Overnight
Reports aus Chicago von der
Digestive
Disease Week 2005
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16.05.2005
Therapie
der Fettleberhepatitis
Glitazon vielversprechend
CHICAGO
– Eine nichtalkoholtoxische Steatohepatitis (NASH) spricht auf eine
Behandlung mit dem Insulinsensitizer Pioglitazon an. Mit dem Glitazon bessern
sich Leberwerte und Histologie, so Dr. Stephen Harrison, Texas, an der Digestive
Disease Week 2005.
Der Gastroenterologe berichtete über eine Studie mit 45 NASH-Patienten,
die entweder an einer Insulinresistenz oder an einem manifesten Typ-2-Diabetes
litten. Zu einer nichtalkoholischen Steatohepatitis kommt es oft im Rahmen
eines metabolischen Syndroms, erklärte der Experte. |
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Skyline by
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Gesunde Gewichtszunahme
Glitazone wirken über eine Aktivierung der PPAR-gamma (Peroxisome Proliferator-Activated
Receptor gamma) als Insulinsensitizer in der Leber, den Muskeln und den Adipozyten.
Sie sorgen über die vermehrte Produktion von Glukosetransportern für
eine verbesserte und verstärkte Glukoseaufnahme in die Zelle.
Über einen
Zeitraum von sechs Monaten wurde die Wirksamkeit von 45 mg Pioglitazon täglich
im Vergleich zu Plazebo anhand folgender Untersuchungen beurteilt: Ganzkörperfettmessung
(DEXA), Tests auf Glukosetoleranz und Insulinsensitivität, kernspintomographische
Messung der hepatischen Steatose sowie Leberbiopsie.
Therapieerfolg am Adiponektin messen?
Erniedrigte Adiponektinspiegel scheinen auch in der Pathogenese der
nichtalkoholischen Steatose eine wichtige Rolle zu spielen.
In der Studie konnten Adiponektin-Spiegel verdoppelt werden, berichtete Dr.
Harrison. Zudem wurden hepatisches Fett um 25% reduziert und Transaminasen gesenkt.
Bioptisch konnte gesichert werden, dass Fibrose und Steatose mit dem Glitazon
abnahmen.
Fast alle Parameter wurden verbessert. Einziger Nachteil: Patienten nahmen unter
der Glitazon-Therapie im Schnitt fünf Kilogramm zu.
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Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)
Insulinresistenz
und Gallensteine
CHICAGO – Warum haben eigentlich adipöse Personen, Diabetiker und
Patienten mit Hyperlipidämie ein erhöhtes Risiko, Gallensteine zu
entwickeln? Die Ursache ist multifaktoriell, sind sich die Experten einig.
Eine Dysmotilität der Gallenblase scheint eine bislang unbekannte Rolle
dabei zu spielen, wie Dr. Atilla Nakeeb und Kollegen herausfanden. In
Ihrer Studie mit prädiabetischen Patienten konnten die Forscher nachweisen,
dass deren Gallenblasenfunktion, auch wenn die Versuchspersonen nicht fettleibig
oder zuckerkrank waren, abnorm war. Die Auswurfleistung der Gallenblase nach
einer standardisierten, fettreichen Mahlzeit war im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen
deutlich verringert. 17 % der Patienten hatten bereits Sludge in der Gallenblase.
Die Autoren schliessen aus Ihrem Ergebnis, dass die Insulinresistenz alleine
bereits zur Dysfunktion der Gallenblase führt und die Neigung zur Gallensteinformation
erhöht.
Keine Symptomfreiheit nach Cholezystektomie
Auch eine weitere Studie beschäftigte sich mit Gallensteinen, allerdings
mit einem ganz anderen Aspekt. Das Postcholezystektomiesyndrom ist zwar in aller
Munde, verschiedene Studien geben aber die Häufigkeit desselben sehr unterschiedlich,
mit zwischen 8 % und 53 %, an.
Dr. Johnson L. Thistle und Kollegen von der Mayo Clinic stellten sich
folgende Frage: Welche Oberbauchbeschwerden bessern sich nach einer Cholezystektomie?
Die Antwort darauf gaben die Forscher an der diesjährigen DDW. Sie hatten
bei der Beantwortung dieser Frage Zugriff auf über 4'600 Cholezystektomien,
die entweder an der Mayo Clinic oder am Kaiser Permanente Hospital in San Diego
durchgeführt wurden. 75 % der Patienten hatten vor der Operation Oberbauchschmerzen,
nur etwa die Hälfte war nach einem Jahr komplett schmerzfrei.
Vor allem jene Patienten, die präoperativ unter sehr heftige Schmerzen
litten, profitierten von der Operation. Andere präoperative Symptome, wie
Übelkeit oder milde Oberbauchschmerzen wurden durch die Operation nicht
beeinflusst; darüber waren nicht nur die Studienleiter sehr überascht.
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Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)
Kleiner Kolonpolyp bei der virtuellen
Koloskopie: Was nun?
CHICAGO
– Die virtuelle Koloskopie hat Bewegung
in die Diskussion über die Notwendigkeit von Polypektomien kleiner Kolonpolypen
gebracht. Denn einerseits war es bis dato immer das Ziel, im Rahmen einer Koloskopie
alle, auch sehr kleine, Polypen zu entfernen, andererseits ist die Wahrscheinlichkeit,
dass solch kleine Polypen maligne oder hochdysplastisch sind, sehr gering.
Wenn nun die virtuelle Koloskopie durchgeführt wird, kann naturgemäss
keine Polypektomie im Rahmen dieser Untersuchung erfolgen. Muss man nun jeden
Patienten zur Endoskopie weiterschicken oder nur solche Patienten, die einen
grossen Polypen haben?
Und bei welcher Polypengrösse ist die Grenze anzusetzen? Dr. R.
E. Schön und Kollegen untersuchten die Ergebnisse von über
10'800 Endoskopien. Es zeigte sich, dass das Karzinomrisiko von Polypen unter
5 mm Durchmesser bei 0,5 % lag, bei Polypen von 5 bis 9 mm Durchmesser bei 0,9
% und bei grösseren Polypen auf 6,9 % zunahm.
8,1 %, 19,1 % bzw. 58,6 % aller Polypen der respektiven Duchmesser wiesen bereits
fortgeschrittene Dysplasiegrade auf, ohne dass sich allerdings schon ein Karcinom
entwickelt hatte. Die Autoren argumentierten folgerichtig, dass jeder Patient,
bei dem ein Polyp bei der virtuellen Koloskopie entdeckt wird, umgehend eine
reale Koloskopie benötigt, egal wie gross der Polyp ist.
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Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)
Schwere
Refluxösophagitis
Ohne Dauertherapie gibt es kein Entrinnen
CHICAGO - Die frühere Lehrmeinung, dass die Refluxösophagitis
ein kontinuierlicher Prozess ist, der bei der nicht-erosiven Refluxkrankheit
(NERD) beginnt – bei der keine entzündlichen Veränderungen
im Ösophagus sichtbar sind – und über die verschiedenen
Stadien der Refluxösophagitis bis hin zum Barrettoesophagus und
schliesslich zum Barrett-Karzinom führt, wird heute nicht mehr
allgemein anerkannt.
Denn Patienten verbleiben meist in jenem Stadium, das sie zum Zeitpunkt
der Diagnose aufwiesen; Patienten mit NERD haben meist ein Leben lang
NERD ohne je eine Ösophagitis zu entwickeln, andererseits verbleiben
beispielsweise Patienten mit schwerer Refluxösophagitis ohne adäquate
Therapie ständig in diesem Stadium.
Dr. Junying Xu und Kollegen haben nun nach Gründen gesucht, die
erklären sollen, warum Patienten mit schwerer Refluxösophagitis immer
wieder von ihrem Leiden heimgesucht werden. Dafür verglichen sie die Ergebnisse
der Ösophagusmanometrie von 27 Patienten mit NERD mit den Untersuchungsergebnissen
von 43 Patienten mit schwerer Refluxösophagitis.
Alle Patienten wurden mit PPI behandelt, bis die Ösophagitis komplett
verschwunden war, danach wurde die Manometrie wiederholt. Es stellte
sich heraus, dass vor der Therapie zwar in beiden untersuchten Gruppen
eine Dysmotilität des Ösophagus nachweisbar war, diese jedoch
bei schwerer Ösophagitis deutlich häufiger und ausgeprägter
waren; insbesondere war die Kontraktionsamplitude und die Anzahl der
Kontraktionen signifikant niedriger.
Die Therapie mit PPI konnte die Dysmotilität nicht verändern. Die
Persistenz der Motilitätsveränderungen könnten daher verantwortlich
dafür sein, dass für die Patienten kein Entrinnen aus ihrem Refluxleiden
möglich ist, interpretierten die Studienautoren.
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Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)
Neue Analgetika in der Pipeline
CHICAGO – Die klassischen nicht steroidalen Analgetika (NSAID)
und auch die ins Gerede gekommenen Cox-2-Antagonisten bekommen Konkurrenz:
Die neue Substanz, derzeit unter dem Namen GT-094 bekannt, agiert neben
einem NSAID-Effekt auch als ein Mononitrat (NO)-Donor.
Die klassischen nicht steroidalen Analgetika (NSAID) und auch die ins Gerede
gekommenen Cox-2-Antagonisten haben für die Entstehung des Kolonkarzinoms
einen präventiven Effekt, der sich mit einer antiproliferativen und antiinflammatorischen
Wirkung nachweisen lässt. Allerdings sind die Nebenwirkungen dieser Substanzen
nicht zu vernachlässigen, bei einer Verminderung der Dosis hingegen reduziert
sich auch der chemopräventive Effekt der Substanzen.
Dr. Robert Carroll untersuchte nun eine neue Substanzklasse von
NSAIDs auf Ihren chemopräventiven Effekt. NO ist ein wichtiger
Mediator in der Mukosaprotektion; es verbessert den Blutfluss in der
Mukosa und verhindert die Adherenz von Leukozyten am Gefässendothel.
In der Studie wurde GT-094 bei Ratten getestet. Es stellte sich heraus, dass
dieses Nitrat-NSAID eine gute antiinflammatorische Wirkung aufwies, zugleich
aber auch antiproliferativen Effekt hatte. Bei Ratten mit Kolonkarzinom konnte
sogar gezeigt werden, dass die Tumormasse reduziert wird.
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Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)
Die
Themen aller Overnight Reports vom DDW 2005 in der Übersicht
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