dr. Culebras.
Hirnödem
bei Apoplex: Kühler Kopf gefragt
PHOENIX
– Kalte Umschläge wirken gut gegen Schwellungen aller Art. Das könnte auch
bei Hirnödem im Zusammenhang mit einem Schlaganfall funktionieren. Aktuell
sind gleich zwei internationale Studien im Gange, die beobachten, ob und wie
Patienten mit akutem Schlaganfall von einem kalten Hut oder anderweitiger
Kälte profitieren.
Dr.
David Z. Wang vom OSF Stroke Network
in Peoria/Illinois stellte an der 28. Internationalen Stroke Conference
die Cool Brain Stroke Studie vor. Sie wird an 10 Patienten bereits in der
Prähospitalphase beginnend einen kühlenden Helm testen, der 72 Stunden getragen
werden soll. Der erste Endpunkt wird hier die Praktikabilität sein.
Etwas
weiter ist bereits eine skandinavische Studiengruppe, die allerdings nicht
auf lokale Kühlung des Kopfbereiches setzt, sondern insgesamt eine Hypothermie
anstrebt, indem sie die gesamte Hautoberfläche kühlt (Körperkerntemperatur
von 35° C). Hierzu ist die Gabe von Pethidin notwendig, um das Kältezittern
und Missempfindungen abzustellen. Bei dieser eher milden Hypothermie sind
kaum Temperatur assoziierte Nebenwirkungen zu erwarten. Unter der Leitung
von Dr. Uno Jakob Weber, KAS Gentofte in Hellerup/Dänemark, sollen
1000 Patienten in 25 skandinavischen Schlaganfall-Einheiten in die Studie
aufgenommen werden, 26 wurden bereits rekrutiert. Der primäre Endpunkt ist
hier der Zustand nach 90 Tagen und die Mortalität.