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Berichte vom diesjährigen Treffen der
European Society of Cardiology (2004)

   

30.8.2004

Blutdruck messen - Die Maschine kanns besser

MÜNCHEN - Aus dem Blutdruck lässt sich die Zukuft lesen. Es kommt aber sehr darauf an, wie er gemessen wird. Dass die 24-Stunden-Blutdruckmessung der Praxismesseung in bezüglich Vorhersagewert überlegen ist, hat nun eine dänische Studie gezeigt.

 
Am Viktualienmarkt in München

Von 1700 zufällig aus Einweisungsgebiet des dänischen Glostrup Universitätsspitals ausgewählten Patienten ohne Herzinfarkt- oder Schlaganfallvorgeschichte wurden 24-Stunden-Blutdruckdaten, in der Praxis erfasste Blutdrücke, sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren zusammengetragen. Neuneinhalb Jahre später waren 174 Patienten verstorben.

Nach Abgleichen der Daten um diverse Einflüsse wie Geschlecht, Alter, Raucherstatus, Blutzucker, Lipide, BMI, Waist-Hip-Ratio,Triglyzeride, Ruheherzfrequenz, Bewegung, Alkohol oder sonstige Medikatonen, entpuppten sich die 24-Stunden-Blutdruckmessung sowie der diastolische Blutdruck als unabhängiger All-cause-Mortalitätsprädiktor: Das relative Mortalitätsrisiko pro 10 mmHg Blutdruckzuwachs betrug über 24 Stunden ambulant gemessen 1,13 systolisch und 1,26 diastolisch. Die Praxismessung enthüllte demgegenüber ein relatives Risiko von 1,0 bzw 1,02.

Damit scheint nun für die Studienleiterin Dr. Tine Willum Hansen, Bispebjerg University Hospital, Kopenhagen, eines klar zu sein: Mit der 24-Stunden-Blutdruckmesung lassen sich kardiovaskuläre Risiokopatienten akkurater erfassen als mit der Blutdruckmessung in der Praxis.

© Medical Tribune-Online Schweiz, vh


Schlechte Statin-Compliance - Hat das Folgen?

MÜNCHEN - Wenn die Langzeit- sowie die Kurzzeitbehandlung mit Statinen erwiesenermassen positive Effekte für Herz und Hirn bringen, bleibt dann das eigenmächtige Absetzen ungestraft? Diesem Umkehrschluss mit Fragezeichen gingen italienische Kardiologen mit der Untersuchung von ACS-Patienten nach. Die Quittung scheint auf den Fuss zu folgen.

Dass die Langzeitbehandlung mit Statinen die Inzidenz von Herzinfarkt und Schlaganfall senkt, wurde in grösseren Studien immer wieder belegt. Auch die sofortige Gabe nach akutem Koronarsyndrom (ACS) hat in prospektiven Studien schon seinen Nutzen bewiesen. Was passiert aber, wenn ACS-Patienten das Statin absetzen? Passiert überhaupt etwas?

Dr. Furio Colivicchi und Kollegen vom San Filippo Neri Krankenhaus in Rom beobachteten dazu 874 ACS-Patienten, die innerhalb eines Jahres mit einem Statin im Gepäck aus dem Spital entlassen wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 69 Jahren, etwas mehr als ein Drittel der Patienten waren Frauen.

Nach einem halben Jahr waren 6,9 % ihrer Herzkrankheit erlegen, 8,5 % erlitten einen nichttödlichen Herzinfarkt und 3,2 % ereilte ein Hirnschlag. Wen traf nun das Schicksal härter?

Drei Monate nach ihrer Entlassung hatte knapp ein Viertel der Patienten mit Statinen nichts mehr am Hut. Zum Teil war die Absetz-Aktion selbst beschlossen oder auch vom Hausarzt (19 %) initiiert. Wie sich zeigen sollte, blieb dies nicht folgenlos: Die kombinierte kardiovaskuläre Ereignisrate, bestehend aus Tod, Herzinfarkt und Apoplex, war bei den "statintreuen" mit 16,8 % signifikant tiefer als bei den Patienten, die kein Statin mehr nahmen. Sie ereilte das kardiovaskuläre Schicksal zu 24,8 %.

Ein vorzeitiges Absetzen der Statintherapie nach non-ST-erhöhtem ACS birgt demnach ein höheres Risiko für gröbere kardiovaskuläre Ereignisse, so die Folgerung der italienischen Kollegen.

© Medical Tribune-Online Schweiz, vh


Gefährliche Angst - Bringt eine Mammographie den Schrittmacher zum Stottern?

MÜNCHEN - Polnischen Radiologen, sowie deren kardiologischen und hausärztlichen Kollegen ist aufgefallen, dass Frauen mit Schrittmachern Mammographien meiden. Zurecht oder zu Unrecht? Und warum?


Der Grund war schnell ermittelt: Die Frauen haben Angst, dass die Röntgenstrahlen dem Schrittmacher etwas anhaben können, berichtet Dr. Czehajska-Chebab, Skubiszewski Medical University of Lublin, Polen. Ist die Angst berechtigt?

Um dem nachzugehen, liessen die polnischen Kardiologen bei 42 Schrittmacherträgerinnen eine Mammographie durchführen, um anschliessend per EKG zu kontrollieren, ob sich gegenüber dem eingangs gemachten EKG etwas verändert hat. Die Ängste konnten ausgeräumt werden - die Geräte liefen nach dem Bruströntgen genauso gut wie vorher.

Noch etwas konnte berichtigt werden: Die Bedenken, dass ein solches Gerät die Sicht auf das kanzerogene Geschehen beeinträchtigt, sind grösstenteils unberechtigt. Nur bei 14 % der untersuchten Patientinnen sei es durch den Schrittmacher schwierig gewesen, alles zu erkennen. In solchen Fällen kann ein zusätzliches Brustultraschall das Verdeckte sichtbar machen, erklärt Dr. Czehajska.

Damit Schrittmacherpatientinnen die Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen durchführen lassen, müssen sie vom Kardiologen auf die Unbedenklichkeit des Bruströntgens hingewiesen werden, betont die polnische Kollegin. Die teilnehmenden Frauen jedenfalls fühlten sich nach der kardiologischen Nachuntersuchung viel sicherer und gaben an, dass sie in Zukunft regelmässig zur Brustuntersuchung gehen wollen.

© Medical Tribune-Online Schweiz, vh

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