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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





 
 

Wir berichten vom

Jahreskongress 2004 der

European Society of Hypertension

mit der freundlichen Unterstützung von
Novartis Schweiz

 

Mardi, 15/6/2004

zum Inhaltsverzeichnis Kongressberichte ESH 2004

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VALUE-Studie am ESH-Kongress vorgestellt
Sartan und Kalziumhemmer im Direktverglich

PARIS – Mit der VALUE-Studie* ist zum erstenmal ein moderner Angiotensin-II-Antagonist mit dem häufig verordneten Kalzuiumkanalblocker Amlodipin verglichen worden. Eigentlich wollten die Studienmacher demonstrieren, dass Valsartan die kardiale Morbidität und Mortalität bei Hochrisikopatienten besser senkt als Amlodipin. Dieses ehrgeizeige Ziel ist nicht in allen Kategorien gelungen. Prof. S. Julius, University of Michigan Health System, Ann Arbour, präsentierte an den Late Clinical Trials am 14. Jahreskongress der ESH zum erstenmal die mit grosser Spannung erwarteten Ergebnisse.

In die grösste Hypertoniestudie aller Zeiten waren 15'245 Hochdruckpatienten an 934 Zentren in 31 Ländern aufgenommen worden. Als primärer Endpunkt wurden fatale und schwere nicht-fatale Ereignisse definiert. Der zweite Endpunkt war u.a. als Schlaganfall bestimmt. In die Studie wurden Hypertoniker aufgenommen, die über 50 Jahre alt sein und einen oder mehrere definierte Risikofaktoren aufweisen mussten. Ausschlusskriterein waren unter anderem eine renale Stenose, Schwangerschaft, aktuere Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz.

Die Ergebnisse
In beiden Studienarmen wurde der Blutdruck gut gesenkt, in der Amlodipin-Gruppe sogar etwas stärker, vor allem in den ersten Monaten. Dennoch gab es beim ersten kardialen Endpunkt keinen signifikanten Unterschied. Die Gesamtmortalität war in beiden Gruppen gleich, die Inzidenz nicht-fataler Herzinfarkte war im Kalziumantagonisten-Arm signifikant geringer, auch die Inzidenz für Schlaganfälle, allerdings nicht signifikant. Valsartan konnte einen positiven Trend für weniger Herzinsuffizenz-Fälle buchen, ohne allerdings die Signifikanzqualität zu erreichen. Tabelle

Dafür punktete Valsartan signifikant mit 23 % weniger neuaufgetretenen Diabeteserkrankungen als in der Kalziumblocker-Gruppe. VALUE ist die erste Studie, die diesen bedeutenden Zusammenhang beweisen konnte. "Jetzt müssen die Langzeitanwendungen und die Mechanismen in weiteren Untersuchungen geklärt werden," forderte Prof. Julius. "Amlodipin ist bekannt als ein Medikament das sich neutral in Bezug auf den Glukosemetabolismus verhält, in soweit sind diese Erkenntnisse bedeutend in einer Zeit, in der die Prävalenz in der ganzen Welt grösser wird," ergänzte der Experte.

Die Unterschiede beim Schlaganfall führt er auf die niedrigeren Blutdruckwerte zurück. "Man weiss heute, dass selbst Unterschiede von 1 oder 2 mmHg wesentlich sind," erklärte der Experte. Beide Behandlungen wurden gut toleriert, aber signifikant mehr Patienten in der Amlodipingruppe brachen wegen Nebenwirkungen die Therapie ab.

Vorteile von Valsartan in der Prävention der Herzinsuffizienz machten sich im späteren Stuidenverlauf bemerkbar, als die Blutdruckunterschiede nicht mehr so wesentlich waren. Das deutet darauf hin, dass es neben dem dem blutdrucksenkenden Effekt noch andere mögliche positive Wirkmechanismen des Sartans gibt.

"Die VALUE-Studie ist ein wichtiges Lehrstück über Design, Studiendurchführung und Analyse für andere Hypertoniestudien. VALUE zeigt auch wie wichtig es ist, zeitspezifische Studienintervalle zu analysieren," sagte Prof. Justus. VALUE macht auch deutlich, wie wichtig es ist, beides zu tun, nämlich aggressiv den Blutdruck senken und gleichzeitig kardioprotektiv und stoffwechselschützend zu handeln.

