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Berichte
vom diesjährigen Treffen der European Society of Cardiology (2003)
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Wien,
1. September 2003
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Verändern
die CHARM-Studien die Herzinsuffizienztherapie?
Additiver
AT-II-Blocker lohnt sich doch
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WIEN
– Die Rolle der AT-II-Blocker in der Herzinsuffizienztherapie ist jetzt klarer
geworden. Nach den Ergebnissen der beim europäischen Kardiologenkongress
in Wien erstmals präsentierten CHARM-Studien lohnt es sich nämlich doch,
bei Herzinsuffizienz additiv zum ACE-Hemmer und zum Betablocker noch einen AT-II-Blocker
zu geben. Dadurch sinkt sowohl das Risiko, wegen der Herzinsuffizienz ins Krankenhaus
zu müssen, als auch die Gefahr, an einer kardiovaskulären Ursache zu
sterben.
Die derzeitigen
Guidelines für die medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz müssen
nach CHARM wohl überdacht werden, meint Professor Dr. John McMurray, einer
der Hauptuntersucher der Studie. Denn nach der ValHeFT*-Studie
mit Valsartan hatten die AT-II-Blocker zwar Aufnahme in die Herzinsuffizienz-Guidelines
gefunden, doch nur als Ersatz für die ACE-Hemmer, falls diese nicht vertragen
werden. Die Kombination mit dem ACE-Hemmer wurde eher zurückhaltend beurteilt
und die Tripel-Kombination mit ACE-Hemmer und Betablocker galt sogar als nicht
ratsam, denn in der Subgruppe von ValHeFT, die alle drei Substanzen bekam, waren
die Ergebnisse deutlich schlechter als in den anderen Therapiegruppen gewesen.
"Nach den CHARM-Ergebnissen halte ich es nun für sehr wahrscheinlich,
dass die Tripel-Kombination in Zukunft empfohlen werden wird", sagte Prof.
McMurray bei einer Pressekonferenz während des ESC-Kongresses. CHARM steht
für "Candesartan in Heart failure Assessment of Reduction in Mortality
and morbidity". Es handelt sich um ein Programm aus drei Teilstudien:
- In Studie I,
CHARM-Alternative genannt, bekamen mehr als 2000 Herzinsuffizienz-Kranke mit
einer Auswurffraktion unter 40 %, die keinen ACE-Hemmer vertrugen, an Stelle
von diesem Candesartan oder Plazebo. Ansonsten hatten die Patienten eine möglichst
optimale Basistherapie, die bei 55 % auch einen Betablocker beinhaltete.
In dieser Studie
war der Benefit von Candesartan am deutlichsten: Der primäre Endpunkt aus
kardiovaskulär bedingtem Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz
nahm von 40 % unter Plazebo auf 33 % ab. Die Reduktion um absolut 7 % in den
knapp drei Jahren Studiendauer entspricht einer relativen Risikoreduktion um
signifikante 23 %.
- In Studie II,
"CHARM-Added" erhielten 2548 Herzinsuffizienzkranke mit ebenfalls
eingeschränkter linksventrikulärer Auswurffraktion Candesartan zusätzlich
zum ACE-Hemmer. Der primäre Endpunkt, kardiovaskulärer Tod oder Klinikeinweisung
wegen Herzinsuffizienz wurde hier innerhalb von 41 Monaten von absolut 42 %
unter Plazebo auf 38 % unter Candesartan gesenkt. Dies entspricht einer ebenfalls
signifikanten relativen Reduktion um 15 %. Auch hier hatten mehr als die Hälfte
der Patienten zusätzlich einen Betablocker. Und: Der Benefit der additiven
Candesartan-Gabe war in dieser Gruppe mit Tripeltherapie um keinen Deut geschmälert.
- In Studie III,
"CHARM-Preserved", waren über 3000 Herzinsuffizienz-Patienten,
die immer noch eine Ejektionsfraktion über 40 % hatten. In dieser Gruppe
erhielten ebenfalls 56 % der Kranken zusätzlich einen Betablocker und 75
% ein Diuretikum, aber nur knapp 20 % nahmen auch einen ACE-Hemmer. Die zusätzliche
Therapie mit Candesartan brachte in dieser Studie im primären Endpunkt
keinen signifikanten Nutzen. Doch war die absolute Ereignisrate mit 22 versus
24 % insgesamt niedriger als in den beiden anderen Studien und der Trend zu
Gunsten von Candesartan bestätigte sich. Insgesamt waren kardiovaskuläre
Todesfälle und Klinikbehandlungen wegen Herzinsuffizienz unter dem AT-II-Blocker
um 11 % niedriger als unter Plazebo (p = 0,118).
