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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online am 12. European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID), Mailand, 2002

 

 

25. April 2002

   

Antibiotika-Resistenzen

Welche Klebsiella-Karte hat der Patient gezogen?

MAILAND - Die Subgruppen von Klebsiella pneumoniae halten sich nicht an geographische, aber möglicherweise an organische Grenzen. Drei phylogenetische Untergruppen unterschied eine niederländische Studiengruppe um S. Brisse, Utrecht. Interessant ist nicht nur ihr deutlich
unterschiedliches Resistenzverhalten, sondern auch das unterschiedliche Auftreten in infizierten Geweben.


  Mailand

So fand die Studiengruppe den Subtyp KpIII, der besonders selten gegen Antibiotika resistent ist, in keinem einzigen Präparat aus dem Harntrakt. Am häufigsten ist insgesamt mit dem Subtyp KpI zu rechnen, der gleichzeitig die höchsten Resistenzraten aufweist, beispielsweise gegen Ceftazidim in 34% der Fälle (KpII: 23%, KpIII 6%), aber tendenziell ebenso auch bei anderen Antibiotika.
KpI stellt 69% der aufgefundenen Klebsiellen in Blutkulturen (KpII: 8,5% Kp III: 23%), 94% in Urinkulturen (KpII:6%, III: 0%), 78% in Sputumkulturen (KpII 4%, KpIII 18%) und 79% in Wundabstrichen (KpII 5%, KpIII 16%). Die genetischen Unterschiede zwischen den einzelnen Klebsiella-Stämmen hält die Studiengruppe für weitreichender als beispielsweise zwischen verschiedenen E.coli-Stämmen. Klinisch und epidemiologisch sind sie für die zu erwartende Resistenzsituation relevant.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

Mailand  

Methicillin-resistente goldene Staphylokokken

Zuverlässige Diagnose innerhalb von Stunden

MAILAND - Je rascher einer MRSA-Infektion zu Leibe gerückt werden kann, desto schlechter für das Ausbreiten dieser gefürchteten nosokomialen Infektion. Dass ein neuer isothermer Amplifikations-Assay mit einem Ergebnis innerhalb von Stunden die konventionelle Kultur weit abgeschlagen stehen lässt und in der Sicherheit an die PCR herankommt, belegte eine Studiengruppe um K. Levi, Nottingham.


Der Test deckt simultan die Methicillinresistenz und die Koagulasegene auf. Von der Zelllyse bis zum Ergebnis benötigt er vier Stunden, sodass eine am Abend ins Labor gegebene Probe spätestens am folgenden Mittag interpretiert werden kann. In 436 Proben deckte der so genannte CytAMP-Test 98,3% der MRSA-Isolate auf, die durch Polymerasekettenreaktion (PCR) identifiziert wurden. Die konventionelle Kultur identifizierte dagegen nur 83% der Isolate als MRSA. CytAMP konnte darüber hinaus fünf Isolate als MRSA erkennen, deren PCR zunächst negativ ausfiel und die dann erst im Latex-Agglutinationstest erkannt wurden. Falsch positiv fielen 0,7% der CytAMP-Proben aus, versus 3% in der Kultur. Mit diesen Ergebnissen hat die Untersuchungsmethode das Potenzial, eine anwenderfreundliche Alternative für die PCR zu werden.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

 

Varicella: Brauchen wir eine Impfung?

MAILAND – Die Windpocken sind nicht gerade als lebensgefährlich verrufen. Dennoch fand Professor Dr. Nicola Principi, Universitäts-Kinderklinik Mailand, verschiedene gute Gründe, den inzwischen vorhandenen und seit einigen Monaten zugelassenen Impfstoff breiter einzusetzen. Seine Vorschläge waren indessen am 12. Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID) Anlass zu Diskussionen.

Kaum jemals denken Ärzte an die Tatsache, dass bei immunkompromittierten Kindern und Erwachsenen die Varicella-Infektion zu Komplikationen mit einer Letalitätsrate von 15% führen kann. Auch die Varicella-Infektion einer Schwangeren, vor allem im dritten Trimenon, kann fatale Folgen haben. Schliesslich ist der Herpes Zoster zu bedenken, der auf lange Sicht immer seltener werden könnte, wenn es mit Impfungen gelingt, die Windpocken auszurotten.

Im Einzugsgebiet der Mailänder Klinik wurde im Jahr 1999 eine Durchimpfungsrate von 61-75% der Kinder bis 12 Jahre erreicht, derzeit werden 84% der Kinder geimpft. Die Verträglichkeit wurde an 11531 Kindern überprüft, mit günstigen Ergebnissen (Fieber über 38,9 °C in 15,6% der Fälle, Rötung an der Injektionsstelle: 19,9%, windpockenähnlicher Ausschlag: 3,4%). Sieben Jahre nach der Impfung beträgt die Effektivität noch 88,5%. Ob sie lebenslang anhält, ist noch nicht bekannt. Für Kinder unter 12 Jahren ist nur eine Impfung ausreichend, ab 12 Jahren sind zwei Impfungen empfehlenswert. Einen Hinweis darauf, dass das Auftreten von Windpocken in höhere Altersgruppen verschoben wird, gibt es bislang nicht, und unter Geimpften wurde ein Zoster nur in 15 von 100000 Patientenjahren beobachtet, versus 115/100000 bei Nichtgeimpften. Allerdings wurde am Kongress auch die Meinung vertreten, die Exposition mit Wildvaricella-Virus boostere das Immunsystem und schütze damit vor einem Zoster-Ausbruch. Hier muss die Zukunft zeigen, ob sich die Impfung positiv auswirkt.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

 

Antibiotika bei akuter Bronchitis

Mehr Zurückhaltung, mehr Patienteninformation

MAILAND – Wie ein roter Faden ziehen sich die Sorgen um sich ausbreitende Resistenzentwicklungen durch den 12. Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten. Dr. Peter Ball, Universität von St. Andrews, Schottland, nannte Zahlen zur Antibiotikarealität bei akuter Bronchitis, die jeden Niedergelassenen einigermassen alarmieren sollten.

Immer noch bekommen 80% der Patienten mit akuter Bronchitis Antibiotika verschrieben. Wenn das bereits der erste Faktor ist, der für eine Resistenzentwicklung prädestiniert, so kommen noch weitere, vom Patienten abhängige Aspekte hinzu: 54 – 56% der Patienten, also mehr als die Hälfte, schliessen die Behandlung nicht korrekt ab, sondern lassen das Antibiotikum weg, sobald es ihnen wieder besser geht. Etliche vergessen einzelne Dosen. Die Vermutung liegt nahe, dass das Medikament für die nächste Bronchitis im Schrank gehortet wird. Dr. Ball machte gute Erfahrungen mit einem Merkzettel für seine Patienten, die ihn über die korrekte Einnahme aufklären. Das Antibiotikum wird verordnet, der Patient aber angewiesen, es nur einzulösen, wenn die Krankheitsentwicklung das als notwendig erkennen lässt, und in diesem Fall dann auf die korrekte Einnahme zu achten. Durch diese Massnahme senkte er die Antibiotikaeinnahme bei akuter Bronchitis von 62% auf 47% und erhöhte gleichzeitig den Anteil korrekter Einnahmen, die für eine Eradikation der Bakterien und damit auch das Bremsen von Resistenzentwicklungen wichtig sind.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

 

MYSTIC bringt Klarheit

Fünf Jahre Meropenem ohne Resistenzentwicklung

MAILAND – Der erwartete Lauf der Dinge nach Einführung neuer, potenter Antibiotika ist der folgende: Euphorie, breiter Einsatz, Resistenzentwicklung, schliesslich wird die Waffe stumpf. Dass das mit Meropenem über fünf Jahre in 33 Ländern nicht eintrat, belegten die Ergebnisse der MYSTIC-Studie, die am 12. Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten präsentiert wurden.

  Mailand

Professor Dr. Ron Jones, Tufts University in Boston, betonte, wie wichtig es ist, diejenigen Antibiotika zu identifizieren und einzusetzen, die über längere Zeiträume konsistent ihre Wirksamkeit erwiesen haben. Die MYSTIC-Studie (Meropenem Yearly Susceptibility Test Information Collection) ist das erste Programm, das gezielt die Resistenz eines speziellen Antibiotikums global über einen längeren Zeitraum kontrolliert. In etlichen der insgesamt 115 teilnehmenden Zentren läuft diese Studie nun seit fünf Jahren, ohne dass sich eine Resistenzentwicklung abzeichnet. Dem Arzt bietet dieses Ergebnis umso mehr Sicherheit, als das Patientengut, das mit diesem Breitspektrum-Carbapenem behandelt wird, ein hohes Risiko für Resistenzen birgt.

(© Medical Tribune-Online Schweiz, UNo)

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