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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Willkommen bei der Berichterstattung von Medical Tribune Online an der 3. European Breast Cancer Conference, Barcelona, 2002

 

 

25. März 2002

 

M-Power: Neue Kraft für Brustkrebspatientinnen

BARCELONA- Für die Therapie des Mammakarzinoms gibt es heute eine Vielzahl von Optionen. Bei der Wahl der Therapie steht für die betroffenen Frauen ihre Lebensqualität und eine Beteiligung am Entscheidungsprozess im Vordergrund. 53% der Patientinnen wollen besser informiert sein. Für die Mehrheit ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle.
Diese Ergebnisse über Bedürfnisse und Erfahrungen von Brustkrebspatientinnen lieferten zwei Umfragen, der Parcours de femmes und das CAWAC, Caring about Women with Cancer, beide vorgestellt von Dr. Daniel Serin, Leiter der Brustkrebsklinik St Catherine in Avignon. Anlass war die Bristol-Myers Squibb Pressekonferenz "M-Power" im Rahmen der 3rd European Breast Cancer Conference.

Brustkrebspatientinnen werden in Zukunft viel individuellere Behandlungsschemata brauchen, abgestimmt auf ihren Tumortyp, aber auch auf ihre spezielle Lebenssituation und ihre Wünsche, so Dr. Christian Jackisch, Universität Münster.
Dabei müssen bei der Wahl der Chemotherapie neben Kriterien wie Ansprechraten auch Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Nebenwirkungsprofil bedacht werden. Auch die Möglichkeit der ambulanten Verabreichung ist für viele Patientinnen essentiell. Dies ist besonders relevant beim metastasierten Mammakarzinom, wo die Behandlung eine palliative Zielsetzung hat. Seine take-home message lautete: " Eine Therapie darf niemals für den Patienten schlimmer sein als die Erkrankung selbst".

Wirksamere Therapie beim metastasierten Mammakarzinom mit Paclitaxel
Die Hälfte aller Brustkrebspatientinnen entwickeln Metastasen. Die Kombination aus Anthrazyklinen und Taxanen wird in der Therapie des Hormonrezeptor-negativen metastasierten Mammakarzinoms eingesetzt. Taxane bieten sich zu einer Kombination mit Doxorubicin aufgrund unterschiedlicher Nebenwirkungsprofile an.
Die Wirksamkeit von Paclitaxel, einer ursprünglich aus der pazifischen Eibe gewonnenen Substanz, in Kombination mit dem Anthrazyklin Doxorubicin wurde eindrucksvoll in einer von Professor Jacek Jassem, Gdansk Universität, Polen vorgestellten Studie gezeigt. Verglichen wurde ein FAC-Regime (5-Fluorouracil 500mg/m2, Doxorubicin 50mg/m2, Cyclophosphamid 500mg/m2) mit einer Kombination aus Doxorubicin 50mg/m2 gefolgt von Paclitaxel 220mg/m2 nach 24 Stunden. Beide Therapieschemata erfolgten in 3-wöchigen Abständen; die Patientinnen bekamen bis zu 8 Zyklen Chemotherapie.
Die Ergebnisse waren in dieser palliativ behandelten Patientengruppe beeindruckend: Die Ansprechrate betrug 68% gegenüber 55% in der Vergleichsgruppe. Das Überleben der Patientinnen konnte um 5 Monate verlängert werden im Vergleich zum FAC-Regime.

Kombination von Paclitaxel und Immuntherapie
Bei Patientinnen mit Hormonrezeptor-negativen Tumoren und Tumoren mit HER-2-Überexpression sowie Mutationen des p53-Tumorsuppressorgens, allesamt mit einer schlechten Prognose behaftet, scheint sich eine Kombinationstherapie bestehend aus dem humanisierten monoklonalen Antikörper Trastuzumab und dem Taxan Paclitaxel günstig auf die Remissionsrate und die Überlebensdauer auszuwirken.
Trastuzumab ist gegen den HER-2 Membranrezeptor gerichtet, der bei etwa 25% der Patientinnen mit Mammakarzinom in Überexpression vorliegt. Durch verschiedene Wirkungsmechanismen verhindert Trastuzumab das Tumorwachstum und erhöht gleichzeitig die Chemosensibilität des Tumors.

Gute Verträglichkeit auch bei wöchentlichem Therapieschema
Ein wöchentliches Therapieschema von 80mg/m2 Paclitaxel bewirkte eine Teil- oder Komplettremission bei einem Drittel der Patienten, wie die von Dr. Jackisch vorgelegten Daten zeigten. Das Besondere an diesem Schema: Durch die wöchentliche Anwendung konnte die Einzeldosis reduziert werden, weil die Intervalle verkürzt wurden. Diese "Dosis-dichte Therapie" wurde insgesamt gut vertragen. Ein zusätzlicher Vorteil: die notwendige Prämedikation mit Dexamethason konnte auf 4 mg reduziert werden.



Keine Zukunfstsmusik mehr: Digitale Mammographie


BARCELONA - Eine relativ neue Untersuchungsmethode, die zudem eine reduzierte Strahlenbelastung verspricht, stellte Dr. Marco Roselli del Turco, Florenz während der 3rd European Breast Cancer Conference vor.

Eine vergleichbare Auflösung bei niedrigerer Strahlenbelastung ist ein Vorteil. Die digitalen Aufnahmen lassen sich zudem elektronisch bearbeiten und analysieren. In einer kleinen italienischen Studie von 150 konventionellen Mammographien im Vergleich zu digitalen Mammographien zeigte sich die digitale Aufnahme genauso effektiv in der Erkennung von suspekten Herden (Sensitivität von 97% gegenüber 96% )wie eine von zwei Radiologen interpretierte konventionelle Mammographie. Nach Dr. del Turcos Auffassung kompensiert die digitale Mammographie den Mangel an erfahrenen Radiologen.



Trotz Mammographiescreening: ein Viertel der Mammakarzinome übersehen

BARCELONA - Diese schockierenden Zahlen stammen von einer norwegischen Untersuchung. Im Rahmen des norwegischen Vorsorgeprogramms wurden zur Qualitätssicherung blind 723 zuvor befundete Mammographien erneut von 6 Radiologen begutachtet. Über die Hälfte der ausgesuchten Mammographien (350) waren pathologisch: 118 Mammakarzinome, die zuvor beim Screening aufgefallen waren und auch 232 zwischen Screeninguntersuchungen festgestellte Tumoren.


Die Hälfte der Tumoren waren mammographisch von keinem der Radiologen erkannt worden. 23% der Tumoren waren für 1-2 Radiologen ersichtlich, bei nur 27% waren sich mindestens 3 Radiologen einig. Daraus extrapolieren die Wissenschaftler vom Cancer Registry, Oslo, dass etwa ein Viertel der im zweijährigen Intervall zwischen Mammographien diagnostizierten Tumore beim Screening hätten erkannt werden können. Natürlich entspricht dieser hohe Prozentsatz an pathologischen Mammographien nicht dem klinischen Setting. Die Untersuchung zeigt dennoch, wie sehr es auf die Erfahrung des Radiologen bei der Interpretation der Befunde ankommt.

 

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