|
Pneumokokken
im Blut
Diabetiker werden besser
damit fertig
GLASGOW – Man hat sich ja schon
daran gewöhnt, dass Diabetiker immer und überall im Nachteil
sind. Doch das ist kein unumstössliches Naturgesetz: Dänische
Forscher konnten zeigen, dass Zuckerkranke eine Pneumokokken-Bakteriämie
besser überstehen als Stoffwechselgesunde.
Allgemein werden Diabetiker z.B.
in die Empfehlungen zur Pneumokokken-Schutzimpfung einbezogen mit
der Begründung, sie stellten eine besondere Risikogruppe dar.
Worauf stützt sich diese Empfehlung eigentlich?
|
 |
|
Ist sie berechtigt?, wollten Dr. R.
W. Thomsen aus Aalborg und seine Kollegen wissen und sind den Fragen
retrospektiv in einer Kohortenstudie nachgegangen.
In den Jahren 1992 bis 2001 waren in Nord-Jütland
knapp 700 Menschen an einer ambulant erworbenen Pneumokokken-Bakteriämie
erkrankt, darunter 63 Diabetiker, meist vom Typ 2. Anhand der Krankenhausakten
und eines offiziellen Sterberegisters konnten die Wissenschaftler nun
prüfen, wer die ersten 30 Tage nach Erkrankungsbeginn überlebt
hatte.
Zu ihrer Überraschung stellten sie
fest, dass die Zuckerkranken, wiewohl im Schnitt älter und mit mehr
gravierenden Begleiterkrankungen wie Herzinfarkt und Herzinsuffizienz
belastet, die Bakteriämie leichter wegsteckten als andere Patienten:
Die Mortalität lag bei 11,5 versus 15,2 %, berichteten die Dänen
am 13. European Congress on Clinical Microbiology and Infectious Diseases.
Nach Adjustierung für
diverse Einflussfaktoren war das Sterberisiko der Diabetiker nur gut halb
so hoch. Der Unterschied war wegen der geringen Patientenzahl allerdings
nicht signifikant, sodass die Ergebnisse weiterer Überprüfung
bedürfen.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, ara)
Europäische
Surveillance
Werden resistente E. coli
zum Problem?
GLASGOW – Resistente und sogar multiresistente
Escherichia coli könnten sich über kurz oder lang in
Europa zum Problem auswachsen, vor allem in den südlichen Ländern
und in Israel. Was Experten besonders beunruhigt: Die Erreger weisen heute
schon relativ hohe Resistenzraten gegen Fluorchinolone auf.
Im Jahre 2001 wurden die Resistenzdaten
invasiver E. coli erstmals in die Datensammlungen des europäischen
Überwachungssystems EARSS (European Antimicrobial Resistance
Surveillance System) aufgenommen. Darin werden Berichte
von Labors aus ganz Europa und Israel zusammengefasst.
 |
Zwischen Januar 2001 und Oktober
2002 erhielt EARSS Informationen von gut 330 Labors aus 22 Ländern
über mehr als 20 000 Coli-Stämme. Die Ergebnisse
der Auswertungen hat E. Tiemersma am ECCMID vorgestellt.
In allen Ländern war mindestens
jeder vierte Stamm resistent gegen Aminopenicilline, der Median
lag bei 44 %. Die Aminoglykoside Gentamicin und Tobramycin
sind noch recht gut einsetzbar, auch wenn einzelne Länder Resistenzraten
von 10 % und mehr auswiesen – der Schnitt lag bei 4 %. Auch Cephalosporine
der dritten Generation glänzen durch niedrige Resistenzraten.
Als Problemfall könnten sich die Fluorchinolone erweisen:
|
| Das
Wissenschaftszentrum |
Während die Resistenzraten
2001 im Schnitt bei 8 % lagen, waren es ein Jahr später schon
12 % |
- deutlich mehr als in früheren Berichten.
Der amerikanische Experte Professor Dr. Michael Niederman von der
Universität New York in Stony Brook führte das vor allem auf
den steigenden Einsatz dieser Substanzen bei Atemwegsinfektionen zurück.
Sorgen bereitet den Experten auch, dass
Multiresistenzen auf dem Vormarsch sind. 7,5 % der untersuchten Stämme
waren gegen drei oder mehr Antibiotika unempfindlich.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, ara)
Grippe
und Pneumokokken
Doppelt geimpft schützt besser
GLASGOW – Wenn der Winter naht, sollte
man ältere Menschen nicht nur gegen Grippe, sondern in regelmässigen
Abständen auch gegen Pneumokokken impfen. Der doppelte Impfschutz
verhindert Spitalaufenthalte und Todesfälle durch Influenza und Influenza-assoziierte
Erkrankungen wirksamer, als die Grippeimpfung allein es vermag.
Das ist das Ergebnis einer riesigen schwedischen
Studie, in die Daten von über 250 000 Patienten eingegangen
sind. Das Forscherteam um A. Ortqvist hatte allen Stockholmer Senioren
über 65 Jahren in einer zweimonatigen Kampagne die beiden Impfungen
offeriert. Immerhin die Hälfte nahm das Angebot an, wobei knapp 30 000
Teilnehmer nur gegen Grippe und rund 23 000 nur gegen Pneumokokken
geimpft wurden.
Bei denen, die nur einen Impfstoff erhalten
hatten, ließ sich ein Trend zu weniger Krankenhausaufenthalten,
weniger Pneumonien und weniger invasiven Pneumokokken-Infektionen erkennen.
Die Impfung mit beiden Vakzinen dagegen zeigte eine klare und eindrucksvolle
Schutzwirkung:
· Spitaleinweisungen wegen Influenza:
minus 37 %
· wegen Pneumonien: minus 29 %
· wegen invasiver Pneumokokken-Infektionen:
minus 44 %
· wegen Herzversagen: minus 12 %
· wegen chronisch-obstruktiver Bronchitis:
minus 9 %.
Die Mortalität durch Pneumonien und
Herzinsuffizienz sank um jeweils rund ein Drittel. Die schwedischen Kollegen
schließen daraus, dass die kombinierte Impfung allen Senioren anzuraten
ist, weil sie ihnen Klinikaufenthalte erspart und sie vor schweren, potenziell
tödlichen Komplikationen bewahrt.
zur
Themenübersicht
|