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Exazerbierte
COPD
Wann
welches Antibiotikum?
WIESBADEN
- Wann setzen Sie bei aufgeflammter COPD ein Antibiotikum ein?
Bei wem genügt ein Aminopenicillin und wer braucht ein Fluorchinolon?
Am Internistenkongress gab der Berliner Pulmologe Dr. Jörg Eller
hierzu aktuelle Empfehlungen.
Vermehrter
Husten, gesteigerter Auswurf und Atemnot bei Belastung: Diese drei
Kriterien sollten erfüllt sein, bevor Sie bei einem COPD-Patienten
zum Antibiotikum greifen. Die kalkulierte Therapie richtet sich
nach dem mutmasslichen Erregerspektrum, dass abhängig vom Schweregrad
variiert.
Zum
Grad I zählt man Patienten ohne Begleiterkrankungen, die eine FEV1
über 50 % und nur eine leichte Obstruktion aufweisen, sowie weniger
als drei Exazerbationen pro Jahr erleiden. Hier dominieren in aller
Regel Pneumokokken, Haemophilus influenzae und Moxarella catharralis.
Zur Therapie kommen nach aktuellen Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft
sowohl Aminopenicillin plus Betalaktamaseinhibitor, Cephalosporine
der Gruppe 2 bzw. 3 und Fluorchinolone in Betracht. Laut Dr. Eller
kann man bei geringem Schweregrad die Lage durchaus auch mit einem
Aminopenicillin solo beherrschen.
Diesen
Versuch würde er bei Schweregrad II nicht unternehmen, wie er auf
einem Mittagsgespräch der Firma Aventis ausführte. Für diese Patienten
(FEV1 zwischen 35 und 50 %, mittelschwere Obstruktion, Begleiterkrankungen,
weniger als drei Exazerbationen pro Jahr) gelten ansonsten die Empfehlungen
wie für Gruppe I.
Bei
Patienten der Gruppe III muss man verstärkt mit Problemkeimen (wie
gramnegativen Enterobakterien) rechnen. FEV1 unter 35 %, schwere
Obstruktion, Begleiterkrankungen und über drei Exazerbationen im
Jahr - hier müssen Fluorchinolone der Gruppen 2, 3 und 4, oder Cephalosporine
der Gruppe 3 - i.v. appliziert - auf den Plan.
Das
Gruppe 3-Chinolon Levofloxacin bietet bei der antibiotischen Therapie
der exazerbierten chronischen Bronchitis eine Reihe von Vorteilen,
betonte der Kollege. Das Spektrum der Substanz umfasst die relevanten
Erreger inklusive gramnegativer Problemkeime. Sie penetriert gut
ins Lungengewebe, ist sehr gut verträglich und ermöglicht die Compliance-fördernde
Einmalgabe sowie bei geringem Schweregrad eine kurze Therapiedauer
von fünf Tagen.
Print-Vorabmeldung,
CG
Resistente
Pneumokokken
Hat Penicillin ausgedient?
WIESBADEN
- Dürfen Pneumokokken-Infektionen noch mit Penicillin behandelt
werden, oder sind die Keime schon so resistent, dass solch ein Therapieversuch
zum Scheitern verurteilt ist? Die klare Antwort beim Internistenkongress:
Noch kann man in Deutschland getrost zum Penicillin greifen.
Weniger
als 1 % der "heimischen" Pneumokokkenstämme sind hochgradig und
5 bis 10 % intermediär resistent gegenüber Penicillin, berichtete
Privatdozent Dr. Ralf René Reinert vom Nationalen Referenzzentrum
für Streptokokken, Aachen. Dies bedeute jedoch nicht, dass man bei
den vermindert empfindlichen Stämmen sofort das Antibiotikum wechseln
müsse. Man sollte allerdings die Penicillindosis erhöhen, um die
Wirkstoffkonzentration möglichst lange über der mittleren Hemmkonzentration
zu halten.
