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Overnight
Reports aus Kopenhagen vom
Jahrestreffen der
European Respiratory Society 2005
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22. September 2005
Paradoxon: Verfall der Lungenfunktion bei
milder COPD besonders rasch
KOPENHAGEN - Wenn Patienten an einer milden Form der COPD leiden, ist das kein
Grund, sich in Sicherheit zu wiegen: Dr. David Halpin vom Royal Devon and Exeter
Hospital in Exeter zeigte am Jahreskongress der European Respiratory Society,
dass in diesem Anfangsstadium der Verfall der Lungenfunktion am stärksten
ausgeprägt ist.
Seine Studienpopulation setzte sich aus Probanden zusammen, die in mehreren
pharmakologischen Studien als Plazebogruppe gedient hatten. Sie hatten alle
eine stabile COPD. Teilweise hatten sie an 6-, teilweise an 12-Monatsstudien
teilgenommen. Insgesamt wurden 1046 Probanden analysiert, auch aufgeteilt auf
verschiedene Subgruppen betreffend Rauchstatus, Geschlecht, Alter sowie in die
Subgruppen mit unterschiedlicher Schwere der stabilen COPD. Die Einteilung in
die Gruppen "mild", "mässig" und "schwer"
wurde anhand der forcierten Einsekundenkapazität (FEV1) getroffen: >
50% des erwarteten Wertes = mild, 35 - < 50% = mässig, < 35% = schwer.
Während die
anderen Subgruppen keinen Trend hinsichtlich des Lungenfunktionsverlaufs zu
erkennen gaben, zeigte sich ein klarer Unterschied bei der Unterteilung nach
COPD-Schweregrad: In der Gruppe der Patienten mit schwerer COPD (n = 210) blieb
die FEV1 über 12 Monate mehr oder weniger gleich und zeigte eher einen
Trend zur leichten Verbesserung. In der Gruppe der mässig schweren COPD
(n = 283) nahm die FEV1 etwa um weitere 5% ab, unter den mild Erkrankten(n =
244) sank sie jedoch am stärksten, um etwas mehr als 5%.
Im Trend sank die
FEV1 stärker bei Personen über 65 Jahren, was die Forscher eher weniger
überraschte. Anders die Beobachtung bei Exrauchern: Bei ihnen sank im Trend
die FEV1 über 12 Monate ebenfalls stärker als bei den Rauchern. Das
bislang noch keineswegs klare Bild sollte durch längere prospektive Studien
noch geschärft werden.
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Pandemie
nur eine Frage der Zeit: Wie schützen?
KOPENHAGEN - Ob es sich um die nahende ganz normale Grippesaison handelt oder
um die Furcht, die Vogelgrippe könne nach Europa eingeschleppt werden,
die Infektiologen werden immer nervöser, weil sie eine neue Pandemie fürchten.
Professor Dr. Donald Milton, Harvard School of Public Health in Boston, listete
am
Jahreskongress der European Respiratory Society
die Möglichkeiten auf, die auch dem Einzelnen für seinen Schutz zur
Verfügung stehen.
Welche Massnahmen nützlich sind, um den Ausbruch einer globalen oder auch
nur lokalen Infektion zu bekämpfen, hängt von der Kontagiosität
und der Reproduktionszeit des Keimes ab. Bei SARS betrug die Kontagiosität
nahezu 100%, bei Influenza liegt sie um 40%. Die Reproduktionsdauer bei SARS
betrug 10 Tage und liess Zeit zu reagieren, die Reproduktionsdauer der Influenzaviren
beträgt 2 Tage, sodass Menschen den Keim weitergeben, bevor sie selbst
Krankheitszeichen zeigen. In dieser Situation nutzt Isolierung und Quarantäne
nicht viel.
| Generell
sind das aber derzeit für Bedrohungen wie SARS die vernünftigsten
Optionen: Isolierung der Erkrankten und Quarantäne der Kontaktpersonen.
Bei der Vogelgrippe steht die Option der antiviralen Therapie zur Verfügung,
aber um einen globalen Ausbruch zu vermeiden, müssten die einzelnen
Länder hierzu immense Vorräte lagern. |
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Touristenmagnet
Nyhaven |
Prof. Milton bedauert,
dass keine Kooperation der einzelnen Länder hierbei abzusehen ist. Bei
der Influenza bietet sich mit der Grippeimpfung eine Möglichkeit zum Eingreifen.
Um die Ausbreitung
in der Öffentlichkeit zu beeinflussen, stehen ebenfalls zwei Methoden zur
Verfügung: Die Luftreinigung und das Tragen von Masken. Zur Luftreinigung
eines Kongresssaales beispielsweise müsste die Luft 100-mal pro Stunde
komplett ausgetauscht werden - Notizzettel und Vortragsmanuskripte würden
dem Sturm kaum standhalten. Realistischer ist die Bestrahlung der Raumluft mit
Ultraviolettlicht des Spektrums C in Deckenhöhe. Auch damit lässt
sich die Keimlast in Räumen signifikant senken.
