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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Berichte vom diesjährigen Treffen der European Society of Cardiology (2002)

 

Berlin, 4. September 2002

 

 

Schwere stabile Herzinsuffizienz

Keine Angst vor Betablockern

BERLIN - Viele Ärzte setzen Betablocker bei schwer kranken Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz eher zurückhaltend ein. Dabei profitieren gerade sie am meisten. Ein Grund für die Zurückhaltung ist sicher, dass Patienten mit schwerer stabiler Herzinsuffizienz in der langen Einstellungsphase auf einen Betablocker sehr sorgfältig überwacht werden müssen. Doch die Mühe zahlt sich aus.

Wie Professor Dr. Erland Erdmann, Abteilung für Kardiologie der Universität Köln, auf einem Symposium der Firma Merck berichtete, bewirken Betablocker bei mittlerer oder schwerer Herzinsuffizienz (NYHA III und IV) eine ebenso starke Senkung der Mortalität wie bei leichteren Formen, nämlich um etwa 35 %. In der CIBIS-II-Studie, in der Bisoprolol (ConcorR) in Kombination mit einem ACE-Hemmer und einem Diuretikum verabreicht wurde, war die absolute Senkung der Mortalität bei Patienten im Stadium NYHA IV sogar höher als im Stadium III.

Doch welche Patienten benötigen einen Betablocker am dringendsten? Laut Subgruppenanalyse der CIBIS-II-Studie und anderer großer Studien mit Betablockern sind dies gerade jene mit der schlechtesten Prognose, d.h. mit schwerer stabiler Herzinsuffizienz und/oder einem hohem Risiko für einen plötzlichen Herztod, Diabetes, Nierenversagen, niedriger Auswurffraktion sowie in höherem Lebensalter. "Egal wie schlecht es dem Patienten auch geht: Unter einem Betablocker geht es allen besser", so der Kardiologe.

Derzeit werden Betablocker bei stabiler Herzinsuffizienz noch on Top zu ACE-Hemmern und einem Diuretikum empfohlen. Dabei wäre es möglicherweise sogar besser, unter Berücksichtigung der Kontraindikationen gleich mit einem Betablocker einzusteigen, berichtete Dr. Christian A. Schneider, Abteilung für Kardiologie der Universität Köln. Denn sie reduzieren das Risiko für einen plötzlichen Herztod um bis zu 50 %, ACE-Hemmer dagegen nur um etwa 20 %.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, MH)


Ermutigende Studienergebnisse

Helfen Stammzellen bei Infarkt?

BERLIN – Mit adulten Stammzellen sind an der Universitätsklinik in Frankfurt am Main bei ersten Patienten mit akutem Herzinfarkt ermutigende Ergebnisse erzielt worden. Vier Monate nach der Behandlung hatte sich die Auswurffraktion der Patienten gebessert und die koronare Flussreserve des Infarktgefäßes normalisiert.

Professor Dr. Andreas Zeiher aus Frankfurt warnte allerdings bei einer Pressekonferenz während des Europäischen Kardiologenkongresses in Berlin vor verfrühter Euphorie. "Es sind vorläufige Ergebnisse. Wir brauchen eine kontrollierte randomisierte Untersuchung, um diese Ergebnisse zu bestätigen." Mitte Oktober soll mit dieser Untersuchung begonnen werden.

An der Pilotstudie haben 52 Patienten teilgenommen. Erste klinische Daten nach vier Monaten Behandlungszeit liegen für 19 Patienten vor. Neun Patienten erhielten vier bis fünf Tage nach dem Infarkt Stammzellen aus dem Knochenmark mittels Katheter in die Koronararterie im Infarktbereich infundiert, zehn Patienten erhielten Stammzellen aus dem Blut, sogenannte endotheliale Vorläuferzellen, berichtete Dr. Stefanie Dimmeler während eines Symposiums am ESC. Diese Zellen wurden vorher drei Tage lang in Blut kultiviert. Bei allen Patienten hatte sich vier Monate später die Auswurffraktion deutlich stärker gebessert als bei elf Kontrollpatienten, und zwar in einer Größenordnung von etwa 9 %. Die koronare Flussreserve der Infarktgefäße unterschied sich bei den mit Stammzellen behandelten Patienten nicht mehr signifikant vom Blutfluss in anderen Koronargefäßen.

Da eine echte Kontrollgruppe in der Pilotstudie fehlte, könne man allerdings nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Verbesserungen tatsächlich auf die Stammzelltherapie zurückzuführen seien, sagte Prof. Zeiher. Es könne solche Verbesserungen auch bei einem natürlichen Verlauf geben. Belegt wurde mit der Pilotstudie, dass die Stammzelltherapie machbar und sicher sei. Es gab keine Hinweise dafür, dass die Therapie Arrhythmien oder Entzündungen fördere oder die Gefahr bestehe, mit der Zellinfusion kleine Gefäße zu verschließen.

Für die Zelltherapie nach akutem Infarkt, mit dem Ziel ischämisches Gewebe zu ersetzen, werden außer Stammzellen aus dem Blut und aus dem Knochenmark auch Herzmuskelzellen, Myoblasten aus Skelettmuskeln sowie embryonale Stammzellen erprobt. Unklar ist derzeit, welche Zellen den größten Behandlungserfolg haben und wie sie am besten appliziert werden sollen. Prof. Zeiher: "Wir sollten uns bei Infarkt-Patienten auf die Behandlung mit adulten Stammzellen konzentrieren."

(© Medical Tribune-Online Schweiz, Roland Fath)


Neues von den Sartanen

Der renoprotektiven Wirkung auf den Grund gegangen

BERLIN – Mittlerweile gibt es ausreichend Studien, die belegen, dass Sartane bei Hypertonikern mit Nephropathie protektive Wirkungen auf die Niere entfalten. Dr. Christian Delles, Universität Erlangen-Nürnberg, untersuchte anhand eines Vergleichs zwischen Valsartan und Amlodipin genauer, wie die renoprotektive Wirkung zu erklären ist, denn hierüber gibt es bislang deutlich weniger Erkenntnisse.

In die randomisierte Doppelblindstudie wurden 58 Patienten mit milder bis mässiger essentieller Hypertonie aufgenommen. Sie erhielten 80 – 160 mg Valsartan oder 5 – 10 mg Amlodipin. Zu Studienbeginn und nach achtwöchiger Behandlung wurden folgende Parameter der renalen Perfusion ermittelt: Renaler Plasmafluss (RPF), glomeruläre Filtrationsrate (GFR), NO-Einfluss auf die renale Perfusion, glomerulärer hydrostatischer Druck (Pglo), Widerstand der afferenten und efferenten Arteriolen (RA bzw. RE).

Die Blutdrucksenkung und der RPF lag bei beiden Antihypertensiva im vergleichbaren Bereich. Dagegen stieg die GFR unter Amlodipin an, blieb unter Valsartan aber gleich. Der Quotient RE/RA nahm unter Amlodipin stärker als unter dem AT1-Blocker ab. Parallel hierzu stieg auch der Pglo unter Amlodipin an, veränderte sich unter dem Sartan jedoch nicht. Die NO-Verfügbarkeit blieb unter Valsartan unverändert und nahm unter Amlodipin ab.

Das bedeutet, dass die glomeruläre Filtrationsrate und der glomerululäre hydrostatische Druck unter Valsartan unbeeinflusst bleiben. Amlodipin dagegen bewirkt eine glomeruläre Hyperfiltration und einen glomerulären Druckanstieg. Gemeinsam mit der unterschiedlichen Wirkung auf die NO-Verfügbarkeit im Gefässbett können diese Befunde erhellen, warum bei vergleichbarer Blutdruckwirkung unter Valsartan-Behandlung ein Schutz der Niere zu beobachten ist.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


Valsartan bei Herzinsuffizienz

Neue Subgruppen-Analyse vorgestellt

BERLIN – Nachdem die wichtigsten Ergebnisse der ValHeFT-Studie bereits aus dem Hut gezogen wurden, interessierte sich die Arbeitsgruppe um Dr. Aldo Pietro Maggioni des ANMO Research Center in Florenz dafür, welche Subgruppen mit speziellen Patientencharakteristika in den sekundären Endpunkten von einer Valsartan-Einnahme profitieren. Die Antwort: jüngere wie ältere, Männer wie Frauen. Auch in weiteren Subgruppen lag Valsartan gegenüber Plazebo im Vorteil.

Als sekundäre Endpunkte wurden untersucht: das Eintreten einer nichtletalen Herzinsuffizienz (NLH), eine Erkrankung mit Spitalaufnahme (SA) oder Tod auf Grund eines kardiovaskulären Ereignisses. Insgesamt waren in die Studie 5010 mässig Herzinsuffiziente aufgenommen und mit Valsartan (titriert bis 160 mg zweimal täglich) oder Plazebo, jeweils zusätzlich zu ihrer Standard-Herzinsuffizienztherapie, behandelt worden. Subgruppenanalysen zeigten hinsichtlich Alter, Geschlecht, NYHA-Klasse, Präsenz oder Absenz einer koronaren Herzkrankheit und linksventrikulärer Auswurffraktion gleiche Ergebnisse und einen hochsignifikanten Vorteil des Valsartans gegenüber Plazebo beim sekundären Endpunkt NLH und SA.

Bei Diabetikern wurde ebenfalls eine markantere Risikoreduktion unter Valsartan als unter Plazebo beobachtet (13%), jedoch nicht signifikant – im Gegensatz zu einem signifikanten Vorteil des AT1-Blockers bei Nichtdiabetikern. Der sekundäre Endpunkt kardiovaskulärer Tod unterschied sich in der Valsartan- und Plazebogruppe nicht signifikant.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


Sekundärprävention des Apoplex

Auch Normotensive mit ACE-Hemmer behandeln

BERLIN – Am Anfang steht die Hypertonie, im weiteren Verlauf kommt es dann als häufigste Komplikation zum Apoplex. Tritt er ein, befinden sich die meisten Patienten in der Normotonie.

Dass sich weitere zerebrovaskuläre Ereignisse durch eine ACE-basierte weitere Blutdrucksenkung verhindern lassen und die Häufigkeit einer Demenz reduzieren lässt, war ein Ergebnis der PROGRESS-Studie, die Professor Dr. Giuseppe Mancia, Mailand, am Kongress der Europäsichen Gesellschaft für Kardiologie diskutierte.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


ACE-Hemmer bei Atherosklerose und nach Herzinfarkt

Argumente für Perindopril

BERLIN – Was in der PROGRESS-Studie eher eine Nebenbeobachtung war, dass nämlich bei Schlaganfallpatienten, die Perindopril (+ Indapamid) erhielten, die Rate an nichttödlichen Myokardinfarkten um 38% gesenkt wurde, rückte am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in den Mittelpunkt des Interesses. An einem Satellitensymposium von Servier wurde deutlich, dass die speziellen Eigenschaften des Perindoprils hinsichtlich des Einflusses auf die Atherosklerose und des hämodynamischen Profils nicht mehr erlauben, alle ACE-Hemmer über einen Kamm zu scheren.

Professor Dr. Roberto Ferrari, Universität Ferrara, rief verschiedene, vermutlich durch alle ACE-Hemmer erreichte biologische Wirkungen in Erinnerung: die Verminderung des Wachstums glatter Muskelzellen, die Endothelstabilisierung, die Hemmung der Upregulation des endothelialen ACEs, eine Plaquestabilisierung und Antioxidation.

Über die Blockade des AT-II-Rezeptors und entsprechende Gefässwirkungen hinaus beeinflussen ACE-Hemmer aber auch den Gegenspieler im Schauspiel der Endothel- und Gefässreaktionen, das gefässrelaxierende Bradykinin. Hier treten interessante Unterschiede zwischen den einzelnen ACE-Hemmern zu Tage. Perindopril steigert die Bradykinin-Konzentration stärker als Enalapril, indem es den Bradykinin-Abbau stärker bremst.

Klinische Unterschiede zwischen Perindopril und Captopril trug Professor Dr. Henry J. Dargie, Western Infirmary Glasgow, vor. Zwei Vergleichsstudien zwischen beiden ACE-Hemmern zeigten eine stärkere Blutdrucksenkung durch Captopril bei Patienten nach akutem Myokardinfarkt. Insgesamt unterschied sich das Blutdruck-Tagesprofil beider Substanzen deutlich. Während Captopril zunächst eine raschere und stärkere Blutdrucksenkung erreichte, stieg unter diesem ACE-Hemmer der Blutdruck relativ früh und stark an. Perindopril erzielte eine abgeflachtere Kurve mit einem vergleichsweise verzögerten Blutdruckabfall und einem schwächeren Anstieg, der in der Schlafphase lag. Unterschiede ergaben sich auch hinsichtlich der Auswurffraktion, die unter Perindopril-Gabe stärker anstieg, begleitet von einem deutlicheren Abfall des Brain natriuretic peptide. Professor Dargie hält dies für einen Hinweis darauf, dass ein hämodynamisches Profil, wie es Perindopril erreicht, bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt und linksventrikulärer Dysfunktion besonders vorteilhaft ist.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


GRACIA zeigt

Frühe Intervention bei akuter Myokardischämie konventioneller Behandlung überlegen

BERLIN – Nachdem heute zur Behandlung akuter Myokardischämien Stents sowie potentere thrombolytische Medikamente als in früheren Studien zur Verfügung stehen, war es an der Zeit, wieder einmal per aktueller Studie zu überprüfen, ob die konventionelle oder die frühe interventionelle Behandlung dem Patienten einen besseren Benefit bringen. Eine spanisch-portugiesische Arbeitsgruppe um Professor Francisco F. Avilés, Valladolid, stellte die eindeutigen Ergebnisse am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vor.

Frühere Studien liessen nur den Schluss zu, dass es unnötig bis gefährlich ist, eine Thrombolyse bei akuter Myokardischämie durch eine sehr frühe Intervention zu ergänzen. Diese Studien verwendeten aber beispielsweise weder GPIIb/IIIa-Inhibitoren noch Stents. Um also für die derzeit geübte Behandlung klare Aussagen treffen zu können, randomisierten Professor Avilés und Mitarbeiter 500 Patienten mit einem akuten koronaren Ereignis entweder in eine Gruppe mit derzeit empfohlenem Thrombolyse-Vorgehen oder in eine Gruppe mit kardialer Intervention, die zusätzlich zur Thrombolyse innerhalb 24 Stunden nach Lysebeginn eingesetzt wurde. Diese Patienten erhielten einen Stent (81%) oder eine Bypass-Operation (3%), wenn möglich.

Nach 30 Tagen lag die Mortalitätsrate in beiden Gruppen gleich hoch, aber die nichttödlichen kardialen Ereignisse liessen sich in der Interventionsgruppe signifikant von 3,7% auf 0,8% senken (p < 0,003). Die Blutungsrate lag in dieser Studie generell niedrig, in der Interventionsgruppe bei 2,4% und in der konservativ behandelten Gruppe bei 1,6%. Die Liegedauer im Spital war in der Interventionsgruppe um 3,5 Tage verkürzt (7,6 vs. 11,2).

Ingesamt ist damit die frühe Intervention zusätzlich zur Thrombolyse daher nach dieser Studie als sicher zu bezeichnen, da sie weder die Rate an unerwünschten Ereignissen (kardial oder rheologisch) steigert. Sie verkürzt den Spitalaufenthalt und vermindert die Häufigkeit weiterer Ereignisse in der Postspitalphase.

GRACIA = Grupo de Análisis de la Cardiopatía Isquémica Aguda

  • n = 500 Patienten mit akutem koronarem Ereignis
  • Ziel: Vergleich zwischen konservativer Behandlung mit Thrombolyse und Thrombolyse plus Intervention

Ergebnis:

  • Kardiale Ereignisse nach 30 Tagen durch frühe, die Thrombolyse ergänzende koronare Intervention von 3,7 auf 0,8% gesenkt
  • Niedrige Blutungsrate in der Interventions-Gruppe (2,4 vs. 1,6%)
  • Spitalaufenthalt verkürzt von 7,6 + 6,4 Tage auf 11,2 + 6,8 Tage

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


GIP reicht

Allerweltsmedikamente schützen bei Angioplastie vor Ischämiefolgen

BERLIN – Während und nach einer akuten Ischämie braucht das Gewebe Futter, um sich möglichst rasch wieder zu erholen. Experimentelle Befunde aus der Vergangenheit legten nahe, dass die Gabe von Glucose, Insulin und Kalium den Schaden begrenzt, der durch den Perfusionsstopp gesetzt wird. Dr. Felix Zijlstra, Zwolle, fand dies vielversprechend und überprüfte diese metabolische Behandlung als Zusatztherapie bei 940 Patienten, die sich einer primären Angioplastie unterzogen. Für Patienten ohne Herzinsuffizienz erwies sich dies als erfolgreich.

Zunächst einmal gaben die Gesamtergebnisse der Studie mit open-Label-Design nicht viel her: die Mortalität lag bei den mit GIP (Glucose, Insulin, Potassium = Kalium)-Behandelten bei 4,8% und war bei den Kontrollen mit 5,8% praktisch vergleichbar (Differenz statistisch nicht signifikant). Unter den Patienten ohne Anzeichen für eine Herzinsuffizienz (90% der Gesamtpopulation) ergab sich dagegen ein anderes Bild: hier lag die Mortalität in der GIP-Gruppe bei 1,2%, in der Kontrollgruppe bei 4,2%. Dieser Vorteil tritt bereits in den ersten Tagen nach Anwendung zu Tage. Die kostengünstige Zusatzbehandlung erscheint der Arbeitsgruppe daher als viel versprechend. Das angewandte Regime: 80 mmol KCl in 500 ml Glucose 20% plus Insulin, stündlich titriert.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


Kardioprävention durch CSE-Hemmer

Wirkung hält jahrelang an

BERLIN – Fünf Jahre nach Ende von WOSCOPS lassen sich immer noch kardiopräventive Effekte der geprüften Therapie mit Pravastatin nachweisen.

Die kardiovaskuläre Mortalität liegt in der ehemaligen Verumgruppe nach wie vor deutlich niedriger als in der "alten" Plazebogruppe, berichtete Professor Dr. Ian Ford vom Robertson Centre for Biostatistics der Glasgow University beim ESC-Kongress. Während im Nachbeobachtungszeitraum 92 (2,7%) der ursprünglichen 3302 Pravastatin-Patienten "am Herzen" verstarben, waren es in der Plazebogruppe 186 von 3293 (3,4%). Keine signifikanten Unterschiede ließen sich dagegen für die nichtkardiovaskuläre und die Krebs-Mortalität nachweisen.

WOSCOPS: West of Scotland Coronary Prevention Study.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, Md)


24-Stunden-Messung zeigte es

Statine senken den Blutdruck

BERLIN – Die Frage, ob Statine den Blutdruck senken, beantworten manche Autoren mit "ja", andere mit "nein". Italienische Kollegen um Dottore L. Terzoli, Osp Vimercate, Seregno wollten nun Genaueres wissen und zogen dazu die Langzeitblutdruckmessung zu Rate.

44 Patienten mit Serumcholesterinwerten über 200 mg/dl erhielten ein Statin nach Wahl ihres Arztes bzw. Plazebo über zwei Monate. Während sich in der Kontrollgruppe weder Serumlipide noch Blutdruck signifikant änderten, sanken in der Verumgruppe nicht nur die Blutfette: Der Druck rund um die Uhr reduzierte sich im Mittel um 3,7 mmHg, die Werte tagsüber um 4,3 mmHg. In der Subgruppe, die besonders stark auf Statine ansprach (Cholesterinsenkung um mehr als 70 mg/dl), waren es sogar 4,5 bzw. 5 mmHg.

Statine haben milde bis moderate blutdrucksenkende Wirkung, die sich durch 24-Stunden-Blutdruckmessung vor allem am Tage, aber nicht nachts nachweisen lässt, resümierten die Autoren. Bei starker Cholesterinsenkung, hieß es weiter, fällt auch die Drucksenkung deutlicher aus.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, CG)


Blutdruck gut eingestellt?

Rauchern nicht in die Falle gehen

BERLIN – Wenn Ihr Hochdruckpatient mehr als zehn Zigaretten täglich raucht, sollten Sie unbedingt eine Langzeitblutdruckmessung vornehmen, bevor Sie ihn als "gut eingestellt" betrachten. Ziehen Sie Ihre Schlüsse bei diesen Patienten nur aus der Praxismessung, laufen Sie Gefahr, nicht ausreichend zu behandeln, warnten dänische Kollegen beim ESC-Kongress.

K.S. Kristensen, Holbaek, et al. hatten in ihrer Studie bei mehr als 100 rauchenden und über 300 nicht rauchenden Hypertonikern die Werte von Gelegenheitsmessungen mit denen einer 24-Stunden-Aufzeichnung verglichen. Das bekannte Phänomen, dass der Blutdruckwert über den Tag meist deutlich niedriger ausfällt, als der in der Praxis gemessene, traf für starke Raucher nicht zu, wie sich zeigte. Während der Tages-Druck bei ihnen gerade mal 1 mmHg unter dem Gelegenheitsblutdruck lag, betrug dieser Unterschied bei Nichtrauchern mehr als 7 mmHg. Die Praxismessung gaukelt bei starken Qualmern also eine bessere Blutdruckeinstellung vor als dies tatsächlich der Fall ist, folgern die Autoren.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, CG)


Risiko-Check unter der Lupe

Cholesterinbestimmung in Kürze alter Hut?

BERLIN – Die atherogenen Lipidfraktionen – LDL, VLDL, kleines dichtes LDL – werden allesamt durch Apolipoprotein B (Apo B) durch die Gefässlandschaft transportiert. Die gefäss-schützenden Lipide, allen voran HDL, gehören dagegen der Apolipoprotein-A1-Fahrgemeinschaft an. Da die Bestimmung dieser Lipoproteine zuverlässiger, hinsichtlich des Risikos für eine koronare Herzkrankheit informativer und nicht teurer ist als die herkömmliche Gesamt- und HDL-Cholesterinbestimmung ist, plädierte Professor Dr. Chris Packard vom Glasgow Royal Infirmary dafür, die ApoB- und –A-Bestimmung zukünftig der Cholesterinbestimmung vorzuziehen, zumal die Grenzwerte simpel zu memorieren sind (Behandlungsziel: Apo B < 1g/L, ApoA > 1g/L).

Bereits frühere Studien hatten angedeutet, dass bei gleichen LDL-Spiegeln interindividuell ein unterschiedlich hohes atherogenes Risiko bestehen kann, zeigte Professor Packard auf einem Satellitensymposium der AstraZeneca. Besonders trifft das für Patienten mit gleichzeitig erhöhten Triglyceridspiegeln zu. Der ApoB-Spiegel erwies sich bereits in mehreren Studien als ein unabhängiger Risikoprädiktor für eine koronare Herzkrankheit. Eine aktuelle Untersuchung zeigte, dass auch ein niedriger ApoA-Spiegel die einzige prädiktive Variable für eine koronare Herzkrankheit war, wenn keine der üblichen Risikofaktoren wie Hypercholesterinämie, Bluthochdruck, Diabetes, Familienanamnese vorzeitiger Herzerkrankungen nachweisbar waren.

Inzwischen sind Apolipoproteinbestimmungen zuverlässig zu handhaben, die Standardisierung ist gut, und die Bestimmungen sind präziser und spezifischer als die des Cholesterins. Datenmaterial ist aus etlichen Studien vorhanden. Professor Packard bezeichnete die Bestimmung von ApoB und ApoA1 daher als extrem gute Alternative zur Cholesterinbestimmung. Das einzige derzeitige Manko ist nur darin zu sehen, dass die Behandlungsrichtlinien noch keine Grenzwerte für ApoB, ApoA1 und den Quotienten aus beiden angeben. Dies sollte schnellstmöglich nachgeholt werden, da durch diese neue Bestimmung noch umfangreichere Informationen zum Risiko bei eher niedrigeren Kosten zu gewinnen seien.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


Ran an die Herzinsuffizienz

Anämie behandeln, Mortalität senken

BERLIN – Eine Anämie ist bei Herzinsuffizienten nicht selten. In der Framingham-Studie wurde eine Anämie als unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz herausgearbeitet, und in der SOLVD-Studie erwies sie sich als wichtiger Prädiktor für Mortalität. Daten der ValHeFT-Studie und einer weiteren Studie wurden dazu herangezogen, die Häufigkeit und prognostische Bedeutung der Anämie in der Herzinsuffizienz zu beleuchten. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Aldo Pietro Maggioni stellte die interessanten Ergebnisse am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vor.

Da die Patienten der ValHeFT-Studie relativ selektioniert waren, wurde für ein Spiegelbild der klinischen Praxis als weitere Population das Material der IN-CHF, eher unselektionierte ambulante Patienten mit Herzinsuffizienz (n = 2411), herangezogen. Als Anämie wurde ein Hämoglobinspiegel von < 11 mg/dl bei Frauen und < 12 mg/dl bei Männern definiert.

Die Patienten der IN-CHF wiesen in 15,5%, die 5010 Patienten der ValHeFT in 9,9% eine Anämie auf. Bei den anämischen Teilnehmern waren ein höheres Alter, schwerere Insuffizienzausprägung, häufigere ischämische Insuffizienzursache und ein höherer Kreatininspiegel zu beobachten als bei den Personen mit normalem Hämoglobin. In beiden Studienpopulationen lag die Mortalität bei Anämie deutlich höher: nach einem Jahr bei 26% versus 13% in der IN-CHF, wobei die Multivarianzanalyse die Anämie als unabhängigen Risikofaktor identifizierte. Auch bei der ValHefFT-Studie, hier nach 23 Monaten, war die Mortalität bei Anämie mit 30% deutlich höher als bei normalem Hämoglobingehalt (18%), hier ebenfalls als unabhängiger Risikofaktor. In beiden Studien war das Ergebnis mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit unter 0,0001 hochsignifikant.

Mit einer Anämie muss demnach bei Herzinsuffizienten häufig gerechnet werden. Da die Anämie die Prognose deutlich verschlechtert, sollte der Anämiebehandlung unbedingt Aufmerksamkeit geschenkt werden, zumal Untersuchungen erkennen liessen, dass die Korrektur der Anämie die Insuffizienzsymptomatik verbessert.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


Endothelin-Blockade

Auf den Boden der Tatsachen geholt

BERLIN – Gegen den potenten Vasokonstriktor Endothelin liessen sich bereits Antagonisten wie beispielsweise Darusentan entwickeln. In der EARTH-Studie wurde die klinische Potenz dieses selektiven Endothelin-A-Inhibitors getestet. Professor Dr. Thomas Lüscher, Universitätsspital Zürich, und Dr. Inder S. Anand, Universität von Minnesota, stellten die Ergebnisse mit einem lachenden und einem weinenden Auge am Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vor.

Positiv ist die gute Verträglichkeit, die die Substanz über den sechsmonatigen Einsatz belegen konnte. Aufgenommen wurden Patienten mit Herzinsuffizienz. Geprüft werden sollte die Hypothese, dass die Endothelinblockade das Remodeling des Herzmuskels verzögern oder aufhalten kann, hinzu kam das Austesten unterschiedlicher Dosierungen und die Untersuchung auf Sicherheitsaspekte. Darusentan wurde im Plazebovergleich zusätzlich zur etablierten Behandlung gegeben.

Während die Studiengruppe zeigen konnte, dass alle Dosierungen zwischen 10 und 300 mg/Tag gut verträglich waren, liess sich kein durchschlagender Effekt auf den Zielparameter, die Änderung des endsystolischen Kammervolumens, nachweisen. Allerdings ergab sich in bestimmten Subgruppen ein stärkerer Trend in diese Richtung.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


 

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