Deutlich
schlechter als für Penicillin sieht die Lage für die Makrolide aus:
Bei Atemwegsinfektionen lassen sich zu 15 % und bei invasiven Infektionen
zu 20 bis 30 % resistente Pneumokokken nachweisen. Vergrünende Streptokokken
sind in Deutschland bereits zu 30% gegenüber Makroliden unempfindlich
und auch Streptokokkus pyogenes zeigt eine zunehmende Makrolidresistenz,
so der Kollege.
Print-Vorabmeldung,
Md
Vor,
bei und nach dem Apoplex
Angiotensin prophylaktisch hemmen
WIESBADEN
- Die Blutdrucktherapie spielt sowohl in der Primär- als auch
in der Sekundarprävention des Apoplex und der Demenz eine zentrale
Rolle. Hemmer des Angiotensin-Systems scheinen hier eine zusätzliche
protektive Wirkung fürs Gehirn zu haben.
Senkt
man bei Hypertonikern den systolischen Blutdruck um 10 bis 12 mm
Hg und den diastolischen um 5 bis 6 mm Hg, nimmt das Schlaganfallrisiko
um 42 % ab. Die Frage ist aber: Sind alle gängigen Antihypertensiva
gleich gut präventiv wirksam? Ja, war das bisherige Credo internationaler
Fachgesellschaften und die deutsche Hochdruckliga empfiehlt sowohl
Betablocker als auch Diuretika, Kalziumantagonisten oder ACE-Hemmer
als Mittel der ersten Wahl zur Primärprävention des Apoplex.
Es
gibt allerdings Hinweise, dass eine Inhibition des Angiotensinsystems
bei gleicher Blutdrucksenkung in puncto Schlaganfall von Vorteil
ist, berichtete Professor Dr. Joachim Schrader vom St. Josefs-Hospital
in Cloppenburg auf dem diesjährige Internistenkongress. In der HOPE-Studie
z.B. hat die zusätzliche Gabe des ACE-Hemmers Ramipril bei Hochrisikopatienten
unabhängig vom Blutdruck die Apoplexrate um 32 % gesenkt, sagte
Prof. Schrader bei einem von Servier unterstützten Vorsymposium.
Bei der LIFE-Studie reduzierte der AT1-Rezeptorantagonist
Losartan gegenüber dem Betablocker Atenolol bei ebenfalls vergleichbarer
Blutdruckwirkung die Schlaganfallrate um 25 %.
Dass
ein Angiotensin 1-Rezeptorantagonist auch in der Akuttherapie des
Apoplex sinnvoll ist, hat die ACCESS-Studie
unter Beweis gestellt. Hier wurden 342 hypertone Patienten mit akutem
ischämischen Insult bzw. motorischem Defizit in den ersten sieben
Tagen entweder mit Candesartan oder Plazebo behandelt. Unabhängig
vom Blutdruck lag die Mortalitätsrate in der Verumgruppe um fast
48 % niedriger als bei den Kontrollpatienten.
Auch
in der Sekundärprävention des Apoplex scheint das Angiotensin-System
von zentraler Bedeutung zu sein, so Prof. Schrader weiter. Denn
der Einsatz eines ACE-Hemmers kann hier das Rezidivrisiko um 28
% senken und zwar egal, ob der Blutdruck erhöht ist oder nicht.
Das ergab die PROGRESS-Studie, in der über
6000 Patienten mit ischämischem Schlaganfall, zerebraler Hämorrhagie
oder TIA entweder mit Perindopril, ggfs. kombiniert mit dem Diuretikum
Indapamid, oder Plazebo behandelt wurden.
Zudem
hat diese Untersuchung gezeigt, dass ACE-Hemmer in der Sekundärprophylaxe
nach Schlaganfall auch die Hirnleistung günstig beeinflussen, ergänzte
der Geriater Dr. Thomas Nikolaus vom Bethesda-Krankenhaus in Ulm.
Patienten unter Therapie mit Perindopril entwickelten bei einem
Rezidivschlaganfall in "nur" 43 % eine Demenz und in 48 % eine kognitive
Einschränkung. In der Plazebogruppe waren dies dagegen 65 % bzw.
86 %.
Das
gemeinsame Fazit von Internisten und Neurologen: Inhibitoren des
Angiotensin-Systems scheinen auf Grund dieser Studien bei Hochrisikopatienten
sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprävention des Schlaganfalles
einen zusätzlichen zerebroprotektiven Nutzen zu haben. Professor
Schrader empfiehlt, den Blutdruck dieser Patienten strikt normotensiv
mit einem Zielwert von 130/85 mm Hg auf der Basis eines ACE-Hemmers
einzustellen. Dabei scheint eine möglichst hohe Dosis dieser Substanz
sinnvoll. Gerade, wenn es trotz intensiver Bemühungen nicht gelingt,
den Druck optimal einzustellen, darf ein ACE-Hemmer im Therapieregime
keinesfalls fehlen, so der Experte. Wird Letzterer trotz guter blutducksenkender
Wirkung nicht vertragen, kann man auf einen AT1-Rezeptorblocker
ausweichen.
Heart
Outcomes Prevention Evaluation
Losartan Intervention For Endpoint reduction
in hypertension
Acute Candesartan Cilexetil Evaluation in Stroke
Survivers
Perindopril protection against recurrent
Stroke Study
Print-Vorabmeldung,
Rd
Asthmatherapie
nach Leitlinie
Gut für Patient und Budget
WIESBADEN
- In der Therapie des Asthma bronchiale richten sich immer noch
zu wenig Ärzte nach den Leitlinien. Dabei könnten sie durch den
Einsatz von inhalativen Steroiden und langwirksamen Betamimetika
den Krankheitsverlauf ihrer Patienten bessern und dennoch ihr Budget
schonen.
Das
Asthma bronchiale sollte bereits ab Stufe 2 antientzündlich behandelt
werden - so sehen es die Leitlinien vor. Mittel der Wahl sind hierfür
die inhalativen Steroide. Die deutlich schwächer wirksamen Cromone
gelten bei Erwachsenen dagegen nur noch als Reservesubstanzen. Nach
Meinung des Pneumologen Privatdozent Dr. Rainer Willy Hauck vom
Münchner Universitätsklinikum rechts der Isar haben sie in der Asthmatherapie
eigentlich gar nichts mehr zu suchen.
Ab
Stufe 3 kommen zusätzlich langwirksame Betamimetika, d.h. Salmeterol
oder Formoterol, oder Theophyllin zum Einsatz. Auf Stufe 4 folgen
schliesslich zusätzlich systemische Steroide. Als Bedarfsmedikation
werden auf allen Stufen kurzwirksame Betamimetika empfohlen.
Wie
wird nun aber tatsächlich behandelt? Vor drei Jahren erschien eine
Arbeit, in der das Verordnungsverhalten der Hausärzte analysiert
wurde, berichtete Dr. Hauck bei einem Satellitensymposium der Firma
Schwarz Pharma anlässlich des 108. Kongresses der Deutschen Gesellschaft
für Innere Medizin. Danach erhielten fast 40% der Asthmatiker Cromoglicinsäure
als Monosubstanz oder in Kombinationen, aber nur etwa jeder dritte
inhalative Steroide! Xanthinderivate bekam ebenfalls fast jeder
dritte Asthmatiker. Eindeutiges Schlusslicht in der Verordnungsskala
waren dagegen die langwirksamen Betamimetika.
