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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online am 13. European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID), Glasgow, 2003

 

 

14. Mai 2003

   

Pneumokokken im Blut
Diabetiker werden besser damit fertig

GLASGOW – Man hat sich ja schon daran gewöhnt, dass Diabetiker immer und überall im Nachteil sind. Doch das ist kein unumstössliches Naturgesetz: Dänische Forscher konnten zeigen, dass Zuckerkranke eine Pneumokokken-Bakteriämie besser überstehen als Stoffwechselgesunde.

Allgemein werden Diabetiker z.B. in die Empfehlungen zur Pneumokokken-Schutzimpfung einbezogen mit der Begründung, sie stellten eine besondere Risikogruppe dar. Worauf stützt sich diese Empfehlung eigentlich?

 

Ist sie berechtigt?, wollten Dr. R. W. Thomsen aus Aalborg und seine Kollegen wissen und sind den Fragen retrospektiv in einer Kohortenstudie nachgegangen.

In den Jahren 1992 bis 2001 waren in Nord-Jütland knapp 700 Menschen an einer ambulant erworbenen Pneumokokken-Bakteriämie erkrankt, darunter 63 Diabetiker, meist vom Typ 2. Anhand der Krankenhausakten und eines offiziellen Sterberegisters konnten die Wissenschaftler nun prüfen, wer die ersten 30 Tage nach Erkrankungsbeginn überlebt hatte.

Zu ihrer Überraschung stellten sie fest, dass die Zuckerkranken, wiewohl im Schnitt älter und mit mehr gravierenden Begleiterkrankungen wie Herzinfarkt und Herzinsuffizienz belastet, die Bakteriämie leichter wegsteckten als andere Patienten: Die Mortalität lag bei 11,5 versus 15,2 %, berichteten die Dänen am 13. European Congress on Clinical Microbiology and Infectious Diseases.

Nach Adjustierung für diverse Einflussfaktoren war das Sterberisiko der Diabetiker nur gut halb so hoch. Der Unterschied war wegen der geringen Patientenzahl allerdings nicht signifikant, sodass die Ergebnisse weiterer Überprüfung bedürfen.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, ara)


Europäische Surveillance
Werden resistente E. coli zum Problem?

GLASGOW – Resistente und sogar multiresistente Escherichia coli könnten sich über kurz oder lang in Europa zum Problem auswachsen, vor allem in den südlichen Ländern und in Israel. Was Experten besonders beunruhigt: Die Erreger weisen heute schon relativ hohe Resistenzraten gegen Fluorchinolone auf.

Im Jahre 2001 wurden die Resistenzdaten invasiver E. coli erstmals in die Datensammlungen des europäischen Überwachungssystems EARSS (European Antimicrobial Resistance Surveillance System) aufgenommen. Darin werden Berichte von Labors aus ganz Europa und Israel zusammengefasst.

Zwischen Januar 2001 und Oktober 2002 erhielt EARSS Informationen von gut 330 Labors aus 22 Ländern über mehr als 20 000 Coli-Stämme. Die Ergebnisse der Auswertungen hat E. Tiemersma am ECCMID vorgestellt.

In allen Ländern war mindestens jeder vierte Stamm resistent gegen Aminopenicilline, der Median lag bei 44 %. Die Aminoglykoside Gentamicin und Tobramycin sind noch recht gut einsetzbar, auch wenn einzelne Länder Resistenzraten von 10 % und mehr auswiesen – der Schnitt lag bei 4 %. Auch Cephalosporine der dritten Generation glänzen durch niedrige Resistenzraten.

Als Problemfall könnten sich die Fluorchinolone erweisen:

Das Wissenschaftszentrum Während die Resistenzraten 2001 im Schnitt bei 8 % lagen, waren es ein Jahr später schon 12 %

- deutlich mehr als in früheren Berichten. Der amerikanische Experte Professor Dr. Michael Niederman von der Universität New York in Stony Brook führte das vor allem auf den steigenden Einsatz dieser Substanzen bei Atemwegsinfektionen zurück.

Sorgen bereitet den Experten auch, dass Multiresistenzen auf dem Vormarsch sind. 7,5 % der untersuchten Stämme waren gegen drei oder mehr Antibiotika unempfindlich.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, ara)

 

Grippe und Pneumokokken
Doppelt geimpft schützt besser

GLASGOW – Wenn der Winter naht, sollte man ältere Menschen nicht nur gegen Grippe, sondern in regelmässigen Abständen auch gegen Pneumokokken impfen. Der doppelte Impfschutz verhindert Spitalaufenthalte und Todesfälle durch Influenza und Influenza-assoziierte Erkrankungen wirksamer, als die Grippeimpfung allein es vermag.

Das ist das Ergebnis einer riesigen schwedischen Studie, in die Daten von über 250 000 Patienten eingegangen sind. Das Forscherteam um A. Ortqvist hatte allen Stockholmer Senioren über 65 Jahren in einer zweimonatigen Kampagne die beiden Impfungen offeriert. Immerhin die Hälfte nahm das Angebot an, wobei knapp 30 000 Teilnehmer nur gegen Grippe und rund 23 000 nur gegen Pneumokokken geimpft wurden.

Bei denen, die nur einen Impfstoff erhalten hatten, ließ sich ein Trend zu weniger Krankenhausaufenthalten, weniger Pneumonien und weniger invasiven Pneumokokken-Infektionen erkennen. Die Impfung mit beiden Vakzinen dagegen zeigte eine klare und eindrucksvolle Schutzwirkung:

· Spitaleinweisungen wegen Influenza: minus 37 %

· wegen Pneumonien: minus 29 %

· wegen invasiver Pneumokokken-Infektionen: minus 44 %

· wegen Herzversagen: minus 12 %

· wegen chronisch-obstruktiver Bronchitis: minus 9 %.

Die Mortalität durch Pneumonien und Herzinsuffizienz sank um jeweils rund ein Drittel. Die schwedischen Kollegen schließen daraus, dass die kombinierte Impfung allen Senioren anzuraten ist, weil sie ihnen Klinikaufenthalte erspart und sie vor schweren, potenziell tödlichen Komplikationen bewahrt.

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