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Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online an der 3. European Breast Cancer Conference, Barcelona, 2002

 

27. März 2002

 

Anastrozol jetzt auch beim frühen Mammakarzinom

BARCELONA - Zur Pressekonferenz im Hotel Rey Carlos hatte Astra-Zenecca geladen. Anlass war die Vorstellung der Ergebnisse der ATAC-Studie, der weltweit größten Studie zur adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms postmenopausaler Frauen an der 3rd European Breast Cancer Conference.

Aromatasehemmer wirken am Enzym Aromatase, welches die Umwandlung der Vorläufersubstanz Androstendion in Östrogen bewirkt. Anastrozol (ArimidexR) gehört zu den Aromatase-Hemmern der 3. Generation, die bei Hormonrezeptor-positiven Brusttumoren wirksam sind.
Die ATAC-Studie, (Arimidex, Tamoxifen Alone or in Combination) ist mit mehr als 9300 aufgenommenen Patientinnen die weltweit größte Studie zur adjuvanten Behandlung des Mammakarzinoms. Randomisiert und doppelblind wurden Patientinen entweder mit Anastrozol und Plazebo, Tamoxifen und Plazebo oder der Wirkstoffkombination behandelt.
Das Risiko für eine Rezidivierung des Mammakarzinoms war, nach einer medianen Beobachtungszeit von 2,8 Jahren und einer medianen Behandlungsdauer von 30,7 Monaten, unter der Behandlung mit Anastrozol 17 % niedriger als unter Tamoxifen. Nur bei 317 der 3125 Frauen der Anastrozol-Gruppe waren ein Rezidiv, Metastasen oder Tod zu verzeichnen, verglichen mit 379 der 3116 Frauen der Tamoxifen-Gruppe.

In der Subgruppe mit gesichert hormonsensitiven Tumoren (84% der Studienpopulation) war die Senkung des Risikos unter Anastrozol im Vergleich zu Tamoxifen mit 22 % noch eindrucksvoller. Das Risiko eines Mammakarzinoms in der kontralateralen Brust wurde um 77% gesenkt, unter Tamoxifen nur um 46%. Dr. Jeffrey Tobias, University College Hospital, London präsentierte die Ergebnisse und interpretierte sie als extrem wichtig für Frauen mit Mammakarzinom in frühem Stadium. "Dies sind sehr erfreuliche neue Daten, die genauso spektakulär sind wie die Tamoxifendaten vor 20 Jahren. Wir haben nun eine wirksamere und besser verträgliche Alternative zu Tamoxifen, dem bisherigen Goldstandard in der adjuvanten Behandlung. Ich bin nun überzeugt, dass Anastrozol auch im Licht der IBIS-Studie Potential für den Einsatz in der Prävention des Mammakarzinoms hat."

Bisher war Anastrozol nur zur Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms zugelassem.
In der ATAC-Studie wurde nachgewiesen, dass Anastrozol, gemessen am rezidivfreien Überleben, nicht nur signifikant wirksamer ist als Tamoxifen, sondern darüber hinaus dem bisherigen Goldstandard auch hinsichtlich der Verträglichkeit in wichtigen Punkten überlegen ist. So wurden unter Anastrozol-Behandlung deutlich weniger Endometriumkarzinome und Thromboembolien beobachtet.
Auch Hitzewallungen und Gewichtszunahme waren unter Anastrozol signifikant niedriger als unter Tamoxifen. Allerdings wiesen die mit Tamoxifen behandelten Frauen ein niedrigeres Risiko für Frakturen auf. Das liegt zum einen daran, dass Tamoxifen einen Osteoporoseschutz aufweist, zum anderen wird es durch den herbeigeführten Östrogenmangel erklärt. Anastrozol-behandelte Patientinnen litten außerdem unter Arthralgien.

Die Ergebnisse sind wohl auf die gesamte Substanzklasse der neuen Aromatasehemmer übertragbar, die bald Tamoxifen von seinem Stammplatz vertreiben könnte.


Axilläre Lymphadenektomie beim Mammakarzinom
Kann manchen Frauen die Prozedur erspart bleiben?

BARCELONA - Italienische Forscher stellten Ergebnisse vor, die zeigen dass der Nutzen einer axillären Lymphknotenresektion im Rahmen des Mammakarzinoms fraglich ist. In der anschliessenden Debatte bei der 3rd European Breast Cancer Conference nahmen Experten dazu Stellung.