In
der Zwischenzeit dürfte sich das Verordnungsverhalten der Kollegen
- Niedergelassene wie Kliniker - wohl etwas gebessert haben, räumte
Dr. Hauck ein. Denn immerhin deutete bereits der Arzneiverordnungsreport
2000 darauf hin, dass die Xanthine ihren Zenit erreicht haben und
sich die inhalativen Steroide auf dem aufsteigenden Ast befinden.
Dass
eine Leitlinien-gerechte Asthmatherapie nicht teurer als die althergebrachte
Behandlung sein muss und - im Gegenteil - sogar Kosten einsparen
kann, rechnete der Kollege am Beispiel einer 27-jährigen Patientin
mit exogen allergischem Asthma und perennialer Symptomatik vor.
Die Frau hatte im Jahr 21-mal eine Kombination aus Cromoglicinsäure
und Betamimetikum rezeptiert bekommen. Die Kosten hierfür: rund
940 Euro. Dr. Hauck stellte sie gemäss den Leitlinien auf ein inhalatives
Steroid plus langwirksames Betamimetikum um und wählte hierfür die
fixe Kom-bination Salmeterol/Fluticason. Jetzt beliefen sich die
Kosten nur noch auf rund 800 Euro - eine Ersparnis von 15%, so der
Kollege.
Print-Vorabmeldung,
Md
Therapie
des hohen Blutdruckes
Lieber gleich kombinieren
WIESBADEN
- Wer bei der Hypertoniebehandlung schon zu Beginn mit einem
niedrig dosierten Kombinationspräparat einsteigt, ist schneller
am Therapieziel. Die Patienten bleiben eher bei der Stange und letztlich
sind auch die Kosten geringer.
Das
Stufenschema der WHO zur Behandlung des hohen Blutdrucks sieht eigentlich
zunächst einen Therapieversuch mit einem Monopräparat vor. Der Anteil
der Patienten, bei denen damit der Zielblutdruck erreicht wird,
liegt aber nur bei 35%. Durch die beiden nächsten Stufen - Dosissteigerung
und Wechsel auf ein anderes Präparat - erhöht man die Erfolgsrate
auf etwa 60%, erklärte Professor Dr. Heinrich Holzgreve, München,
auf einem vom Unternehmen Servier unterstützten Mittagsgespräch
anlässlich des 108. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere
Medizin.
Setzt
der Arzt bereits initial ein Kombinationspräparat ein, erreicht
man dagegen bei 70% der Kranken den Zielblutdruck. Durch Dosissteigerung
und Einsatz einer Dreierkombination als zweiten und dritten Schritt
normalisiert sich der Blutdruck dann sogar bei 95% der Hypertoniker,
erklärte der Referent. Mit Hilfe des WHO-Stufenschemas sind nach
etwa sechs Wochen also 60 % der Patienten befriedigend eingestellt,
während man nach diesem Zeitraum mit einem Kombinationspräparat
bereits bei 95% der Kranken am Therapieziel ist.
Auch
kommen die Patienten durch Kombination zweier Antihypertensiva jeweils
mit niedrigen Dosierungen aus, denn meist potenziert sich die Wirkung
auf den Blutdruck. Die unerwünschten Wirkungen bleiben jedoch gering.
Rasche und nebenwirkungsarme Erfolge verbessern zudem die Therapietreue,
erklärte Prof. Holzgreve. Im Hinblick auf Aufwand und Kosten ist
die Initialtherapie mit Kombinationspräparaten ebenfalls sinnvoll,
argumentierte der Kollege. Denn die Patienten benötigen weniger
Diagnostik und müssen nicht so oft zum Arzt.
Als
Kombinationspartner eignen sich z.B. Perindopril und Indapamid,
erklärte der Referent. Diese Fixkombination mit der niedrigen Dosierung
von 2 mg des ACE-Hemmers und 0,625 mg des Diuretikums hat auch bereits
die Zulassung zur Ersttherapie des Hypertonus erhalten, ist aber
in Deutschland noch nicht im Handel.
Print-Vorabmeldung,
SK
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