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Schwere
stabile Herzinsuffizienz
Keine
Angst vor Betablockern
BERLIN
- Viele Ärzte setzen Betablocker bei schwer kranken Patienten mit
chronischer Herzinsuffizienz eher zurückhaltend ein. Dabei profitieren
gerade sie am meisten. Ein
Grund für die Zurückhaltung ist sicher, dass Patienten mit schwerer
stabiler Herzinsuffizienz in der langen Einstellungsphase auf einen Betablocker
sehr sorgfältig überwacht werden müssen. Doch die Mühe
zahlt sich aus.
Wie Professor
Dr. Erland Erdmann, Abteilung für Kardiologie der Universität
Köln, auf einem Symposium der Firma Merck berichtete, bewirken
Betablocker bei mittlerer oder schwerer Herzinsuffizienz (NYHA III und
IV) eine ebenso starke Senkung der Mortalität wie bei leichteren
Formen, nämlich um etwa 35 %. In der CIBIS-II-Studie, in der Bisoprolol
(ConcorR) in Kombination mit einem ACE-Hemmer und einem Diuretikum
verabreicht wurde, war die absolute Senkung der Mortalität bei Patienten
im Stadium NYHA IV sogar höher als im Stadium III.
Doch welche
Patienten benötigen einen Betablocker am dringendsten? Laut Subgruppenanalyse
der CIBIS-II-Studie und anderer großer Studien mit Betablockern
sind dies gerade jene mit der schlechtesten Prognose, d.h. mit schwerer
stabiler Herzinsuffizienz und/oder einem hohem Risiko für einen plötzlichen
Herztod, Diabetes, Nierenversagen, niedriger Auswurffraktion sowie in
höherem Lebensalter. "Egal wie schlecht es dem Patienten auch geht:
Unter einem Betablocker geht es allen besser", so der Kardiologe.
Derzeit werden
Betablocker bei stabiler Herzinsuffizienz noch on Top zu ACE-Hemmern und
einem Diuretikum empfohlen. Dabei wäre es möglicherweise sogar
besser, unter Berücksichtigung der Kontraindikationen gleich mit
einem Betablocker einzusteigen, berichtete Dr. Christian A. Schneider,
Abteilung für Kardiologie der Universität Köln. Denn sie
reduzieren das Risiko für einen plötzlichen Herztod um bis zu
50 %, ACE-Hemmer dagegen nur um etwa 20 %.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, MH)
Ermutigende
Studienergebnisse
Helfen
Stammzellen bei Infarkt?
BERLIN
– Mit adulten Stammzellen sind an der Universitätsklinik in Frankfurt
am Main bei ersten Patienten mit akutem Herzinfarkt ermutigende Ergebnisse
erzielt worden. Vier Monate nach der Behandlung hatte sich die Auswurffraktion
der Patienten gebessert und die koronare Flussreserve des Infarktgefäßes
normalisiert.
Professor
Dr. Andreas Zeiher aus Frankfurt warnte allerdings bei einer Pressekonferenz
während des Europäischen Kardiologenkongresses in Berlin vor
verfrühter Euphorie. "Es sind vorläufige Ergebnisse. Wir
brauchen eine kontrollierte randomisierte Untersuchung, um diese Ergebnisse
zu bestätigen." Mitte Oktober soll mit dieser Untersuchung begonnen
werden.
An der Pilotstudie
haben 52 Patienten teilgenommen. Erste klinische Daten nach vier Monaten
Behandlungszeit liegen für 19 Patienten vor. Neun Patienten erhielten
vier bis fünf Tage nach dem Infarkt Stammzellen aus dem Knochenmark
mittels Katheter in die Koronararterie im Infarktbereich infundiert, zehn
Patienten erhielten Stammzellen aus dem Blut, sogenannte endotheliale
Vorläuferzellen, berichtete Dr. Stefanie Dimmeler während
eines Symposiums am ESC. Diese Zellen wurden vorher drei Tage lang in
Blut kultiviert. Bei allen Patienten hatte sich vier Monate später
die Auswurffraktion deutlich stärker gebessert als bei elf Kontrollpatienten,
und zwar in einer Größenordnung von etwa 9 %. Die koronare
Flussreserve der Infarktgefäße unterschied sich bei den mit
Stammzellen behandelten Patienten nicht mehr signifikant vom Blutfluss
in anderen Koronargefäßen.
