|
|
|
|
Berichte
vom diesjährigen Treffen der
European Society of Cardiology (2004)
|
|
|
|
|
|
31.8.2004
Nifedipin GITS bei stabiler Angina pectoris / Die ACTION-Studie
Sicherheit bestätigt, Angiographien eingespart
MÜNCHEN - Kalziumantagonisten sind in der Therapie der stabilen Angina pectoris etabliert. Doch niemals ist der prognostische Effekt in dieser Patientengruppe plazebo-kontrolliert in einer grossen Studie untersucht worden. Erstmals liefert jetzt die ACTION-Studie mit der retardierten Zubereitung Nifedipin GITS derartige Daten. Diese bestätigen, so Studienleiter Professor Dr. Philip Poole-Wilson, dass es im Praxisalltag Sinn macht, "das Potential dieser Medikamente voll auszuschöpfen, bevor man zu invasiveren Massnahmen greift."
|
|
|
| Die insgesamt 7665 Teilnehmer von ACTION waren nach derzeitigen Standards eigentlich optimal behandelt, berichtete Prof. Poole-Wilson bei der Studienpräsentation am Jahreskongress der European Society of Cardiology: Zwei Drittel der Patienten hatten einen Lipidsenker, 86 % bekamen ASS, 80 % einen Betablocker, 99 % wurden antianginös medikamentös behandelt. |
|

Das Münchener Kongresszentrum |
Auf diese Basistherapie erhielten sie dann randomisiert eine zusätzliche anti-anginöse Therapie mit Nifedipin GITS (auf 60 mg pro Tag auftitriert) oder Plazebo.
Nach im Mittel 4,9 Jahren und insgesamt 37 867 Patientenjahren erfolgte die Auswertung: Im primären Endpunkt, einer Kombination aus Tod, Herzinfarkt, refraktärer Angina, neu auftretender Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder periphere Revaskularisierung, kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen. Die Ereignisraten lagen bei 4,6 pro 100 Patientenjahre unter Nifedipin und 4,75 pro 100 Patientenjahre unter Plazebo.
Die Wahrscheinlichkeit für Tod, irgendein kardiovaskuläres Ereignis oder einen kardiovaskulären Eingriff lag bei 9,32 pro 100 Patientenjahre unter dem Kalziumantagonisten und bei 10,5 unter Plazebo. Dieser - in diesem Fall signifikante Unterschied) war laut Prof. Poole-Wilson vor allem einer verringerten Rate an Koronarangiographien und Interventionen unter Nifedipin zu verdanken.
Welche Konsequenzen hat die Studie für die Praxis? Das optimale Management bei KHK "wird in Zukunft noch für viele Diskussionen sorgen", sagte der Londoner Kardiologe voraus. Immer mehr Angiographien und Koronarinterventionen, oft unter Verwendung teurer Stents treiben bei einer insgesamt alternden Bevölkerung und einer Zunahme der Erkrankungszahlen die Kosten in kaum mehr bezahlbare Höhen.
Das Ergebnis von ACTION - vor allem die Reduktion von Koronarangiographien durch die zusätzliche Nifedipin-Therapie um relativ 18 % (von 1068 auf 895) - bestätige, dass es von Vorteil sei, zunächst den Nutzen der medikamentösen anti-anginösen Therapie voll auszuschöpfen, bevor man zu aufwändigeren und kosteninstensiveren Massnahmen greife.
Und noch ein wichtiges Ergebnis hat nach Ansicht der Experten diese Studie erbracht: Die Diskussion um die Sicherheit der Kalziumantagonisten, die in den letzten Jahren aufgekommen ist, dürfte damit endgültig beendetsein. Es konnten keine negativen Effekte des Klaziumantagonisten auf kardiovaskuläre oder auch nicht kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität festgestellt worden. Ganz im Gegenteil zeigte sich sogar eine überraschende um 29 % signifikant niedrigere Rate an neu diagnostizierter Herzinsuffizienz. Der Blutdruck war in der Nifedipingruppe um 6/3 mmHg gesenkt worden, die Herzfrequenz hatte leicht von 64 auf 66 Schlägen pro Minute zugenommen. So konstatierte Prof. Poole-Wilson als weiteres Fazit der Studie: "Nifedipin GITS ist auch in der langfristigen Anwendung bei KHK-Patienten mit Angina pectoris sicher!"
