Medical Tribune AG



Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





 

Berichte vom diesjährigen Treffen der
European Society of Cardiology (2004)

   

1.9.2004

 
Kardiologen und Diabetologen fordern am ESC:
Oraler Glukosetoleranztest für KHK-Patienten

MÜNCHEN -Die Prävalenz von Glukosestoffwechselstörungen bei KHK wird weit unterschätzt. Neue Studiendaten belegen, dass bei diesen Patienten die Glukoseregulation sogar häufiger gestört als normal ist. Internationale Wissenschaftler forderten daher am Jahreskongress der European Society of Cardiology, bei KHK-Patienten generell einen oralen Glukosetoleranztest (OGTT) vorzunehmen.

 
Rikschataxen am Münchner Rathaus


"Die Gefässschäden entstehen lange vor der Diabetesdiagnose, wir müssen diese Patienten screenen", forderte Professor Dr. Lars Ryden, Karolinska University Hospital in Solna, Schweden. So lasse sich z.B. nach einem Infarkt eine Personengruppe herausfiltern, die eines besonders intensiven Managements bedarf.
Die Ergebnisse des Euro Heart Survey on Diabetes and the Heart, die Prof. Ryden in München vorstellte, zeigen, dass von rund 1000 Patienten, die mit akutem Koronarsyndrom hospitalisiert wurden, im OGTT nur 42 % eine normale Glukosetoleranz hatten. 32 % hatten eine gestörte Glukosetoleranz (IGT = Impaired glucose tolerance), weitere 22 % einen manifesten Diabetes mellitus. Bei 4 % wurde eine gestörte Nüchternglukose diagnostiziert. In einer zweiten Gruppe mit stabilen KHK-Patienten waren die entsprechenden Raten ähnlich: Nur 49 % wiesen eine normale Glukosetoleranz auf.

Die meisten der IGT-Patienten wären bei alleiniger Messung der Nüchternglukose nicht entdeckt worden, sagte der schwedische Kardiologe. Die Identifizierung dieser Risiskogruppe ist jedoch wichtig, wie der Survey ebenfalls gezeigt hat, denn die Patienten mit gestörtem Glukosemetabolismus haben im ersten Jahr nach dem Akutereignis eine deutlich schlechtere Prognose als diejenigen mit normaler Glukoseregulation.

Die Daten des Euro Heart Survey werden bestätigt durch die Screeningdaten der grossen NAVIGATOR-Studie. Wie Professor Dr. John McMurray, Glasgow, berichtete, wurde für die Studie bei mehr als 40 000 Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung oder zumindest mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren ein OGTT vorgenommen. Auch hier zeigte sich, so der schottische Wissenschaftler, dass einer von fünf Gescreenten einen bislang unentdeckten klinisch manifesten Diabetes hatte und zusätzlich einer von vier Gescreenten eine IGT. Dies galt unabhängig davon, ob die Patienten als Erstmanifestation der kardiovaskulären Erkrankung einen Infarkt, einen Schlaganfall oder eine pAVK hatten.
"Wenn wir den Diabetes und die IGT nicht diagnostizieren", lautete Prof. McMurrays Appell an die Kollegen, "verpassen wir eine Gelegenheit der Prävention - und zwar sowohl des Diabetes als auch der diabetischen Folgekomplikationen und der kardiovaskulären Ereignisse!" Unbehandelt, so zeigen epidemiologsiche Daten, entwickelt etwa die Hälfte der IGT-Patienten in den zehn folgenden Jahren einen manifesten Typ-2-Diabetes.

NAVIGATOR = Nateglinide and Valsartan in Impaired Glucose Tolerance Outcome Research

© Medical Tribune-Online Schweiz, bös


Ungesättigte Fettsäuren besser als tierische
Ein kardialer Trugschluss?


MÜNCHEN - Spielt es für das kardiale Schicksal wirklich eine Rolle, welche Sorte Fett wir zu uns nehmen und wieviel? Eine provokative Frage angesichts der Tatsache, dass die Guidelines endlich geschlossen eine Einnahmeempfehlung in punkto Energie und Fettsäureanteile abgeben. Genau deshalb verblüfft die schwedische Antwort auf diese Frage.

