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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Reports aus Basel von der 73. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin 2005

 

 

 

 

29. Mai 2005

 

 

Arterielle Hypertonie: Therapieprinzipien 2005
Was gibt's Neues?

BASEL Ob Kalziumantagonisten, Betablocker, ACE-Hemmer, Sartane oder Diuretika, wichtig ist die optimale Senkung des Blutdrucks. Mit welchen Medikamenten Sie das erreichen, spielt letztendlich keine Rolle.

 
An der Messe Basel



Professor Dr. Paul Erne, Chefarzt der Kardiologie des Kantonsspitals in Luzern, mahnte, die neu definierten optimalen Blutdruckwerte bei 140/90 als Optimum anzusetzen. Da nachts die Patienten physiologisch niedrige Werte aufweisen, ist bei einer 24-Stunden-Blutdruckmessung erst ein Durchschnittswert von 125/85 akzeptabel.

Häufiger Fehler bei der Neueinstellung einer Hypertonie ist mangelnde Geduld. Versagt die initiale Monotherapie, so sollte erst einmal 6 bis 8 Wochen zugewartet werden, bevor mit einer Kombinationstherapie begonnen wird. Auch das zu schnelle Wechseln von einem Medikament zum anderen sollte möglichst vermieden werden.

Häufig ist der Grund für ein Therapieversagen ganz wo anders zu suchen: Die Achillesferse einer jeglichen auf Jahre ausgerichteten Therapie ist die Compliance des Patienten. Bei der Neueinstellung der Hypertonie sollten die Begleiterkrankungen des Patienten die Wahl des Medikaments bestimmen: Bei COPD sind Betablocker kontraindiziert, unter ACE-Hemmern kommt es zu weniger Diabetes mellitus als bei Betablockern und Thiaziddiuretika. Wer weiss schon, dass Thiazide Sulfonamide enthalten und daher bei den entsprechenden Allergikern lieber die Hände davon zu lassen sind?

Anithypertensiva als Prophylaxe
Kalziumantagonisten verhindern von allen antihypertensiven Substanzgruppen am besten den Schlaganfall, ACE-Hemmer bieten am besten Schutz vor Herzinsuffizienz. Um die Nebenwirkungen in den Griff zu bekommen sind häufig Kombinationstherapien indiziert. Zu wenig Evidenz besteht derzeit noch darin, ob die Kombination von ACE-Hemmern mit AT-II-Hemmern zu empfehlen ist. Beide Medikamente allein führen beispielsweise gelegentlich zu Leukopenien.


Sollten trotz aller Bemühungen die Blutdruckwerte immer noch zum Himmel schreien, so sind Sie gut beraten, den Patienten auf folgende Parameter abzuchecken:
- adherence to therapy
- adipositas
- alcohol
- apnea during sleep
- any kind of second hypertension.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Juliane Neuss-Münzel


Fehlerquellen im Umgang mit Patienten, die über Müdigkeit klagen

BASEL – Wenn man Zahlen zur Häufigkeit des Symptoms Müdigkeit betrachtet, hat man Grund genug, sich etwas detaillierter damit auseinanderzusetzen. Zwischen 20 und 30% aller Konsultationen in der ambulanten Praxis erfolgen aufgrund von Müdigkeit, Erschöpfung, Energielosigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit. Die Prävalenz wird mit 6 bis 7,5% angegeben, wobei offenbar mehr Frauen als Männer an die Grenze der Belastbarkeit kommen.


Beim SGIM-Workshop "Müde und Schlapp: Was steckt dahinter?" stellten Dr. J. Furrer, Zürich, und Dr. M. Schiltknecht, Gerlafingen, nicht nur ausgewählte Fälle vor, sondern erläuterten auch die Fallstricke im Zusammenhang mit der Abklärung von solchen Patienten. Entscheidend ist die Frage, was der Patient unter Müdigkeit versteht und wie er sie wahrnimmt. Ist diese der Situation und dem Alter angemessen, also physiologisch, oder handelt es sich um eine pathologische Schläfrigkeit/Somnolenz oder Erschöpfung?

Wenn man Studien zu Rate zieht, sind die Ursachen in einem Drittel der Fälle unklar, die verbleibenden zwei Drittel sind psychisch oder organisch bedingt, wobei Ursachen im seelischen Bereich überwiegen. Bei den psychiatrischen Ätiologien steht die Depression mit Abstand an erster Stelle, gefolgt von Angst- und Panikstörungen, Substanzabusus und somatoformen Störungen.

