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Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online am 12. European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID), Mailand, 2002

 

 

28. April 2002

 

Allgemeinpraxen im Sturm erobert: Das erste Ketolid

MAILAND – Mit Antibiotika passiert weniger Unfug, wenn eine gute Patientencompliance erreicht werden kann. Und diese lässt sich leichter mit einer einmal täglichen Gabe und einer kurzen Therapiedauer verwirklichen. Das eigens für respiratorische Infekte entwickelte Ketolid Telithromyin verspricht diese Vorteile. Professor Dr. Joachim Lorenz, Lüdenscheid, präsentierte am 12. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten brandneue, bislang noch nicht publizierte Ergebnisse.

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Datenmaterial zum Einsatz des Telithromycins liegt bereits umfangreich vor: insgesamt 13 Studien mit knapp 5000 Patienten wurden bislang publiziert. Sie verteilten sich auf die Indikationen außerstationär erworbene Pneumonie, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Sinusitis und Tonsillitis/Pharyngitis. Zwischen Oktober 2001, dem Zeitpunkt der Zulassung des Telithromycins, und Ende Dezember 2001 wurde das Ketolid bereits fast 100000 Mal in Deutschland verordnet, und zwar in etwa 85% von Allgemeinärzten. Die Dosisfindung für den einzelnen Patienten ist nicht anspruchsvoll, sie beträgt für alle Indikationen 800 mg einmal täglich. Bei außerstationär erworbener Pneumonie (CAP) wurde die Behandlungsdauer auf 7-10 Tage festgelegt, bei den anderen Indikationen auf 5 Tage.

Inzwischen liegen aber erste Daten einer Vergleichsstudie bei CAP vor, die in insgesamt drei Armen sehr gute und durchweg vergleichbare klinische Ergebnisse erkennen lassen. Geprüft wird in dieser Untersuchung die 5-tätige Gabe von Telithromycin, die 7-tägige Gabe des ersten Ketolids und die 10-tägige Gabe von Clarithromycin. Professor Lorenz begrüsste es ausdrücklich, dass erstmals seit 10 Jahren wieder ein Antibiotikum auf den Markt kam, dass in der Allgemeinpraxis als Mittel der ersten Wahl bei den beschriebenen respiratorischen Infekten eingesetzt werden kann. Die Frequenz unerwünschter Wirkungen liegt nicht höher als bei Clarithromycin und ist unabhängig von der Altersgruppe (13-bis 18-Jährige, Erwachsene bis 65, Ältere über 65 Jahre).

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

Letale Pneumonie: Resistenzentwicklung innerhalb von Tagen

MAILAND – Der Fall eines 28-jährigen Mannes erregte unter Mikrobiologen und Infektiologen die Gemüter so stark, dass praktisch keines der zahllosen Referate am 12. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten über Resistenzentwicklungen ohne einen Hinweis auf diesen Kasus auskam.

Der Twen war an einer akuten Pneumonie erkrankt, im Sputum wurden Pneumokokken nachgewiesen. Die empirische Therapie bestand in der Gabe von 500 mg Azithromycin. Das anfangs gewonnene Isolat war uneingeschränkt empfindlich gegenüber Penicillin und Makroliden.

Nach anfänglicher rascher Besserung verschlechterte sich das klinische Bild am vierten Tag. Trotz der Umstellung auf Ceftriaxone und Vancomycin starb der junge Mann. Das in der späteren Phase gewonnene Isolat war immer noch empfindlich gegenüber Penicillin und Clindamycin, aber resistent gegenüber allen Makroliden. Als Ursache liess sich eine Mutation des Gens ausfindig machen, das an der Makrolidbindung beteiligt ist. Dieser Fall unterstreicht, wie wichtig es ist, bereits früh die pathogenen Bakterien zu eradizieren. Weitere Fallberichte über Einzelfälle von Resistenzentwicklungen innerhalb von Tagen bei Kindern kamen hinzu. Diese weltweit wenigen Fälle erregen deshalb so grosses Aufsehen, weil sie belegen, dass nicht nur der zu lange und ungezielte Antibiotikaeinsatz an der Resistenzentwicklung beteiligt ist, sondern die Keime wesentlich rascher reagieren, als bisher vermutet.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

Lebensgefährlicher Tourist: Rückkehr mit hämorrhagischem Fieber

MAILAND – Glücklicherweise passiert es in der Schweiz bisher nur etwa alle drei Jahre, dass ein Tropenheimkehrer an hämorrhagischem Fieber erkrankt ist. Im Verdachtsfall muss jedoch ungemein rasch gehandelt werden. Dr. med. Norbert Suttorp von der Charité in Berlin gab am 12. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten einen Überblick, was im Fall der Fälle zu unternehmen ist.

Rasches Handeln ist angezeigt, weil die hämorrhagischen Fieber, also Ebola, Lassa, das Krim-Kongo- und das Rift-Valley-Fieber hochkontagiös und vielfach letal sind. Da Tropenmedizin in erster Linie eine geografische Medizin ist, muss das Gebiet, aus dem der Reisende innerhalb der Inkubationszeit (< 21 Tage) zurückgekehrt ist, auf mögliche Erreger abgecheckt werden. Betroffen sind indessen nicht nur die Tropen: eine Epidemie des Krim-Kongo-Fiebers trat kürzlich im Kosovo auf.

Zu den Angaben über das Reisegebiet kommen Hinweise auf Kontakt zu Tieren, erkrankten Personen, Aufenthalt in der Natur.

In der Differenzialdiagnose steht an erster Stelle die Malaria, die in 9 von 10 Fällen eines VHF-Verdachtsfalles die zutreffende Diagnose ist, aber auch Hantavirus, Rickettsien-Erkrankungen, Typhus und andere kommen in Frage. Der Arzt, der mit dem Patienten zuerst in Kontakt kommt, sollte sich unbedingt an das Tropeninstitut in Basel oder andere Tropenmediziner zur genaueren Klärung der diagnostischen Schritte wenden. Erhärtet sich der Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber, sollte der Patient noch am selben Tag ins Kompetenzzentrum verlegt werden, da er sonst möglicherweise nicht mehr transportfähig ist. Isolationszimmer mit negativem Luftdruck sind in allen Schweizer Universitätskliniken vorgehalten. Schweizer Mitglied im Europäischen Netzwerk für die Diagnostik importierter viraler Kankheiten (ENIVD) ist Dr. G. Siegl, Institut für klinische Mikrobiologie und Immunologie in St. Gallen. Informationen über die verschiedenen Krankheiten sind auf der Website der ENIVD abzurufen (www.rki.de/infekt/enivd/HFDISEASES/fs_vhfdiseases.htm).

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


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