Schliesslich kann
jeder einzelne eine Atemmaske tragen. Empfohlen wird gegen Bedrohungen wie SARS
das Tragen einer sogenannten N-95-Maske. Sie filtriert definitionsgemäss
mindestens 95% aller Partikel und mindestens 95% der Bakterien. Im Tragen muss
man jedoch geschult sein, und die Maske ist individuell anzupassen. Bisher sind
Personen mit dieser Maske ausgestattet, die mit infizierten Patienten arbeiten.
Immerhin gibt es auch einfachere Methoden für den Eigenschutz: Häufiges
Händewaschen und Impfungen wahrnehmen, riet Prof. Milton.
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Frische
Luft in der Schweiz - Leben am Strassenrand steigert die Luftnot
KOPENHAGEN - Die Swiss Study on Air Pollution And Lung Disease In Adults,
am Kongress der European Respiratory Society von Dr. Lucy Bayer-Ogleby
vorgestellt, wurde schweizweit bereits zum zweiten Mal durchgeführt. Sie
untersucht den Zusammenhang zwischen Wohnort, Schadstoffbelastung aufgrund von
Verkehr und Atemwegsbeschwerden.
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erste Kohorte der SAPALDIA-Studie erhob im Jahr 1991 Daten von knapp zehntausend
Teilnehmern aus städtischen und ländlichen Gebieten der Schweiz.
Im Jahr 2002 wurden alle Teilnehmer erneut erfasst. 8047 konnten in die
zweite Auswertung aufgenommen werden. Ihr Alter betrug zu diesem Zeitpunkt
zwischen 28 und 70 Jahren. |
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Der Kongens
Nytorv im Zentrum von Kopenhagen |
Für jede Person wurde per Geocoding ermittelt, wie weit sie
von der nächsten Hauptstrasse entfernt wohnt und wie lange die Strassensegmente
in 200 m Entfernung zur Wohnadresse sind. Jeder fünfte untersuchte Schweizer
lebte an einem Ort mit hoher Belastung durch Verkehrsabgase.
Verschiedene Parameter
wie Atembeschwerden (Dyspnoe), Husten, Schleimbildung usw. wurden damit korreliert,
aber auch hinsichtlich Faktoren wie Rauchen, Allergie, sozioökonomischen
und etlichen weiteren Faktoren korrigiert.
Das Ergebnis, das
zwar nahelag, nun aber statistisch sorgfältig nachgewiesen ist: Verkehrsabgase
steigern das Risiko für Atemwegsbeschwerden. Das grösste Risiko für
Atemnot wurde bei Menschen gesehen, deren Wohnung höchstens 20 m entfernt
zu einer Hauptstrasse lag. Bei Nichtrauchern waren die Auswirkungen etwas deutlicher
als bei Rauchern.
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Im Flieger viel bewegen? Bei COPD lieber
nicht
KOPENHAGEN - Auch Patienten mit COPD sind reiselustig, aber sie sind gefährdet,
weil der Luftsauerstoffgehalt von etwa 20 auf 15% abfällt. Dr. Aina Akero,
Universitätsklinik Oslo, untersuchte das erste Mal im "wirklichen
Leben" auf Linienflügen, wie COPD-Patienten reagieren. Sie trug ihre
Beobachtungen am Jahreskongress der European Respiratory Society vor.
Die bisherigen Empfehlung zur Identifizierung von Risiken und Risikopatienten
bei Flügen von Lungenkranken beruhen ausschliesslich auf experimentellen
Studien. Deshalb ist die Studie von Akero interessant, die sich mit dem "wirklichen
Leben" befasste, und diese schliesst auch ein, dass der Patient mit Koffern
beschwert ist, längere Strecken im Flughafengebäude zurücklegen
muss, möglicherweise etwas Terminstress hat, neben der reduzierten Sauerstoffkonzentration
in der Kabine auch mit trockener Luft konfrontiert ist, beengt sitzt und durch
Turbulenzen fliegt. Sie untersuchte 18 COPD-Patienten, die eine Gehstrecke von
mindestens 50 Metern bewältigen konnten und eine Sauerstoffsättigung
von mindestens 94% im Alltag hatten. Die untersuchten Flüge dauerten durchschnittlich
5 Stunden und 40 Minuten lang.
Das
Ergebnis: Die arterielle Sauerstoffspannung im Blut ging bis zum Erreichen der
Flughöhe beträchtlich zurück, von 10,3 auf 8,6 kPa, blieb dann
bei 17 Patienten aber stabil, so lange der Reisende sitzen blieb. Gefährlich
wurde es, wenn er den Waschraum aufsuchte. Der weitere Abfall der Sauerstoffsättigung
fiel größer aus, als die bisherigen Richtlinien vermuteten. Bei diesen
relativ geringen Belastungen fiel der partielle Sauerstoffdruck von 90 auf 87
SpO2). Nach 4 Stunden wurde eine Abnahme des CO2-Partialdruckes von 5,0 auf
4,8 kPa beobachtet, und die Herzfrequenz stieg von 87 auf 95 Schläge pro
Minute.