Aber auch Schlafentzug, Trauer und Burn-out können mit Zeichen der Erschöpfung einhergehen. Die organischen Ursachen haben die Referenten nach der Häufigkeit geordnet, beginnend mit viralen bzw. postviralen Ätiologien, gefolgt von Infekten der oberen/unteren Luftwege, Eisenmangelanämie, endokrinen Störungen und Tumoren, Medikamenten-Nebenwirkungen, kardialen und entzündlichen Prozessen und schliesslich dem Schlaf-Apnoe-Syndrom.

Mit der einfachen Frage, ob die Müdigkeit nach einer Erholungsphase vermindert ist und nach Anstrengungen erneut auftritt, kann man Hinweise erhalten, ob der Zustand organisch bedingt ist oder psychogene Ursachen hat. Müdigkeit mit psychogenem Hintergrund tritt unabhängig von Phasen der Anstrengung und Erholung auf.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Renate Weber


Fit bei der Behandlung von Hypertonikern?
Wissen Sie, was Bauchweh mit Bluthochdruck zu tun hat?

BASEL ACE-Hemmer verlangsamen den Abbau von Bradykinin zu inaktiven Peptiden, so Dr. Jürg Nussberger von der CHUV, Lausanne, auf dem Internistenkongress in Basel. In 1% kann daher ein ACE-Hemmer zu einem potentiell letalen Angioödem führen.

Falls Sie einen Patienten haben, der immer wieder unter ACE-Hemmern an therapieresistenten Bauchkrämpfen leidet: Dran denken! Es könnte sich ein gastrointestinales Angioödem dahinter verbergen. Das Absetzen des ACE-Hemmers kann daher Wunder bewirken!
Und noch eines gab Nussberg zu bedenken: selbst wenn ein Patient schon zehn Jahre lang einen ACE-Hemmer nimmt, niemals damit Probleme gehabt hat und jetzt auf einmal an einem akuten Larynxödem fast erstickt: auch dies kann - durch unbekannte Mechanismen getriggert - durchaus auf den ACE-Hemmer zurückzuführen sein.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Juliane Neuss-Münzel


Medizin - ein sich selbst erhaltendes System?
10% aller Krankenhauseinweisungen sind durch Medikamenten-Nebenwirkungen verursacht!

BASEL Um diese angelsächsische These zu überprüfen, machten sich Dr. A. Schönenberger, Dr. W. Perrig und Dr. H. J. Peter vom Universitätspital in Bern auf die Beine: Vier Monate lang nahmen sie präzise die Hauptdiagnose bzw. Einweisungsdiagnose aller Neueintritte auf der Inneren Medizin ins Visier. 10,8% der Einweisungen erwiesen sich als medikamentenbedingt!


Insgesamt wurden auf der 25-Bettenstation in diesem Zeitraum 213 neue Patienten aufgenommen. Bei sage und schreibe 10,8% (23 Patienten) war eine unerwünschte Arzneimittelnebenwirkung Grund der Einweisung. Am häufigsten waren neutropenisch bedingte Infektionen bei Patienten unter Chemotherapie, gefolgt von Blutungskomplikationen bei antikoagulierten Patienten. Medikamenten-Intoxikationen kamen zweimal vor, ebenso häufig war die Antibiotika-bedingte pseudomembranöse Kolitis.

Zu dem Arsenal der Erkrankungen gehörten: Urolithiasis, Purpura-Schönlein-Henoch, Extrapyramidales Syndrom, Delirium, QT-Verlängerung, Fieber, Chemotherapie-bedingte Alveolitis, um nur stichwortartig aufzuführen, was Medikamente alles an Schaden anrichten können. Sieben Patienten befanden sich in einem kritischen Zustand, zwei (8,7%) der Patienten verstarben an der unerwünschten Arzneimittel-Nebenwirkung.
Es würde sich gesundheitspolitisch und medizinisch durchaus lohnen, diesem Problem eine adäquate Beachtung zu schenken, um Menschenleben zu verschonen und zusätzlich Kosten zu sparen.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Juliane Neuss-Münzel


Fahndung nach Raucher-COPD
Was leisten Hausärzte am Spirometer?