Die axilläre Lymphadenektomie ist immer noch integraler Bestandteil der chirurgischen Therapie des Mammakarzinoms. Molekulargenetische und histopathologische Tumorcharakteristika ersetzen mehr und mehr die prognostische Information, die aus einem eventuellen Lymphknotenbefall gewonnen werden kann. Die axilläre Lymphadenektomie ist mit einer nicht-geringen Morbidität verbunden: Immerhin haben etwa 20% der Patienten danach Komplikationen wie Schmerzen, Lymphödem, oder Bewegungseinschränkungen.

Der Überlebensvorteil nach axillärer Lymphadenektomie sei je nach Studie entweder nicht erwiesen, oder nur gering, so Dr. Marco Greco, Nationales Krebsinstitut, Mailand. Er stellte Daten einer Studie vor, in der 260 klinisch nodal-negative Patienten aufgrund histo-pathologischer Tumorcharakteristika in drei Risikogruppen unterteilt wurden. Im Vergleich zu dieser Risikoeinteilung, die auf eine axilläre Lymphadenektomie verzichtet, wären nach der St. Gallener Konsensuskonferenz von 2001 nur 2,6% der Patientinnen in eine andere Risikogruppe eingeteilt worden. Die Information über Hormonrezeptorstatus, Grading des Tumors und eine eventuelle HER-2-Überexpression seien dabei viel wertvollere Prognosefaktoren als ein möglicher Lymphknotenbefall, so der italienische Onkologe.

Wichtige Hinweise liefert schon der Sentinel-Lymphknoten
Dr. Hiram Cody, Cornell University, New York, dagegen plädierte für die Axilladissektion bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall. Trotz adjuvanter Therapie liege das Risiko eines axillären Rezidivs bei 15%, mit der Gefahr eines unkontrolllierbaren Befalls.
Bei Frauen ohne klinischen Verdacht eines axillären Lymphknotenbefalls sei heute ohnehin die Identifizierung und Biopsie des "Wächterlymphknotens" (Sentinel-Lymphknotenbiopsie) Standard.
Bei negativer Sentinel-Lymphknotenbiopsie könne vielleicht auf eine axilläre Lymphadenektomie verzichtet werden.

Die Debatte ist noch nicht abgeschlossen
Die Kongressteilnehmer waren seiner Meinung. 9 von 10 Anwesenden bejahten sowohl vor als auch nach der Debatte, dass sie die axilläre Lymphadenektomie in den meisten Fällen für unverzichtbar halten.
Dr. Emiel Rutgers, Nationales Krebsinstitut Amsterdam bemerkte: "Wir müssen diese Debatte in fünf Jahren wiederholen".


Mammakarzinom und Tumorprofiling bei jungen Frauen

BARCELONA - Screening-Programme und adjuvante Chemotherapie haben zu einer allgemeinen Senkung der Mortalität des Mammakarzinoms beigetragen. Nicht so bei erkrankten Frauen unter 40. Mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 50% sieht die Realität nicht gut aus.

Der Grund liegt in den speziellen Tumorcharakteristika: Oft (60%) haben junge Frauen schlecht differenzierte Tumoren und viel häufiger als bei älteren Frauen sind die Tumoren hormonrezeptor-negativ (50% im Vergleich zu 20%). Auch eine HER-2 Überexpression, ebenfalls negativer Prognosefaktor, ist viel häufiger als bei älteren Frauen. Alterationen des p53-Tumorsuppressorgens, gleichermassen assoziiert mit einem aggressiven Krankheitsverlauf, findet man auch gehäuft, so Dr. Marc Van de Vijver, Nationales Krebsinstitut, Amsterdam.
Interessant ist, dass auch in jungen Jahren (unter 40) nur etwa 10% der Fälle auf Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA 1 und 2 zurückzuführen sind.

Genetische Hilfe bei der Therapieentscheidung
Gerade bei jungen Frauen wiegt die Entscheidung zur Mastektomie schwer. Aufgrund aggressiverer Tumoren findet man bei ihnen auch höhere Rezidivraten nach brusterhaltender Therapie.
Das holländische Forscherteam hofft durch genetische Microarray-Analysen, die Patienten aufgrund ihres Risikoprofils in Subgruppen zu unterteilen und damit die therapeutische Entscheidung zu erleichtern.

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