Zusammengenommen
umfasste das CHARM-Programm 7600 Patienten. Bei den 3800 mit Candesartan behandelten
war der AT-II-Blocker allmählich auf eine Maximaldosis von 32 mg auftitriert
worden. Die Verträglichkeit der Medikation war insgesamt gut, berichtete
Studienleiter Prof. Dr. Marc A. Pfeffer, Boston. Ein Therapieabbruch wegen Nebenwirkungen
war unter Candesartan aber signifikant häufiger als unter Plazebo – Ursachen
waren vor allem Hypotonie, ein Anstieg im Serumkreatinin oder eine Hyperkaliämie.
"Dies unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen bei
diesen Patienten", so Prof. Pfeffer.
Prof. Salim Yusuf,
der ebenfalls zu den Studienautoren gehört, formulierte als Schlussfolgerung
aus den Studien: "Jeder Patient mit Herzinsuffizienz, bei dem keine Kontraindikationen
bestehen, sollte in Zukunft – unabhängig von der Ejektionsfraktion – zusätzlich
zum Betablocker und ACE-Hemmer einen Angiotensin-Rezeptorenblocker erhalten."
Aus CHARM lässt sich berechnen, dass man 23 Patienten drei Jahre lang mit
Candesartan behandeln muss,
um ein Ereignis – einen kardiovaskulär bedingten Tod oder eine erste Klinikeinweisung
wegen Herzinsuffizienz – zu vermeiden. Betrachtet man nur die Lebensverlängerung,
liegt die jährliche NNT (Numbers Needed to Treat), um einen Todesfall zu
verhindern, bei etwa 150. Eine Herausforderung sei es jetzt, so Prof. Yusuf,
diese Studienergebnisse nun auch in die klinische Praxis umzusetzen. Sonja
Böhm
*Valsartan
Heart Failure Trial
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Patient mit stabiler KHK
Steht ihm jetzt ein ACE-Hemmer zu?
WIEN – Patienten mit einer stabilen KHK
profitieren signifikant von Perindopril. Zu diesem Ergebnis kam die Auswertung
der EUROPA-Studie, der grössten jemals mit diesem Patientengut durchgeführten
Untersuchung. Die Ergebnisse wurden gestern am Jahreskongress 2003 der
European Society of Cardiology vorgestellt.
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Patienten mit stabiler KHK, also Patienten nach
Herzinfarkt oder mit Angina pectoris, sind aus Kardiologensicht Patienten mit
geringem Risiko. Ob auch diese von einer Langzeittherapie mit einem ACE-Hemmer
profitieren, untersuchte EUROPA an insgesamt 12 218 Patienten in 24 europäischen
Ländern. Diese erhielten vier Jahre lang randomisiert entweder 8 mg/d
Perindopril oder Plazebo zusätzlich zur optimalen Therapie. Für Hochrisikopatienten
konnte bereits die HOPE-Studie nachweisen, dass der ACE-Hemmer Ramipril von
Nutzen ist.
Die relative Risikoreduktion betrug für den
primären Endpunkt kardialer Tod, Herzinfarkt und Herzstillstand 20 %.
Tödliche und nichttödliche Herzinfarkte wurden um 24 % (p = 0,001)
und Herzinsuffizienz um 39 % (p = 0,002) gesenkt. In absoluten Zahlen:
Von den 6110 Patienten in der Verumgruppe erlitten 488 (8 %) ein Ereignis,
von den 6108 Patienten in der Plazebogruppe waren es 603 (9,9 %).
Der systolische Blutdruck wurde im Mittel um 5 mmHg,
der diastolische um 2 mmHg gesenkt.
"Jetzt haben wir den Beweis, dass Perindopril
neben dem blutdrucksenkenden Effekt zusätzliche Vorteile bietet und allen
Patienten mit Angina pectoris, Herzanfällen und anderen Hinweisen auf eine
KHK verordnet werden sollte", erklärte Professor Dr. Willem Remme
, Rhoon, Niederlande.
Auch nach Ansicht von Professor Dr. Kim Fox
, Royal Brompton Hospital in London, bedeuten die Ergebnisse der EUROPA-Studie
einen Meilenstein in der Kardiologie. "Dies ist ein grosser Schritt nach
vorne, der grosse Auswirkungen auf das zukünftige Management der KHK haben
wird," erklärte der Experte. Bleibt allerdings die 'number needed
to treat' zu diskutieren: In der Europa-Studie mussten 50 Patienten vier Jahre
lang mit täglich 8 mg Perindopril behandelt werden, um einen kardiovaskulären
Tod, einen nichttödlichen Herzinfarkt oder Herzstillstand zu verhindern.