Die
Patienten, deren Krankheit vor der Reise stabil war, erlebten dennoch keine
nennenswerten Probleme. Ein Patient dagegen hatte am Tag des Abfluges eine Exazerbation
mit schwerer Atemnot und brauchte während des Fluges eine zusätzliche
Sauerstoffgabe.
Insgesamt
glichen die Patienten durch Hyperventilation teilweise das verminderte Sauerstoffangebot
aus. Aber Dr. Akero warnte, dass das dies bei kritisch Kranken in eine Ermüdung
der Atemmuskulatur führen kann.
Insgesamt lauten ihre Empfehlungen wie folgt:
- Die derzeitigen
Richtlinien zur Beratung von COPD-Patienten hinsichtlich Flügen sind
unzureichend.
- Die Sauerstoffsättigung,
die am Boden gemessen wird, kann zwar die Sauerstoffsättigung während
des Fluges im gewissen Mass voraussagen (der Kabinendruck wird in der Regel
auf eine Höhe von 2000 Metern eingestellt), aber die Zuverlässigkeit
ist noch nicht hoch.
- Eine arterielle
Sauerstoffspannung von mindestens 9,3 kPa konnte nicht garantieren, dass der
Sauerstoffgehalt während des Fluges in einer akzeptablen Höhe bleibt.
Berücksichtigt
werden muss die Tatsache, dass sich die Patienten während Flügen auch
bewegen und dass dabei der Sauerstoffpartialdruck deutlich weiter absinken kann.
Deshalb gelte für COPD-Patienten die Empfehlung nicht, zur Thromboseprophylaxe
während Flügen viel auf und ab zu gehen. Ganz im Gegenteil, sie sollten
sich einen Sitzplatz in möglichst kurzer Entfernung zur Toilette anweisen
lassen und zur Thromboseprophylaxe - neben eventuellen medikamentösen Massnahmen
- nur die Wadenpumpe betätigen. Patienten mit instabilen Beschwerden vor
dem Flug sollte vom Flug ganz abgeraten werden.
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Medical Tribune-Online Schweiz, UNo
Gigantische COPD-Exazerbationsstudie
GIANT-Studie: Interimsergebnisse vorgestellt
KOPENHAGEN - Die GIANT-Studie mit dem unbescheidenen Namen Greatest International
Anti-Infective Trial in Patients with AECB untersucht die Wirksamkeit von Moxifloxacin
in der Behandlung einer akuten Exazerbation der chronischen Bronchitis. Am Jahreskongress
der European Respiratory Society stellte Dr. Marc Miravitlles, Barcelona,
Interimsergebnisse vor.
In die Zwischenauswertung der Phase-IV-Studie gingen die Daten von 3199 Patienten
ein. Die prospektive nicht interventionelle Studie läuft in 35 Ländern
und rekrutiert ambulant behandelte Patienten, die aufgrund ihrer akuten Exzerbation
Moxifloxacin erhalten. Die Patienten erhielten jeweils 400 mg Moxifloxacin, in
der Regel einmal täglich über fünf Tage. Durchschnittlich hatten
sie in den vorausgehenden Monaten knapp drei Exazerbationen pro Jahr durchgemacht,
und bei der aktuellen Episode präsentierten sich mit zunehmender Dyspnoe
(73% der Patienten), eitrigem Sputum (72%) und vermehrtem Sputumvolumen (69%).
Das Resultat der
Behandlung: 98,2% der Patienten wurden als deutlich verbessert oder von der
akuten Exazerbation als geheilt eingestuft. Die mittlere Dauer bis zur deutlichen
Verbesserung betrug 3,3 Tage ab Einnahmebeginn, die mittlere Dauer bis zur Heilung
6,0 Tage. Die Leistungsfähigkeit war über 2,5 Tage eingeschränkt,
Schlafstörungen aufgrund der Exazerbation dauerten im Durchschnitt 1,7
Nächte. Diese Resultate spiegelten sich in der Einschätzung der Ärzte
und der Patienten wider, die in entsprechend hohen Prozentsätzen über
95% zufrieden oder sehr zufrieden waren, zumal die Tolerabilität gut war.
Die gesamte GIANT-Studie
schliesst bislang knapp 23000 Patienten ein. In einer weiteren Interimsanalyse
zogen die Untersucher Einen Vergleich auch zur Therapie, die bei der letzten
Exazerbation zum Einsatz gekommen war. Die Zahl der Krankheitstage, an denen
das Befinden beeinträchtigt war, das Ansprechen und die Gesamtbeurteilung
schnitten in dieser offenen, unkontrollierten Postmarketing-Studie jeweils besser
ab als die Vortherapie. Hinsichtlich der Einschätzung "globale Wirksamkeit"
und "Verträglichkeit" ergaben sich keine Unterschiede zur Vortherapie.
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