ACTION = A Coronary disease Trial Investigating Outcome with Nifedipine GITS
Online-Publikation auf www.thelancet.com 31. August 2004
© Medical Tribune-Online Schweiz, bös
Weltweite Studie weist einfachen Weg zur Prävention
Neun Faktoren erklären 90 % des Infarktrisikos
MÜNCHEN - Gute Nachrichten für die Herzinfarktprävention: Mit nur neun, noch dazu sehr einfachen, oft nur durch Befragung zu erhebenden Risikofaktoren lässt sich 90 % des Infarktrisikos erfassen. Dies bedeutet auch: Mit relativ simplen Massnahmen liesse sich die grosse Mehrzahl der Infarkte verhindern.
Dies ist das Ergebnis der weltweiten INTERHEART-Studie, für die in 52 Ländern bei nahezu 30 000 Personen, je etwa 15 000 nach erstem Myokardinfarkt sowie ebenso vielen Kontrollen, verschiedene Daten gesammelt worden waren. Die zum Teil sehr überraschenden Ergebnisse präsentierte Professor Dr. Salim Yusuf, Mc Master University, Hamilton/Kanada, am Jahreskongress der European Society of Cardiology.
Als aussagekräftigste Risikoprädiktoren für das Herzinfarktrisiko entpuppten sich nach Angaben des kanadischen Wissenschaftlers die ApolipoproteinB/A1-Ratio und das Rauchen: 20 Zigaretten pro Tag lassen z.B. das Risiko um etwa den Faktor vier steigen. Beide Faktoren zusammen erklären bereits zwei Drittel des myokardialen Gesamtrisikos.
Um den drittwichtigsten Faktor zu erfassen, braucht es lediglich ein Zentimetermass: Es handelt sich um die Waist-to-Hip-Ratio. Ein im Vergleich zur Hüfte grosser Bauchumfang ist - relativ unabhängig vom Körpergewicht und damit vom Body-Mass-Index - in jeder Gewichtsklasse ein wichtiger Marker des Infarktrisikos, ergab die Studie.
Weitere wichtige Risikofaktoren sind wie erwartet hoher Blutdruck und Diabetes mellitus, Bewegungsmangel, psychosozialer Stress und ein geringer täglicher Konsum von frischem Obst und Gemüse. Alkohol - allerdings nur in moderaten Mengen genossen - wirkte sich protektiv aus.
Alle diese Risikofaktoren unterschieden sich weltweit kaum, konstatierte Prof. Yusuf. In der Studie waren unterschiedliche ethnische Gruppen aus Kanada und Europa, Lateinamerika, China, Südostasien sowie Araber und Afrikaner beteiligt. Der Einfluss dieser Risikofaktoren war bei den jüngeren Infarktpatienten besonders ausgeprägt - und er galt für Männer und Frauen.
Im Gegensatz zur bislang geltenden Lehrmeinung, nach der man davon ausging, dass die klassischen Risikofaktoren nur etwa 50 % der Gesamt-Herzinfarktrisikos erklären, ergab sich jetzt in INTERHEART, dass allein die neun genannten Risikofaktoren für mehr als 90% des Risikos verantwortlich zeichnen.
"Das bedeutet: Die Botschaft, wie man kardiovaskuläre Erkrankungen verhindert, ist sehr simpel und die Gleiche weltweit", sagte Prof. Yusuf. "Denn alle diese Risikofaktoren lassen sich in der Regel durch einfache Lebensstilmodifikationen beeinflussen!" Bis zu 80 % aller Herzinfarkte wären so vermeidbar, meint der kanadische Wissenschaftler.
© Medical Tribune-Online Schweiz, bös
Alle Berichte in der Übersicht
|