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Anastrozol
jetzt auch beim frühen Mammakarzinom
BARCELONA - Zur Pressekonferenz im Hotel Rey Carlos hatte Astra-Zenecca
geladen. Anlass war die Vorstellung der Ergebnisse der ATAC-Studie, der
weltweit größten Studie zur adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms
postmenopausaler Frauen an der 3rd European Breast Cancer Conference.
Aromatasehemmer
wirken am Enzym Aromatase, welches die Umwandlung der Vorläufersubstanz
Androstendion in Östrogen bewirkt. Anastrozol (ArimidexR)
gehört zu den Aromatase-Hemmern der 3. Generation, die bei Hormonrezeptor-positiven
Brusttumoren wirksam sind.
Die ATAC-Studie, (Arimidex, Tamoxifen Alone or in Combination) ist mit
mehr als 9300 aufgenommenen Patientinnen die weltweit größte
Studie zur adjuvanten Behandlung des Mammakarzinoms. Randomisiert und
doppelblind wurden Patientinen entweder mit Anastrozol und Plazebo, Tamoxifen
und Plazebo oder der Wirkstoffkombination behandelt.
Das Risiko für eine Rezidivierung des Mammakarzinoms war, nach einer
medianen Beobachtungszeit von 2,8 Jahren und einer medianen Behandlungsdauer
von 30,7 Monaten, unter der Behandlung mit Anastrozol 17 % niedriger als
unter Tamoxifen. Nur bei 317 der 3125 Frauen der Anastrozol-Gruppe waren
ein Rezidiv, Metastasen oder Tod zu verzeichnen, verglichen mit 379 der
3116 Frauen der Tamoxifen-Gruppe.
In der Subgruppe
mit gesichert hormonsensitiven Tumoren (84% der Studienpopulation) war
die Senkung des Risikos unter Anastrozol im Vergleich zu Tamoxifen mit
22 % noch eindrucksvoller. Das Risiko eines Mammakarzinoms in der kontralateralen
Brust wurde um 77% gesenkt, unter Tamoxifen nur um 46%. Dr. Jeffrey
Tobias, University College Hospital, London präsentierte die
Ergebnisse und interpretierte sie als extrem wichtig für Frauen mit
Mammakarzinom in frühem Stadium. "Dies sind sehr erfreuliche
neue Daten, die genauso spektakulär sind wie die Tamoxifendaten vor
20 Jahren. Wir haben nun eine wirksamere und besser verträgliche
Alternative zu Tamoxifen, dem bisherigen Goldstandard in der adjuvanten
Behandlung. Ich bin nun überzeugt, dass Anastrozol auch im Licht
der IBIS-Studie Potential für den Einsatz in der Prävention
des Mammakarzinoms hat."
Bisher war Anastrozol nur zur Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms
zugelassem.
In der ATAC-Studie wurde nachgewiesen, dass Anastrozol, gemessen am rezidivfreien
Überleben, nicht nur signifikant wirksamer ist als Tamoxifen, sondern
darüber hinaus dem bisherigen Goldstandard auch hinsichtlich der
Verträglichkeit in wichtigen Punkten überlegen ist. So wurden
unter Anastrozol-Behandlung deutlich weniger Endometriumkarzinome und
Thromboembolien beobachtet.
Auch Hitzewallungen und Gewichtszunahme waren unter Anastrozol signifikant
niedriger als unter Tamoxifen. Allerdings wiesen die mit Tamoxifen behandelten
Frauen ein niedrigeres Risiko für Frakturen auf. Das liegt zum einen
daran, dass Tamoxifen einen Osteoporoseschutz aufweist, zum anderen wird
es durch den herbeigeführten Östrogenmangel erklärt. Anastrozol-behandelte
Patientinnen litten außerdem unter Arthralgien.
Die Ergebnisse sind wohl auf die gesamte Substanzklasse der neuen Aromatasehemmer
übertragbar, die bald Tamoxifen von seinem Stammplatz vertreiben
könnte.
Axilläre
Lymphadenektomie beim Mammakarzinom
Kann manchen Frauen die Prozedur erspart bleiben?
BARCELONA - Italienische Forscher stellten Ergebnisse vor, die zeigen
dass der Nutzen einer axillären Lymphknotenresektion im Rahmen des
Mammakarzinoms fraglich ist. In der anschliessenden Debatte bei der 3rd
European Breast Cancer Conference nahmen Experten dazu Stellung.
Die axilläre Lymphadenektomie ist immer noch integraler Bestandteil
der chirurgischen Therapie des Mammakarzinoms. Molekulargenetische und
histopathologische Tumorcharakteristika ersetzen mehr und mehr die prognostische
Information, die aus einem eventuellen Lymphknotenbefall gewonnen werden
kann. Die axilläre Lymphadenektomie ist mit einer nicht-geringen
Morbidität verbunden: Immerhin haben etwa 20% der Patienten danach
Komplikationen wie Schmerzen, Lymphödem, oder Bewegungseinschränkungen.
Der Überlebensvorteil nach axillärer Lymphadenektomie sei je
nach Studie entweder nicht erwiesen, oder nur gering, so Dr. Marco Greco,
Nationales Krebsinstitut, Mailand. Er stellte Daten einer Studie vor,
in der 260 klinisch nodal-negative Patienten aufgrund histo-pathologischer
Tumorcharakteristika in drei Risikogruppen unterteilt wurden. Im Vergleich
zu dieser Risikoeinteilung, die auf eine axilläre Lymphadenektomie
verzichtet, wären nach der St. Gallener Konsensuskonferenz von 2001
nur 2,6% der Patientinnen in eine andere Risikogruppe eingeteilt worden.
Die Information über Hormonrezeptorstatus, Grading des Tumors und
eine eventuelle HER-2-Überexpression seien dabei viel wertvollere
Prognosefaktoren als ein möglicher Lymphknotenbefall, so der italienische
Onkologe.
Wichtige Hinweise liefert schon der Sentinel-Lymphknoten
Dr. Hiram Cody, Cornell University, New York, dagegen plädierte für
die Axilladissektion bei Patientinnen mit Lymphknotenbefall. Trotz adjuvanter
Therapie liege das Risiko eines axillären Rezidivs bei 15%, mit der
Gefahr eines unkontrolllierbaren Befalls.
Bei Frauen ohne klinischen Verdacht eines axillären Lymphknotenbefalls
sei heute ohnehin die Identifizierung und Biopsie des "Wächterlymphknotens"
(Sentinel-Lymphknotenbiopsie) Standard.
Bei negativer Sentinel-Lymphknotenbiopsie könne vielleicht auf eine
axilläre Lymphadenektomie verzichtet werden.
Die Debatte ist noch nicht abgeschlossen
Die Kongressteilnehmer waren seiner Meinung. 9 von 10 Anwesenden bejahten
sowohl vor als auch nach der Debatte, dass sie die axilläre Lymphadenektomie
in den meisten Fällen für unverzichtbar halten.
Dr. Emiel Rutgers, Nationales Krebsinstitut Amsterdam bemerkte: "Wir
müssen diese Debatte in fünf Jahren wiederholen".
Mammakarzinom
und Tumorprofiling bei jungen Frauen
BARCELONA - Screening-Programme und adjuvante Chemotherapie haben zu
einer allgemeinen Senkung der Mortalität des Mammakarzinoms beigetragen.
Nicht so bei erkrankten Frauen unter 40. Mit einer 5-Jahres-Überlebensrate
von 50% sieht die Realität nicht gut aus.
Der Grund liegt in den speziellen Tumorcharakteristika: Oft (60%) haben
junge Frauen schlecht differenzierte Tumoren und viel häufiger als
bei älteren Frauen sind die Tumoren hormonrezeptor-negativ (50% im
Vergleich zu 20%). Auch eine HER-2 Überexpression, ebenfalls negativer
Prognosefaktor, ist viel häufiger als bei älteren Frauen. Alterationen
des p53-Tumorsuppressorgens, gleichermassen assoziiert mit einem aggressiven
Krankheitsverlauf, findet man auch gehäuft, so Dr. Marc Van de
Vijver, Nationales Krebsinstitut, Amsterdam.
Interessant ist, dass auch in jungen Jahren (unter 40) nur etwa 10% der
Fälle auf Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA 1 und 2 zurückzuführen
sind.
Genetische Hilfe bei der Therapieentscheidung
Gerade bei jungen Frauen wiegt die Entscheidung zur Mastektomie schwer.
Aufgrund aggressiverer Tumoren findet man bei ihnen auch höhere Rezidivraten
nach brusterhaltender Therapie.
Das holländische Forscherteam hofft durch genetische Microarray-Analysen,
die Patienten aufgrund ihres Risikoprofils in Subgruppen zu unterteilen
und damit die therapeutische Entscheidung zu erleichtern.
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