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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





10. Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung (2002)

3.2.02

Diabetes mellitus
Das Wichtigste zuerst behandeln

GSTAAD – Die Feststellung, dass ein Diabetiker ohne koronare Herzkrankheit ein ebenso hohes Risiko für einen kardiovaskulären Tod hat wie ein Nichtdiabetiker nach bereits eingetretenem koronaren Ereignis, ist bereits etwas angestaubt. Am 10. Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung legte Prof. Dr. Jacques Philippe, Universitätsklinik Genf, dem Auditorium noch einmal ans Herz, dass die Behandlung der grössten Bedrohung an erster Stelle stehen muss. Und das ist das LDL-Cholesterin.

Selbst bei „normalen“ LDL-Spiegeln ist das böse Cholesterin des Diabetikers aggressiver als beim Nichtdiabetiker, da es beim Zuckerkranken kleiner und dichter ist. Die Rangordnung der Risikofaktoren, die der behandelnde Arzt bei jedem Diabetiker abarbeiten sollte, um das kardiovaskuläre Risiko zu senken, lautet in absteigender (!) Reihenfolge: LDL-Cholesterin senken, diastolischen Blutdruck senken, Rauchen einstellen, HDL-Spiegel anheben (am besten geeignet: Sport), den HbAc1-Spiegel in den Normbereich bekommen.

Für die Senkung der LDL-Spiegel empfehlen sich bereits in der Primärprävention die Statine. Hier konnten Fibrate weniger überzeugen. In der antihypertensiven Behandlung wirken die ACE-Hemmer zusätzlich renoprotektiv.

UNo


Geschlechterkampf
Diabetische Frauen verlieren ihren Vorteil

GSTAAD – Hierfür können die Männer nun wirklich nichts: Frauen verlieren ihren Geschlechtsvorteil im Hinblick auf das kardiovaskuläre Risiko, sobald sie an Diabetes mellitus Typ 2 erkranken. Die Stoffwechselkrankheit bewirkt beim schönen Geschlecht eine deutlich stärkere Risikozunahme als bei Männern.

Professor Dr. Ulrich Keller, Kantonsspital Basel, erklärte am 10. Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung, warum das so ist: Frauen haben im Durchschnitt höhere Triglyceridspiegel, tiefere HDL-Cholesterinwerte, höhere Konzentrationen an kleinem dichtem LDL-Cholesterin und einen höheren Body Mass Index. Sämtliche präventiv wirksamen Massnahmen sind dem Stoffwechselexperten da willkommen. Auf medikamentösem Gebiet bezeichnete er gegenwärtig die Behandlung mit Statinen als wirksamste Prävention der KHK-Morbidität bei Diabetes mellitus Typ2, wobei er auf keinen Fall aber die Lebensstilveränderung in Vergessenheit geraten lassen oder der Bequemlichkeit geopfert haben möchte.

UNo

 

Diabetes mellitus Typ 2
Was ist bei Sport zu beachten?

GSTAAD – Mehr Bewegung, die sich gar als Sport bezeichnen kann, senkt bei Patienten mit gestörter Glukosetoleranz oder Diabetikern das Risiko stärker als Medikamente. Dr. med. Wilhard Kottmann, Rehabilitationszentrum Seewis, gab den Praktikern am 10. Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung einige Hinweise zur Sportberatung an die Hand.

Regelmässige Bewegung, am besten Ausdauersport im aeroben Bereich, bringt zahllose Benefits, ist aber nicht ganz ohne Gefahr einer Nebenwirkung: der Hypoglykämie. Um die verschiedenen Vorteile wie niedrigerer Medikamenten- bzw. Insulinbedarf, bessere HbA1-Werte, vorteilhafteres Lipidprofil, gesenkten Blutdruck, verminderte Insulinresistenz usw. einfahren zu können, empfiehlt sich als Sportart alles, was eine hohe dynamische bei eher niedriger statischer Komponente aufweist, das sind vor allem Skilanglauf, Jogging, Wandern, auch noch Fussball, Radfahren und Schwimmen.

Um die Hypoglykämie zu vermeiden, sollte der Patient in der Lernphase vor und nach dem Sport den Blutzucker kontrollieren. Entsprechend muss er seine Kohlenhydratzufuhr und seine Medikamentendosierungen anpassen, sonst droht in der kommenden Nacht und bis 48 Stunden danach eine Unterzuckerung. Ein Beispiel für den Einstieg: Bei einer Belastung mit einer Herzfrequenz von 60% unter der Maximalfrequenz bis zu 20 min muss der Patient in der Regel nichts unternehmen. Dauert eine analoge Belastung 20 – 60 Minuten, sollte er vorher und nachher je 10 g Kohlenhydrate zusätzlich essen. Bei einer Belastung über 60 Minuten je 20 g KH zusätzlich plus Reduktion der Depot-Insulindosis um 10%. Sport ist jedoch tabu bei einem Blutzucker über 14 mmol/l plus Ketose bzw. über 18 mmol/l ohne Ketose.

UNo

 

Atherogenese
CRP macht das harmloseste LDL wild

GSTAAD – So lange LDL-Cholesterin nicht oxidiert ist, hielt man es bislang für relativ harmlos. Professor Dr. Jürgen Beer, Kantonsspital Baden, erinnerte am 10. Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung jedoch an eine Substanz, die dafür sorgt, dass auch nicht oxidiertes LDL-Cholesterin „scharf“ wird: das C-reaktive Protein.

Dass sich Entzündungen negativ auf den Prozess der Atherosklerose auswirken, ist seit längerem bekannt. So erbrachte eine Studie, dass die Atherosklerose-Inzidenz mit der Anzahl von positiven Titern gegen acht verschiedene Bakterien und Viren ansteigt. Im Experiment akzelerierte Endotoxin eine Atherosklerose.

Dieser Befund gehört nicht ins Spielzimmer der Basiswissenschaft, meinte Prof. Beer, sondern hat klinische Bedeutung. Dass nicht oxidiertes LDL-Cholesterin für die Gefässe relativ harmlos ist, liegt daran, dass die Makrophagen es nicht aufnehmen können. Kommt jedoch CRP ins Spiel, so vermittelt es auch nicht oxidiertes LDL den Makrophagen zum Frass. Das liess sich nachweisen, indem natives LDL mit CRP inkubiert wurde. Nach dieser Art der Zubereitung wurde das LDL von den Makrophagen aufgenommen. Die weitere gefässschädigende Kaskade nimmt damit ihren Lauf.

Statine vermindern die Leukozytenmigration ins Gewebe und haben damit einen antientzündichen Effekt, der bei einer Konstellation mit hohem CRP vielleicht besonders vorteilhaft ist.

UNo

 

Kardiovaskulärer Risikofaktor: Rotweinmangel

GSTAAD – Besonders im Merlot finden sich protektive Salicylate und andere atheroprotektive, antioxidativ wirkende Polyphenole.  
Wie Professor Roger Darioli, Lausanne ausführte, ist ein moderater Weinkonsum Bestandteil der mediterranen Diät und trägt zur Senkung des kardio-vaskulären Risikos bei. Die besonders im Rotwein enthaltenen Polyphenole verfügen über stärkere anti-oxidative Eigenschaften als Vitamin E.

Professor Hunziker vom Kantonsspital Basel ging sogar noch einen Schritt weiter und reihte Abstinenz in die lange Liste der wohlbekannten Risikofaktoren neben Bluthochdruck, Alter, Diabetes und Hyperlipidämie ein.

Dr. med. Anka Stegmeier-Petroianu

 

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