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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Reports aus Chicago von der

Digestive Disease Week 2005

 

17.05.2005

Drei Protonenpumpenhemmer verglichen
Esomeprazol hält gastrischen pH-Wert am längsten stabil

CHICAGO – Unter langfristiger NSAR-Therapie entwickeln 20 % der Patienten auch peptische Ulzera. Ulkuskomplikationen wie Blutung und Perforation erleiden 1 % der Patienten pro Jahr. Mit welchem Protonenpumpenhemmer schützt man diese Risikopatienten am besten?

Die Frage nach der effektivsten intragastralen Säuresuppression versuchte Dr. Jay Goldstein, Universität Illinois, Chicago, an der Digestive Disease Week 2005 zu beantworten.

 
Chicago by night

77 Patienten, die seit mindestens einem Monat ein nichtsteroidales Antiphlogistikum oder einen Cox-2-Hemmer einnahmen, bekamen zusätzlich entweder Esomeprazol 40 mg, Lansoprazol 30 mg oder Pantoprazol 40 mg einmal täglich.

Unter diesen Standarddosen konnte mit Esomeprazol eine länger anhaltende Säuresuppression erreicht werden. Der intragastrale pH-Wert blieb mit Esomeprazol drei Viertel des Tages über vier. Mit Lansoprazol war dies über zwei Drittel der 24-Stunden-Periode gewährleistet und mit Pantoprazol in 60 % der Zeit. "Esomeprazol hält mit 17 Stunden den pH-Wert am längsten stabil", so der Experte.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)


Reizdarm
Frauen haben andere Bauchbeschwerden als Männer

CHICAGO – Neue Therapiemöglichkeiten beim Reizdarmsyndrom, namentlich die Einführung von Medikamenten, die den Serotonin-Stoffwechsel beeinflussen, haben das Interesse an geschlechtsspezifischen Unterschieden bei dieser Erkrankung wieder geweckt.

Es ist einerseits bekannt, dass Frauen viel häufiger vom Reizdarmsyndrom betroffen sind als Männer, andererseits scheinen die neuen Medikamente bei Frauen besser zu wirken als bei ihren männlichen Leidensgenossen.

In einer internationalen Kooperation untersuchten Prof. Dr. Johann Hammer aus Österreich und Dr. N. J. Talley, USA, ob sich die Beschwerdesymptomatik von Frauen von der von Männern unterscheidet. 897 konsekutive Patienten, davon waren 64 % Frauen, wurden nach validierten Kriterien nach ihrem Beschwerdemuster befragt.

Es stellte sich heraus, dass manche Symptome, wie Meteorismus und Obstipation, bei Frauen deutlich häufiger auftraten als bei Männern. Männer wiederum litten öfter unter Schmerzen, die mit häufigem Stuhlgang kombiniert waren.

Die Autoren schlossen daraus, dass sich das Reizdarmsyndrom geschlechtsspezifisch präsentiert. Als Konsequenz daraus ergibt sich auch, dass die derzeit üblichen Kriterien für die Diagnose dieses Krankheitsbildes, seien es nun die Rom-Kriterien oder die Manning-Kriterien, einen höheren prädiktiven Wert bei Frauen im Vergleich zu Männern haben.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)


Probiotika für Frühgeburten

CHICAGO – Die nekrotisierende Enterocolitis ist die häufigste gastrointestinale Erkrankung bei Frühgeborenen. Ursächlich liegt dieser Erkrankung eine Kolonialisierung des Dickdarms mit potentiell pathogenen Keimen zugrunde. Ist eine frühzeitige, prophylaktische Supplementation mit Probiotika sinnvoll?

Die potentiell pathogenen Keimen sind beim zeitgerecht geborenen, gesunden und mit Muttermilch ernährten Baby nur in geringem Ausmass vorhanden. Dr. Michael Wilschanski und Kollegen vermuteten daher, dass eine Veränderung der Bakterienflora bei Frühgeborenen mittels Probiotika den Darm vor der Entwicklung eine nekrotisierenden Colitis beschützen kann.

Die Kollegen untersuchten den präventiven Effekt einer Probiotikamischung, die verschiedene Bifidobakterienstämme und streptococcus thermophilus enthielt, mit Plazebo bei 143 Kindern mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 mg. Während in der Plazebogruppe 16,6 % der kleinen Patienten eine nekrotisierende Colitis entwickelten, trat diese schwere Colitis nur bei 4,0 % der Kinder auf, die das Probiotikagemisch erhielten. 2 der insgesamt 15 Kinder mit nekrotisierender Colitis verstarben, beide hatten Plazebo erhalten.

"Eine frühzeitige, prophylaktische Supplementation mit Probiotika kann somit die Gefahr einer Enterokolitis reduzieren, möglicherweise auch helfen, die Mortalität zu verringern," meinte Dr. Wilschanski optimistisch.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)


Hepatitis-C-assoziierte Fatigue
Eine serotonerge Störung?

CHICAGO – Der selektive Serotoninantagonist Ondansetron reduziert Fatigue und Depressionen bei Patienten mit chronischer Hepatitis C. Dies sind die Ergebnisse einer an der Digestive Disease Week 2005 vorgestellten Studie.


Patienten mit Leberkrankungen leiden häufig an einer Fatigue, der möglicherweise zentrale Störungen des serotonergen Systems zugrunde liegen. Bisher gibt es wenige effektive Therapieoptionen. Mit dem 5-HT3-Antagonisten Ondansetron wurden bereits Therapieerfolge beim Chronic Fatigue Syndrom und in der Behandlung der Fibromyalgie erzielt, berichtete Dr. Geoffroy Vanbiervliet. Über die Modulation am Serotoninrezeptor vom Typ 3 lassen sich Schmerzreize oder Nausea ausschalten, sowie die intestinale Transitzeit verlängern. Der genaue Wirkmechanismus gegen Fatigue ist noch nicht bekannt.

Der Gastroenterologe aus Nizza und Kollegen anderer französischer Zentren setzten die Substanz bei Patienten mit chronischer Hepatitis C ein, deren Hauptsymptom chronische Fatigue war. Um an der Studie teilzunehmen, mussten die Patienten die Schwere der Symptome auf der visuellen Analogskala von 0 bis 10 mindestens als Vier gewertet haben.

Doppelblind bekamen 36 Patienten mit Hepatitis C über vier Wochen Ondansetron 4 mg zweimal täglich oder Plazebo. Über weitere vier Wochen wurden die Patienten weiter beobachtet. Mit Hilfe eines Messinstruments der Fatigue, dem Fatigue Impact Scale, und einer Depressionsskala wurden Symptomveränderungen nach zwei Wochen, einem und zwei Monaten ermittelt.

mehr Antrieb - weniger Depressionen

Nach zwei Wochen Therapie mit Ondansetron wurden Fatiguesymptome gegenüber Plazebo um 30 % reduziert. Das ergab die Auswertung der Selbstbeurteilung der Patienten gemäss Fatigueskala. Diese Verbesserung der Fatigue blieb über die gesamte Studiendauer erhalten. Darüber hinaus zeigten die Hepatitis C-Patienten auch eine Verbesserung der Depressionsskala um 50 %. Diese Ergebnisse stützen die Hypothese einer Dysregulation der serotonergen Neurotransmission bei chronischer Fatigue, so der Experte.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)

 

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