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Allgemeinpraxen
im Sturm erobert: Das erste Ketolid
MAILAND
– Mit Antibiotika passiert weniger Unfug, wenn eine gute Patientencompliance
erreicht werden kann. Und diese lässt sich leichter mit einer einmal
täglichen Gabe und einer kurzen Therapiedauer verwirklichen. Das
eigens für respiratorische Infekte entwickelte Ketolid Telithromyin
verspricht diese Vorteile. Professor Dr. Joachim Lorenz, Lüdenscheid,
präsentierte am 12. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Klinische
Mikrobiologie und Infektionskrankheiten brandneue, bislang noch
nicht publizierte Ergebnisse.
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Datenmaterial
zum Einsatz des Telithromycins liegt bereits umfangreich vor: insgesamt
13 Studien mit knapp 5000 Patienten wurden bislang publiziert. Sie verteilten
sich auf die Indikationen außerstationär erworbene Pneumonie, akute Exazerbation
einer chronischen Bronchitis, Sinusitis und Tonsillitis/Pharyngitis. Zwischen
Oktober 2001, dem Zeitpunkt der Zulassung des Telithromycins, und Ende
Dezember 2001 wurde das Ketolid bereits fast 100000 Mal in Deutschland
verordnet, und zwar in etwa 85% von Allgemeinärzten. Die Dosisfindung
für den einzelnen Patienten ist nicht anspruchsvoll, sie beträgt für alle
Indikationen 800 mg einmal täglich. Bei außerstationär erworbener Pneumonie
(CAP) wurde die Behandlungsdauer auf 7-10 Tage festgelegt, bei den anderen
Indikationen auf 5 Tage.
Inzwischen
liegen aber erste Daten einer Vergleichsstudie bei CAP vor, die in insgesamt
drei Armen sehr gute und durchweg vergleichbare klinische Ergebnisse erkennen
lassen. Geprüft wird in dieser Untersuchung die 5-tätige Gabe von Telithromycin,
die 7-tägige Gabe des ersten Ketolids und die 10-tägige Gabe von Clarithromycin.
Professor Lorenz begrüsste es ausdrücklich, dass erstmals seit 10 Jahren
wieder ein Antibiotikum auf den Markt kam, dass in der Allgemeinpraxis
als Mittel der ersten Wahl bei den beschriebenen respiratorischen Infekten
eingesetzt werden kann. Die Frequenz unerwünschter Wirkungen liegt nicht
höher als bei Clarithromycin und ist unabhängig von der Altersgruppe (13-bis
18-Jährige, Erwachsene bis 65, Ältere über 65 Jahre).
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Letale
Pneumonie: Resistenzentwicklung innerhalb von Tagen
MAILAND
– Der Fall eines 28-jährigen Mannes erregte unter Mikrobiologen und Infektiologen
die Gemüter so stark, dass praktisch keines der zahllosen Referate am
12. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie
und Infektionskrankheiten über Resistenzentwicklungen ohne einen Hinweis
auf diesen Kasus auskam.
Der
Twen war an einer akuten Pneumonie erkrankt, im Sputum wurden Pneumokokken
nachgewiesen. Die empirische Therapie bestand in der Gabe von 500 mg Azithromycin.
Das anfangs gewonnene Isolat war uneingeschränkt empfindlich gegenüber
Penicillin und Makroliden.
Nach
anfänglicher rascher Besserung verschlechterte sich das klinische Bild
am vierten Tag. Trotz der Umstellung auf Ceftriaxone und Vancomycin starb
der junge Mann. Das in der späteren Phase gewonnene Isolat war immer noch
empfindlich gegenüber Penicillin und Clindamycin, aber resistent gegenüber
allen Makroliden. Als Ursache liess sich eine Mutation des Gens ausfindig
machen, das an der Makrolidbindung beteiligt ist. Dieser Fall unterstreicht,
wie wichtig es ist, bereits früh die pathogenen Bakterien zu eradizieren.
Weitere Fallberichte über Einzelfälle von Resistenzentwicklungen innerhalb
von Tagen bei Kindern kamen hinzu. Diese weltweit wenigen Fälle erregen
deshalb so grosses Aufsehen, weil sie belegen, dass nicht nur der zu lange
und ungezielte Antibiotikaeinsatz an der Resistenzentwicklung beteiligt
ist, sondern die Keime wesentlich rascher reagieren, als bisher vermutet.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Lebensgefährlicher
Tourist: Rückkehr mit hämorrhagischem Fieber
MAILAND
– Glücklicherweise passiert es in der Schweiz bisher nur etwa alle drei
Jahre, dass ein Tropenheimkehrer an hämorrhagischem Fieber erkrankt ist.
Im Verdachtsfall muss jedoch ungemein rasch gehandelt werden. Dr. med.
Norbert Suttorp von der Charité in Berlin gab am 12. Kongress der Europäischen
Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten einen
Überblick, was im Fall der Fälle zu unternehmen ist.
Rasches
Handeln ist angezeigt, weil die hämorrhagischen Fieber, also Ebola, Lassa,
das Krim-Kongo- und das Rift-Valley-Fieber hochkontagiös und vielfach
letal sind. Da Tropenmedizin in erster Linie eine geografische Medizin
ist, muss das Gebiet, aus dem der Reisende innerhalb der Inkubationszeit
(< 21 Tage) zurückgekehrt ist, auf mögliche Erreger abgecheckt werden.
Betroffen sind indessen nicht nur die Tropen: eine Epidemie des Krim-Kongo-Fiebers
trat kürzlich im Kosovo auf.
Zu
den Angaben über das Reisegebiet kommen Hinweise auf Kontakt zu Tieren,
erkrankten Personen, Aufenthalt in der Natur.
In
der Differenzialdiagnose steht an erster Stelle die Malaria, die in 9
von 10 Fällen eines VHF-Verdachtsfalles die zutreffende Diagnose ist,
aber auch Hantavirus, Rickettsien-Erkrankungen, Typhus und andere kommen
in Frage. Der Arzt, der mit dem Patienten zuerst in Kontakt kommt, sollte
sich unbedingt an das Tropeninstitut in Basel oder andere Tropenmediziner
zur genaueren Klärung der diagnostischen Schritte wenden. Erhärtet sich
der Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber, sollte der Patient noch am
selben Tag ins Kompetenzzentrum verlegt werden, da er sonst möglicherweise
nicht mehr transportfähig ist. Isolationszimmer mit negativem Luftdruck
sind in allen Schweizer Universitätskliniken vorgehalten. Schweizer Mitglied
im Europäischen Netzwerk für die Diagnostik importierter viraler Kankheiten
(ENIVD) ist Dr. G. Siegl, Institut für klinische Mikrobiologie und Immunologie
in St. Gallen. Informationen über die verschiedenen Krankheiten sind auf
der Website der ENIVD abzurufen (www.rki.de/infekt/enivd/HFDISEASES/fs_vhfdiseases.htm).
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
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