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Individuelle
Risikostratifizierung beim Mammakarzinom
Genetischer "Fingerabdruck" des Tumors als Prognoseindikator
BARCELONA - Es gibt erste klinische Erfahrungen zum Potential der Microarray-Techniken.
Kombiniert mit erweiterten Möglichkeiten der Bioinformatik kann man
Informationen über die Aggressivität der einzelnen Tumoren gewinnen
und so, selbst bei gleichen histopathologischen und klinischen Befunden,
besser die Patienten auswählen, die eine adjuvante systemische Therapie
benötigen, so Dr. Laura van't Veer, Holländisches Krebsinstitut,
Amsterdam, anlässlich der 3rd European Breast Cancer Conference.
Bei der Technik des Tumorprofiling wird RNA von Tumorgewebe auf ein DNA-Mikrochip
appliziert, welches tausende bekannter Genfragmente enthält. So kann
festgestellt werden, welche Gene im Tumorgewebe aktiviert sind.
Die Forscher aus Amsterdam haben diese Technik bei Tumorgewebe von 97
nodal-negativen Patientinnen unter 55 Jahren angewendet und haben nach
computergestützter Auswertung retrospektiv mit 90% iger Wahrscheinlichkeit
diejenigen Patienten identifizieren können, die nach 5 Jahren rezidivfrei
waren.
Sie haben ebenfalls eine Genkonstellation identifiziert, die mit einer
schlechten Prognose korreliert. Dabei sind Gene, die mit einer schlechten
Prognose assoziiert sind, diejenigen die an der lympho-vaskulären
Invasion, an der Angiogenese und an der Regulation des Zellzyklus beteiligt
sind. Mit dieser "Signatur" verfüge man über neue
Selektionskriterien bei der Frage, ob eine adjuvante systemische Therapie
nötig ist. Diese Kriterien seien den aktuellen histo-pathologischen
und klinischen Kriterien in ihrer prognostischen Aussagekraft überlegen,
so Dr. Marc Van de Vijver aus dem Forscherteam.
Prävention
des Mammakarzinoms
BARCELONA - In wie weit ist das Mammakarzinom zu verhindern? Diese
Frage zu beantworten versuchten internationale Experten anlässlich
der 3rd European Breast Cancer Conference. Wie Professor M. Pollack, McGill
University, Montreal, ausführte sind die Strategien um die Brustkrebsprävention
so vielfältig wie die Patientengruppen.
"So wie wir für jeden Patienten die ideale Myokardinfarktprophylaxe
finden müssen, gilt es auch beim Mammakarzinom je nach individuellem
Risiko die richtigen Massnahmen zur Prävention zu implementieren.
Für manche Patientinen mag dies mehr Bewegung bedeuten, für
andere wird man die Einnahme von Retinoiden empfehlen und für eine
ausgewählte Patientengruppe wird es Chemoprävention mit Tamoxifen
bedeuten.
Daten, welche
die Wirksamkeit von Tamoxifen in der Primärprävention des Mammakarzinoms
belegen, liefern erste Ergebnisse von IBIS (International Breast Cancer
Intervention Study). Ergebnisse vom Januar diesen Jahres stellte Professor
Jack Cuzik, Cancer Research Fund, UK erstmals vor. Über 7000
Patientinen mit erhöhtem Mammakarzinomrisiko (positive Familienanamnese)
im Alter zwischen 35-70 Jahren bekamen doppelblind und randomisiert 20
mg Tamoxifen oder Placebo über einen Zeitraum von 5 Jahren
.Bei den
mit Tamoxifen behandelten Frauen erkrankten 68 an Brustkrebs im Vergleich
zu 101 in der Placebogruppe. "Die Risikoreduktion von 30% ist kleiner
ausgefallen als wir es uns erhofft hatten", dennoch ist sie hochsignifikant.
Tamoxifen ist nur wirksam bei hormonrezeptor-positiven Tumoren und dies
unabhängig vom Alter oder individuellem Risiko der Frau. Dennoch
kann Tamoxifen nicht allgemein zur Prophylaxe des Mammakarzinoms empfohlen
werden. Zu stark sind Nebenwirkungen wie Hitzewallungen. Hinzu kommt ein
erhöhtes Risiko für Endometriumkarzinome und ein 2-3 fach erhöhtes
Risiko für Thromboembolien.
Gentest
auf Mammakarzinom: Dafür oder dagegen?
BARCELONA - Neue Welt gegen alte Welt bei der 3rd European Breast Cancer
Conference.
Eine hitzige Debatte lieferten sich Professor C. Kent Osborne, University
of Texas, San Antonio und Professor Michael Baum, University College,
London um die Frage, wann und ob eine molekulargenetische Untersuchung
auf Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA 1 und BRCA 2 sinnvoll ist.
BRCA 1 und 2 spielen bei der Reparatur von DNS-Doppelstrangbrüchen
sowie zur Steuerung und Differenzierung eine wichtige Rolle. Erbliche
Mutationen im BRCA 1-Gen auf dem langen Arm von Chromosom 17 sind für
einen Teil von familiär gehäuft auftretenden Mamma- und Ovarialkarzinomen
verantwortlich; insgesamt sind etwa 5% der Mammakarzinome auf diese Mutationen
zurückzuführen.
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Prof.
Osborne unterstrich, dass Patientinen, die diese Mutationen aufweisen,
selbst am Management ihrer Erkrankung teilnehmen können. Beistand
bekam er von Professor J. Forbes, University of Newcastle, Australien.
"Auch für andere Familienmitglieder kann diese Untersuchung
wichtig werden. " |
Strittig bleibt, welche Konsequenzen sich aus einem positiven Gentest
ergeben. Denn: Eine genetische Untersuchung ist nur sinnvoll, wenn sich
daraus therapeutische Konsequenzen ergeben. Eine Möglichkeit wäre
ein engmaschiges kernspintomographisches Screening. Eine medikamentöse
Prophylaxe mit Tamoxifen ist nicht sinnvoll, denn es handelt sich bei
diesen Tumoren meist um schlecht differenzierte, hormonrezeptornegative
Tumoren, die auf diese Therapie nicht ansprechen. Meist empfohlen wird
die aggressive "Risk-reduction mastectomy" in Verbindung mit
einer Ovarektomie.
Da genetische Mutationen heute noch nicht korrigiert werden können,
bedeute ein positiver Gentest nur eine psychologische Belastung für
die Betroffenen und ihre Familien, so Professor Baum. Solange wir "nur"
die prophylaktische Mastektomie mit nicht einmal 100% Krebsschutz anzubieten
hätten, wollen sich einer im JAMA veröffentlichten Studie zufolge
etwa die Hälfte der Hochrisikopatientinnen diesem Wissen nicht aussetzen.
Diese Meinung teilt auch Frau Dr. G. Freilich, University College,
London, selbst Hochrisikopatientin und Brustkrebsexpertin. Einig sind
sich die Experten darüber dass, in jedem Fall die molekulargenetische
Diagnostik Teil eines umfassenden Beratungskonzeptes sein muss. Nach dieser
Beratung bleibt es eine individuelle Entscheidung der Frau, ob sie die
Möglichkeiten der genetischen Diagnostik nutzen will oder nicht.
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