Ergebnisse (zurück)

Parameter
% Valsartan
n
% bbAmlodipin
n
p
 
primärer Endpunkt 10,6 810 10,4 789 0,49 ns
Tod durch Herzanfall 0,86 66 0,84 64 0,81 ns
Gesamtmortalität 11,0 841 10,8 818 0,45 ns
Diabetes-Neuerkrankungen 13,1 690 16,4 845 <0,001 s
Hosp. wg. Herzinsuffizienz 4,6 354 5,3 400 0,12 ns
Schlaganfall 4,2 322 3,7 281 0,08 ns
Herzanfälle 4,8 369 4,1 313 0,02 ?
Therapieabbrüche 13,4   14,5   0,045 s

 

 

*VALUE = Valsartan Antihypertensive Long Term Use Evaluation Results

Risiko: Diabetes, Status nach Schlaganfall, koronare Herzkrankheit (KHK) (zurück)

 

 

Medical Tribune-Online, Winfried Powollik


 

Klimatische Einflüsse untersucht
Kalte Tage und heisse Nächte treiben Blutdruck hoch

PARIS – Ob sich die klimatischen Schwankungen über die Veränderungen des Blutdrucks auswirken können, untersuchte eine italienische Studie in Mailand und Florenz. Die Resultate wurden von Dr. P.A. Modesti am Kongress der European Society of Hypertension vorgestellt. Beteiligt waren Autoren vom Center of Bioclimatology der Universität Florenz und der Kardiologischen Abteilung des San Luca Hospitals in Mailand.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Patienten häufiger im Winter einen Hirnschlag erleiden. Doch gibt es widersprüchliche Untersuchungen über die Bedeutung des Klimas. Möglicherweise sind die Veränderungen des Blutdrucks der entscheidende Faktor für die klimatischen Einflüsse.

Retrospektiv wurden Protokolle von von 24-Stunden-Blutdruckmessungen zwischen 1998 und 2003 ausgewertet, die an sehr heissen oder sehr kalten Tagen durchgeführt wurden. Die Auswertungen der 24-Stunden-Blutdruckmessungen zeigte bei kaltem Wetter einen durchschnittlich um 4 mmHg höheren Blutdruck tagsüber. War es heiss, stieg der Blutdruck allerdings nachts um 2 mmHg an. Die Unterschiede war bei über 65-jährigen ausgeprägter als bei Jüngeren. Dies könnte die Entstehung von Endorganschäden verstärken und die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen erhöhen, vermuten die Autoren. Der morgendliche Blutdruckanstieg kann die Gefahr eines Schlaganfalls am Morgen noch erhöhen.

Da tagsüber im Winter höhere Blutdruckwerte beobachtet werden, wird oft auch die antihypertensive Therapie verstärkt. Ob die geringere medikamentöse Therapie in den Sommermonaten oder der gestörte Schlaf in heissen Nächten für die nächtlichen Blutdruckerhöhungen verantwortlich sind, kann mit dieser Studie nicht beantwortet werden.

Medical Tribune-Online, Dr. med. Barbara Elke


Präeklampsie erkennen
Blutdruckquotient Tag/Nacht bestimmen

PARIS – Nicht nur die Blutdruckerhöhung sollte bei einer drohenden Präeklampsie beachtet werden, charakteristisch ist auch das Muster der Blutdruckkurve über 24 Stunden. Dr. D.E. Ayala und weitere Autoren der Universität Santiago verglichen den Verlauf des Blutdrucks bei normotensiven und hypertensiven Schwangeren. Ihr Poster wurde anlässlich des 14. Kongresses der European Society of Hypertension präsentiert.

Bei 245 normotensiven und 189 Frauen mit Gestationshypertonie oder Präeklampsie, konnten Blutdruckprofile über 48 Stunden ausgewertet werden. Der Blutdruck wurde tagsüber alle 20 Minuten, nachts alle halbe Stunde gemessen. Diese Untersuchung konnte in der Regel vor der 14. Schwangerschaftswoche begonnen werden und wurde bis zur Geburt alle 4 Wochen wiederholt.

