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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Berichte vom Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe anno 2002

 

 


Interlaken, 28.6.2002

...Vater sein dagegen sehr

INTERLAKEN - Weniger theoretisch akademisch als praktisch und probat hörten sich die Ratschläge von Dr. Ruth Gnirss, Sexualmedizinische Sprechstunde, Frauenklinik, Universitätsspital Zürich an, die sie einem jungen Paar mit Säugling auf den Weg gab. Denn hat sich erst einmal ein Baby eingestellt, ist es häufig aus mit "dinks" (double income, no kids).

Der frischgebackene Vater fühlt sich häufig überlastet als Alleinverdiener, die Wohnung ist nicht immer für drei Personen ausgelegt, der persönliche Spielraum ist empfindlich eingeschränkt. Viele Väter verstehen nicht die Belastung für die junge Mutter, und reagieren gereizt, wenn sie zuhause einen schreienden Säugling, eine genervte Mutter und eine unaufgeräumt Wohnung vorfinden. Häufig fehlt auch ihnen ein ungestörter Schlaf, und sie fühlen sich gekränkt, wenn ihre Frau körperliche Nähe und Sexualität ablehnt. Ein circulus vitiosus droht, wenn dann die Frau ihrerseits verletzt reagiert und über mangelndes Verständnis klagt.

In solch einer Situation bedeutet es für viele Paare eine grosse Hilfe, mit aussenstehenden Beratern oder Ärzten über ihre persönliche Situation und sexuellen Probleme sprechen zu können. Es wäre entlastend zu erfahren, dass auch andere Paare diesen Schwierigkeiten begegnen und wie sie diese überwunden haben. - AS

 
Berge
Interlaken: Vor den Bergen

 

Die Patientin ganzheitlich behandeln

INTERLAKEN - Frauen mit langdauernden Beschwerden, jedoch ohne eindeutige klinische Befunde können nicht in einer Notfallkonsultation, sondern in einer psychosomatischen Sprechstunde betreut werden, so Dr. Egli, Frauenklinik Kantonsspital Winterthur.

Denn nur die psychosomatische Medizin kann biologische, psychologische und soziale Aspekte sowohl bei der Diagnosestellung als auch bei der Behandlung berücksichtigen. Dr. Egli zeigte dies an dem Beispiel einer 24 Jahre alten brasilianischen Patientin mit chronischen Unterbauchschmerzen und chronischem Pruritus genitalis bei unauffälligen klinischen und labormässigen Befunden.

Einer solchen Patientin ist mit einer notfallmässigen Behandlung nicht geholfen, kann sich doch damit keine Ärztinnen-Patientinnen-Beziehung aufbauen. Sinnvoll ist vielmehr eine mehrschichtige Problemanalayse, welche die Patientin in ihrem gesamten System wahrnimmt. - AS

Wichtigster Risikofaktor für Spontanaborte: Alter

INTERLAKEN - In einem Workshop auf der Jahresversammlung der SGGG plädierte Prof. Wolfgang Holzgreve, Universitäts-Frauenklinik Basel, dafür, Frauen nicht nur aktiv über das erhöhte Risiko für Chromosomenstörungen und die nachlassende Fertilität aufzuklären, sondern auch über die stark ansteigende Spontanabortrate.

Weitere ursächliche Faktoren für Spontanaborte, die durchaus auch beeinflussbar sind: Rauchen, Alkohol und Koffein. Endokrinologische, infektiöse oder anatomische Ursachen treten dagegen eher in den Hintergrund. Unbedingt ersetzen solle man den Begriff "habituell" ab drei Fehlgeburten durch den weniger stigmatisierenden Ausdruck "repetitiv" bzw. "wiederholt".

Die Abortwahrscheinlichkeit nach Feststellung einer positiven Herzaktion ohne Altersberücksichtigung sei ca. 5%, dagegen 19 bis 24% nach einer oder mehreren vorherigen Fehlgeburten. Je früher der Abortzeitpunkt, um so häufiger ist eine Chromosomenstörung schuld - in den ersten Wochen in mehr als 50%. Allerdings gehört heute nicht mehr die Karyotypisierung des Abortmaterials, sondern die der Eltern zur sinnvollen Diagnostik bei repetitiven Aborten, damit eine balancierte Translokation ausgeschlossen werden kann. Ausserdem empfiehlt Prof. Holzgreve eine Abklärung der Antiphospholipid-Antikörper, um dann rechtzeitig eine Therapie mit low-dose Heparin und Aspirin beginnen zu können. - Hg

 
Interlaken
Downtown Interlaken

 

Schwangere Diabetikerinnen: Mit Folsäure nicht kleckern

INTERLAKEN – Bei Diabetikerinnen, die schwanger werden, ist das Missbildungsrisiko einschliesslich des Risikos für einen Neuralrohrdefekt besonders hoch. Professor Dr. Roland Zimmermann, Universitätsspital Zürich, empfahl daher an der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, mit der Folsäuregabe über das Zehnfache der üblichen präventiven Dosis hinauszugehen.

Studien hatten belegt, dass die Häufigkeit einer Spina bifida bei Neugeborenen von Diabetikerinnen immer weiter zu senken ist, je höher die Folatgabe ist – bis zu einer Dosis von 5 mg Folsäure täglich. Die am normalen Tagesbedarf orientierten 400 mg, die auch Nichtdiabetikerinnen empfohlen werden, reichen zur deutlichen Risikosenkung noch nicht aus.

Studienergebnisse sind allerdings nicht immer auf andere Länder übertragbar: So liegt die Rate an Neuralrohrdefekten in der Schweiz um ein Viertel niedriger als in England. Professor Zimmermann hält jedoch die Ernährung, die in beiden Ländern vermutlich unterschiedlich ist, nicht für den Haupt- oder einzigen Grund, sondern vermutet auch darüber hinaus bestehende Stoffwechseleigenheiten, die das gute Ansprechen auf Folsäure begründen. Regionale Studien in China zeigten auch bei einer bereits geringen Prävalenz von Neuralrohrdefekten noch eine weitere Senkung der Missbildungsraten um 40% durch Substitution von Folsäure. - UNo

 

Unerwarteter intrauteriner Fruchttod: Endzottenmangel

INTERLAKEN – Das kann auch bei sorgfältig überwachten schwangeren Diabetikerinnen, völlig normaler Fruchtentwicklung, normalem Doppler und normalem Fruchtwasser eintreten: Der intrauterine Fruchttod durch Endzottenmangel. Nichts warnt vor dieser Plazentareifungsstörung, die bei Diabetikerinnen zehnmal häufiger als bei Stoffwechselnormalen auftritt. Es besteht ein sehr hohes Wiederholungsrisiko in Folgeschwangerschaften, das therapeutische Konsequenzen nach sich zieht.

Der Endzottenmangel vermindert die Sauerstoffausbeute des Kindes. Wenn keine Missbildung vorliegt, ist er der häufigste Grund für einen intrauterinen Fruchttod. Da sich die Endzotten erst um die 34. Schwangerschaftswoche entwickeln, sollte eine Schwangere, die bereits einmal ein Kind wegen dieser Komplikation verloren hat, in der 36. Schwangerschaftswoche entbunden werden und eventuell Aspirin ab der ersten Schwangerschaftsuntersuchung erhalten (100 mg/Tag). Allerdings ist noch nicht klar, ob dies einen Effekt hat. Bei Erstauftreten des Endzottenmangels ist keine Möglichkeit zur Prävention gegeben. Zur Diagnose sollte die Plazenta eingeschickt werden. - UNo

 

Familiäres Mammakarzinom: Darf brusterhaltend operiert werden?

INTERLAKEN – Dass die brusterhaltende Operation beim Mammakarzinom im geeigneten Stadium eine ebenso gute Prognose erzielt wie die Ablatio, ist für das Gesamtpatientinnengut inzwischen unumstritten. Wie sich die brusterhaltende Operation bei Frauen mit Brustkrebs-Familienanamnese auswirkt, wurde anhand einer umfassenden Studie an 985 Frauen untersucht. Dr. Georges Vlastos, Universitätsklinik Genf, stellte an der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eindeutige Ergebnisse vor.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren (1974 – 1994) wurden 1324 Patientinnen mit brusterhaltender Operation im Mammakarzinomstadium 0 – II erfasst. 985 Frauen wurden für die Untersuchung ausgewählt, da bei ihnen Angaben zur Familienanamnese vorlagen. Die Rate der lokoregionär gelungenen Kontrolle fasste Dr. Vastos als exzellent zusammen, und die Gesamtüberlebensrate lag bei Frauen nach brusterhaltender Therapie ebenso hoch wie nach Mastektomie. Selbst bei positiver Familienanamnese kann Frauen im frühen Brustkrebsstadium also die brusterhaltende Operation angeboten werden. - UNo

Schweizer Sentinelknoten-Studie: Überraschende Resultate

INTERLAKEN – Dr. Ossi R. Köchli stellte in Vertretung der Arbeitsgruppe Gynäkologische Onkologie der Schweizer Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe an der diesjährigen Tagung die brandneuen Ergebnisse der Swiss Multicenter Sentinel Node Study vor. Ein wichtiges Ergebnis: 10% der untersuchten Mammakarzinom-Patientinnen haben zwar einen negativen Sentinel-Lymphknotenstatus, aber dabei einen positiven Knochenmarksbefall.

