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Overnight-Reports
vom 20. Jahrestreffen der
Europäischen Gesellschaft für Urologie, Istanbul, 2005
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Mittwoch,
23.03.2005
Drang- und Belastungsinkontinenz: Medikamentöse
Optionen schon in der Initialbehandlung
ISTANBUL - Die Erstbehandlung der Harninkontinenz kann in den Händen des
Grundversorgers liegen. Hierzu werden - sowohl für Drang- als auch für
Belastungsinkontinenz - in den aktualisierten Richtlinien der European Association
of Urology von 2005 Medikamente empfohlen. Professor Dr. Joachim Thüroff,
Universität Mainz, brachte die Teilnehmer am XX. Kongress der European
Association of Urology auf den neuesten Stand.
Die medikamentösen Optionen für die Drang- wie für die Belastungsinkontinenz,
die bislang dem Bereich der eher spezialisierten Therapie zugeordnet waren,
verschoben sich durch die neuen Richtlinien in die Zone der Initialtherapie.
Bei Frauen mit
Belastungsinkontinenz ist die medikamentöse Therapie der ersten Wahl jetzt
Duloxetin - besonders wirksam ist der SSRI, wenn er mit einem Beckenbodentraining
kombiniert wird. Bei gemischter Inkontinenz stehen Duloxetin und ein Antimuscarinicum
zur Wahl, und bei der Dranginkontinenz stehen an erster Stelle die Antimuscarinica.
Welches Medikament bei gemischter Inkontinenz favorisiert wird, richtet sich
nach dem vorherrschenden Moment der Inkontinenz. Inzwischen ist also für
beide Arten der Harninkontinenz eine medikamentöse Option in der Erstbehandlung
verfügbar, hob Prof. Thüroff hervor.
Wenn diese Initialtherapie
nicht ausreicht, wurde in den neuen Richtlinien die Empfehlung zur Behandlung
mit Schlingen (low tension slings) ausgesprochen. Für beide Geschlechter
kommen auch artifizielle Sphinkter in Betracht sowie auffüllende Substanzen,
die den Verschlussmechanismus unterstützen. Botulinumtoxin A, das bei überaktiver
Blase ebenfalls eingesetzt wurde, ist noch nicht zugelassen, sodass es keinen
Eingang in die Richtlinien-Überarbeitung fand. UNo
PSA erhöht und Biopsie negativ
- Was hilft weiter?
ISTANBUL - In der Praxis tauchen immer wieder die Patienten auf, bei der der
PSA-Spiegel weiter ansteigt, aber eine oder mehrere Biopsien der Prostata negativ
bleiben. Dr. Cornet Batlle, Universitätsklinik in Girona (Spanien), hat
Anlass zur Annahme, eine Methode mit recht hoher Spezifität und Sensitivität
zur Tumordetektion empfehlen zu können.
In Zusammenarbeit mit Radiologen und Pathologen überprüfte der Urologe
die Magnetresonanz-Spektroskopie zur Entdeckung eines Prostatakarzinoms in der
Situation, dass PSA in konsekutiven Überprüfungen ansteigt, aber eine
oder mehrere Biopsien negativ bleiben.
In seinem Patientengut
hatte er Patienten wie einen 68-Jährigen, bei dem der PSA-Wert von 10 auf
13 und schliesslich 16 ng/ml anstieg, aber drei Biopsien keinen Anhalt auf Verdächtiges
gaben. Bei einem 63-Jährigen mochte er nicht tatenlos zusehen, wie das
PSA in vier Untersuchungen von 12 auf 20 ng/ml anstieg und hier zwei Biopsien
nicht weiter halfen.
Insgesamt rekrutierte
er 27 Patienten. Bei 12 Männern mit ansteigenden PSA-Werten war eine einzelne
Biopsie negativ geblieben, bei 7 Patienten zwei Biopsien und bei 8 Patienten
mindestens drei Biopsien.
Wird die Übergangszone
der Prostata mit Magnetresonanzspektroskopie untersucht, betragen die Gesamtgenauigkeit,
die Sensitivität und die Spezifität 85%, 75% bzw. 87%. Bei Untersuchung
der peripheren Zone lauteten die entsprechenden Zahlen 92%, 83% und 95%. Dies
liess sich anhand von Sextant-Biopsien verifizieren, die anschliessend an die
MRI-Spektroskopie vorgenommen wurden. Benigne und maligne Bereiche lassen sich
demnach mit dreidimensionaler Magnetresonanzspektroskopie differenzieren und
lokalisieren. Beide Zonen müssen hierzu untersucht werden. UNo
Überaktive Blase
Symptombesserung über Nacht
ISTANBUL - Mit vier Milligramm des Anticholinergikums Tolterodin allabendlich
bessern sich Symptome der überaktiven Blase. Zudem werden so therapielimitierende
Nebenwirkungen reduziert, berichtete Dr. Paul Abrams, Bristol, Grossbritannien,
am 20. Jahreskongress der European Association of Urology.
Dr. Abrams und Kollegen untersuchten die Wirksamkeit und Verträglichkeit
des abends verabreichten Depotpräparats bei 848 Patienten mit überaktiver
Blase im Vergleich zu Plazebo.