Im ersten Trimester der Schwangerschaft zeigten Frauen, die später eine Präeklampsie entwickelten, zunächst einen höheren Quotienten zwischen Tages- und Nachtblutdruck. Das Verhältnis blieb bei normotensiven Frauen und bei Frauen mit einer Gestationshypertonie ohne Proteinurie gleich. Im dritten Trimester allerdings sank dann der Quotient zwischen Tages- und Nachtblutdruck bei Frauen, die eine Präeklampsie entwickelten, während der Quotient bei Frauen mit Gestationshypertonie am höchsten war.

Fehlt die nächtliche Absenkung des Blutdrucks, ist das Risiko von Endorganschaden und kardiovaskulären Ereignissen erhöht. Die Präeklampsie ist also durch ein sehr unterschiedliches Blutdruckverhalten während der Schwangerschaft gekennzeichnet. Die Autoren hoffen, dass diese Beobachtung zusammen mit weiteren Faktoren eine frühere Identifikation der Frauen erlaubt, die eine Präeklampsie entwickeln.

MT-Online, Dr.med Barbara Elke


 

Sexuelle Nebenwirkungen unter Antihypertensiva
Betablocker sind selten schuld

PARIS – "Es sind halt die Betablocker", diese Meinung ist noch weit verbreitet, wenn Patienten über sexuelle Störungen unter antihypertensiver Therapie klagen. Doch neuere Untersuchungen zeigen ein ganz anderes Bild, wenn die Frage prospektiv und doppelblind untersucht wird. Die Resultate präsentierte Prof. Xavier Girerd, Hôpital Pitié-Salpetrière in Paris anlässlich des Kongresses der European Society of Hypertension.

Oft muss man die Patienten nach Nebenwirkungen fragen, von alleine äussern sie ihr Problem oft nicht. Man muss zwischen verschiedenen Formen von sexuellen Störungen unterscheiden. Bei den Erektionsstörungen sind es nicht immer die Antihypertensiva, die Hypertonie selber ist ein Risikofaktor dafür. Eine intakte endotheliale Funktion braucht es für eine Erektion, diese ist ja auch bei einer Hypertonie meist beeinträchtigt. Schon vor einer antihypertensiven Therapie klagen 15 % der Männer und 5 % der Frauen wegen sexueller Störungen.

Bisher standen vor allem die Betablocker in Verdacht, Erektionsstörungen hervorzurufen. Doch wenn man dies prospektiv untersucht, sind Erektionsstörungen unter Betablocker eher selten, sehr häufig dagegen unter Diuretika.

Bei Frauen hat man ebenfalls sexuelle Störungen unter Antihypertensiva untersucht. Hier zeigte sich, dass Betablocker die sexuelle Lust und sexuelle Phantasien verringern. Ganz anders die Angiotensin-II-Rezeptorenblocker, diese scheinen Lust und Phantasie zu beflügeln, eine möglicherweise erwünschte "Neben"-Wirkung.

Klagt ein Patient über Erektionsstörungen, sollte man auf ein anderes Antihypertensiva wechseln, rät Prof. Girerd. Wenn dies keinen Erfolg bringt, helfen die PDE 5-Hemmer oft sehr gut. Die Nebenwirkungen unter Sildenafil waren selten und meist mild, nur ein Patient von 291 litt unter einem schweren Flush, das gleiche gilt für Tadalafil und Verdenafil. Bei Hypertonikern wirken die PDE-5-Hemmer wie ein leichtes zusätzliches Antihypertensivum. Die einzige Kontraindikation dieser Substanzen ist die gleichzeitige Therapie mit Nitraten. In einer kürzlich publizierten Studie lehnten allerdings 42 % der betroffenen Hypertoniker mit Erektionsstörungen die Therapie mit PDE-5-Hemmern ab, 28 % hatten eine Kontraindikation, 30 % bekamen die Therapie.

MT-Online, Dr.med Barbara Elke


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