BASEL – Viele Hausärzte brauchen dringend ein Spirometrie-Auffrischungstraining, das ist eines der Ergebnisse einer laufenden Studie des Universitätsspitals Basel mit Hausärzten, die Raucher auf eine COPD hin untersuchen sollen.

Die COPD wird zum grossen Teil durch Rauchen verursacht und in der Regel zu selten diagnostiziert. Die Raucher selbst gewöhnen sich an die einschleichenden Symptome und die Ärztinnen und die Ärzte nehmen zu wenig Notiz davon. Abhilfe erhoffen sich die Pneumologen mit routinemässig durchgeführten Spirometrien.

An der Jahresversammlung der SGIM stellte PD Dr. J. Leuppi, Universitätsspital Basel, die Ergebnisse der ersten 50 Hausärzte von insgesamt 500 vor.

Nach einem zweistündigen Spirometrie-Kurs untersuchten die Teilnehmer aktive Raucher mit einem EasyOne-Spirometer. Dieses Gerät kann auch Auskunft über die Qualität der durchgeführten Spirometrie geben.

Gemessen wurden FEV1, FVC und FEV1/FVC. Die prädiktiven Werte basieren auf den Kriterien der European Respiratory Society (ERS) und der schweizerischen SAPALDIA. (Die Schwere der Obstruktion wurde nach den GOLD-Kriterien eingeteilt.)

Von den insgesamt 2’048 Spirometrien konnten 2’113 (97%) ausgewertet werden. Aber nur 1'211 (59%) hatten eine akzeptable Qualität. Eine signifikante Obstruktion wurde bei 27% der Raucher gefunden. Die Autoren sind der Ansicht, dass Hausärzte ein besseres Training benötigen, damit die Spirometrien besser werden.

Auswertung der spirometrischen Ergebnisse

Diagnose

Anzahl der Tests

Prozent

Normal

839

69

Milde Obstruktion

134

11

Moderate Obstruktion

121

10

Schwere Obstruktion

54

4,5

Sehr schwere Obstruktion

13

1,1

Mögliche Restriktion

50

4,4

Diese Studie wird von den Firmen Boehringer Ingelheim und Pfizer unterstützt. Derzeit bietet das Universitätsspital Basel schweizweit Spirometrie-Kurse an.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Pow


Pharmawerbung unter der Lupe
Kann sie halten, was sie verspricht?

BASEL - Der Wahrheitsgehalt pharmazeutischer Werbung interessierte Dr. Claus Hoess, Leitender Arzt für Innere Medizin und Intensivmedizin, Kantonsspital Münsterlingen. Schliesslich werden viele Ärzte auf diese Weise auf Therapie oder Indikationen aufmerksam gemacht. Die ganze Wahrheit über seine Analyse pharmazeutischer Anzeigen präsentierte er an einer Pressekonferenz anlässlich der 73. Jahrestagung der SGIM.

Die Werbebotschaft wird in der pharmazeutischen Werbung häufig durch die Angabe von Referenzen gestützt - Literaturangaben, wie man sie aus medizinischen Studien kennt. Aber stützen diese Referenzen umgekehrt auch die in der Werbung vermittelte Botschaft? Die Autoren unterzogen die während eines halben Jahres in 22 Ausgaben einer deutschsprachigen Fachzeitschrift (Swiss Medical Forum, Juli bis Dezember 2004) geschalteten Anzeigen einer genaueren Analyse.

Auf 212 Seiten fanden sich insgesamt 81 verschiedene Inserate, 44,4% arbeiteten mit Referenzen. Von diesen waren 68,2% mit angemessenem Aufwand in einer Medline-Recherche zu verifizieren. Bei den übrigen 31,8% handelte es sich um Buchkapitel, Kongressreferate oder nicht einsehbare Quellen.

Referenz vorhanden, Botschaft abweichend
In 11 Fällen, also rund 20%, konnte die Botschaft der Referenz nicht mit der des entsprechenden Inserates in Einklang gebracht werden. "Am häufigsten wurden dabei die Resultate der Studien in der Werbung überinterpretiert," so Dr. Hoess. Auch waren das in der Werbung angesprochenen Zielpublikum und die untersuchte Studienpopulation in einigen Fällen nicht identisch bzw. die Ergebnisse einer in vitro Untersuchung nicht ohne weiteres auf das beschriebene Krankheitsbild übertragbar.