Unter dem Muscarinrezeptor-Antagonisten
berichteten 63% der Patienten über eine Verbesserung der Symptomatik nach
12 Wochen Therapie, unter Plazebo waren es 55 %. Unter Telterodin litten 14%
der Patienten an Mundtrockenheit, etwa 10% weniger als mit der üblichen
Morgendosis.
Unter Plazebo gaben
6% der Patienten diese Nebenwirkung an. "Mit der abendlichen Einnahme werden
Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Obstipation und Kopfschmerzen grösstenteils
vermieden", so der Experte. ASP
Radikale Prostatektomie: Zerstörte Nerven per
Transplantat ersetzen?
ISTANBUL - Wenn nach einer radikalen Prostatektomie bei einem Mann "nichts
mehr geht", können verschiedene Ursachen etwas dazu beitragen - sowohl
vaskuläre als auch nervale Schäden oder eine Kombination aus beiden.
Wenn die Nerven zerstört sind, hat man eine Transplantation des N. suralis
versucht, um die verlorene Funktion wieder herzustellen. Professor Dr. Anthony
Costello vom Royal Melbourne Hospital in Victoria, Australien, erklärte
am XX. Kongress der European Association of Urology, warum das nicht
ganz einfach ist.
Bis zum Jahr 2004 bot die Literatur anatomische Beschreibungen des pelvinen
Nervenplexus, die inzwischen als überholt gelten müssen. Prof. Costello
führte anatomische Studien durch, die erklären, warum man nicht einfach
mit einem Nerventransplantat exzidierte Nerven überbrücken und dann
erwarten kann, dass die Kommunikation zwischen Nerven, Gefässen und Muskeln
wieder klappt: Der Plexus pelvinus enthält 6 bis 16 einzeln unterscheidbare
Nerven, die alle verschiedene Funktionen wie die Innervation des Levator ani,
des Rectum und der Corpora cavernosa usw. erfüllen. Auch verlaufen sie
nicht einfach linear, sondern fächerförmig.
Insgesamt erreicht
man derzeit in 60% einen Erfolg, wenn sehr Erfahrene eine Nerventransplantation
in diesem sensiblen Bereich durchführen. Die gleiche Zahl - 60% - lässt
sich durch nervenschonendes Operieren eines Prostatakarzinoms erreichen. Vielleicht
kann die Nerventransplantation durch Anwendung von Wachstumsfaktoren verbessert
werden. Bisher kommt die Transplantation ohnehin nur in Betracht, wenn die Nervenbündel
ein- oder beiderseitig sehr weit exzidiert wurden. Bevor man seinen Patienten
diese Option als eine berechtigte Hoffnung auf den Erhalt der Potenz versprechen
kann, müssen also noch einige weitere Erfahrungen gesammelt werden. UNo
Therapie
der Nykturie
Nachtruhe mit Nebenwirkungen
ISTANBUL - Ältere Patienten leiden häufig an einer Nykturie. Eine
Ursache kann ein nächtlicher Vasopressinmangel sein. Ob ihnen das Vasopressin-Analogon
Desmopressin wieder zu einem ungestörten Schlaf verhelfen kann, untersuchten
israelische Wissenschaftler.
Das antidiuretische Hormon (ADH) reguliert die Harnausscheidung. Eine hypothalamische
Unterproduktion in der Nacht führt zu einer nächtlichen Polyurie.
Dennoch ist eine Desmopressin-Gabe im Alter nicht unproblematisch, so Dr.
I. Grünwald, Haifa, am 20. Jahreskongress der Europäischen
Gesellschaft für Urologie. Bei geriatrischen Patienten riskiere man
mit der Therapie eine schwere Hyponaträmie.
Der Kollege gab 14 älteren Patienten (> 75 Jahre) Desmopressin in Dosierungen
von 0.1 mg, 0.2 mg und 0.4 mg in der ersten, zweiten, bzw. dritten Behandlungswoche.
Nur Patienten, die aufgrund ihrer Nykturie mindestens zweimal pro Nacht aufstehen
mussten, wurden in die Studie eingeschlossen. Darüber hinaus musste die
Harnausscheidung der Studienteilnehmer in der Nacht bei über einem Drittel
der gemessenen 24-Stunden-Harnmenge, gemäss der Definition einer nächtlichen
Polyurie, liegen. Der ADH-Spiegel war bei allen Patienten niedriger als 0.5
pg/ml.
Gefährliche Hyponaträmie
Ein Drittel der Patienten musste die Studie aufgrund einer schweren Hyponaträmie
vorzeitig abbrechen. Nur drei von zehn Patienten, die die Studie beendeten,
berichteten über eine signifikante Verbesserung der Nykturie und ihrer
Lebensqualität.
Desmopressin sei nur für wenige ausgewählte Patienten eine wirksame
Therapieoption im Alter, so Dr. Grünwald. Zudem korreliere die Wahrscheinlichkeit
eines Therapieerfolgs nicht mit dem gemessenen Vasopressinwert. ASP
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