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15.09.2005
Was
meinen Kollegen zur PROactive-Studie?
| ATHEN
- Was sind die wichtigen Punkte der PROactive-Studie?
Medical Tribune fragte hierzu Dr. med. Andreas Rohrer,
Chur, Facharzt für Innere Medizin spez. Endokrinologie
und Diabetologie. |
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Dr.
Rohrer |
MT:
Was ist die für Sie wichtige Quintessenz der PROactive-Studie?
Dr. Rohrer: Die am EADS-Kongress vorgestellte PROactive-Studie
ist die grösste prospektive Studie zum makrovaskulärem
Outcome bei Diabetikern mit einer etablierten kardiovaskulären
Erkrankung. Es zeigt sich, dass man durch eine knapp dreijährige
Behandlung mit Pioglitazon eine Risikoreduktion im sekundären
"principal endpoint" erreichen kann. Das Auftreten von
Myokardinfarkt, Hirnschlag und Tod als kombinierter Endpunkt nahm
um 16% ab, die Signifikanz betrug 0,027. Demnach haben Diabetiker
mit bereits vorbestehenden Komplikationen makrovaskulärer Art
einen Benefit, wenn man sie zusätzlich zur üblichen Therapie
mit Pioglitazon behandelt.
MT: Was bedeutet das für den Niedergelassenen?
Dr. Rohrer: PROactive zeigte, dass bestimmte Patienten von
der zusätzlichen Gabe von Piogliatzon profitieren. Die Anzahl
der Patienten needed-to-treat betrug 48 Patienten über drei
Jahre. Klar sein muss die Voraussetzung: es handelte sich nicht
um neu diagnostiziert Diabetiker, sondern um Hochrisikopatienten.
Sie erhielten bereits eine multifaktorielle Therapie, wie Antihypertensiva,
Aspirin, Statine, orale Antidiabetika und eventuell auch Insulin.
Diese Patienten konnten von der zusätzlichen Gabe profitieren.
MT: Also sollte man für diesen Patientenkreis die Therapie
um Pioglitazon erweitern?
Dr. Rohrer: Ich meine ja, selbstverständlich unter Beachtung
der möglichen Nebenwirkungen und Ausschlusskriterien. Besonders
achten sollte man auf eine Herzinsuffizienz. Ich würde besonders
zu Beginn der Therapie das Gewicht eng kontrollieren, denn auch
wenn man berücksichtigt, dass unter Pioglitazon das Gewicht
ansteigen kann, eine Herzinsuffizienz würde sich viel früher
durch einen Gewichtsanstieg bemerkbar machen.
MT: Sind Sie mit dem Ergebnis der Studie zufrieden?
Dr. Rohrer: Natürlich wünscht man sich immer noch
mehr. Aber ich meine, insgesamt ist das Resultat realistisch. Bei
den so bereits gut vorbehandelten Patienten ist kaum eine Wunderpille
zu erwarten, die das Risiko in völlig anderen Dimensionen reduziert.
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Medical Tribune-Online Schweiz, UNo
Untersuchungsstrategien
Denken Grundversorger zu selten an die Makrogefässe?
ATHEN - Durch gute Blutzuckereinstellung kann man das Risiko mikrovaskulärer
Gefässschäden wie einer Retino- oder Nephropathie senken.
Aber Gefahr droht auch den Makrogefässen. Sind die Grundversorger
an dieser Front diagnostisch ausreichend aktiv? Das scheint nicht
unbedingt so, erbrachte eine Studie, die am 41. Jahrestreffen
der European Association for the Study of Diabetes präsentiert
wurde.
Vielleicht
sind es nicht Schweizer Verhältnisse, die die Studienautorin
Dr. Evlin Fhärm, Umea, Schweden, vorfand. Sie zog sich
aus Akten von 105 konsekutiven Patienten, die im Jahr 1999 neu mit
Diabetes diagnostiziert worden waren, die Angaben zu den veranlassten
Untersuchungen heraus und verglich, ob sie den damaligen Richtlinien
zur Diagnostik entsprachen, was mitnichten immer der Fall war: 66%
waren auf eine Retinopathie hin untersucht worden, 94% auf eine
Nephropathie. Ein EKG war in 34% der Patienten veranlasst worden.
Das
war umgekehrt proportional zur Inzidenz der untersuchten Risiken:
Eine Retinopathie wurde bei 6% nachgewiesen, eine Nephropathie bei
3,8%, eine kardiovaskuläre Erkrankung bei 18%.
Das
Fazit der Autorin blieb jedoch in der anschliessenden Diskussion
nicht unwidersprochen: Dr. Fhärm resümierte, dass die
Grundversorger deutlich seltener die makrovaskulären Risiken
ausgeschlossen hätten, und bezog sich dabei auf die damals
gültige Empfehlung, zum Ausschluss von Herzerkrankungen ein
EKG aufzuzeichnen. Einzelne Kongressteilnehmer widersprachen, stimmten
aber darin überein, dass eine sorgfältige Untersuchung
auf makrovaskuläre Veränderungen notwendig sei - das aber
weniger mit EKG als durch sorgfältige Anamneseerhebung und
Verwendung einer der heute verfügbaren "Risk Engines".
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Contra
kindliches Übergewicht
Mehr Schulsport? Weniger Autofahren? Bringt nichts!
ATHEN - Im Kampf gegen Diabetes muss man gegen Übergewicht
kämpfen, und das möglichst früh. Dr. Terence Wilkins,
Peninsula Medical School in Plymouth (UK), interessierte sich deshalb
dafür, wie es sich auf das Gesamtausmass der Bewegung bei Kindern
auswirkt, wenn sie sich gemütlich in die Schule kutschieren
lassen und wenn sie viel oder wenig Schulsport angeboten bekommen.
Gar nicht wirkt es sich aus, war die Antwort aus seiner Studie.
Dr.
Wilkins fand in seiner am 41. Jahrestreffen der European
Association for the Study of Diabetes vorgestellten Studie,
dass Kinder eine Art "Aktivo-Stat" besitzen, der auf ein
bestimmtes Ausmass von Bewegung eingestellt ist, und diese verschaffen
sich die Kinder dann, egal wie.
Zur
Untersuchung standen ihm zwei Kohorten zur Verfügung: 215 neunjährige
Jungen und Mädchen aus drei verschiedenen Schulen mit einem
Sportangebot zwischen 2 und 9 Wochenstunden sowie 300 Fünfjährige.
Alle wurden mit einem digitalen Actigraphen ausgestattet - vorbei
die Zeiten, als man da auf die Aufzeichnungen der Eltern zurück
greifen musste. Dieses Apparat misst uhrzeitbezogen die Intensität
und Dauer der Aktivität.
Das
Ergebnis: Ob Wochentag oder Wochenende, die Aktivität blieb
im Durchschnitt konstant. Die einzelnen Kinder bewegten sich sehr
unterschiedlich intensiv, gestreut um den Faktor vier, aber für
das einzelne Kind blieb dieser Aktivitätspegel über die
Zeit konstant. Kinder, die zur Schule liefen, hatten im Zeitfenster
am frühen Morgen einen Aktivitätsindex von 4,9, wogegen
Kinder, die mit dem Bus fuhren, signifikant niedriger mit 4,15 abschnitten.
Aha
- wusste man es doch? Keineswegs. Nach der Schule bewegten sich
die zu Fuss gehenden Kinder mit dem Index 9,07, die Buskinder dagegen
mit 9,75, und über den gesamten Tagesablauf war der Bewegungsindex
völlig identisch. Das gleiche Bild ergab sich bei den Privatschülern,
die 9 Stunden Sport die Woche genossen, gegenüber den anderen
Kindern, die ein Fünftel davon im Sportunterricht angeboten
bekamen.
Eine
um den Faktor vier unterschiedliche interindividuelle Bewegung und
um den Faktor fünf unterschiedliches Sportangebot: aus diesen
Befunden schloss Wilkins, dass die Bewegung nichts mit den Umgebungsfaktoren
zu tun hat (zumindest nicht mit diesen). Eher vermutet er eine zentrale
Steuerung, einen "Activity-stat", und zudem scheinen Aktivitäts-Phänotypen
zu existieren. An zu wenig Sportunterricht liegt es diesen Daten
zufolge jedoch ganz offensichtlich nicht, wenn Kinder sich zu wenig
bewegen.
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Medical Tribune-Online Schweiz, UNo
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