Bei einer strengeren Analyse wären gar 40 bis 50% der Angaben als fehlerhaft zu bezeichnen, fasste Dr. Hoess zusammen. "Meine Ansprüche an die Bewerbung von Pharmaka sind höher als die an andere Industrieprodukte", so der Autor, der mehr Evidenz in der pharmazeutischen Werbung fordert. Die Ansprüche daran sollten ähnlich denen an die medizinische Literatur sein.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Mü


Herzstillstand - Reanimieren oder nicht?
Patienten möchten in die Entscheidung eingebunden werden

BASEL - Sollen wir Patienten darauf ansprechen, ob sie im Falle eines Falles eine Wiederbelebung wünschen oder lieber darauf verzichten möchten? Oder machen wir damit nur unnötig Angst? Und wer sollte diese Entscheidung treffen? Eine Antwort auf diese Fragen suchte Dr. R.M. Zürcher Zenklusen, Hôpital des Cadolles, in ihrer Untersuchung, deren Ergebnisse sie im Rahmen der 73. Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin präsentierte. Demnach dürfen Ärzte sich trauen, das Thema anzuschneiden - denn die Patienten wollen involviert werden.


Eine gerichtliche Regelung für diesen Fall gibt es in der Schweiz nicht, viele der Reanimationsentscheide werden bislang ohne den Patienten getroffen. Kommt es zu einem Herz-Kreislaufstillstand, ist es für das Gespräch zu spät. Viele Ärzte aber zögern, das Thema anzusprechen - nicht zuletzt aus Unsicherheit darüber, wie der Patient darauf reagieren könnte.

Entlastung bieten nun die Resutate der Studie aus Neuchâtel. Über zwei Monate hinweg wurden alle Patienten der Medizin und der Chirurgie befragt, ob sie eine systematische Befragung zum Vorgehen im Falles eines überraschenden Herz-Kreislaufstillstandes wünschen. Parallel wurden sie über die Chancen und Risiken einer Reanimation aufgeklärt. Die Patienten zeigten sich weder verzweifelt noch erschüttert über dieses Anliegen, im Gegenteil:

  • 82% der Studienteilnehmer empfanden das Gespräch darüber als wichtig bis sehr wichtig,
  • 70% der Befragten möchten in eine solche Entscheidung involviert werden - entweder allein oder zusammen mit ihrer Familie (40%) oder einem Arzt (27%),
  • knapp 80% sahen die Initiative für das Gespräch beim Arzt
  • weniger als 15% hatten zuvor Gelegenheit für ein solches Gespräch.

Es hat sich bewährt, die Patienten nicht gleich bei der Aufnahme mit diesem Thema "zu überfallen", berichtete die Expertin, "damit sie nicht das Gefühl haben, dies sei die zentrale Frage". Bereits 24 Stunden später ist die Basis für das Gespäch erfahrungsgemäss deutlich besser. Ausserdem sollte bei dieser Gelegenheit deutlich gemacht werden, dass die Entscheidung keinerlei Einfluss auf das therapeutische Vorgehen hat.

Ein Drittel der Befragten möchte keine Reanimation
Die behandelnden Ärzte hatten für 8% der Patienten die Anweisung gegeben, im Falles eines plötzlichen Herzstillstandes nicht zu reanimieren. In der Befragung brachten - wahrscheinlich in Kenntnis der geringen Erfolgschancen - 33% der Patienten einen entsprechenden Wunsch zum Ausdruck. Dabei variierte die Einstellung deutlich in Abhängigkeit vom Alter: Bei den über 75jährigen sprachen sich mehr als die Hälfte gegen eine Reanimation aus. "Meines Erachtens sollten diese in Neuchâtel erhobenen Daten durch eine Umfrage in verschiedenen Sprachgebieten der Schweiz ergänzt werden. Allfällige Richtlinien über einen patientengerechten Entscheidungsprozess in Reanimationsfragen sollten darauf aufbauen, ist die Expertin überzeugt.

© Medical Tribune-Online Schweiz, Mü

In der Schweiz versterben jährlich etwa 20'000 Menschen an einem unerwarteten Herzkreislaufstillstand. In der Mehrheit der Fälle bleibt der Versuch einer Wiederbelebng erfolglos. Die entsprechenden Massnahmen zugrunde gelegt, liegt die durchschnittliche Erfolgsquote einer kardialen Reanimation bei Herzstillstand selbst bei hospitalisierten Patienten nur bei ca. 10%, die Hälfte derer muss obendrein mit einem neurologischen Handicap rechnen.



