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Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online an der 3. European Breast Cancer Conference, Barcelona, 2002

 

26. März 2002

 

Individuelle Risikostratifizierung beim Mammakarzinom
Genetischer "Fingerabdruck" des Tumors als Prognoseindikator

BARCELONA - Es gibt erste klinische Erfahrungen zum Potential der Microarray-Techniken. Kombiniert mit erweiterten Möglichkeiten der Bioinformatik kann man Informationen über die Aggressivität der einzelnen Tumoren gewinnen und so, selbst bei gleichen histopathologischen und klinischen Befunden, besser die Patienten auswählen, die eine adjuvante systemische Therapie benötigen, so Dr. Laura van't Veer, Holländisches Krebsinstitut, Amsterdam, anlässlich der 3rd European Breast Cancer Conference.


Bei der Technik des Tumorprofiling wird RNA von Tumorgewebe auf ein DNA-Mikrochip appliziert, welches tausende bekannter Genfragmente enthält. So kann festgestellt werden, welche Gene im Tumorgewebe aktiviert sind.
Die Forscher aus Amsterdam haben diese Technik bei Tumorgewebe von 97 nodal-negativen Patientinnen unter 55 Jahren angewendet und haben nach computergestützter Auswertung retrospektiv mit 90% iger Wahrscheinlichkeit diejenigen Patienten identifizieren können, die nach 5 Jahren rezidivfrei waren.

Sie haben ebenfalls eine Genkonstellation identifiziert, die mit einer schlechten Prognose korreliert. Dabei sind Gene, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind, diejenigen die an der lympho-vaskulären Invasion, an der Angiogenese und an der Regulation des Zellzyklus beteiligt sind. Mit dieser "Signatur" verfüge man über neue Selektionskriterien bei der Frage, ob eine adjuvante systemische Therapie nötig ist. Diese Kriterien seien den aktuellen histo-pathologischen und klinischen Kriterien in ihrer prognostischen Aussagekraft überlegen, so Dr. Marc Van de Vijver aus dem Forscherteam.



Prävention des Mammakarzinoms

BARCELONA - In wie weit ist das Mammakarzinom zu verhindern? Diese Frage zu beantworten versuchten internationale Experten anlässlich der 3rd European Breast Cancer Conference. Wie Professor M. Pollack, McGill University, Montreal, ausführte sind die Strategien um die Brustkrebsprävention so vielfältig wie die Patientengruppen.

"So wie wir für jeden Patienten die ideale Myokardinfarktprophylaxe finden müssen, gilt es auch beim Mammakarzinom je nach individuellem Risiko die richtigen Massnahmen zur Prävention zu implementieren. Für manche Patientinen mag dies mehr Bewegung bedeuten, für andere wird man die Einnahme von Retinoiden empfehlen und für eine ausgewählte Patientengruppe wird es Chemoprävention mit Tamoxifen bedeuten.

Daten, welche die Wirksamkeit von Tamoxifen in der Primärprävention des Mammakarzinoms belegen, liefern erste Ergebnisse von IBIS (International Breast Cancer Intervention Study). Ergebnisse vom Januar diesen Jahres stellte Professor Jack Cuzik, Cancer Research Fund, UK erstmals vor. Über 7000 Patientinen mit erhöhtem Mammakarzinomrisiko (positive Familienanamnese) im Alter zwischen 35-70 Jahren bekamen doppelblind und randomisiert 20 mg Tamoxifen oder Placebo über einen Zeitraum von 5 Jahren

.Bei den mit Tamoxifen behandelten Frauen erkrankten 68 an Brustkrebs im Vergleich zu 101 in der Placebogruppe. "Die Risikoreduktion von 30% ist kleiner ausgefallen als wir es uns erhofft hatten", dennoch ist sie hochsignifikant. Tamoxifen ist nur wirksam bei hormonrezeptor-positiven Tumoren und dies unabhängig vom Alter oder individuellem Risiko der Frau. Dennoch kann Tamoxifen nicht allgemein zur Prophylaxe des Mammakarzinoms empfohlen werden. Zu stark sind Nebenwirkungen wie Hitzewallungen. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für Endometriumkarzinome und ein 2-3 fach erhöhtes Risiko für Thromboembolien.


Gentest auf Mammakarzinom: Dafür oder dagegen?

BARCELONA - Neue Welt gegen alte Welt bei der 3rd European Breast Cancer Conference.
Eine hitzige Debatte lieferten sich Professor C. Kent Osborne, University of Texas, San Antonio und Professor Michael Baum, University College, London um die Frage, wann und ob eine molekulargenetische Untersuchung auf Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA 1 und BRCA 2 sinnvoll ist.


BRCA 1 und 2 spielen bei der Reparatur von DNS-Doppelstrangbrüchen sowie zur Steuerung und Differenzierung eine wichtige Rolle. Erbliche Mutationen im BRCA 1-Gen auf dem langen Arm von Chromosom 17 sind für einen Teil von familiär gehäuft auftretenden Mamma- und Ovarialkarzinomen verantwortlich; insgesamt sind etwa 5% der Mammakarzinome auf diese Mutationen zurückzuführen.

Prof. Osborn Prof. Osborne unterstrich, dass Patientinen, die diese Mutationen aufweisen, selbst am Management ihrer Erkrankung teilnehmen können. Beistand bekam er von Professor J. Forbes, University of Newcastle, Australien. "Auch für andere Familienmitglieder kann diese Untersuchung wichtig werden. "


Strittig bleibt, welche Konsequenzen sich aus einem positiven Gentest ergeben. Denn: Eine genetische Untersuchung ist nur sinnvoll, wenn sich daraus therapeutische Konsequenzen ergeben. Eine Möglichkeit wäre ein engmaschiges kernspintomographisches Screening. Eine medikamentöse Prophylaxe mit Tamoxifen ist nicht sinnvoll, denn es handelt sich bei diesen Tumoren meist um schlecht differenzierte, hormonrezeptornegative Tumoren, die auf diese Therapie nicht ansprechen. Meist empfohlen wird die aggressive "Risk-reduction mastectomy" in Verbindung mit einer Ovarektomie.

Da genetische Mutationen heute noch nicht korrigiert werden können, bedeute ein positiver Gentest nur eine psychologische Belastung für die Betroffenen und ihre Familien, so Professor Baum. Solange wir "nur" die prophylaktische Mastektomie mit nicht einmal 100% Krebsschutz anzubieten hätten, wollen sich einer im JAMA veröffentlichten Studie zufolge etwa die Hälfte der Hochrisikopatientinnen diesem Wissen nicht aussetzen. Diese Meinung teilt auch Frau Dr. G. Freilich, University College, London, selbst Hochrisikopatientin und Brustkrebsexpertin. Einig sind sich die Experten darüber dass, in jedem Fall die molekulargenetische Diagnostik Teil eines umfassenden Beratungskonzeptes sein muss. Nach dieser Beratung bleibt es eine individuelle Entscheidung der Frau, ob sie die Möglichkeiten der genetischen Diagnostik nutzen will oder nicht.

 

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