Medical Tribune AG



Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Berichte vom Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe anno 2002

 

 


Interlaken, 30.6.2002

Interlaken  

Geburtshilfe: Erythropoietin bei Anämie

INTERLAKEN – „Jede schwangere Patientin hat ein Recht auf normale Hämoglobinspiegel und ein Recht darauf, umgehend ihre Anämie behandelt zu kommen“ ist der Standpunkt, den Privatdozent Dr. C. Breymann an einem Satellitensymposium beim SGGG vertrat. Dabei kommt für ihn in etlichen Fällen auch die Kombination Erythropoietin plus intravenös injizierbares Eisensuccinat in Frage.

 
Interlaken

Einen Hämoglobinspiegel von 7,5 g/dl kann man mit einer oralen Eisentherapie innerhalb von etwa drei Monaten auf 11 g/dl puschen. In der Schwangerschaft dauert das möglicherweise zu lange. Besser schneidet die intravenöse Eisengabe ab, durch die der Zielwert in 6 Wochen erreicht wird. Die Kombination Erythropoietin plus intravenöses Eisen hat den Hb-Spiegel bereits nach zwei Wochen geliftet. Die Erythropoitinbehandlung Schwangerer dauert im Schnitt 14 Tage (300 U/kg alle 72 h EPO, 200 mg Fe(III)saccharat ebenfalls alle 72 h). Dadurch steigt der Hb-Spiegel um 3,3 g/dl. 

Spricht eine Patientin nicht auf eine übliche Eisenbehandlung an, sollte diese Variante versucht werden. Epo ist nicht plazentagängig und führte in 10 Jahren am Universitätsspital Zürich bei etwa 500 Patientinnen zu keinen Nebenwirkungen. Die Kosten von etwa 1700 SFr sieht Dr. Breymann im Verhältnis zu den dadurch vermiedenen Komplikationen als vertretbar an.

 


 

Aufklärung: Der Frauenarzt als Überbringer schlechter Nachrichten

INTERLAKEN – Was medizinisch-fachliche Ausbildung angeht, sind Schweizer Ärzte top. Bessere Kenntnisse wünschten sich Dr. Stefan Schmid, Rheinfelden, und Frau Dr. Barbara Bass-Freiner, Zürich, jedoch in Bezug auf kommunikative Fähigkeiten der Ärzte. Ein Workshop an der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zum Thema „Überbringen schlechter Nachrichten“ erweckte allerdings den Eindruck, dass sich die Frauenärzte in der Schweiz persönlich durchaus mit diesem Thema effektiv auseinandersetzen.

  Interlaken

Bisher befassten sich wissenschaftliche Studien vor allem in der Onkologie um die Aufklärung oder das Thema „Kommunizieren schlechter Nachrichten“. Aber auch in der Geburtshilfe gibt es etliche Situationen, in denen psychologisches Fingerspitzengefühl gefragt ist, beispielsweise, wenn die Ultraschalluntersuchung den Verdacht auf eine Missbildung erkennen lässt.

Folgende Punkte wurden als für die Patientin besonders wichtig erarbeitet:  Sie sollte sich vor der Untersuchung ausreichend lange damit beschäftigen, was durch Sonografie aufgedeckt werden könnte. Während der Untersuchung erkennt sie an der Körpersprache des Untersuchers in der Regel genau, dass etwas nicht stimmt. Das sollte ihr entsprechend auch verbal erklärt werden. Am besten sollte sie den Befund gezeigt bekommen. Der Arzt muss damit rechnen, dass der grösste Anteil der anschliessenden Aufklärung an der Patientin vorbei rauscht. Ein kurze Zeit später anberaumter zweiter Termin, am besten mit einer Begleitperson, ist unbedingt zu empfehlen. Am besten wäre es, wenn schon zur ersten Untersuchung eine Vertrauensperson mit kommt.

 

Alle Themen vom Kongress der SGGG 2002 in der Übersicht

   

 

 

 

 

 

 

 

 





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH