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18th Congress of the European Association of Urology (EAU), Madrid 2003

16. März 2003

Prostatakarzinom

Watchful Waiting wieder salonfähig

MADRID – Die Therapieoption "Watchful waiting", die engmaschige Beobachtung des Prostatakarzinoms, ist keineswegs älteren Patienten vorbehalten. Welche Patienten jedoch unbedingt eine aktive Therapie benötigen, erläuterte Professor Dr. Peter Carroll, University of California, San Francisco, bei einem Symposium der Firma Astra Zeneca beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie.

"Es werden viel zu viele radikale Prostatektomien durchgeführt", berichtete Prof. Carroll. "Mit der richtigen Risikostratifizierung und Selektion könnte vielen Männern mit niedrigem Progressionsrisiko die Prozedur erspart werden", so der Experte.

Zur Niedrigrisikogruppe gehören Patienten mit PSA-Werten von < 10 ng/ml, T1/T2a und Gleason 4-5. In den USA gehören fast 50% der heute diagnostizierten Tumoren in diese Gruppe. "Mit diesen Patienten kann man über eine abwartende Therapie sprechen. Für die Hälfte der Patienten wird schliesslich doch eine aktive Therapie nötig sein, doch wir können sie beruhigen, dass die initial abwartende Haltung ihre Chancen auf Heilung nicht beeinträchtigt."

In der Praxis von Prof. Carroll werden etwa 20% der Männer mit Prostatakrebs nach diesem Prinzip behandelt. Bei intermediärem und hohem Risiko bleibt eine aggressive Therapie Mittel der Wahl.

Dr. Anka Stegmeier-Petroianu

Antiandrogene bei Prostata-Ca

Guidelines aktualisiert

MADRID – Die Europäische Gesellschaft für Urologie hat neue Therapieempfehlungen zur adjuvanten hormonellen Behandlung des Prostatakarzinoms bekannt gegeben.

Wie Dr. Aus Gunnar, Göteborg, ausführte, liegt die Schlüsselbotschaft der revidierten Empfehlungen darin, eine hormonelle Therapie in einem früheren Stadium zu beginnen, als bisher üblich.

Als Grundlage für die Überarbeitung der Richtlinien dienen die drei-Jahres-Ergebnisse der Early Prostate Cancer Study (EPC), einer laufenden Untersuchung, bestehend aus drei doppelblinden, plazebokontrollierten Studien mit insgesamt 8113 Patienten. Diese hat bisher gezeigt, dass die Gabe von 150 mg des nichtsteroidalen Antiandrogens Bicalutamid einmal täglich zusätzlich zur Primärtherapie das Risiko einer Krankheitsprogression um 42% senkt. Anders ausgedrückt: Die progressionsfreie Zeit wurde im Schnitt um 1,5 Jahre verlängert.

In einem Studienarm bekamen 4052 Patienten 150 mg Bicalutamid zusätzlich zu einer Standardtherapie (Radikale Prostatektomie, Radiotherapie oder watchful waiting). Der Kontrollarm mit 4061 Patienten wurde mit Standardtherapie plus Plazebo behandelt. Das besondere an der Studie: Patienten mit Prostatakrebs im Frühstadium (T1-T2) machten 61% der Studienpopulation aus.

Den grössten Benefit erfahren Patienten mit hohem Risiko für eine Krankheitsprogression (prä-operative PSA-Werte >10, Gleason 7-10 sowie lokal fortgeschrittene Tumoren), erläuterte Dr. Peter Iversen, Universität Kopenhagen. Als häufigste Nebenwirkung der Hormonbehandlung tritt eine Gynäkomastie bei bis zu 90% der Männer auf. Libido und erektile Funktion bleiben unbeeinträchtigt. "Die Rolle der Hormonbehandlung beim Prostatakarzinom könnte der von Tamoxifen beim Brustkrebs gleich kommen", so Dr. John Anderson, Royal Hallamshire Hospital, UK.

Dr. Anka Stegmeier-Petroianu

 

Keine Opioide mehr nötig

Nasenspray bannt Kolikschmerz

MADRID - Intranasales Desmopressin ist eine wirksame Waffen gegen den Schmerz einer Nierenkolik. Viele Patienten brauchen danach kein weiteres Schmerzmittel mehr, und die Notaufnahme kann meist vermieden werden.

Iranische Urologen haben insgesamt 60 Patienten, die an einer akuten Nierenkolik litten, mit 40 mg Desmopressin behandelt. Hatte der Patient nach 30 Minuten immer noch starke Schmerzen, gab es 75 mg Diclofenac. Wenn auch das nicht half, wurde der Patient auf der Notfallstation aufgenommen und bekam Opioide. Eine Plazebokontrollgruppe konnte bei dieser Indikation naturgemäss nicht mitgeführt werden, so Dr. G. Pourmand vom Sina Hospital in Teheran.

Auf einer Schmerzskala zwischen 0 und 100 % (stärkster vorstellbarer Schmerz) lag die Intensität vor Behandlung im Schnitt bei 89 %. Eine halbe Stunde nach Desmopressin-Gabe war die Hälfte der Patienten völlig schmerzfrei. Von den übrigen hatte wiederum die Hälfte noch mässige Schmerzen, brauchte aber keine weitere Medikation. Die übrigen bekamen Diclofenac und/oder ein Opioid, aber stationär aufgenommen werden musste keiner.

Desmopressin hat sich als extrem wirksam bei renalen Kolikschmerzen erwiesen, so der Experte am Europäischen Urologiekongress. Darüber hinaus wurden keinerlei Nebenwirkungen beobachtet. Die einfache Anwendung – kein intravenöser Zugang nötig! –, die gute Verträglichkeit und die niedrigen Kosten machen Desmopressin zu einer interessanten Alternative zu NSAR und Opioiden.

ara

Nötig in der Andropause

Gleichberechtigung des Mannes

MADRID – Impotenz und Libidoverlust sind Zeichen der Andropause. Das partielle Androgendefizit des alternden Mannes (PADAM) und dessen Therapie ein waren wichtiges Thema am XVIII. Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie.

"Die Symptome des hypogonadalen Mannes werden häufig als normale Alterserscheinung abgetan", so der Präsident der Internationalen Gesellschaft für das Studium des alternden Mannes, Professor Dr. Bruno Lunefeld, Tel Aviv. "46% der Männer stellen sich mit dem Leitsymptom Impotenz vor, dabei ist vor allem ein begleitender Libidoverlust pathognomonisch."

Prof. Lunefeld beklagte, dass ein Testosteronmangel aufgrund seiner unspezifischen Symptome viel zu selten diagnostiziert werde. Durch Testosteronsubstitution ist nebst Verbesserung der Libido ein günstiger Effekt auf Muskulatur, Knochenstoffwechsel und bestehende Insulinresistenz zu erwarten. Die internationalen Gesellschaften empfehlen die Testosteronsubstitution, wenn klinische Symptome – gemäss einem standardisierten Fragebogen - vorliegen, die Auswirkungen als negativ auf die Lebensqualität empfunden werden und der Testosteronmangel auch biochemisch nachgewiesen ist.

Behandlungsbedürftig wird das Androgendefizit, wenn der Testosteronwert unter 8 nmol/l (200 ng/dl) liegt und klinische Symptome wie Verlust der Libido, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen oder Depression vorliegen. Bei der klinischen Untersuchung sollte nach Zeichen der Andropause gefahndet werden: Abnahme von Muskelmasse und Ansetzen viszeraler Fettpolster dienen als mögliche Hinweise.

Ein bekanntes Prostata- oder Mammakarzinom stellen absolute Kontraindikationen für die Testosteronbehandlung dar. Ein erhöhter PSA-Wert (> 4.0 ng/ml) stellt ebenfalls eine Kontraindikation dar. Oberhalb dieses Grenzwertes sollte man keine ART (Androgen Replacement Therapy) durchführen. Denn: Testosteronsubstitution kann zu einem Wachstum der Prostata führen.

Ob oral oder transdermal appliziert, bleibt der Präferenz des Patienten überlassen. Das neue Testosteron-Gel kann allerdings, bei intensivem körperlichen Kontakt, in Einzelfällen den Testosteron-Spiegel der Partnerin erhöhen. Und obschon die Testosterongabe gut verträglich ist, darf sich der substituierte Mann über eine (leichte) Gynäkomastie nicht wundern: Diese entsteht durch die Aromatisierung von Testosteron zu Östradiol im peripheren Fettgewebe.

Dr. Anka Stegmeier-Petroianu

 

 

 


 

 

 





 
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