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Montag, 21.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight Reports aus Chicago von der

Digestive Disease Week 2005

 

16.05.2005

Therapie der Fettleberhepatitis
Glitazon vielversprechend

CHICAGO – Eine nichtalkoholtoxische Steatohepatitis (NASH) spricht auf eine Behandlung mit dem Insulinsensitizer Pioglitazon an. Mit dem Glitazon bessern sich Leberwerte und Histologie, so Dr. Stephen Harrison, Texas, an der Digestive Disease Week 2005.

Der Gastroenterologe berichtete über eine Studie mit 45 NASH-Patienten, die entweder an einer Insulinresistenz oder an einem manifesten Typ-2-Diabetes litten. Zu einer nichtalkoholischen Steatohepatitis kommt es oft im Rahmen eines metabolischen Syndroms, erklärte der Experte.
 
Skyline by night


Gesunde Gewichtszunahme
Glitazone wirken über eine Aktivierung der PPAR-gamma (Peroxisome Proliferator-Activated Receptor gamma) als Insulinsensitizer in der Leber, den Muskeln und den Adipozyten. Sie sorgen über die vermehrte Produktion von Glukosetransportern für eine verbesserte und verstärkte Glukoseaufnahme in die Zelle.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten wurde die Wirksamkeit von 45 mg Pioglitazon täglich im Vergleich zu Plazebo anhand folgender Untersuchungen beurteilt: Ganzkörperfettmessung (DEXA), Tests auf Glukosetoleranz und Insulinsensitivität, kernspintomographische Messung der hepatischen Steatose sowie Leberbiopsie.

Therapieerfolg am Adiponektin messen?
Erniedrigte Adiponektinspiegel scheinen auch in der Pathogenese der nichtalkoholischen Steatose eine wichtige Rolle zu spielen.
In der Studie konnten Adiponektin-Spiegel verdoppelt werden, berichtete Dr. Harrison. Zudem wurden hepatisches Fett um 25% reduziert und Transaminasen gesenkt. Bioptisch konnte gesichert werden, dass Fibrose und Steatose mit dem Glitazon abnahmen.
Fast alle Parameter wurden verbessert. Einziger Nachteil: Patienten nahmen unter der Glitazon-Therapie im Schnitt fünf Kilogramm zu.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)


Insulinresistenz und Gallensteine

CHICAGO – Warum haben eigentlich adipöse Personen, Diabetiker und Patienten mit Hyperlipidämie ein erhöhtes Risiko, Gallensteine zu entwickeln? Die Ursache ist multifaktoriell, sind sich die Experten einig.

Eine Dysmotilität der Gallenblase scheint eine bislang unbekannte Rolle dabei zu spielen, wie Dr. Atilla Nakeeb und Kollegen herausfanden. In Ihrer Studie mit prädiabetischen Patienten konnten die Forscher nachweisen, dass deren Gallenblasenfunktion, auch wenn die Versuchspersonen nicht fettleibig oder zuckerkrank waren, abnorm war. Die Auswurfleistung der Gallenblase nach einer standardisierten, fettreichen Mahlzeit war im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen deutlich verringert. 17 % der Patienten hatten bereits Sludge in der Gallenblase. Die Autoren schliessen aus Ihrem Ergebnis, dass die Insulinresistenz alleine bereits zur Dysfunktion der Gallenblase führt und die Neigung zur Gallensteinformation erhöht.


Keine Symptomfreiheit nach Cholezystektomie
Auch eine weitere Studie beschäftigte sich mit Gallensteinen, allerdings mit einem ganz anderen Aspekt. Das Postcholezystektomiesyndrom ist zwar in aller Munde, verschiedene Studien geben aber die Häufigkeit desselben sehr unterschiedlich, mit zwischen 8 % und 53 %, an.

Dr. Johnson L. Thistle und Kollegen von der Mayo Clinic stellten sich folgende Frage: Welche Oberbauchbeschwerden bessern sich nach einer Cholezystektomie? Die Antwort darauf gaben die Forscher an der diesjährigen DDW. Sie hatten bei der Beantwortung dieser Frage Zugriff auf über 4'600 Cholezystektomien, die entweder an der Mayo Clinic oder am Kaiser Permanente Hospital in San Diego durchgeführt wurden. 75 % der Patienten hatten vor der Operation Oberbauchschmerzen, nur etwa die Hälfte war nach einem Jahr komplett schmerzfrei.

Vor allem jene Patienten, die präoperativ unter sehr heftige Schmerzen litten, profitierten von der Operation. Andere präoperative Symptome, wie Übelkeit oder milde Oberbauchschmerzen wurden durch die Operation nicht beeinflusst; darüber waren nicht nur die Studienleiter sehr überascht.

 

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)





Kleiner Kolonpolyp bei der virtuellen Koloskopie: Was nun?


CHICAGO – Die virtuelle Koloskopie hat Bewegung in die Diskussion über die Notwendigkeit von Polypektomien kleiner Kolonpolypen gebracht. Denn einerseits war es bis dato immer das Ziel, im Rahmen einer Koloskopie alle, auch sehr kleine, Polypen zu entfernen, andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, dass solch kleine Polypen maligne oder hochdysplastisch sind, sehr gering.

Wenn nun die virtuelle Koloskopie durchgeführt wird, kann naturgemäss keine Polypektomie im Rahmen dieser Untersuchung erfolgen. Muss man nun jeden Patienten zur Endoskopie weiterschicken oder nur solche Patienten, die einen grossen Polypen haben?

Und bei welcher Polypengrösse ist die Grenze anzusetzen? Dr. R. E. Schön und Kollegen untersuchten die Ergebnisse von über 10'800 Endoskopien. Es zeigte sich, dass das Karzinomrisiko von Polypen unter 5 mm Durchmesser bei 0,5 % lag, bei Polypen von 5 bis 9 mm Durchmesser bei 0,9 % und bei grösseren Polypen auf 6,9 % zunahm.

8,1 %, 19,1 % bzw. 58,6 % aller Polypen der respektiven Duchmesser wiesen bereits fortgeschrittene Dysplasiegrade auf, ohne dass sich allerdings schon ein Karcinom entwickelt hatte. Die Autoren argumentierten folgerichtig, dass jeder Patient, bei dem ein Polyp bei der virtuellen Koloskopie entdeckt wird, umgehend eine reale Koloskopie benötigt, egal wie gross der Polyp ist.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)


Schwere Refluxösophagitis
Ohne Dauertherapie gibt es kein Entrinnen

CHICAGO - Die frühere Lehrmeinung, dass die Refluxösophagitis ein kontinuierlicher Prozess ist, der bei der nicht-erosiven Refluxkrankheit (NERD) beginnt – bei der keine entzündlichen Veränderungen im Ösophagus sichtbar sind – und über die verschiedenen Stadien der Refluxösophagitis bis hin zum Barrettoesophagus und schliesslich zum Barrett-Karzinom führt, wird heute nicht mehr allgemein anerkannt.

Denn Patienten verbleiben meist in jenem Stadium, das sie zum Zeitpunkt der Diagnose aufwiesen; Patienten mit NERD haben meist ein Leben lang NERD ohne je eine Ösophagitis zu entwickeln, andererseits verbleiben beispielsweise Patienten mit schwerer Refluxösophagitis ohne adäquate Therapie ständig in diesem Stadium.

Dr. Junying Xu und Kollegen haben nun nach Gründen gesucht, die erklären sollen, warum Patienten mit schwerer Refluxösophagitis immer wieder von ihrem Leiden heimgesucht werden. Dafür verglichen sie die Ergebnisse der Ösophagusmanometrie von 27 Patienten mit NERD mit den Untersuchungsergebnissen von 43 Patienten mit schwerer Refluxösophagitis.

Alle Patienten wurden mit PPI behandelt, bis die Ösophagitis komplett verschwunden war, danach wurde die Manometrie wiederholt. Es stellte sich heraus, dass vor der Therapie zwar in beiden untersuchten Gruppen eine Dysmotilität des Ösophagus nachweisbar war, diese jedoch bei schwerer Ösophagitis deutlich häufiger und ausgeprägter waren; insbesondere war die Kontraktionsamplitude und die Anzahl der Kontraktionen signifikant niedriger.

Die Therapie mit PPI konnte die Dysmotilität nicht verändern. Die Persistenz der Motilitätsveränderungen könnten daher verantwortlich dafür sein, dass für die Patienten kein Entrinnen aus ihrem Refluxleiden möglich ist, interpretierten die Studienautoren.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)



Neue Analgetika in der Pipeline

CHICAGO – Die klassischen nicht steroidalen Analgetika (NSAID) und auch die ins Gerede gekommenen Cox-2-Antagonisten bekommen Konkurrenz: Die neue Substanz, derzeit unter dem Namen GT-094 bekannt, agiert neben einem NSAID-Effekt auch als ein Mononitrat (NO)-Donor.


Die klassischen nicht steroidalen Analgetika (NSAID) und auch die ins Gerede gekommenen Cox-2-Antagonisten haben für die Entstehung des Kolonkarzinoms einen präventiven Effekt, der sich mit einer antiproliferativen und antiinflammatorischen Wirkung nachweisen lässt. Allerdings sind die Nebenwirkungen dieser Substanzen nicht zu vernachlässigen, bei einer Verminderung der Dosis hingegen reduziert sich auch der chemopräventive Effekt der Substanzen.

Dr. Robert Carroll untersuchte nun eine neue Substanzklasse von NSAIDs auf Ihren chemopräventiven Effekt. NO ist ein wichtiger Mediator in der Mukosaprotektion; es verbessert den Blutfluss in der Mukosa und verhindert die Adherenz von Leukozyten am Gefässendothel.

In der Studie wurde GT-094 bei Ratten getestet. Es stellte sich heraus, dass dieses Nitrat-NSAID eine gute antiinflammatorische Wirkung aufwies, zugleich aber auch antiproliferativen Effekt hatte. Bei Ratten mit Kolonkarzinom konnte sogar gezeigt werden, dass die Tumormasse reduziert wird.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Univ.-Prof. Dr. Johann Hammer)

 

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