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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online am 12. European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID), Mailand, 2002

 

 

27. April 2002

 

Antibiotikum hat funktioniert? Dann nehmen Sie was anderes!

MAILAND – Die Formel fürs Versagen einer wiederholten Antibiotikabehandlung lautet: Nehmen Sie das vorher bewährte Mittel erneut, warnte Professor Dr. Michael Niedermann, Universität New York, am 12. Europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten.

  Mailand

Trotz drastisch ansteigender Resistenzen der Pneumonie-Keime in den Labortestungen ist noch kein entsprechendes massenhaftes Versagen in der klinischen Anwendung zu beobachten. Dennoch ist das keine Einladung, unkritisch mit Antibiotika bei Pneumonie umzugehen. Zur richtigen Auswahl eines Antibiotikums, einerlei ob bei ambulant oder stationär erworbener Pneumonie, gehört immer der Aspekt, ob in den vorausgegangenen drei Monaten ein Antibiotikum beim selben Patienten zum Einsatz gekommen war. Wenn ja, sollte es auf keinen Fall erneut gewählt werden, selbst wenn ansonsten die Indikation stimmt.

Professor Niedermann schlug darüber hinaus vor, dass ein Arzt für seine verschiedenen Patienten unterschiedliche Antibiotika und nicht immer das gleiche bewährte Medikament wählt, um Resistenzausbreitungen weiter zu unterbinden. Vielleicht ein einziger Vorteil der Tatsache, dass zur Behandlung der Atemwegsinfekte Dutzende von Guidelines existieren: Das erhöht die mögliche Auswahl für den praktizierenden Arzt.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

 

Pneumonie: Nach welcher Richtlinie antibiotisch behandeln?

MAILAND – Das Richtlinien-Dickicht zur Behandlung der Pneumonien ist unter anderem deshalb so undurchdringlich, weil nicht nur unterschiedliche nationale und internationale Gesellschaften darüber brüten, sondern auch Pulmonologen und Infektiologen daran basteln. Professor Dr. Hartmut Lode, Klinikum Steglitz in Berlin, empfahl auch für Europa die Richtlinien der American Thoracic Society, weil sie in vielen Fällen eine Monotherapie empfehlen und detailliert modifizierende Faktoren definieren.

Bei ambulant erworbener Pneumonie unterscheidet die ATS-Richtlinie zwischen Patienten mit und ohne modifizierende Faktoren. „Modifizierend“ bezieht sich darauf, dass ein Faktor die Wahrscheinlichkeit für einen penicillinresistenten Pneumokokkus (PRSP), für einen enterischen gramnegativen Keim (Gneg) oder für Pseudomonas (P) erhöht. Die PRSP-Wahrscheinlickeit wird erhöht durch

  • Alkoholismus
  • Alter über 65 und junge Eltern (Kindergarten-erworbene resistente Pneumokokken!)
  • Betalaktambehandlung innerhalb der letzten 3 Monate
  • Immunsuppression

Die Gneg-Wahrscheinlichkeit steigert sich bei

  • Heimbewohnern
  • Kardiopulmonaler Begleitkrankheit und anderen Komorbiditäten
  • Kürzlich zurückliegende Antibiotikaeinnahme

Die P-Wahrscheinlichkeit erhöht sich durch

  • Strukturelle Lungenkrankheit
  • Kostikosteroidtherapie (> 10 mg/Tag)
  • Breitspektrumantibiose innerhalb der letzten 7 Tage
  • Mangelernährung.

Liegen diese modifizierenden Faktoren bei ambulant erworbener Pneumonie vor, kommt als Behandlung ein Betalaktamantibiotikum plus Makrolid in Frage, alternativ Monotherapie mit einem pulmonal wirksamen Fluorchinolon. Sind sie nicht zu eruieren, empfiehlt die ATS-Richtlinie ein Makrolid der fortgeschrittenen Generation wie Azithromycin. Professor Lode lehnt ein Tetracyclin trotz des günstigen Preises in dieser Situation ab, denn es wirkt nur bakteriostatisch, und die Resistenzen nahmen zu stark zu, um es noch als ausreichend sicher zu betrachten.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)


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