Da eine echte
Kontrollgruppe in der Pilotstudie fehlte, könne man allerdings nicht
mit Sicherheit sagen, ob diese Verbesserungen tatsächlich auf die
Stammzelltherapie zurückzuführen seien, sagte Prof. Zeiher.
Es könne solche Verbesserungen auch bei einem natürlichen Verlauf
geben. Belegt wurde mit der Pilotstudie, dass die Stammzelltherapie machbar
und sicher sei. Es gab keine Hinweise dafür, dass die Therapie Arrhythmien
oder Entzündungen fördere oder die Gefahr bestehe, mit der Zellinfusion
kleine Gefäße zu verschließen.
Für
die Zelltherapie nach akutem Infarkt, mit dem Ziel ischämisches Gewebe
zu ersetzen, werden außer Stammzellen aus dem Blut und aus dem Knochenmark
auch Herzmuskelzellen, Myoblasten aus Skelettmuskeln sowie embryonale
Stammzellen erprobt. Unklar ist derzeit, welche Zellen den größten
Behandlungserfolg haben und wie sie am besten appliziert werden sollen.
Prof. Zeiher: "Wir sollten uns bei Infarkt-Patienten auf die Behandlung
mit adulten Stammzellen konzentrieren."
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, Roland Fath)
Neues
von den Sartanen
Der renoprotektiven
Wirkung auf den Grund gegangen
BERLIN
– Mittlerweile gibt es ausreichend Studien, die belegen, dass Sartane
bei Hypertonikern mit Nephropathie protektive Wirkungen auf die Niere
entfalten. Dr. Christian Delles, Universität Erlangen-Nürnberg,
untersuchte anhand eines Vergleichs zwischen Valsartan und Amlodipin genauer,
wie die renoprotektive Wirkung zu erklären ist, denn hierüber
gibt es bislang deutlich weniger Erkenntnisse.
In die randomisierte
Doppelblindstudie wurden 58 Patienten mit milder bis mässiger essentieller
Hypertonie aufgenommen. Sie erhielten 80 – 160 mg Valsartan oder 5 – 10
mg Amlodipin. Zu Studienbeginn und nach achtwöchiger Behandlung wurden
folgende Parameter der renalen Perfusion ermittelt: Renaler Plasmafluss
(RPF), glomeruläre Filtrationsrate (GFR), NO-Einfluss auf die renale
Perfusion, glomerulärer hydrostatischer Druck (Pglo), Widerstand
der afferenten und efferenten Arteriolen (RA bzw. RE).
Die Blutdrucksenkung
und der RPF lag bei beiden Antihypertensiva im vergleichbaren Bereich.
Dagegen stieg die GFR unter Amlodipin an, blieb unter Valsartan aber gleich.
Der Quotient RE/RA nahm unter Amlodipin stärker als unter dem AT1-Blocker
ab. Parallel hierzu stieg auch der Pglo unter Amlodipin an, veränderte
sich unter dem Sartan jedoch nicht. Die NO-Verfügbarkeit blieb unter
Valsartan unverändert und nahm unter Amlodipin ab.
Das bedeutet,
dass die glomeruläre Filtrationsrate und der glomerululäre hydrostatische
Druck unter Valsartan unbeeinflusst bleiben. Amlodipin dagegen bewirkt
eine glomeruläre Hyperfiltration und einen glomerulären Druckanstieg.
Gemeinsam mit der unterschiedlichen Wirkung auf die NO-Verfügbarkeit
im Gefässbett können diese Befunde erhellen, warum bei vergleichbarer
Blutdruckwirkung unter Valsartan-Behandlung ein Schutz der Niere zu beobachten
ist.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Valsartan
bei Herzinsuffizienz
Neue Subgruppen-Analyse
vorgestellt
BERLIN
– Nachdem die wichtigsten Ergebnisse der ValHeFT-Studie bereits aus dem
Hut gezogen wurden, interessierte sich die Arbeitsgruppe um Dr. Aldo Pietro
Maggioni des ANMO Research Center in Florenz dafür, welche Subgruppen
mit speziellen Patientencharakteristika in den sekundären Endpunkten
von einer Valsartan-Einnahme profitieren. Die Antwort: jüngere wie
ältere, Männer wie Frauen. Auch in weiteren Subgruppen lag Valsartan
gegenüber Plazebo im Vorteil.
Als sekundäre
Endpunkte wurden untersucht: das Eintreten einer nichtletalen Herzinsuffizienz
(NLH), eine Erkrankung mit Spitalaufnahme (SA) oder Tod auf Grund eines
kardiovaskulären Ereignisses. Insgesamt waren in die Studie 5010
mässig Herzinsuffiziente aufgenommen und mit Valsartan (titriert
bis 160 mg zweimal täglich) oder Plazebo, jeweils zusätzlich
zu ihrer Standard-Herzinsuffizienztherapie, behandelt worden. Subgruppenanalysen
zeigten hinsichtlich Alter, Geschlecht, NYHA-Klasse, Präsenz oder
Absenz einer koronaren Herzkrankheit und linksventrikulärer Auswurffraktion
gleiche Ergebnisse und einen hochsignifikanten Vorteil des Valsartans
gegenüber Plazebo beim sekundären Endpunkt NLH und SA.
Bei Diabetikern
wurde ebenfalls eine markantere Risikoreduktion unter Valsartan als unter
Plazebo beobachtet (13%), jedoch nicht signifikant – im Gegensatz zu einem
signifikanten Vorteil des AT1-Blockers bei Nichtdiabetikern. Der sekundäre
Endpunkt kardiovaskulärer Tod unterschied sich in der Valsartan-
und Plazebogruppe nicht signifikant.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Sekundärprävention
des Apoplex
Auch Normotensive
mit ACE-Hemmer behandeln
BERLIN
– Am Anfang steht die Hypertonie, im weiteren Verlauf kommt es dann als
häufigste Komplikation zum Apoplex. Tritt er ein, befinden sich die
meisten Patienten in der Normotonie.
Dass sich
weitere zerebrovaskuläre Ereignisse durch eine ACE-basierte weitere
Blutdrucksenkung verhindern lassen und die Häufigkeit einer Demenz
reduzieren lässt, war ein Ergebnis der PROGRESS-Studie, die Professor
Dr. Giuseppe Mancia, Mailand, am Kongress der Europäsichen
Gesellschaft für Kardiologie diskutierte.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
ACE-Hemmer
bei Atherosklerose und nach Herzinfarkt
Argumente
für Perindopril
BERLIN
– Was in der PROGRESS-Studie eher eine Nebenbeobachtung war, dass nämlich
bei Schlaganfallpatienten, die Perindopril (+ Indapamid) erhielten,
die Rate an nichttödlichen Myokardinfarkten um 38% gesenkt wurde,
rückte am Kongress der Europäischen Gesellschaft für
Kardiologie in den Mittelpunkt des Interesses. An einem Satellitensymposium
von Servier wurde deutlich, dass die speziellen Eigenschaften des
Perindoprils hinsichtlich des Einflusses auf die Atherosklerose und des
hämodynamischen Profils nicht mehr erlauben, alle ACE-Hemmer über
einen Kamm zu scheren.
Professor
Dr. Roberto Ferrari, Universität Ferrara, rief verschiedene,
vermutlich durch alle ACE-Hemmer erreichte biologische Wirkungen in Erinnerung:
die Verminderung des Wachstums glatter Muskelzellen, die Endothelstabilisierung,
die Hemmung der Upregulation des endothelialen ACEs, eine Plaquestabilisierung
und Antioxidation.
Über
die Blockade des AT-II-Rezeptors und entsprechende Gefässwirkungen
hinaus beeinflussen ACE-Hemmer aber auch den Gegenspieler im Schauspiel
der Endothel- und Gefässreaktionen, das gefässrelaxierende Bradykinin.
Hier treten interessante Unterschiede zwischen den einzelnen ACE-Hemmern
zu Tage. Perindopril steigert die Bradykinin-Konzentration stärker
als Enalapril, indem es den Bradykinin-Abbau stärker bremst.
Klinische
Unterschiede zwischen Perindopril und Captopril trug Professor Dr.
Henry J. Dargie, Western Infirmary Glasgow, vor. Zwei Vergleichsstudien
zwischen beiden ACE-Hemmern zeigten eine stärkere Blutdrucksenkung
durch Captopril bei Patienten nach akutem Myokardinfarkt. Insgesamt unterschied
sich das Blutdruck-Tagesprofil beider Substanzen deutlich. Während
Captopril zunächst eine raschere und stärkere Blutdrucksenkung
erreichte, stieg unter diesem ACE-Hemmer der Blutdruck relativ früh
und stark an. Perindopril erzielte eine abgeflachtere Kurve mit einem
vergleichsweise verzögerten Blutdruckabfall und einem schwächeren
Anstieg, der in der Schlafphase lag. Unterschiede ergaben sich auch hinsichtlich
der Auswurffraktion, die unter Perindopril-Gabe stärker anstieg,
begleitet von einem deutlicheren Abfall des Brain natriuretic peptide.
Professor Dargie hält dies für einen Hinweis darauf, dass ein
hämodynamisches Profil, wie es Perindopril erreicht, bei Patienten
mit akutem Myokardinfarkt und linksventrikulärer Dysfunktion besonders
vorteilhaft ist.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
GRACIA
zeigt
Frühe
Intervention bei akuter Myokardischämie konventioneller Behandlung
überlegen
BERLIN
– Nachdem heute zur Behandlung akuter Myokardischämien Stents sowie
potentere thrombolytische Medikamente als in früheren Studien zur
Verfügung stehen, war es an der Zeit, wieder einmal per aktueller
Studie zu überprüfen, ob die konventionelle oder die frühe
interventionelle Behandlung dem Patienten einen besseren Benefit bringen.
Eine spanisch-portugiesische Arbeitsgruppe um Professor Francisco F. Avilés,
Valladolid, stellte die eindeutigen Ergebnisse am Kongress der Europäischen
Gesellschaft für Kardiologie vor.
Frühere
Studien liessen nur den Schluss zu, dass es unnötig bis gefährlich
ist, eine Thrombolyse bei akuter Myokardischämie durch eine sehr
frühe Intervention zu ergänzen. Diese Studien verwendeten aber
beispielsweise weder GPIIb/IIIa-Inhibitoren noch Stents. Um also für
die derzeit geübte Behandlung klare Aussagen treffen zu können,
randomisierten Professor Avilés und Mitarbeiter 500 Patienten mit
einem akuten koronaren Ereignis entweder in eine Gruppe mit derzeit empfohlenem
Thrombolyse-Vorgehen oder in eine Gruppe mit kardialer Intervention, die
zusätzlich zur Thrombolyse innerhalb 24 Stunden nach Lysebeginn eingesetzt
wurde. Diese Patienten erhielten einen Stent (81%) oder eine Bypass-Operation
(3%), wenn möglich.
Nach 30 Tagen
lag die Mortalitätsrate in beiden Gruppen gleich hoch, aber die nichttödlichen
kardialen Ereignisse liessen sich in der Interventionsgruppe signifikant
von 3,7% auf 0,8% senken (p < 0,003). Die Blutungsrate lag in dieser
Studie generell niedrig, in der Interventionsgruppe bei 2,4% und in der
konservativ behandelten Gruppe bei 1,6%. Die Liegedauer im Spital war
in der Interventionsgruppe um 3,5 Tage verkürzt (7,6 vs. 11,2).
Ingesamt
ist damit die frühe Intervention zusätzlich zur Thrombolyse
daher nach dieser Studie als sicher zu bezeichnen, da sie weder die Rate
an unerwünschten Ereignissen (kardial oder rheologisch) steigert.
Sie verkürzt den Spitalaufenthalt und vermindert die Häufigkeit
weiterer Ereignisse in der Postspitalphase.
GRACIA
= Grupo de Análisis de la Cardiopatía Isquémica Aguda
- n = 500
Patienten mit akutem koronarem Ereignis
- Ziel:
Vergleich zwischen konservativer Behandlung mit Thrombolyse und Thrombolyse
plus Intervention
Ergebnis:
- Kardiale
Ereignisse nach 30 Tagen durch frühe, die Thrombolyse ergänzende
koronare Intervention von 3,7 auf 0,8% gesenkt
- Niedrige
Blutungsrate in der Interventions-Gruppe (2,4 vs. 1,6%)
- Spitalaufenthalt
verkürzt von 7,6 + 6,4 Tage auf 11,2 + 6,8 Tage
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
GIP
reicht
Allerweltsmedikamente
schützen bei Angioplastie vor Ischämiefolgen
BERLIN
– Während und nach einer akuten Ischämie braucht das Gewebe
Futter, um sich möglichst rasch wieder zu erholen. Experimentelle
Befunde aus der Vergangenheit legten nahe, dass die Gabe von Glucose,
Insulin und Kalium den Schaden begrenzt, der durch den Perfusionsstopp
gesetzt wird. Dr. Felix Zijlstra, Zwolle, fand dies vielversprechend und
überprüfte diese metabolische Behandlung als Zusatztherapie
bei 940 Patienten, die sich einer primären Angioplastie unterzogen.
Für Patienten ohne Herzinsuffizienz erwies sich dies als erfolgreich.
Zunächst
einmal gaben die Gesamtergebnisse der Studie mit open-Label-Design nicht
viel her: die Mortalität lag bei den mit GIP (Glucose, Insulin, Potassium
= Kalium)-Behandelten bei 4,8% und war bei den Kontrollen mit 5,8% praktisch
vergleichbar (Differenz statistisch nicht signifikant). Unter den Patienten
ohne Anzeichen für eine Herzinsuffizienz (90% der Gesamtpopulation)
ergab sich dagegen ein anderes Bild: hier lag die Mortalität in der
GIP-Gruppe bei 1,2%, in der Kontrollgruppe bei 4,2%. Dieser Vorteil tritt
bereits in den ersten Tagen nach Anwendung zu Tage. Die kostengünstige
Zusatzbehandlung erscheint der Arbeitsgruppe daher als viel versprechend.
Das angewandte Regime: 80 mmol KCl in 500 ml Glucose 20% plus Insulin,
stündlich titriert.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Kardioprävention
durch CSE-Hemmer
Wirkung
hält jahrelang an
BERLIN
– Fünf Jahre nach Ende von WOSCOPS lassen sich
immer noch kardiopräventive Effekte der geprüften Therapie mit
Pravastatin nachweisen.
Die
kardiovaskuläre Mortalität liegt in der ehemaligen Verumgruppe
nach wie vor deutlich niedriger als in der "alten" Plazebogruppe,
berichtete Professor Dr. Ian Ford vom Robertson Centre for Biostatistics
der Glasgow University beim ESC-Kongress. Während im Nachbeobachtungszeitraum
92 (2,7%) der ursprünglichen 3302 Pravastatin-Patienten "am
Herzen" verstarben, waren es in der Plazebogruppe 186 von 3293 (3,4%).
Keine signifikanten Unterschiede ließen sich dagegen für die
nichtkardiovaskuläre und die Krebs-Mortalität nachweisen.
WOSCOPS:
West of Scotland Coronary Prevention Study.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, Md)
24-Stunden-Messung
zeigte es
Statine
senken den Blutdruck
BERLIN
– Die Frage, ob Statine den Blutdruck senken, beantworten manche Autoren
mit "ja", andere mit "nein". Italienische Kollegen
um Dottore L. Terzoli, Osp Vimercate, Seregno wollten nun Genaueres wissen
und zogen dazu die Langzeitblutdruckmessung zu Rate.
44
Patienten mit Serumcholesterinwerten über 200 mg/dl erhielten ein
Statin nach Wahl ihres Arztes bzw. Plazebo über zwei Monate. Während
sich in der Kontrollgruppe weder Serumlipide noch Blutdruck signifikant
änderten, sanken in der Verumgruppe nicht nur die Blutfette: Der
Druck rund um die Uhr reduzierte sich im Mittel um 3,7 mmHg, die
Werte tagsüber um 4,3 mmHg. In der Subgruppe, die besonders
stark auf Statine ansprach (Cholesterinsenkung um mehr als 70 mg/dl),
waren es sogar 4,5 bzw. 5 mmHg.
Statine
haben milde bis moderate blutdrucksenkende Wirkung, die sich durch 24-Stunden-Blutdruckmessung
vor allem am Tage, aber nicht nachts nachweisen lässt, resümierten
die Autoren. Bei starker Cholesterinsenkung, hieß es weiter, fällt
auch die Drucksenkung deutlicher aus.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, CG)
Blutdruck
gut eingestellt?
Rauchern
nicht in die Falle gehen
BERLIN
– Wenn Ihr Hochdruckpatient mehr als zehn Zigaretten täglich raucht,
sollten Sie unbedingt eine Langzeitblutdruckmessung vornehmen, bevor Sie
ihn als "gut eingestellt" betrachten. Ziehen Sie Ihre Schlüsse
bei diesen Patienten nur aus der Praxismessung, laufen Sie Gefahr, nicht
ausreichend zu behandeln, warnten dänische Kollegen beim ESC-Kongress.
K.S.
Kristensen, Holbaek, et al. hatten in ihrer Studie bei mehr als 100
rauchenden und über 300 nicht rauchenden Hypertonikern die Werte
von Gelegenheitsmessungen mit denen einer 24-Stunden-Aufzeichnung verglichen.
Das bekannte Phänomen, dass der Blutdruckwert über den Tag meist
deutlich niedriger ausfällt, als der in der Praxis gemessene, traf
für starke Raucher nicht zu, wie sich zeigte. Während der Tages-Druck
bei ihnen gerade mal 1 mmHg unter dem Gelegenheitsblutdruck lag,
betrug dieser Unterschied bei Nichtrauchern mehr als 7 mmHg. Die
Praxismessung gaukelt bei starken Qualmern also eine bessere Blutdruckeinstellung
vor als dies tatsächlich der Fall ist, folgern die Autoren.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, CG)
Risiko-Check
unter der Lupe
Cholesterinbestimmung
in Kürze alter Hut?
BERLIN
– Die atherogenen Lipidfraktionen – LDL, VLDL, kleines dichtes LDL – werden
allesamt durch Apolipoprotein B (Apo B) durch die Gefässlandschaft
transportiert. Die gefäss-schützenden Lipide, allen voran HDL,
gehören dagegen der Apolipoprotein-A1-Fahrgemeinschaft an. Da die
Bestimmung dieser Lipoproteine zuverlässiger, hinsichtlich des Risikos
für eine koronare Herzkrankheit informativer und nicht teurer ist
als die herkömmliche Gesamt- und HDL-Cholesterinbestimmung ist, plädierte
Professor Dr. Chris Packard vom Glasgow Royal Infirmary dafür, die
ApoB- und –A-Bestimmung zukünftig der Cholesterinbestimmung vorzuziehen,
zumal die Grenzwerte simpel zu memorieren sind (Behandlungsziel: Apo B
< 1g/L, ApoA > 1g/L).
Bereits frühere
Studien hatten angedeutet, dass bei gleichen LDL-Spiegeln interindividuell
ein unterschiedlich hohes atherogenes Risiko bestehen kann, zeigte Professor
Packard auf einem Satellitensymposium der AstraZeneca. Besonders trifft
das für Patienten mit gleichzeitig erhöhten Triglyceridspiegeln
zu. Der ApoB-Spiegel erwies sich bereits in mehreren Studien als ein unabhängiger
Risikoprädiktor für eine koronare Herzkrankheit. Eine aktuelle
Untersuchung zeigte, dass auch ein niedriger ApoA-Spiegel die einzige
prädiktive Variable für eine koronare Herzkrankheit war, wenn
keine der üblichen Risikofaktoren wie Hypercholesterinämie,
Bluthochdruck, Diabetes, Familienanamnese vorzeitiger Herzerkrankungen
nachweisbar waren.
Inzwischen
sind Apolipoproteinbestimmungen zuverlässig zu handhaben, die Standardisierung
ist gut, und die Bestimmungen sind präziser und spezifischer als
die des Cholesterins. Datenmaterial ist aus etlichen Studien vorhanden.
Professor Packard bezeichnete die Bestimmung von ApoB und ApoA1 daher
als extrem gute Alternative zur Cholesterinbestimmung. Das einzige derzeitige
Manko ist nur darin zu sehen, dass die Behandlungsrichtlinien noch keine
Grenzwerte für ApoB, ApoA1 und den Quotienten aus beiden angeben.
