Berichte
von der diesjährigen
Digestive
Disease Week (2004)
in
New Orleans
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Late Breaking News vom DDW 2004
NEW ORLEANS - Am letzten DDW-Tag fand eine Sitzung statt, bei der die allerneuesten Studienergebnisse aus verschiedensten Themenbereichen präsentiert wurden, die brandheiss aus dem Labor oder aus der Klinik kommen und welche die jeweiligen Autoren erst in den letzten Wochen vor Beginn der DDW fertiggestellt hatten. Die Organisatoren waren der Ansicht, dass diese Studien so wichtige Ergebnisse enthalten, dass man nicht ein weiteres Jahr warten kann, bevor sie veröffentlicht werden, sondern dass sie noch unbedingt auf der diesjährigen DDW geschehen müsse.
Risiko des Adenokarzinoms bei Patienten
Können wir bald in die Zukunft blicken ?
NEW ORLEANS - Das Patienten mit Barrett-Ösohagus ein erhöhtes Risiko haben, ein Adenokarzinom des Ösophagus zu entwicklen, ist bekannt. Jahrelang gab es zur Risikoeinschätzung des Patienten nur die Bestimmung des Dysplasiegrades der Barrett-Schleimhaut. Das könnte sich bald ändern.
Es gibt Patienten mit Barrett-Ösophagus, deren Epithelzellen keine Dysplasiezeichen aufweisen. Viele der Patienten haben diesen Barrett-Ösophagus jahrelang, ohne dass sich nur die geringste histologische Veränderung nachweisen lässt, während andere in relativ kurzer Zeit Dysplasien und ein Karzinom entwickeln.
Ausserdem ist die Einteilung in verschiedene Dysplasiegrade sehr starken intra- und vor allem interindividuellen Schwankungen unterworfen, so dass die Suche nach besser reproduzierbaren Methoden der Risikostratifizierung gesucht und nun möglicherweise auch gefunden wurden.
Ein sogenanntes quantitatives Methylierungsprofil von 14 Genen wurde an Gewebeproben von 11 Patienten mit Barrett-Ösophagus erstellt, die innerhalb eines Überwachungszeitraumes von 38,5 Monaten ein Adenokarzinom oder eine hochgradige Dysplasie entwickelten. Als Vergleichsgruppe dienten 24 Patienten, die innerhalb eines Zeitraums von 56 Monaten keine Verschlechterung der histologischen Kriterien des Barrett-Epithels und keine Dysplasie aufwiesen. Auch die Gewebeproben von Personen ohne Ösophagusbeschwerden wurden untersucht.
Im gesunden Gewebe fand sich nur selten eine Hypermethylierung an jenen Genloci, die untersucht wurden. Die Patienten, die einen Barrett-Ösophagus ohne Dysplasie und keine Verschlechterung innerhalb des Untersuchungszeitraum aufwiesen, hatten deutlich weniger methylierte Genloci zum Zeitpunkt der Diagnosestellung als die Patienten, die ein Karzinom oder eine Dysplasie entwickelten. Darüber hinaus waren insbesondere drei Gene - HPP1, TIMP3 und p16 - zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in der Karzinom- bzw. Dysplasiegruppe signifikant häufiger methyliert als in der Gruppe, deren histologischen Kriterien sich nicht verschlechterten.
Diese Erkenntnisse könnten in Zukunft helfen, jene Patienten schon frühzeitig zu erkennen, die ein hohes Risiko besitzen, ein Karzinom zu entwickeln.
Tegaserod bald auch für Patienten mit Schmerzen im Ösophagus?
NEW ORLEANS - Tegaserod ist ein partieller Agonist des Serotonin Typ-4 Rezeptors (5-HT4), der in manchen Ländern bereits für die Behandlung des Reizdarmsyndroms vom Obstipationstyp zugelassen ist. Der Wirkstoff verstärkt die gastrointestinale Motilität und vermindert abdominelle Schmerzen.
Nun konnte nachgewiesen werden, dass auch retrosternale Schmerzen durch Tegaserod verbessert werden. Es sprachen allerdings nur jene Schmerzen auf die Therapie an, die nicht durch Säurereflux bedingt waren, sondern durch Dehnung der Speiseröhre ausgelöst wurden. Es kann vermutet werden, dass Tegaserod somit bei sogenannten funktionellen Speiseröhrenschmerzen als Therapeutikum eingesetzt werden kann.
Neue monoklonale Antikörper in der Therapie des Morbus Crohn
NEW ORLEANS - Natalizumab ist ein humaner monoklonaler IgG4-Antikörper, der gegen α4-Integrin gerichtet ist und in der Behandlung des Morbus Crohn eingesetzt werden kann. In einer Multicenter-Studie wurden 339 Patienten mit Morbus Crohn untersucht, deren Beschwerden sich auf eine initiale, dreimalige Gabe von Natalizumab gebessert hatte.
Die Forscher untersuchten, ob die weitere Gabe von Natalizumab die Remissionsrate gegenüber Plazebo erhöhen könnte. Nach 6 Monaten, in denen die Studiengruppe bis zu 12 Infusionen von 300 mg Natalizumab monatlich erhielt, waren 44 % der Behandelten nach wie vor in Remission, während die Remissionsrate in der Plazebogruppe nur 26 % betrug. Darüber hinaus konnte bei 55 % der Patienten der Verumgruppe die Steroide abgesetzt werden, während dies nur bei 25 % der Patienten in der Plazebogruppe gelang. Die Rate an Komplikationen war in beiden Gruppen ähnlich gering.
Eine weitere Studie beschäftigte sich mit Adalimumab, einem humanen monoklonalen Antikörper gegen TNF-α, (Tumor Nekrose Faktor-alpha). Es wurde untersucht, ob mit diesem Antikörper bei aktivem Morbus Crohn eine Remission erreicht werden kann. Die Studie wurde randomisiert, plazebokontrolliert und doppelblind durchgeführt.
Es wurden 299 Patienten untersucht, die bis dahin noch keinen TNF-α-Antagonisten erhalten hatten und einen aktiven Morbus Crohn (CDAI = Crohn's disease activity index; 220-450 Punkte) hatten. Die Rate der klinischen Remissionen (CDAI <150) war unter Adalimumab signifikant höher verglichen mit Plazebo. Als häufigste Komplikation von Adalimumab traten lokale Symptome an der Einstichstelle auf, die vorwiegend als mild eingestuft wurden. Das Ansprechen auf die Therapie war unabhängig vom initialen CRP, im Gegensatz zu einer Therapie mit nicht-chimerische TNF-α-Antikörpern.
Fontolizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen Interferon gamma. In einer weiteren randomisierten, doppelblinden Studie erhielten Morbus Crohn-Patienten mit einem CDAI zwischen 250 und 450 Punkte entweder diesen Antikörper oder Plazebo. Das Ansprechen auf Fontolizumab war abhängig vom initialen CRP der Patienten. Am besten sprachen Patienten mit einer hohen Entzündungsaktivität, also hohem initialen CRP, auf die Therapie an. Der Antikörper wurde zweimal im Abstand von 28 Tagen appliziert und gut, dh. ohne wesentliche Nebenwirkungen, vertragen, .
Zusammenfassung: Neue humane Antikörper werden in der Zukunft die therapeutische Möglichkeiten bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erweitern. Im Einzelnen:
1. Mit Natalizumab kann bei der Morbus Crohn-Therapie anscheinend nicht nur eine Remission erreicht werden. Durch die chronische Einnahme kann auch die Remission erfolgreich beibehalten und es können Steroide eingespart werden.
2. Adalimumab ist effektiv bei der Behandlung des aktiven Morbus Crohn, unabhängig von der Höhe des CRP zu Beginn der Therapie.
3. Der Interferon gamma Antikörper Fontolizumab scheint ebenfalls wirksam in der initialen Behandlung des aktiven Morbus Crohn zu sein.
Therapieerfolg der Hepatitis C schon vor Therapiebeginn vorhersagbar?
NEW ORLEANS - Die durchschnittliche Ansprechrate auf Interferon-alpha (IFN-α) beträgt bei Hepatitis-C-Patienten etwa 50%. Es würde daher viel Mühe und Geld sparen, wenn schon frühzeitig bekannt wäre, ob ein Ansprechen auf die Therapie zu erwarten ist oder nicht.
Vor Beginn der Therapie wurden die peripheren mononukleären Zellen im Blut (PBMC) von 40 Hepatitis-C-Patienten extrahiert und die globale Genexpression, die durch IFN-α in vitro induziert werden kann, gemessen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen unterteilt, eine, die auf die Therapie ansprach und in die non-Responder Gruppe.
Die große Mehrheit der durch IFN-α induzierbaren Gene zeigte in der Responder-Gruppe eine deutlich höhere Transkriptionsantwort als in der non-Responder Gruppe. Theoretisch könnte es also möglich sein, schon vor Beginn der Therapie durch in vitro-Tests festzustellen, ob der Patient auf die Interferontherpaie ansprechen wird oder nicht.
© Medical Tribune-Online Schweiz (Prof. Dr. Johann Hammer)
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