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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Reports aus Chicago von der

Digestive Disease Week 2005

 

19.05.2005

Crohn-Therapie: Aufwärts oder Abwärts

CHICAGO – Kommt ein Crohn-Patient mit einem mittelschweren oder schweren Schub in die Praxis, so hat man prinzipiell zwei Therapieoptionen: Man beginnt mit Kortikoiden und, falls diese ineffektiv sind, versucht man effizientere Therapiemassnahmen wie Azathioprin oder Infliximab. Im Gegensatz zu dieser step-up Therapie beginnt man bei der Step-down Therapie mit der effektivsten Therapie und versucht, dann nach erfolgreicher Behandlung, auszuschleichen.

Dr. D. Hommes und seine belgischen Kollegen von der Universität Leuven verglichen diese beiden Therapiestrategien. Als primärer Endpunkt galt die vollkommene Remission nach 6 und 12 Monaten. Es stellte sich heraus, dass 74,5% der Patienten bei der Step-down Therapie nach 6 Monaten in Remission waren, während dies nur für 48,1% der Patienten unter Step-up Therapie zutraf.

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Nach 12 Monaten betrugen die respektiven Werte 76,9% versus 63,8%. Darüber hinaus benötigten nach 6 bzw. 12 Monaten unter Step-up Therapie noch 32,7% bzw. 18,8% eine Therapie mit Kortikoiden, während kein Patient unter der Step-down Therapie kortikoidabhängig war. Die Autoren schlossen aus ihren Ergebnissen, dass bei Patienten mit mittelschwerem bis schwererm Crohn-Schub eine Step-down Therapie zielführender ist als eine einschleichende Therapie.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)



Barrett Ösophagus: Auch die Experten sind nicht einig

CHICAGO – Fühlen sich sich unsicher, wenn es um die Betreuung eines Patienten mit Barrett Ösophagus geht? Sie können beruhigt sein! Es geht nicht nur Ihnen so, nein, auch die Experten selbst sind sich alles andere als einig, berichtete eine amerikanische Expertenrunde selbstkritisch.

Professor Dr. G. Triadafikopoulos von der Standford University und seine Kollegen stellten sowohl den Experten als auch 275 US-amerikanischen Kollegen standardisierte Fragen, welche die Betreuung von Patienten mit Barrett Ösophagus betrafen. Fragen über die genaue Definition der Erkrankung wurden ebenso unterschiedlich beantwortet wie auch Fragen über die Notwendigkeit einer Verlaufskontrolle und die Therapie des Barrett Ösophagus.


Die Autoren schlossen daraus, dass Bedarf für allgemein akzeptable Kriterien für Barrett Ösophagus besteht. Sie waren sich allerdings auch einig, dass es beim derzeitigen Wissensstand schwierig sein wird, einen Konsens zu finden.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)


Osteoporose wegen PPI-Therapie?

CHICAGO – Die Dauertherapie mit PPI hat sich über die Jahre als nebenwirkungsarm und sicher erwiesen. Die vielfach geäusserten Befürchtungen, dass eine PPI-Dauertherapie der bakteriellen Überwucherung des Darmes Vorschub leisten könnte, haben sich als haltlos erwiesen.
Nun untersuchten Dr. Y. Yang und Kollegen von der University of Pennsylvania, ob die PPI-Dauertherapie mit einem erhöhten Osteoporoserisiko korreliert.

Hinter diesem Gedanken steht die Tatsache, dass eine Hypochlorhydrie im Magen mit der Kalziumabsorption interferiert. Die amerikanischen Forscher untersuchten retrospektiv über 47'000 Patienten, die mehr als 1 Jahr lang einen PPI eingenommen hatten und mehr als 67'000 Patienten, die keine PPI, aber Histamin Typ-2-Antagonisten eingenommen hatten und verglichen die Anzahl der Personen mit Hüftfrakturen mit einer Gruppe von 470'000 Personen, die keine PPI erhalten hatten.
Es stellte sich heraus, dass sowohl in der PPI-Gruppe als auch in der Histaminblockergruppe die Anzahl der Hüftfrakturen höher war als in der Vergleichsgruppe. Dies sollte man bei Patienten, die voraussichtlich über einen langen Zeitraum PPI benötigen, bedenken, betonte Dr. Yang.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)


Nach zwei Tagen PPI verspühren Patienten deutliche Symptombesserung

CHICAGO – Viel wurde in letzter Zeit darüber diskutiert, ob sich die am Markt befindlichen Protonenpumpenhemmer in Ihrer Wirkung unterscheiden oder nicht. Neuerdings wird von Daten berichtet, in denen Esomeprazol sowohl den intragastralen pH als auch die Beschwerden der Patienten mit Refluxösophagitis den anderen PPI überlegen sei.

Die Ergebnisse zweier Arbeitsgruppen, die an der DDW 2205 präsentiert wurden, legen aber nahe, dass es im klinischen Alltag keine Unterschiede zwischen Esomeprazol und Pantoprazol zu geben scheint.

Das internationale Team um Dr. C van Rensburg untersuchte, wie lange es dauert, bis Patienten mit erosiver Ösophagitis eine Besserung ihrer Beschwerden verspüren. 2316 Patienten aus Nordamerika, Europa und Südaftrika erhielten entweder 40 mg Pantoprazol oder 40 mg Esomeprazol einmal täglich. Der Dauerr, bis Patienten eine Besserung ihrer Beschwerden wie Sodbrennen, Oberbauchschmerzen und Übelkeit verspürten, betrug unter beiden Behandlungsgruppen im Mittelwert 2 Tage, die Forscher fanden keinen Unterschied zwischen Pantoprazol und Esomeprazol.

Pantoprazol und Esomeprazol im klinischen Alltag vergleichar wirksam
Eine zweite internationale Arbeitsgruppe um Dr. K. Goh untersuchte die Remissionserhaltung nach erfolgreicher Behandlung einer Refluxösophagitis. Die Forscher suchten die Antwort auf die Frage, ob unter Erhaltungstherapie mit Pantoprazol 20mg 1x täglich die Anzahl der Patienten, die abermals Symptome und eine Ösophagitis entwickeln, unterschiedlich ist im Vergleich zu Esomeprazol 20mg 1x/die.

1'450 Patienten aus insgesamt 16 Ländern weltweit erhielten eine Erhaltungstherapie mit Pantoprazol oder Esomeprazol, nachdem ihre Refluxösophagitis erfolgreich behandelt wurde. Nach 6 Monaten waren 84% der Patienten unter Pantoprazol und 85% der Patienten, die Esomeprazol erhielten, nach wie vor beschwerdefrei, das heisst, sie hatten weder Symptome eines Reflux noch eine Refluxösophagitis.
Auch diese Forschergruppe schloss aus dem Ergebnis ihrer Studie, dass im klinischen Alltag zwischen Pantoprazol und Esomeprazol kein Unterschied besteht.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)



Capsaicin oder was hat Tabasco-Sauce mit Gastroenterologie zu tun?

Wie es aussieht, werden wir in den nächsten Jahren mehr über den Zusammenhang zwischen Tabasco-Sauce oder vielmehr ihrem scharfen Inhaltsstoffes, Capsaicin, hören. Zumindest wenn es nach Dr. J. Hammer und seiner österreichischen Arbeitsgruppe geht.

Denn Capsaicin stimuliert spezifische Rezeptoren an den für die Schmerzleitung verantwortlichen primär afferenten Nervenbahnen. Das diese Rezeptoren auch im Magen-Darmtrakt vorhanden sind, ist erst seit kurzem bekannt.

Nun konnte die österreichische Arbeitsgruppe zeigen, dass dieser Rezeptor bei Personen mit funktioneller Dyspepsie sensibler reagiert als bei gesunden Vergleichspersonen. Wurde bei symptomatischen Personen Capsaicin ins Darmlumen infundiert, so hatten die Patienten bereits nach 20 Minuten so heftige Symptome, dass die Infusion abgebrochen werden musste. Gesunde Vergleichspersonen hingegen hielten die Infusion 60 Minuten oder sogar länger aus, ohne unangenehme Symptome zu entwickeln.

Dr. Hammer: "Neben der gut etablierten viszeralen Hypersensitivität gegenüber mechanischen Reizen gibt es somit offensichtlich auch eine chemische Hypersensitivität." Diese kann in Zukunft sowohl für diagnositische Zwecke als auch für neue Therapieansätze eine wichtige Rolle spielen, vermutet der Gastroenterologe.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)

 

 

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