Dies sollte schnellstmöglich nachgeholt werden, da durch diese neue
Bestimmung noch umfangreichere Informationen zum Risiko bei eher niedrigeren
Kosten zu gewinnen seien.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Ran
an die Herzinsuffizienz
Anämie
behandeln, Mortalität senken
BERLIN
– Eine Anämie ist bei Herzinsuffizienten nicht selten. In der Framingham-Studie
wurde eine Anämie als unabhängiger Risikofaktor für die
Entwicklung einer Herzinsuffizienz herausgearbeitet, und in der SOLVD-Studie
erwies sie sich als wichtiger Prädiktor für Mortalität.
Daten der ValHeFT-Studie und einer weiteren Studie wurden dazu herangezogen,
die Häufigkeit und prognostische Bedeutung der Anämie in der
Herzinsuffizienz zu beleuchten. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Aldo Pietro
Maggioni stellte die interessanten Ergebnisse am Kongress der Europäischen
Gesellschaft für Kardiologie vor.
Da die Patienten
der ValHeFT-Studie relativ selektioniert waren, wurde für ein Spiegelbild
der klinischen Praxis als weitere Population das Material der IN-CHF,
eher unselektionierte ambulante Patienten mit Herzinsuffizienz (n = 2411),
herangezogen. Als Anämie wurde ein Hämoglobinspiegel von <
11 mg/dl bei Frauen und < 12 mg/dl bei Männern definiert.
Die Patienten
der IN-CHF wiesen in 15,5%, die 5010 Patienten der ValHeFT in 9,9% eine
Anämie auf. Bei den anämischen Teilnehmern waren ein höheres
Alter, schwerere Insuffizienzausprägung, häufigere ischämische
Insuffizienzursache und ein höherer Kreatininspiegel zu beobachten
als bei den Personen mit normalem Hämoglobin. In beiden Studienpopulationen
lag die Mortalität bei Anämie deutlich höher: nach einem
Jahr bei 26% versus 13% in der IN-CHF, wobei die Multivarianzanalyse die
Anämie als unabhängigen Risikofaktor identifizierte. Auch bei
der ValHefFT-Studie, hier nach 23 Monaten, war die Mortalität bei
Anämie mit 30% deutlich höher als bei normalem Hämoglobingehalt
(18%), hier ebenfalls als unabhängiger Risikofaktor. In beiden Studien
war das Ergebnis mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit unter 0,0001 hochsignifikant.
Mit einer
Anämie muss demnach bei Herzinsuffizienten häufig gerechnet
werden. Da die Anämie die Prognose deutlich verschlechtert, sollte
der Anämiebehandlung unbedingt Aufmerksamkeit geschenkt werden, zumal
Untersuchungen erkennen liessen, dass die Korrektur der Anämie die
Insuffizienzsymptomatik verbessert.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Endothelin-Blockade
Auf den
Boden der Tatsachen geholt
BERLIN
– Gegen den potenten Vasokonstriktor Endothelin liessen sich bereits Antagonisten
wie beispielsweise Darusentan entwickeln. In der EARTH-Studie wurde die
klinische Potenz dieses selektiven Endothelin-A-Inhibitors getestet. Professor
Dr. Thomas Lüscher, Universitätsspital Zürich, und Dr.
Inder S. Anand, Universität von Minnesota, stellten die Ergebnisse
mit einem lachenden und einem weinenden Auge am Kongress der Europäischen
Gesellschaft für Kardiologie vor.
Positiv ist
die gute Verträglichkeit, die die Substanz über den sechsmonatigen
Einsatz belegen konnte. Aufgenommen wurden Patienten mit Herzinsuffizienz.
Geprüft werden sollte die Hypothese, dass die Endothelinblockade
das Remodeling des Herzmuskels verzögern oder aufhalten kann, hinzu
kam das Austesten unterschiedlicher Dosierungen und die Untersuchung auf
Sicherheitsaspekte. Darusentan wurde im Plazebovergleich zusätzlich
zur etablierten Behandlung gegeben.
Während
die Studiengruppe zeigen konnte, dass alle Dosierungen zwischen 10 und
300 mg/Tag gut verträglich waren, liess sich kein durchschlagender
Effekt auf den Zielparameter, die Änderung des endsystolischen Kammervolumens,
nachweisen. Allerdings ergab sich in bestimmten Subgruppen ein stärkerer
Trend in diese Richtung.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
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