Strategiewechsel in der Hypertonie
Kombination der hochdosierten Monotherapie überlegen

BASEL - Wirksame Blutdrucksenkung bei möglichst wenigen Nebenwirkungen, das ist das Ziel bei dieser asymptomatischen Erkrankung mit hohem kardiovaskulären Risiko. Nicht jeder Patient spricht gleich auf ein bestimmtes Medikament an. Nun hat sich gezeigt, dass es durch eine Kombinationstherapie mehr Responder gibt als bei den jeweiligen Einzelsubstanzen zu erwarten wäre. Dabei sind auch die Nebenwirkungen geringer. Professor Dr. Bernard Waeber, CHUV Lausanne, unterstützte diese Aussagen mit den neuesten Daten an einem Satellitensymposium der Firma Servier anlässlich des Internistenkongresses.

Der Hausarzt kann nicht zum Voraus wissen, auf welches Monotherapie der Patient anspricht. "Von aussen sieht man sieht von aussen nicht, welches System beim Patienten die grösste Rolle bei der Entwicklung der Hypertonie spielt, das Renin-Angiotensinsystem, der Sympathikotonus oder der Salzgehalt des Körpers", betont Prof. Waeber. Nur bei etwa 40% der Hypertoniker kann man den Blutdruck mit einer Monotherapie normalisieren. Eine Dosissteigerung erhöht dabei aber nicht zwangsläufig die Wirkung.

Viel spricht heute für den frühen Einsatz einer primär niedrig dosierten Kombinationstherapie. Damit werden nicht nur die Patienten erfasst, die auch auf die Monotherapie der jeweiligen Medikamente angesprochen hätten, die Kombinationstherapie wirkt auch bei einem Teil der Patienten, die auf keine der beiden Monotherapien angesprochen hätten. Mit diesem Konzept will man auf verschiedenen Systemen eingreifen. Beispielsweise wirkt zwar das Diuretikum blutdrucksenkend, es regt jedoch das Renin-Angiotensinsystem an, was einen Teil der blutdrucksenkenden Wirkung reduziert. Durch die zusätzliche Gabe eines ACE-Hemmers oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker wird diese unterwünschte Gegenregulation auf die Diuretikatherapie aufgehoben.

Die STRATHE-Studie untersuchte nun drei Strategien zur Blutdrucksenkung. Bei 533 Patienten mit Hypertonie > 160/95 mmHg wurde versucht, den Zielblutdruck von <140/90 mmHg zu erreichen. In dieser Doppelblindstudie standen drei Strategien zur Auswahl. In der "fixed-dose combination"-Gruppe wurde eine niedrigdosierte fixen Kombination von Perindopril plus Indapamid gegeben. Falls keine ausreichende Blutdrucksenkung zu Stande kam, wurde die fixe Kombination in der Dosis erhöht. In der "Step-by-step"-Gruppe wurde Valsartan in einer Anfangsdosis von 40 mg gegeben, wenn dies nicht ausreichte, wurde die Dosis auf 80 mg erhöht und in einem dritten Schritt Valsartan 80 mg mit 12,5 mg Hydrochlorthiazid kombiniert.

Die dritte Gruppe erhielt eine sequentielle Monotherapie mit Atenolol 50 mg, Losartan 50 mg und Amlodipin 5 mg. Wenn jeweils eine Substanz das Ziel nicht erreichte, wurde auf die nächste gewechselt. Bei der "fixed-dose combination"-Gruppe erreichten über 60% der Patienten das gesetzte Blutdruckziel, bei den beiden andern Gruppen knapp 50%.
Kann eine Blutdrucksenkung mit geringen Dosen des jeweiligen Antihypertensivums erreicht werden, sind auch die Nebenwirkungen auf eine der jeweiligen Substanzen deutlich geringer. Wenn der Patient dabei die Kombinationstherapie in einer fixen Kombinationstherapie erhält, ist dies für die Compliance besser als zwei einzelne Tabletten.

© Medical Tribune-Online Schweiz, BE


STRATHE = STRAtegies in Treatment in Hypertension: Evaulation. Mourad JJ et al J. Hypertens, 2004;22:18







 
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