Frauen sollten sich mit 2200 kcal täglich begnügen, Männer dürfen 2700 kcal konsumieren. Der Energieanteil sollte dabei höchstens zu 30 % von Fett stammen, maximal 10 % aus gesättigten und trans-Fettsäuren. Das sind die Empfehlungen, um gesund zu bleiben. Aber schützen sie auch das Herz?

Unter anderem den Effekt von Fett auf das Herz untersuchte die prospektive bevölkerungsbasierte Kohortenstudie Malmö Diet and Cancer Study bei über 28 000 Teilnehmern mittleren Alters mit einer Beobachtungsdauer von etwa sieben Jahren. Die Teilnehmer wurden in Quartilen bezüglich Energiezufuhr und Fetteinnahme eingeteilt. Die erste Quartile wurde als Referenzwert für das relative Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses genommen, da die Werte den Ernährungsempfehlungen entsprachen. Je höher die Quartilen, desto höher die Kalorienmenge, der Anteil an Fett und an "ungesunden" Fettsäuren.

Das kardiovakuläre Risiko folgte nicht der Quartilen-Leiter: Teilnehmer, deren tägliche Fettzufuhr bei bis zu 47 % lag und davon mehr als 10 % aus gesättigten Fettsäuren bestand, verzeichneten kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Umgekehrt konnte bei jenen, die sich guidelinegerecht mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren ernährten ebenfalls kein Vorteil beobachtet werden.

Auch bezüglich der Kalorienmenge machten die Wissenschaftler eine unzeitgemässe Entdeckung. Wer sich an die energiemässige Oberlimite hielt, hatte keinen Vorteil gegenüber jenen, die sich 20 bis 30 % tägliche Kalorien mehr gönnten. Einen Vorteil der gängigen Ernährungsempfehlungen bezüglich atherosklerosebedingten Herzereignissen können die schwedischen Wissenschaftler um Professor Dr. Göran Berglund, University Hospital UMAS, Malmö, nach diesen Resultaten nicht erkennen.

© Medical Tribune-Online Schweiz, vh


Nierenschutz bei hypertonen Diabetikern
Sartan kann es mit ACE-Hemmer aufnehmen


MÜNCHEN - Hypertensive Diabetiker sind der ständigen Gefahr einer progressiven Retinopathie ausgesetzt. Als Alternative zu den blutdrucksenkenden ACE-Hemmern empfehlen sich nun auch Angiotensin-II-Hemmer . Sie bieten einen ebenbürtigen Nierenschutz, wie die DETAIL-Studie zeigte.


Die doppelblinde Multizenterstudie umfasste 250 hypertone Typ-2-Diabetiker, die eine Renopathie im Frühstadium hatten. Die Patienten erhielten während fünf Jahren entweder Telmisartan 80 mg/d oder Enalapril 20 mg/d. Um das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu dokumentieren, wurde als primärer Endpunkt die Veränderung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) nach fünf Jahren definiert.

Wie die Studie demonstrieren konnte, reduzierte das Sartan den GFR-Abfall in vergleichbarem Ausmass wie der ACE-Hemmer. Damit ist nun klar: "Auf lange Sicht ist ein Angiotensin-II-Antagonist dem ACE-Hemmer in punkto Renoprotektion bei Diabetikern ebenbürtig", sagte Studienleiter Professor Dr. Anthony Barnett, Birmingham Heartlands Hospital, University of Birmingham, am Jahreskongress der European Society of Cardiology.

Die Inzidenz von Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich, die Blutdrucksenkung vergleichbar.
Bemerkenswert in dieser Studie war gemäss Prof. Barnett noch ein anderer Umstand: Obwohl die Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck und Nephropathie in die kardiovaskuläre Hochrisiko-Gruppe gehören, fiel die kardiovaskuläre Fünfjahres-Mortalität in beiden Gruppen niedriger als erwartet aus .

Die Nierenschutz-Evidenz der ACE-Hemmern kommt eigentlich von Studien mit Typ-1-Diabetikern. Bei Typ-2-Diabetiker ist die renoprotektive Evidenz nun stärker für Angiotensin-II-Antagonisten, die ihre Überlegenheit in der Verlangsamung der Renopathieprogression bei Patienten mit Mikroalbuminurie oder sogar offener Proteinurie unter Beweis gestellt haben.

DETAIL = Diabetics exposed to Telmisartan and Enalapril

© Medical Tribune-Online Schweiz, vh

Alle Berichte in der Übersicht





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH