Medical Tribune AG



Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Reports vom 13. Kongress der European
Academy of Dermatology and Venereology
(Florenz, 2004)

 

22.11.2004


Botulinmtoxin contra Falten: Ist das Gift sicher?

FLORENZ - Botulinumtoxin A wird in der Medizin bereits seit Langem eingesetzt, beispielsweise zur Therapie des Schielens oder des Schiefhalses. Geradezu epidemisch wird es neuerdings gegen Falten, vor allem der oberen Gesichtshälfte, eingesetzt. Eine einmalige Injektion beseitigt die unerwünschten Linien jedoch nicht dauerhaft. Ist es sicher, sich über Jahre wieder und wieder mit der Substanz behandeln zu lassen? Am 13. Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology lieferten die Pioniere dieser Therapie aufschlussreiche Daten.


Professor Dr. Jean Carruthers ist Augenärztin, ihr Mann Dr. Alastair Carruthers ist Dermatologe, beide arbeiten an der British Columbia University. Über eine Nebenwirkung bei einer Patientin, die wegen eines Blepharospasmus mit Botox behandelt wurde und sich keineswegs darüber beklagte, dass nach jeder Injektion ihre Falten zwischen den Augenbrauen verschwanden, entwickelten beide vor 17 Jahren die Faltentherapie. Jetzt stellten sie Daten zur Langzeitbehandlung bei 50 Patienten vor.

Einschlusskriterien waren: Mindestens 10 Behandlungen durch den gleichen Behandler und mit der gleichen Substanz sowie lückenlose Dokumentation. Die Klienten hatten im Durchschnitt 19 Behandlungen erhalten (10 - 30), die mittlere Nachbeobachtung betrug 6 Jahre (3 - 9 Jahre). Insgesamt wurden 853 Sitzungen festgehalten. In 99 % traten keine unerwünschten Wirkungen auf. Acht Patienten berichteten insgesamt über 10 Nebenwirkungen, die jedoch allesamt nur vorübergehend waren (viermal Ptose der Lider oder der Brauen, zweimal Gefühl des Wundseins, einmal unangenehme Sensationen bei der Injektion). Nach Einschätzung der Untersucher traten Nebenwirkungen weder mit zunehmender Anzahl der Injektionen häufiger auf noch hingen sie vom Intervall zwischen den Behandlungen ab, sodass diese ersten Langzeitdaten ein positives Bild zeichnen.

© Medical Tribune-Online Schweiz,UNo



Morbus Bowen: Photodynamische Therapie übertrifft Standardtherapien

FLORENZ - Durch Kryotherapie kann ein hoher Prozentsatz von M. Bowen-Erkrankungen geheilt werden, und auch die 5-Fluorouraciltherapie bekommt 83 % der Veränderungen in den Griff. Dies ergab eine Vergleichsstudie, die am 13. Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology veröffentlicht wurden. Ein dritter Arm übertraf diese Zahlen jedoch noch: Unter Photodynamischer Therapie liessen sich 93 % der Läsionen zum Verschwinden zu bringen.

Getestet wurde eine Photodynamische Therapie, die Methylaminolävulinsäure (MAL) als fotosensibilisierende Substanz und rotes Kaltlicht (636 nm LED-Beleuchtung mit Gesamtdosis 37 J/cm2; MAL-PDT) verwendet. Dr. Colin Morton, Forth Valley (Schottland), randomisierte 225 Patienten in vier Gruppen: 96 wurden mit MAL-PDT behandelt, 82 mit Kryotherapie, 30 mit 5-FU und 17 mit Plazebo. 275 Läsionen waren zu therapieren. Die Nachbeobachtungsdauer für die Läsionen betrug 12 Monate, für das kosmetische Ergebnis 3 Monate.

Nicht nur die Beherrschung der Läsion erwies sich im MAL-PDT-Arm am besten, auch das kosmetische Ergebnis war noch häufiger positiv: 94 % der Probanden in der MAL-PDT-Gruppe liessen ein gutes kosmetisches Ergebnis erkennen verus 66 % nach Kryotherapie und 77 % nach 5-FU. Damit ist das Verfahren für Dr. Morton ein grosser Schritt vorwärts in der Therapie des M. Bowen.

© Medical Tribune-Online Schweiz,UNo



Nebenwirkung der antiretroviralen Therapie
Lipatrophie als Compliance-Hindernis

FLORENZ - Die antiretrovirale Therapie bei Infektion mit humanem Immunodefizienz-Virus (HIV) kann über eine Lipatrophie dazu führen, dass der Betreffende schwer krank aussieht - wie es ein AIDS-Kranker formulierte: Er fühlte sich mit seinen sichtbar eingefallenen Wangen so, als sei das Wort AIDS auf seine Stirn tätowiert. Dr. Simon Barton, Direktor der HIV Medicine am Chelsea und Westminster Hospital in London, schlug an einem Satellitensympsoium anlässlich des 13. Kongresses der European Academy of Dermatology and Venereology eine praktikable Strategie gegen die Lipatrophie vor.


Die Lipatrophie, eine bekannte Nebenwirkung der antiretroviralen Therapie, bewirkt in etlichen Fällen eine Atrophie des Bichat'schen Fettpfropfes im Gesicht, das dadurch eingefallen und abgemagert aussieht - ein Stigma, verbunden mit dem Eindruck einer schweren Erkrankung, wenn nicht gar direkt mit dem Eindruck "AIDS".

Wenn dem Patienten das Spiegelbild ein schlechtes Aussehen wiedergibt, nutzen alle Beteuerungen des behandelnden Arztes wenig, dass man die Krankheit im Griff habe und die Lebenserwartung damit fast normal sei.

Die Lipatrophie kann dazu führen, dass der Patient in der Compliance nachlässt. "Nicht wenige Patienten hören auf, die ART zu befolgen, wenn die Lipatrophie fortschreitet", so die Erfahrung von Dr. Barton, und er zitierte einen Patienten, der lieber an einem Lymphom erkranken als sich mit diesem Gesicht unter die Mitmenschen wagen wollte.

Der Volumendefekt lässt sich mit verschiedenen Substanzen auffüllen, wobei es sich dabei nicht um einen kosmetischen, sondern um einen rekonstruierenden Eingriff handelt. Eine Eigenfettaugmentation ist möglich, aber just diese körpereigene Substanz ist häufig bei Lipatrophie nicht ausreichend verfügbar.

Die britischen HIV-Richtlinien halten fest, dass kontrollierte Studien zur Therapie der manifesten Lipatrophie mit Polylactat existieren. Mit dieser Substanz, die über eine Kollagenneubildung Volumen substituiert, lassen sich deutlich sichtbare Erfolge über ein bis zwei Jahre erzielen - wiederholte Injektionen sind möglich. Da es sich um eine therapiebedingte Nebenwirkung handelt, die die Compliance bedroht und die Lebensqualität bis hin zur Depression beeinträchtigt, sollte eine solche Behandlung angeboten werden, gab Dr. Barton seinem Standpunkt Ausdruck.

© Medical Tribune-Online Schweiz,UNo

 
alle Themen unserer Berichte in der Übersicht
 

 





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH