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Botulinmtoxin
contra Falten: Ist das Gift sicher?
FLORENZ - Botulinumtoxin A wird in der Medizin bereits seit Langem
eingesetzt, beispielsweise zur Therapie des Schielens oder des Schiefhalses.
Geradezu epidemisch wird es neuerdings gegen Falten, vor allem der
oberen Gesichtshälfte, eingesetzt. Eine einmalige Injektion
beseitigt die unerwünschten Linien jedoch nicht dauerhaft.
Ist es sicher, sich über Jahre wieder und wieder mit der Substanz
behandeln zu lassen? Am 13. Kongress der European Academy of
Dermatology and Venereology lieferten die Pioniere dieser Therapie
aufschlussreiche Daten.
Professor Dr. Jean Carruthers ist Augenärztin, ihr Mann
Dr. Alastair Carruthers ist Dermatologe, beide arbeiten an
der British Columbia University. Über eine Nebenwirkung bei
einer Patientin, die wegen eines Blepharospasmus mit Botox behandelt
wurde und sich keineswegs darüber beklagte, dass nach jeder
Injektion ihre Falten zwischen den Augenbrauen verschwanden, entwickelten
beide vor 17 Jahren die Faltentherapie. Jetzt stellten sie Daten
zur Langzeitbehandlung bei 50 Patienten vor.
Einschlusskriterien
waren: Mindestens 10 Behandlungen durch den gleichen Behandler und
mit der gleichen Substanz sowie lückenlose Dokumentation. Die
Klienten hatten im Durchschnitt 19 Behandlungen erhalten (10 - 30),
die mittlere Nachbeobachtung betrug 6 Jahre (3 - 9 Jahre). Insgesamt
wurden 853 Sitzungen festgehalten. In 99 % traten keine unerwünschten
Wirkungen auf. Acht Patienten berichteten insgesamt über 10
Nebenwirkungen, die jedoch allesamt nur vorübergehend waren
(viermal Ptose der Lider oder der Brauen, zweimal Gefühl des
Wundseins, einmal unangenehme Sensationen bei der Injektion). Nach
Einschätzung der Untersucher traten Nebenwirkungen weder mit
zunehmender Anzahl der Injektionen häufiger auf noch hingen
sie vom Intervall zwischen den Behandlungen ab, sodass diese ersten
Langzeitdaten ein positives Bild zeichnen.
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Morbus Bowen: Photodynamische
Therapie übertrifft Standardtherapien
FLORENZ - Durch Kryotherapie kann ein hoher Prozentsatz von M. Bowen-Erkrankungen
geheilt werden, und auch die 5-Fluorouraciltherapie bekommt 83 %
der Veränderungen in den Griff. Dies ergab eine Vergleichsstudie,
die am 13. Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology
veröffentlicht wurden. Ein dritter Arm übertraf diese
Zahlen jedoch noch: Unter Photodynamischer Therapie liessen sich
93 % der Läsionen zum Verschwinden zu bringen.
Getestet wurde eine Photodynamische Therapie, die Methylaminolävulinsäure
(MAL) als fotosensibilisierende Substanz und rotes Kaltlicht (636
nm LED-Beleuchtung mit Gesamtdosis 37 J/cm2; MAL-PDT) verwendet.
Dr. Colin Morton, Forth Valley (Schottland), randomisierte
225 Patienten in vier Gruppen: 96 wurden mit MAL-PDT behandelt,
82 mit Kryotherapie, 30 mit 5-FU und 17 mit Plazebo. 275 Läsionen
waren zu therapieren. Die Nachbeobachtungsdauer für die Läsionen
betrug 12 Monate, für das kosmetische Ergebnis 3 Monate.
Nicht
nur die Beherrschung der Läsion erwies sich im MAL-PDT-Arm
am besten, auch das kosmetische Ergebnis war noch häufiger
positiv: 94 % der Probanden in der MAL-PDT-Gruppe liessen ein gutes
kosmetisches Ergebnis erkennen verus 66 % nach Kryotherapie und
77 % nach 5-FU. Damit ist das Verfahren für Dr. Morton ein
grosser Schritt vorwärts in der Therapie des M. Bowen.
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Nebenwirkung der antiretroviralen
Therapie
Lipatrophie als Compliance-Hindernis
FLORENZ - Die antiretrovirale Therapie bei Infektion mit humanem
Immunodefizienz-Virus (HIV) kann über eine Lipatrophie dazu
führen, dass der Betreffende schwer krank aussieht - wie es
ein AIDS-Kranker formulierte: Er fühlte sich mit seinen sichtbar
eingefallenen Wangen so, als sei das Wort AIDS auf seine Stirn tätowiert.
Dr. Simon Barton, Direktor der HIV Medicine am Chelsea und Westminster
Hospital in London, schlug an einem Satellitensympsoium anlässlich
des 13. Kongresses der European Academy of Dermatology and Venereology
eine praktikable Strategie gegen die Lipatrophie vor.
Die Lipatrophie, eine bekannte Nebenwirkung der antiretroviralen
Therapie, bewirkt in etlichen Fällen eine Atrophie des Bichat'schen
Fettpfropfes im Gesicht, das dadurch eingefallen und abgemagert
aussieht - ein Stigma, verbunden mit dem Eindruck einer schweren
Erkrankung, wenn nicht gar direkt mit dem Eindruck "AIDS".
Wenn
dem Patienten das Spiegelbild ein schlechtes Aussehen wiedergibt,
nutzen alle Beteuerungen des behandelnden Arztes wenig, dass man
die Krankheit im Griff habe und die Lebenserwartung damit fast normal
sei.
Die
Lipatrophie kann dazu führen, dass der Patient in der Compliance
nachlässt. "Nicht wenige Patienten hören auf, die
ART zu befolgen, wenn die Lipatrophie fortschreitet", so die
Erfahrung von Dr. Barton, und er zitierte einen Patienten, der lieber
an einem Lymphom erkranken als sich mit diesem Gesicht unter die
Mitmenschen wagen wollte.
Der
Volumendefekt lässt sich mit verschiedenen Substanzen auffüllen,
wobei es sich dabei nicht um einen kosmetischen, sondern um einen
rekonstruierenden Eingriff handelt. Eine Eigenfettaugmentation ist
möglich, aber just diese körpereigene Substanz ist häufig
bei Lipatrophie nicht ausreichend verfügbar.
Die
britischen HIV-Richtlinien halten fest, dass kontrollierte Studien
zur Therapie der manifesten Lipatrophie mit Polylactat existieren.
Mit dieser Substanz, die über eine Kollagenneubildung Volumen
substituiert, lassen sich deutlich sichtbare Erfolge über ein
bis zwei Jahre erzielen - wiederholte Injektionen sind möglich.
Da es sich um eine therapiebedingte Nebenwirkung handelt, die die
Compliance bedroht und die Lebensqualität bis hin zur Depression
beeinträchtigt, sollte eine solche Behandlung angeboten werden,
gab Dr. Barton seinem Standpunkt Ausdruck.
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