Für ein Land mit 60 Millionen Einwohnern bedeutet das, dass innerhalb von
vier Jahren 50 000 Herzanfälle oder Herztode verhindert werden könnten.
Pow
An einem Medical-Tribune-Roundtable werden Prof. Helmut Drexler,
Hannover, Prof. Otto Hess, Bern, Prof. René Lerch, Genf, Prof. Thomas
Lüscher, Zürich und Prof. Georg Noll, Zürich, die EUROPA-Studie
diskutieren.
Für interessierte Lancet-Abonnenten sind die Ergebnisse der
Studie als Vorabpublikation bereits online nachzulesen unter:
http://image.thelancet.com/extras/03art7384web.pdf
Fussball
sehen und dann sterben
WIEN – Hausärzte
sollten vor grossen sportlichen Ereignissen, wie zum Beispiel einer Fussballweltmeisterschaft,
ihre Patienten eindringlich auf die Gefahren ungesunder Lebensführung hinweisen
und vor mangelnder medizinischer Beobachtung warnen. Dazu forderte Dr. Eugène
Kratz vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne anlässlich
des Jahreskongresses der European Society of Cardiology 2003 auf Grund seiner
Analyse der letzten Weltmeisterschaft auf.
Stress und Ärger
lassen das Risiko, dem plötzlichen Herztod zu erliegen, anwachsen. In der
Schweiz sterben vermutlich jedes Jahr 8000 Menschen auf diese Weise. Die grossen
Erdbeben in Griechenland und Los Angeles haben die Zahl der plötzlichen
Herztode nach oben katapultieren lassen.
Dr. Kratz und sein
Team verglichen die entsprechenden Zeiträume von 2001 und 2002 anhand der
Register mobiler Intensivstationen in grösseren Agglomerationen in der
Romandie und dem Tessin. Das Ergebnis war alarmierend: Während der WM stieg
die Zahl der Herzstillstände ausserhalb von Spitälern um sage und
schreibe 60 % (59 in 2002 vs. 37 Fälle in 2001, p = 0,005). Mehr als zwei
Drittel der Ereignisse passierten zu Hause, wahrscheinlich vor dem Fernseher,
verschuldet durch Stress, physische Inaktivität, Alkohol und Zigaretten.
Pow
Zwei Gläschen
in Ehren: Wein schützt sogar vor dem Syndrom X
WIEN – Warum
Alkohol das Risiko für die Entwicklung einer KHK senkt, wurde nie ganz
erhellt. Nun stellt sich heraus, dass der vergorene Traubensaft noch ganz andere
versteckte Qualitäten hat. Wer sich täglich ein bis zwei Deziliter
Wein gönnt, lebt nicht nur herzgesund, sondern schützt sich auch noch
vor dem Metabolischen Syndrom.
Zu diesem Schluss
kamen griechische Forscher um Dr. Demosthenes Panagiotakos von der Kardiologischen
Klinik der Universität von Athen. Für ihre Untersuchung bezogen sie
2282 18 bis 89-jährige Athener ohne kardiale Anamnese ein. Etwa ein Viertel
hatte nach den ATP III-Kriterien ein Metabolisches Syndrom. Die meisten waren
sich dessen nicht bewusst. Ebenfalls ein Viertel der untersuchten Griechen trinken
täglich mindestens 1 dl Wein. Und der Zusammenhang?
Der Effekt von
Wein auf die Entwicklung des Metabolischen Syndroms liesse sich in einer U-artigen
Kurve darstellen, so die griechischen Kollegen. Verglichen mit den Personen,
die keinen Alkohol trinken, haben jene, die 1 bis 2 dl Wein täglich schlürfen
ein 16 % niedrigeres Risiko ein Metabolisches Syndrom zu entwickeln. Solche,
die dem Alkohol aber in höherem Masse (3 bis 4 dl/d) frönen, haben
ein um 81 % höheres Risiko. Wer sich fünf und mehr Gläser täglich
hinter die Binden leert, bei dem erhöhe sich die Gefahr sogar um das Doppelte.
Ein Leben ohne
Alkohol ist also ungesund, will man diese und frühere Untersuchungen wörtlich
nehmen. Mit bis zu zwei Deziliter Wein pro Tag liess sich jedenfalls bei der
griechischen Bevölkerung das Syndrom X-Risiko minimieren. vh
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