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Berichte
vom diesjährigen Treffen der European Society of Cardiology (2003)
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Wien,
5. September 2003
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Laien-Defibrillation:
Gute Erfahrungen auch in Europa
WIEN – Die amerikanischen
Städte Seattle und Rochester leisteten bei der Verbreitung von Defibrillatoren
und der Schulung von Laien in deren Bedienung Pionierarbeit. Als erste europäische
Stadt startete das italienische Piacenza vor vier Jahren ein vergleichbares
Projekt. Mit ausgezeichneten Ergebnissen.
Möglich wurde
die Schulung von Laien in der Anwendung von Defibrillatoren durch neue technische
Entwicklungen. Die neue Generation dieser Geräte ist weit gehend automatisiert
und so konzipiert, dass sie für Anwender und Patienten absolut sicher sind.
Ein eingebautes EKG sorgt dafür, dass tatsächlich nur bei Vorliegen
von Kammerflimmern geschockt werden kann.
In der 200.000-Einwohner-Stadt
Piacenza wurden 59 solcher Geräte verteilt. Sie befinden sich in Polizeiautos,
Rettungsfahrzeugen und an öffentlichen Plätzen wie Kaufhäusern.
Insgesamt 1925 Laien erhielten eine Schulung im Umgang mit diesen Geräten.
In den ersten 40 Monaten des Projekts kamen die Defibrillatoren insgesamt 446-mal
zum Einsatz. Damit erreichten die Laien-Helfer knapp 50 Prozent aller Fälle
von plötzlichem Herzstillstand in der Region Piacenza. 6,4 Prozent der
reanimierten Patienten überlebten, was im Vergleich zu den regionalen Daten
der vorhergehenden Jahre einer Verbesserung des Outcome um 100 Prozent entspricht.
Trat der Herzstillstand an einem öffentlichen Ort ein, lag die Überlebensrate
sogar bei knapp 10 Prozent. reb
Passivrauchen
ist doch gefährlich
WIEN – Während
Passivrauchen im Zuge der amerikanischen Prozesslawine gegen die Tabakindustrie
heftig diskutiert wurde, war in den letzten Jahren zu diesem Thema wenig zu
hören. Aktuelle Daten aus der MONICA-Studie belegen jedoch die Bedeutung
dieses Risikofaktors.
Analysiert wurden
Daten der schottischen Teilnehmer am MONICA-Projekt, welche hinsichtlich der
eigenen Lebensgewohnheiten sowie der Intensität und Häufigkeit des
"Passivrauchens" befragt wurden. Raucher, die falsche Angaben machten,
wurden mittels Bluttest auf Cotinin, einen langlebigen Metaboliten des Nikotins,
ausgeschlossen.
Die Auswertung
zeigte eine starke, signifikante Korrelation zwischen Passivrauchen und koronarer
Herzkrankheit, wobei auch die Dauer der täglichen Exposition eine wichtige
Rolle spielte. Die theoretischen Hintergründe dieses statistischen Zusammenhangs
sind jedoch unklar, da die Ergebnisse der bei Rauchern beobachteten Dosis-Wirkungs-Relation
widersprechen. Dennoch bleibt die Korrelation in der schottischen MONICA-Population
auch nach Korrektur hinsichtlich aller weiteren bekannten Risikofaktoren aufrecht
und signifikant. reb
Gentherapie
ersetzt den Schrittmacher
WIEN – Die Entwicklung
elektronischer Herzschrittmacher in den sechziger Jahren hat die Lebenserwartung
von Patienten mit Erregungsleitungsstörungen des Herzens dramatisch verbessert.
In der Zukunft könnten diese Schrittmacher zumindest teilweise durch biologische
Therapieoptionen abgelöst werden.
Die Gruppe um Univ.-Prof.
Dr. Michael Rosen von der Columbia University versucht, jene Gene, die für
die charakteristischen Ionen-Kanäle der spezialisierten Zellen im autonomen
Erregungssystem des Herzen kodieren, mittels eines Virus-Vektors sowohl in vivo
als auch in vitro in normale Herzmuskelzellen einzuschleusen.
Im Tiermodell konnte
durch Einbringen der entsprechenden Gene direkt in den Herzmuskel eine physiologische
Schrittmacherfunktion simuliert werden. Ehe das Verfahren am Menschen angewandt
werden kann, gilt es jedoch einen besseren Vektor zu finden, da die eingesetzten
Adenoviren als unzuverlässig und vor allem unsicher gelten. Der Vorteil
eines künstlichen biologischen Schrittmachers lege in dessen Empfindlichkeit
für Katecholamine, was eine physiologische Regulation des Herzrhythmus
ermöglichen würde. reb
Aspirin
hilft nicht jedem
WIEN – Acetysalizylsäure
(ASS) ist in der kardiovaskulären Sekundärprävention gut etabliert.
Neue Daten zeigen jedoch, dass sich die erwünschte Hemmung der Thrombozytenaggregation
nicht bei jedem Patienten einstellt.
Nach aktuellen
Daten kann durch regelmässige Einnahme von ASS die Zahl kardiovaskulärer
Ereignisse in Risikopopulationen um rund 25 Prozent verringert werden. Doch
bis zu 30 Prozent der Patienten könnten vom kürzlich beschriebenen
Phänomen der ASS-Resistenz betroffen sein. An 1000 Teilnehmern der HOPE-Studie
konnte gezeigt werden, dass das Risiko kardiovaskulären Todes bei aspirinresistenten
Patienten deutlich erhöht ist.
Ein Team des National
Centers for Health Services in Budapest präsentierte an dem diesjährigen
ESC-Kongress ein Verfahren für das Screening grösserer Patientenpopulationen
auf Aspirin-Resistenz. Die einfache und kostengünstige Methode basiert
auf einem Standardtest zur Bestimmung der Thrombozytenaggregation. Weitere Forschungen
sind allerdings nötig, um Strategien zu einer effektiven kardiovaskulären
Prävention bei Aspirin-resistenten Patienten festzulegen. reb
Alle Themen vom ESC 2003 in der Übersicht
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