 
Drachenfliegen
Drachenfliegen in Interlaken

Patientinnen und Ärzte können sich daher nicht in Sicherheit wiegen, wenn der oder die Sentinel-Lymphknoten in der Schnellschnittuntersuchung als negativ befundet werde. Das Knochenmark kann dennoch befallen sein. Untersucht wurden bisher in dieser Studie, deren Daten Dr. Köchli noch als preliminär bezeichnete, 302 Frauen mit Mammakarzinom. Bei insgesamt 21% war ein positiver Knochenmarksbefund zu erheben, aber nur 47% dieser Frauen hatten auch einen befallenen Wächter-Lymphknoten in der Axilla.

Ab Juli 2002 wird die Studie auch mit Patientinnen weiter geführt, bei denen kein Knochenmarksstatus vorliegt. Gerade wegen der offensichtlich nicht bestehenden Korrelation zwischen Knochenmarkspositivität und Sentinel-Lymphknotenbefall wünscht sich die Arbeitsgruppe jedoch auch weitere Probandinnen mit Knochenmarksuntersuchung. Weitere Info unter www.sentinelnode.ch. - UNo

 

Schwangerschaftsabbrüche in der Schweiz: Eher rückläufig

INTERLAKEN – Über 12 Jahre beobachtete die Arbeitsgruppe um Dr. Danielle Wyss, Universitätsklinik Lausanne, die Häufigkeit von einmaligen und mehrfachen Schwangerschaftsabbrüchen. Zwar nahm die Zahl der Abbrüche insgesamt ab, aber die Zahl an Frauen, die mehrfach Abbrüche vornehmen lassen, stieg an. Unter Ausländerinnen ist ebenfalls ein Anstieg der Abruptio-Rate zu verzeichnen.

Zwischen 1988 und 1999 wurden insgesamt 6704 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, darunter 1440 Zweit- oder Mehrfachabbrüche. Pro Jahr handelte es sich um 500 – 600 Abbrüche. 1988 waren unter 632 Abbrüchen insgesamt 114 wiederholte Abbrüche, 1999 unter 523 Abbrüchen, also einer deutlich rückläufigen Gesamtzahl, sogar 123 wiederholte Abbrüche. - UNo

 

Gynäkologische Psychosomatik: Sozialarbeit einbeziehen!

INTERLAKEN – Nicht alles bekommt der Arzt allein in den Griff. Bei psychosomatischen Problemen lohnt es sich für den Behandlungserfolg vielfach, Sozialarbeiter mit einzubeziehen, belegte eine Untersuchung von Dr. Barbara Bass Freiner von der Maternité Inselhof Triemli in Zürich.

Die gynäkologisch-geburtshilfliche Klinik bietet eine von einer Gynäkologin geführte psychosomatische Sprechstunde. Dieses Angebot wird durch eine Sozialarbeiterin erweitert, die die Organisation des sozialen Umfeldes übernimmt. Wo notwendig wurden gemeinsam Paar-, Familien- und Hilfsgespräche geführt. In vielen Fällen ist es für die Patientin sinnvoll, die soziale Arbeit und die psychosomatische Sprechstunde zu verbinden, sodass Dr. Bass Freiner diese Zusammenarbeit an der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe weiter empfahl. - UNo

 

Junge Frauen häufig HPV-positiv

INTERLAKEN - Das HPV ist, so Dr. Patrick Petignat, Cantonal Hôpital Fribourg, deswegen gefährlich, da es die Entstehung eines Zervixkarzinoms begünstigt. Immerhin treten in der Schweiz jährlich 400 neue Fälle dieses Karzinoms auf, und etwa 170 Todesfälle sind zu registrieren. Allerdings gab es in der Schweiz bisher keine epidemiologischen Daten über das asymptomatische Auftreten einer HPV Infektion.

Dieser Aufgabe unterzog sich jetzt die Studiengruppe um Dr. Petignat. Sie testete 4366 Frauen, die sich zu einer gynäkologischen Routine-Untersuchung einfanden. Bemerkenswert war dabei, dass vor allem Frauen unter 30 Jahren mit etwa 15 % am häufigsten betroffen waren, während es im höheren Alter jenseits des 50. Lebensjahres deutlich seltener zu finden war. Deswegen sollten vor allem Frauen unter 30 Jahren auf HPV getestet werden, solange jedoch die zytologischen Befunde normal seien, sollte von weiteren Massnahmen abgesehen werden. - AS

Es muss nicht immer Koitus sein

INTERLAKEN - Viele angeblich lustlose Frauen lieben körperliche Nähe ohne dass es gleich zum Geschlechtsverkehr kommen muss, so Dr. Ruth Gnirss, Sexualmedizinische Sprechstunde, Frauenklinik, Universitätsspital Zürich.

Diese Frauen haben ein anderes Tempo und wollen in der Sexualität nicht das Gefühl haben, "auf einen bereitsfahrenden Zug" aufspringen zu müssen. Zärtlichkeit und viel Zeit, das ist ihr Wunsch, um sich nach einer Phase sexueller Schwierigkeiten wieder mit dem Partner vertraut zu machen, bevor ihre sexuellen Wünsche wieder lebendig werden.

 
Casino
Das Casino von Interlaken

 

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