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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Willkommen zu unserer Berichterstattung vom
72. Jahreskongress der Schweizer Gesellschaft
für Innere Medizin (SGIM), Lausanne, 2004

 

 

15. Mai 2004

 

Rapsöl oder Olivenöl?

Healthy-ageing mit der richtigen Ernährung

LAUSANNE – Bereits die Lyon-Heart-Studie konnte zeigen, dass mit einer adäquaten Ernährung die Mortalität stark gesenkt werden kann. Welche Rolle insbesondere die verwendeten Fette und öle spielen, referierten Professor Peter Ballmer, Winterthur, und Dr. Roger Darioli, Lausanne.

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren Omega-6 und Omega-3 sind besonders wichtig in der Ernährung. Omega-6-Fettsäuren findet man vor allem als Linolensäure in Sonnenblumen-, Soja- und Maisöl. Die optimale Fettsäure ist Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure. Sie kommt vor allem in Raps- und Sojaöl, aber auch in Nüssen, Leinsamen und Fisch vor. Omega-3-Fettsäuren haben eine antithrombotische und antiinflammatorische Wirkung, werden aber von der Schweizer Bevölkerung viel zu wenig mit der Nahrung aufgenommen. In ölen sollte die Ratio Omega-6-/Omega-3-Fettsäure >5 betragen. Diese Voraussetzung erfüllt nur das Rapsöl. In Olivenöl kommt dagegen vor allem die Omega-9-Fettsäure, eine einfach ungesättigte Fettsäure vor. Eine gute Möglichkeit den Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung zu erhöhen, ist die Einnahme von Fischölkapseln.

In der Lyon-Heart-Studie besserte sich unter einer mediterranen Kost, in der Butter durch Alpha-Linolensäure-reiche Margarine ersetzt wurde, die Prognose von Personen, die bereits einen Infarkt hinter sich hatten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keine besondere Diät erhielt, hatten die Patienten mit der mediterranen Diät  während der folgenden vier Jahre ein mehr als 50 % niedrigeres Risiko für ein erneutes kardiales Ereignis.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Petra Genetzky)


Effektive Pharmakotherapie im Alter

LAUSANNE – Mit zunehmendem Alter brauchen die meisten Patienten infolge der Multimorbidität mehr Medikamente. Gerade bei älteren Patienten steigen damit die Risiken von Interaktionen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen sowie von über-, Fehl- aber auch von Unterbehandlungen. Wie man trotz vieler Medikamente das Risiko möglichst klein halten kann, erläuterte Professor Andreas Stuck, Bern, an einem Workshop im Rahmen der 72. Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin.

In regelmässigen Abständen, vor allem aber dann, wenn ein Patient in ein Heim oder ins Spital eintritt oder wenn neue Probleme auftreten, sollte man die laufende Medikation überprüfen. Zur systematischen Evaluation empfiehlt sich dabei der so genannte „Medication Appropriateness Index“ (MAI), eine Checkliste mit den folgenden zehn Fragen:

·        Gibt es eine Indikation?

·        Wirksamkeit (Nutzen/Risiko)?

·        Stimmt die Dosierung?

·        Sind die Einnahmevorschriften korrekt?

·        Medikamenteninteraktionen?

·        Interaktionen mit Krankheiten?

·        Anwendungsvorschriften?

·        Doppelverschreibungen?

·        Adäquate Dauer?

·        Gibt es eine kostengünstige Alternative?

Nicht immer ist es möglich, die Medikamentenanzahl zu reduzieren. Wichtig ist, dass der Patient eine optimal auf ihn zugeschnittene Therapie erhält. Viele ältere Patienten sind aber trotz einer ganzen Reihe an Medikamenten nicht ausreichend behandelt. Dies gilt vor allem für die folgenden Bereiche: Schmerzen, Hypertonie, Depression, Demenz, lipidsenkende Therapie, Antikoagulation sowie Osteoporose.

Ein Medikamentenplan, in dem neben der Dosierung auch die Indikation und der Zweck der Behandlung aufgeführt werden, kann helfen das Therapieschema für den Patienten übersichtlich zu gestalten und damit die Compliance zu fördern.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Petra Genetzky)


Schlafapnoe – Rational abklären und behandeln

LAUSANNE – Der übergang zwischen normalem Schnarchen und dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS) ist fliessend. Die extreme Tagesmüdigkeit und Einschlaftendenz schränken die Lebensqualität der Betroffenen meist stark ein. Wie das OSAS am besten diagnostiziert und therapiert wird, erläuterte Dr. Claus Kopp, Münchenstein.

Definiert wird das OSAS durch eine reduzierte Sauerstoffsättigung bei erhaltener inspiratorischer Atemanstrengung. Dauert die Apnoe lange genug, steigt auch der CO2-Gehalt. Begünstigende Faktoren für das Syndrom sind anatomisch enge Rachenverhältnisse durch Adipositas, eine grosse Uvula oder Makroglossie, eine Mikro- oder Retrognathie oder vergrösserte Tonsillen. Auch Alkohol, Sedativa oder Relaxantien, am Abend genommen, sowie hormonelle Störungen können verantwortlich sein. Der typische Patient ist der übergewichtige 50- bis 60jährige Mann.

Zu den Kardinalzeichen des OSAS zählen vor allem die Müdigkeit und Einschlaftendenz tagsüber sowie anamnestisch lautes Schnarchen und Apnoe. Persönlichkeitsveränderungen, Reizbarkeit, Vergesslichkeit und eine Abnahme der intellektuellen Fähigkeiten sind oft eine Folge des Schlafdefizits. Häufig ist auch das schreckhafte Erwachen (arousal).

Wichtig für die Diagnostik ist zunächst die sorgfältige Anamnese, vor allem die Fremdanamnese. Eine übermässige Tagesschläfrigkeit kann mit Hilfe eines Fragebogens (Epworth Sleepiness Scale, ESS) objektiviert werden. Der nächste Schritt ist eine nächtliche Pulsoxymetrie, zu der man den Patienten aber nur schicken sollte, wenn der Leidensdruck gross genug und der Patient zu einer Therapie bereit ist. Die Pulsoxymetrie hat eine Sensitivität und Spezifität von 85 %. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, kann eine Polygraphie durchgeführt werden. Neben der Sauerstoffsättigung werden hier noch andere Parameter bestimmt wie Atemfluss, Körperlage, EKG, EMG und Schnarchgeräusche. Die Sensitivität beträgt 95 %. In seltenen Fällen ist die aufwändige Polysomnographie notwendig, in der noch weitere spezielle Untersuchungen wie ein Elektro-Okulogramm (EOG) oder ein EEG durchgeführt werden.

Therapeutisch stehen zunächst Allgemeinmassnahmen im Vordergrund: Gewichtsreduktion, kein Alkohol vor dem Schlafengehen, etc. Vor der nCPAP (nasal continous positive airway pressure)-Therapie, kann zunächst noch eine Behandlung mit der Kieferprotrusionsschiene versucht werden: Eine Plastikschiene mit Metall wird vom Kieferorthopäden angepasst und in der Nacht auf den Unterkiefer gesetzt, der damit vorverlagert wird. Die Atemwege werden offen gehalten. Hiermit ist eine Verbesserung von etwa 50 % erreichbar. Die Therapie ist deutlich billiger als die – nicht immer akzeptierte - nCPAP-Therapie.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Petra Genetzky)


Mobilfunk - Gefahr für die Gesundheit?

LAUSANNE - Bei der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin fand eine Debatte pro/kontra Mobilfunk statt, die Dr. Matthias Egger, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Bern, moderierte. Die kontroversen Standpunkte wurden von Dr. Bernhard Aufdereggen, Allgemeinarzt, Visp, und Professor Dr. Reinhold Berz vertreten, einem Arbeits- und Umweltmediziner, der auch als Berater der Swisscom Mobile tätig ist.

Ausgangspunkt des Referates von Dr. Aufdereggen war das geforderte Moratorium, das die Einführung der neuen Mobilfunktechnologie (UMTS) in der Schweiz als zum jetzigen Zeitpunkt nicht verantwortbar einstuft. Dr. Aufdereggen, bis vor kurzem Präsident der Schweizer Ärzte und Ärztinnen für Umweltschutz und immer noch im Vorstand der Vereinigung, verwies auf die Unterstützung des Moratoriums durch zahlreiche Organisationen einschliesslich der FMH.

Mit dem Moratorium soll erreicht werden, dass die (mit der UMTS-Lizenzvergabe gekoppelte) Abdeckung von 50 % bis Ende 2004 aufgeschoben wird. Denn man möchte die Resultate des nationalen Forschungsprojekts "Nichtionisierende Strahlen, Umwelt und Gesundheit" abwarten.

Das Vorsorgeprinzip ist in der Schweiz in mustergültiger Weise, und vielleicht weltweit einzigartig, im Umweltschutzgesetz verankert, erläuterte Dr. Aufdereggen: Im Sinne der Vorsorge sind Einwirkungen, die schädlich oder belastend sein könnten, frühzeitig zu begrenzen".

Prof. Berz übte Kritik an den bisher vorgelegten Studien, die seiner Ansicht nach nicht evidenzbasiert und daher in der Aussage fragwürdig sind. Er lastet ihnen auch an, dass sie über das altbewährte Prinzip "Only bad news are good news" funktionieren. Denn bei vielen Studien mussten die Autoren nach kritischer Überprüfung der Aussagen einen Rückzieher machen, der jedoch nicht annähernd den Aufmerksamkeitswert der "Schreckensmeldungen" erreichte. Der viel zitierten TNO-Studie warf Prof. Berz vor, dass ein Signal für die Tests verwendet wurde, das in der Schweiz überhaupt nicht zur Einführung ansteht. "In städtischen Ballungsräumen werden im Endausbau UMTS weniger als 1 % der Bevölkerung einer Belastung von etwa 1 V/m exponiert sein, und das ist für Prof. Berz akzeptabel.

Aus der abschliessenden Abstimmung ging Dr. Aufdereggen als Sieger hervor, da das Publikum eher seiner Argumentation folgte.

© Medical Tribune-Online Schweiz (RW.)


Leberzirrhose und Aszites - aktuelle Management-Strategie

LAUSANNE - Beim Workshop "Leberzirrhose und Aszites: wie weiter bei AZ-Verschlechterung" im Rahmen der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin wurde an einem Fallbeispiel das Vorgehen in der Praxis mit den Teilnehmern eingehend diskutiert. Professor Dr. Mauro Pirovino, Chefarzt, Kantonsspital Olten, und Professor Dr. Jean-Jacques Gonvers, Policlinique médicale universitaire, Lausanne, erläuterten das heute empfohlene Procedere.

Der Aszites als häufigste Komplikation der Leberzirrhose geht nicht nur mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität einher und belastet den Patienten, sondern er zeigt auch eine beachtliche Rezidivierungstendenz. Weiterhin besteht ein erhebliches Risiko für Infektionen und den Patienten droht ein Nierenversagen. Aufgrund des unbefriedigenden Langzeit-Outcome sollten Patienten mit Aszites frühzeitig im Hinblick auf eine Leber-Transplantation evaluiert werden. Die 5-Jahres-Überlebensrate von 30 - 40 % lässt sich durch die Transplantation auf 60 bis 70 % erhöhen.

Der Aszites ist jedoch nicht die einzige Komplikation bei Patienten mit Leberzirrhose: darüber hinaus muss man mit gastrointestinalen Blutungen aufgrund von gastroösophagealen Varizen, mit einer spontanen bakteriellen Peritonitis sowie dem hepatorenalen Syndrom rechnen.

Bei der Behandlung des Aszites spielt die auszuschwemmende Flüssigkeitsmenge eine wesentliche Rolle. Durch Gabe von Diuretika (erste Wahl: Spironolacton allein oder in Kombination mit Furosemid) lässt sich der Aszites in der Regel mobilisieren, wobei man den Flüssigkeitsverlust auf täglich 300 - 500 g begrenzen sollte. Eine Steigerung auf 800 - 1000 g wird empfohlen, wenn zusätzlich periphere Ödeme bestehen. Bei grossen Aszitesvolumina sollte initial punktiert und dann diuretisch weiterbehandelt werden. Ein Albuminersatz ist bei hohem Punktatvolumen indiziert.

Bei 10 - 30 % der Aszitespatienten entwickelt sich eine spontane bakterielle Peritonitis, die mit einer hohen Letalität und Rezidivrate belastet ist: Die Letalität wird mit 10- 30 % angegeben, die Einjahres-Überlebensrate liegt bei 40 - 60 % und bei 60 - 70 % der Patienten kommt es innerhalb eines Jahres zum Rezidiv. Cephalosporine der dritten Generation gelten als Therapie der Wahl; zur Rezidivprophylaxe werden Chinolone wie Norfloxacin empfohlen.

© Medical Tribune-Online Schweiz (RW.)

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