Diabetes
mellitus
Das Wichtigste zuerst behandeln
GSTAAD
– Die Feststellung, dass ein Diabetiker ohne koronare Herzkrankheit
ein ebenso hohes Risiko für einen kardiovaskulären Tod hat wie ein
Nichtdiabetiker nach bereits eingetretenem koronaren Ereignis, ist
bereits etwas angestaubt. Am 10. Gstaader Treffen der Schweizerischen
Herzstiftung legte Prof. Dr. Jacques Philippe, Universitätsklinik
Genf, dem Auditorium noch einmal ans Herz, dass die Behandlung der
grössten Bedrohung an erster Stelle stehen muss. Und das ist das
LDL-Cholesterin.
Selbst
bei „normalen“ LDL-Spiegeln ist das böse Cholesterin des Diabetikers
aggressiver als beim Nichtdiabetiker, da es beim Zuckerkranken kleiner
und dichter ist. Die Rangordnung der Risikofaktoren, die der behandelnde
Arzt bei jedem Diabetiker abarbeiten sollte, um das kardiovaskuläre
Risiko zu senken, lautet in absteigender (!) Reihenfolge: LDL-Cholesterin
senken, diastolischen Blutdruck senken, Rauchen einstellen, HDL-Spiegel
anheben (am besten geeignet: Sport), den HbAc1-Spiegel in den Normbereich
bekommen.
Für
die Senkung der LDL-Spiegel empfehlen sich bereits in der Primärprävention
die Statine. Hier konnten Fibrate weniger überzeugen. In der antihypertensiven
Behandlung wirken die ACE-Hemmer zusätzlich renoprotektiv.
UNo
Geschlechterkampf
Diabetische Frauen verlieren ihren Vorteil
GSTAAD
– Hierfür können die Männer nun wirklich nichts: Frauen verlieren
ihren Geschlechtsvorteil im Hinblick auf das kardiovaskuläre Risiko,
sobald sie an Diabetes mellitus Typ 2 erkranken. Die Stoffwechselkrankheit
bewirkt beim schönen Geschlecht eine deutlich stärkere Risikozunahme
als bei Männern.
Professor
Dr. Ulrich Keller, Kantonsspital Basel, erklärte am 10. Gstaader
Treffen der Schweizerischen Herzstiftung, warum das so ist:
Frauen haben im Durchschnitt höhere Triglyceridspiegel, tiefere
HDL-Cholesterinwerte, höhere Konzentrationen an kleinem dichtem
LDL-Cholesterin und einen höheren Body Mass Index. Sämtliche präventiv
wirksamen Massnahmen sind dem Stoffwechselexperten da willkommen.
Auf medikamentösem Gebiet bezeichnete er gegenwärtig die Behandlung
mit Statinen als wirksamste Prävention der KHK-Morbidität bei Diabetes
mellitus Typ2, wobei er auf keinen Fall aber die Lebensstilveränderung
in Vergessenheit geraten lassen oder der Bequemlichkeit geopfert
haben möchte.
UNo
Diabetes
mellitus Typ 2
Was ist bei Sport zu beachten?
GSTAAD
– Mehr Bewegung, die sich gar als Sport bezeichnen kann, senkt bei
Patienten mit gestörter Glukosetoleranz oder Diabetikern das Risiko
stärker als Medikamente. Dr. med. Wilhard Kottmann, Rehabilitationszentrum Seewis, gab den
Praktikern am 10. Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung
einige Hinweise zur Sportberatung an die Hand.
Regelmässige
Bewegung, am besten Ausdauersport im aeroben Bereich, bringt zahllose
Benefits, ist aber nicht ganz ohne Gefahr einer Nebenwirkung: der
Hypoglykämie. Um die verschiedenen Vorteile wie niedrigerer Medikamenten-
bzw. Insulinbedarf, bessere HbA1-Werte, vorteilhafteres Lipidprofil,
gesenkten Blutdruck, verminderte Insulinresistenz usw. einfahren
zu können, empfiehlt sich als Sportart alles, was eine hohe dynamische
bei eher niedriger statischer Komponente aufweist, das sind vor
allem Skilanglauf, Jogging, Wandern, auch noch Fussball, Radfahren
und Schwimmen.
Um
die Hypoglykämie zu vermeiden, sollte der Patient in der Lernphase
vor und nach dem Sport den Blutzucker kontrollieren. Entsprechend
muss er seine Kohlenhydratzufuhr und seine Medikamentendosierungen
anpassen, sonst droht in der kommenden Nacht und bis 48 Stunden
danach eine Unterzuckerung. Ein Beispiel für den Einstieg: Bei einer
Belastung mit einer Herzfrequenz von 60% unter der Maximalfrequenz
bis zu 20 min muss der Patient in der Regel nichts unternehmen.
Dauert eine analoge Belastung 20 – 60 Minuten, sollte er vorher
und nachher je 10 g Kohlenhydrate zusätzlich essen. Bei einer Belastung
über 60 Minuten je 20 g KH zusätzlich plus Reduktion der Depot-Insulindosis
um 10%. Sport ist jedoch tabu bei einem Blutzucker über 14 mmol/l
plus Ketose bzw. über 18 mmol/l ohne Ketose.
UNo
Atherogenese
CRP macht das harmloseste LDL wild
GSTAAD
– So lange LDL-Cholesterin nicht oxidiert ist, hielt man es bislang
für relativ harmlos. Professor
Dr. Jürgen Beer, Kantonsspital Baden, erinnerte am 10.
Gstaader Treffen der Schweizerischen Herzstiftung jedoch an
eine Substanz, die dafür sorgt, dass auch nicht oxidiertes LDL-Cholesterin
„scharf“ wird: das C-reaktive Protein.
Dass
sich Entzündungen negativ auf den Prozess der Atherosklerose auswirken,
ist seit längerem bekannt. So erbrachte eine Studie, dass die Atherosklerose-Inzidenz
mit der Anzahl von positiven Titern gegen acht verschiedene Bakterien
und Viren ansteigt. Im Experiment akzelerierte Endotoxin eine Atherosklerose.
Dieser
Befund gehört nicht ins Spielzimmer der Basiswissenschaft, meinte
Prof. Beer, sondern hat klinische Bedeutung. Dass nicht oxidiertes
LDL-Cholesterin für die Gefässe relativ harmlos ist, liegt daran,
dass die Makrophagen es nicht aufnehmen können. Kommt jedoch CRP
ins Spiel, so vermittelt es auch nicht oxidiertes LDL den Makrophagen
zum Frass. Das liess sich nachweisen, indem natives LDL mit CRP
inkubiert wurde. Nach dieser Art der Zubereitung wurde das LDL von
den Makrophagen aufgenommen. Die weitere gefässschädigende Kaskade
nimmt damit ihren Lauf.
Statine
vermindern die Leukozytenmigration ins Gewebe und haben damit einen
antientzündichen Effekt, der bei einer Konstellation mit hohem CRP
vielleicht besonders vorteilhaft ist.
UNo
Kardiovaskulärer
Risikofaktor: Rotweinmangel
GSTAAD
– Besonders im Merlot finden sich protektive Salicylate und andere
atheroprotektive, antioxidativ wirkende Polyphenole.
Wie Professor Roger Darioli, Lausanne ausführte, ist
ein moderater Weinkonsum Bestandteil der mediterranen Diät und trägt
zur Senkung des kardio-vaskulären Risikos bei. Die besonders im
Rotwein enthaltenen Polyphenole verfügen über stärkere anti-oxidative
Eigenschaften als Vitamin E.
Professor Hunziker vom Kantonsspital Basel ging sogar
noch einen Schritt weiter und reihte Abstinenz in die lange Liste
der wohlbekannten Risikofaktoren neben Bluthochdruck, Alter, Diabetes
und Hyperlipidämie ein.
Dr.
med. Anka Stegmeier-Petroianu
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