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pAVK
zu selten diagnostiziert
Knöchel-Arm-Index messen
WIESBADEN
- Die pAVK wird hier zu Lande deutlich unterschätzt. Schliesslich
verstirbt jeder fünfte Betroffene innerhalb von fünf Jahren. Dabei
ist die Diagnose auch im Anfangsstadium ganz einfach zu stellen
und ermöglicht dann eine frühzeitige Therapie.
Die
allgemeine Lebenserwartung von Patienten mit pAVK ist um fast zehn
Jahre verkürzt. 70% davon versterben an den Folgen einer KHK, 5%
an einem ischämischen Insult, berichtete Professor Dr. Curt Diehm
von der Inneren Abteilung des Klinikums Karlsbad-Langensteinbach
der Universität Heidelberg beim 108. Kongress der Deutschen Gesellschaft
für Innere Medizin.
Die
erhöhte Mortalität bei pAVK ist aber nicht nur auf die Beteiligung
zerebraler bzw. koronarer Gefässe zurückzuführen, sondern auch auf
eine erhöhte Sturzgefahr. Denn in Folge der schlechten Durchblutung
kommt es zu peripherer Neuropathie mit gestörter Koordination und
verminderter Muskelkraft, erklärte der Experte auf einer Pressekonferenz
des Pharmaunternehmens Sanofi-Synthelabo. Die frühzeitige Diagnose
ist deshalb entscheidend, um rechtzeitig eine sekundäre Prävention
mit Bewegungstraining einleiten zu können.
Eine
einfache diagnostische Möglichkeit hierfür ist der Knöchel/Arm-Index:
Damit lassen sich selbst beginnende Durchblutungsstörungen sicher
diagnostizieren, erklärte Professor Dr. Florentin Spengel von der
Fachklinik für Innere Medizin, Angiologie und Phlebologie in Feldafing.
Dabei wird der dopplersonographisch gemessene systolische Blutdruck
im Bereich der A. dorsalis pedis bzw. A. tibialis anterior durch
den systolischen Druck in der A. brachialis geteilt. Ein Knöchel/Arm-Index
(ABI) unter 0,9 gilt als beweisend für eine pAVK, so der Experte.
Setzt man diesen Test routinemässig ein, kann man selbst asymptomatische
Patienten frühzeitig herausfiltern. Eine Claudicatio intermittens
oder Ruheschmerzen bzw. Nekrosen treten nämlich erst in fortgeschrittenen
Stadien (ABI unter 0,6) der Gefässerkrankung auf. In frühen Stadien
(ABI 0,8 bis 1,0) merken dagegen nur etwa 5 bis 10 % der Betroffenen
überhaupt etwas von ihrer verminderten Beindurchblutung. Das liegt
daran, dass hier Schmerzen erst bei erheblicher Belastung zu erwarten
sind.
Die
Patienten sollten eine Sekundärprävention z.B. mit Thrombozytenaggregationsinhibitoren,
ACE-Hemmern und Statinen erhalten, um das Risiko atherothrombotischer
Ereignisse zu senken. Dass hier einiges im Argen liegt, zeigte eine
kürzlich veröffentlichte amerikanische Studie, klagte Prof. Diehm.
Danach erhielten nur 48 % der Patienten mit pAVK einen Thrombozytenfunktionshemmer
und nur 50% einen Lipidsenker. Bei KHK-Patienten waren dies dagegen
74% bzw. 73%.
In
Deutschland werden derzeit ebenfalls repräsentative Daten zu Prävalenz,
Inzidenz und Risikofaktorenprofil der arteriellen Verschlusskrankheit
erhoben. An der von Sanofi-Synthelabo unterstützten Studie getABI
nehmen insgesamt 344 Praktiker, Allgemeinmediziner und hausärztlich
tätige Internisten teil. Bei fast 7000 Studienteilnehmern - alle
älter als 65 Jahre - wurde dopplersonographisch der Knöchel/Arm-Index
bestimmt. In den folgenden drei Jahren will man nun die Patienten
in puncto atherothrombotische Ereignisse nachbeobachten.
German
epidemiological trial on Ankle Brachial Index
Print-Vorabmeldung,
Rd,
Neue
Leitlinien zu Morbus Crohn
So behandeln Sie evidenzbasiert
WIESBADEN
- Kombinationen von 5-Aminosalicylat mit Steroiden im akuten
Schub werden nicht mehr empfohlen. Eine remissionserhaltende Therapie
ist kein sine qua non für jeden Patienten. Ist sie jedoch angezeigt,
haben Azathioprin und 6-Mercapto-purin die Nase vorn. Das sind einige
der Änderungen, die die neuen Morbus Crohn-Leitlinien bringen.
Noch
ganz frisch sind die neuen Therapie-Leitlinien zum Morbus Crohn,
die im Dezember letzten Jahres von einer Konsensuskonferenz in Stuttgart
verabschiedet wurden. Zwei Experten trugen die Ergebnisse auf dem
13. Interdisziplinären Symposium über chronisch entzündliche Darmerkrankungen
anlässlich des 108. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere
Medizin vor.
Bei
leichtem bis mässig schwerem akutem Schub ist laut neuem Konsens
ein Therapieversuch mit 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) in einer Dosis
von 3 bis 4g/d gerechtfertigt, erklärte Professor Dr. Jürgen Schölmerich
vom Universitätsklinikum Regensburg. Diese Entscheidung stützt sich
auf Studiendaten, wonach 5-ASA in hoher Dosis und 6-Methylprednisolon
im akuten Schub ähnlich effektiv waren. Bei vorwiegend ileozoekalem
Befall kann man auch Budesonid, (9 mg/d) geben. Die Begründung:
Unter Budesonid ist die Remissionsrate zwar etwas niedriger als
unter Prednisolon, dafür treten seltener Nebenwirkungen auf, und
die Hypophysen-Nebennierenrindenachse wird weniger stark beeinträchtigt.
Versagen
5-ASA bzw. Budesonid oder ist der Darm mehr proximal befallen, wo
beide Substanzen nur ungenügend resorbiert werden, sollte Prednisolon
(30 bis 60 mg/d) zum Einsatz kommen. Auch beim schweren Krankheitsschub
hat sich das Expertengremium auf die Gabe von Prednisolon (60mg/d)
geeinigt, sofern keine Komplikationen vorliegen. Bleiben orale Steroide
wirkungslos, ist eine intravenöse Gabe gerechtfertigt. Erleidet
der Patient häufige Schübe (mehr als zwei pro Jahr), kann man initial
zusätzlich Azathioprin in einer Dosis von 2 bis 2,5 mg/kg/d oder
6-Mercaptopurin (1 bis 1,25mg/kg/d) geben. Andere Medikamentenkombinationen
(z.B. 5-ASA mit Steroiden) werden nicht empfohlen, da keine entsprechenden
Studiendaten vorliegen. Die enterale Ernährungstherapie beurteilt
die Expertenkommission nur bei Ernährungsdefiziten und keinesfalls
zur alleinigen Schubbehandlung als sinnvoll.
Allgemein
gilt: Nach ein bis zwei Wochen sollte der Patient auf die Initialtherapie
erkennbar angesprochen haben, sonst sind Alternativtherapien angezeigt.
Einen
chronisch aktiven Morbus Crohn kennzeichnen persistierende oder
rezidivierende Symptome über ein halbes Jahr. Laut Kosensus-Leitlinien
ist er als steroidabhängig anzusehen, wenn Prednisolon über 20 mg/Tag
mindestens drei Monate gegeben wurde und nach Dosisreduktion während
der letzten sechs Monate wenigstens zwei Rezidive auftraten. Steroidrefraktär
bedeutet dagegen, dass der CDAI trotz Gabe eines Prednisolonäquivalents
von 1mg/kg/d über sechs Wochen kontinuierlich über 150 liegt. Für
beide Fälle gilt, dass andere Symptomursachen (z.B. Fisteln, kologene
Diarrhoe oder Superinfektion) ausgeschlossen sein müssen. Von den
Crohn-Patienten, die Steroide erhalten, kommen die Hälfte in eine
Remission, die andere Hälfte sind steroidrefraktär oder -abhängig,
berichtete Prof. Schölmerich.
Die
Experten empfehlen für Patienten mit chronisch aktivem Morbus Crohn
die längerfristige Gabe von Azathioprin oder 6-Mercaptopurin (2,5
bzw. 1,5mg/kg/d) über mindestens vier Jahre. Bei Versagen oder Intoleranz
ist Methotrexat (25 mg, einmal/Woche) indiziert. Nach 16 Wochen
kann die Dosis reduziert werden. Nur wenn auch das nicht wirkt oder
nicht vertragen wird, halten die Konsensusmitglieder Infliximab
in einer Dosis von 5mg/kg alle acht Wochen für zweckmässig.
Und
wie lauten die Therapieempfehlungen zum Remissionserhalt? Abweichend
von den Leitlinien aus dem Jahr 1996 vertritt das Gremium die Meinung,
dass sich die generelle remissionserhaltende Therapieempfehlung
für alle Patienten nicht mehr aufrecht erhalten lässt, erläuterte
Professor Dr. Wolfgang E. Fleig, Universitätsklinikum Halle. Vielmehr
sollte man die Entscheidung, ob und womit behandelt wird, individuell
je nach Krankheitsverlauf und Risikoprofil fällen. Eindeutig indiziert
ist eine remissionserhaltende Therapie laut Konsens bei Patienten
mit steroidabhängigem oder chronisch aktivem Verlauf (auch präoperativ),
mit Fistelleiden sowie mehrfachen Crohn-Operationen in der Vorgeschichte.
Bei
medikamentös erzielter Remission sind Azathioprin und 6-Mercaptopurin
die Medikamente der ersten Wahl, lautet der Leitlinien-Beschluss.
Als Therapiedauer wurden mindestens vier bis fünf Jahre angesetzt.
Für Patienten, die mit Methotrexat eine Remission erreicht haben,
ist eine fortgesetzte Therapie mit dieser Substanz in einer Dosis
von 15mg, einmal pro Woche i.m., über 40 Wochen gerechtfertigt.
Den TNF-Alpha-Antikörper Infliximab stufte das Expertengremium als
Reservemedikament für Patienten ein, die darunter eine Remission
erreicht haben. Systemische Steroide haben nur einen relativ kurzfristigen
remissionserhaltenden Effekt. Deshalb lautet die Empfehlung: 5 bis
10 mg Prednisolonäquivalent pro Tag über drei bis sechs Monate,
dann ausschleichen. Budesonid erachtet die Kommission als nicht
geeignet zum Remissionserhalt. Auch bewertete die Kommission wegen
unzureichender oder kontroverser Studiendaten Weihrauch, omega-3-Fettsäuren,
Ciclosporin, Metronidazol, Tuberkulostatika, Mycophenolat und Probiotika
als derzeit nicht empfehlenswert.
Wenn
die Remission durch eine Operation erzielt wurde, haben sich Azathipoprin
und Mercaptopurin als effektivste Medikamente bewährt. 5-Aminosalicylate
schnitten in dieser Situation in Studien besser ab als nach medikamentös
erreichter Remission. Deshalb erlauben die Leitlinien auch deren
Gabe über bis zu drei Jahre in einer Dosis von 3 bis 4 g/d. Zu Metronidazol
gibt es eine kleine Studie mit Remissionserhalt über ein Jahr. Für
eine Therapieempfehlung reichte das den Experten aber nicht. Systemische
Steroide, Budesonid und Interleukin-10 halten sie postoperativ für
nicht wirksam. Und mangels aussagekräftiger Studien stufte die Konsensuskonferenz
Ciclosporin, Methotrexat, Infliximab, Probiotika, Omega-3-Fettsäuren
und Weihrauch als nicht empfehlenswert ein.
Print-Vorabmeldung,
VS
Postprandiale
Blutzuckerspitzen
Insulin-Stoss
nach Bedarf
WIESBADEN
-
Diabetiker mit isolierter postprandialer Hyperglykämie rutschen
Ihnen durch die Maschen, wenn Sie bei der Diagnose nur den Nüchternzucker
bestimmen. Dabei hat der postprandiale Glukosewert eine höhere prognostische
Bedeutung für das Risiko kardiovaskulärer Spätkomplikationen als
die Nüchternwerte.
Liegen
die Blutglukosewerte zwei Stunden nach der Mahlzeit noch über 200
mg/dl, dann steigt das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko mindestens
auf das Doppelte, und zwar selbst bei normalem Nüchternzucker. Daher
empfiehlt die WHO, neben der Nüchternblutglukose auch die 2-h-Blutglukosewerte
mittels oralem Glukosetoleranztest zu bestimmen. Hierbei gelten
135 mg/dl als Grenzwert, berichtete Professor Dr. Markolf Hanefeld
vom Zentrum für klinische Studien in Dresden auf dem 108. Kongress
der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Seinen Ausführungen
zufolge korrelieren die Zuckerspitzen und der 2-h-Glukosewert hoch
signifikant mit der Intima-Media-Dicke, und zwar unabhängig vom
HbA1c.
Um
die postprandialen Glukosewellen zu glätten, hat sich das prandiale
Insulinsekretagogum Nateglinide bewährt: Es kurbelt die Insulinausschüttung
innerhalb von Minuten an, sie kommt wieder zum Stillstand, sobald
die Zuckerspiegel im Normbereich sind. Bei Nateglinide hat man es
mit einer besonders "schlauen" Substanz zu tun, betonte Professor
Dr. Helmut Schatz von der Kernklinik für Allgemeine Innere Medizin
in Bochum während eines von Novartis und Merck unterstützten Symposiums.
Denn ihre Wirkung setzt erst dann ein, wenn der Glukosespiegel erhöht
ist, und die Insulinausschüttung wird umso stärker angeregt, je
höher die Glukosewerte angestiegen sind. Hypoglykämien seien daher
in der Regel nicht zu befürchten.
In
Europa ist Nateglinide unter dem Handelsnamen Starlix®für
die Kombinationstherapie mit Metformin zugelassen. Welcher Effekt
sich mit dieser Kombination in der täglichen Praxis erreichen lässt,
zeigte eine dreimonatige Anwendungsbeobachtung mit rund 11 000 Diabetikern.
Im Behandlungszeitraum sank der HbA1c-Wert durchschnittlich um 1,2%
ab (von 8,4 auf 7,2%). Bei Patienten mit höheren HbA1c-Ausgangswerten
war die Absenkung ausgeprägter als bei niedrigeren Ausgangswerten.
Die postprandialen Blutzuckerwerte fielen von 210 auf 152 mg/dl.
Etwa
45 % der Teilnehmer erreichten das Therapieziel mit einem HbA1c
< 7% und postprandialen Blutglukosewerten <180
mg/dl. Eine Gewichtszunahme mussten sie dafür nicht in Kauf nehmen
- das Durchschnittsgewicht reduzierte sich sogar von 85,6 auf 84,1
kg. Die Verträglichkeit war gut, Hypoglykämien wurden nur bei 0,3%
der Patienten beobachtet.
Print-Vorabmeldung,
bk
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