|
Antibiotikum
hat funktioniert? Dann nehmen Sie was anderes!
MAILAND
– Die Formel fürs Versagen einer wiederholten Antibiotikabehandlung
lautet: Nehmen Sie das vorher bewährte Mittel erneut, warnte Professor
Dr. Michael Niedermann, Universität New York, am 12. Europäischen
Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten.
|
|
 |
Trotz drastisch
ansteigender Resistenzen der Pneumonie-Keime in den Labortestungen ist
noch kein entsprechendes massenhaftes Versagen in der klinischen Anwendung
zu beobachten. Dennoch ist das keine Einladung, unkritisch mit Antibiotika
bei Pneumonie umzugehen. Zur richtigen Auswahl eines Antibiotikums, einerlei
ob bei ambulant oder stationär erworbener Pneumonie, gehört immer der
Aspekt, ob in den vorausgegangenen drei Monaten ein Antibiotikum beim
selben Patienten zum Einsatz gekommen war. Wenn ja, sollte es auf keinen
Fall erneut gewählt werden, selbst wenn ansonsten die Indikation stimmt.
Professor
Niedermann schlug darüber hinaus vor, dass ein Arzt für seine verschiedenen
Patienten unterschiedliche Antibiotika und nicht immer das gleiche bewährte
Medikament wählt, um Resistenzausbreitungen weiter zu unterbinden. Vielleicht
ein einziger Vorteil der Tatsache, dass zur Behandlung der Atemwegsinfekte
Dutzende von Guidelines existieren: Das erhöht die mögliche Auswahl für
den praktizierenden Arzt.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
Pneumonie:
Nach welcher Richtlinie antibiotisch behandeln?
MAILAND
– Das Richtlinien-Dickicht zur Behandlung der Pneumonien ist unter anderem
deshalb so undurchdringlich, weil nicht nur unterschiedliche nationale
und internationale Gesellschaften darüber brüten, sondern auch Pulmonologen
und Infektiologen daran basteln. Professor Dr. Hartmut Lode, Klinikum
Steglitz in Berlin, empfahl auch für Europa die Richtlinien der American
Thoracic Society, weil sie in vielen Fällen eine Monotherapie empfehlen
und detailliert modifizierende Faktoren definieren.
Bei ambulant
erworbener Pneumonie unterscheidet die ATS-Richtlinie zwischen Patienten
mit und ohne modifizierende Faktoren. „Modifizierend“ bezieht sich darauf,
dass ein Faktor die Wahrscheinlichkeit für einen penicillinresistenten
Pneumokokkus (PRSP), für einen enterischen gramnegativen Keim (Gneg) oder
für Pseudomonas (P) erhöht. Die PRSP-Wahrscheinlickeit wird erhöht durch
- Alkoholismus
- Alter
über 65 und junge Eltern (Kindergarten-erworbene resistente Pneumokokken!)
- Betalaktambehandlung
innerhalb der letzten 3 Monate
- Immunsuppression
Die Gneg-Wahrscheinlichkeit
steigert sich bei
- Heimbewohnern
- Kardiopulmonaler
Begleitkrankheit und anderen Komorbiditäten
- Kürzlich
zurückliegende Antibiotikaeinnahme
Die P-Wahrscheinlichkeit
erhöht sich durch
- Strukturelle
Lungenkrankheit
- Kostikosteroidtherapie
(> 10 mg/Tag)
- Breitspektrumantibiose
innerhalb der letzten 7 Tage
- Mangelernährung.
Liegen diese
modifizierenden Faktoren bei ambulant erworbener Pneumonie vor, kommt
als Behandlung ein Betalaktamantibiotikum plus Makrolid in Frage, alternativ
Monotherapie mit einem pulmonal wirksamen Fluorchinolon. Sind sie nicht
zu eruieren, empfiehlt die ATS-Richtlinie ein Makrolid der fortgeschrittenen
Generation wie Azithromycin. Professor Lode lehnt ein Tetracyclin trotz
des günstigen Preises in dieser Situation ab, denn es wirkt nur bakteriostatisch,
und die Resistenzen nahmen zu stark zu, um es noch als ausreichend sicher
zu betrachten.
(©
Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)
zur
Themenübersicht
|