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Berichte von der diesjährigen

Digestive Disease Week (2004)

in New Orleans

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19.5.2004

Doch keine Kontraindikation?
Kapselendoskopie bei Darmverschluss

NEW ORLEANS - Ein mechanischer Ileus galt bisher als Kontraindikation für die noch recht neue Videokapselendoskopie. Dabei ist es mit der Methode gerade im schwer zugänglichen Dünndarm möglich, eine ätiologische Diagnose bei Ileus zu stellen, berichtete Dr. Adam S. Cheifetz, Yale University, New Haven, an der Digestive Disease Week 2004.

Unter 568 Fällen, in denen die Minivideokapsel zum Einatz kam, bestand bei 19 Patienten der Verdacht auf einen mechanischen Ileus. Die vorläufige Diagnose stützte sich auf Symptome allein oder auf Symptome in Verbindung mit typischen radiologischen Befunden, wie die retrospektive Analyse der Krankenakten ergab.

Die kapselendoskopische Untersuchung konnte die Diagnose in sechs Fällen bestätigen. Dabei wurde gleichzeitig der Grund des Übels sichtbar: Adhäsionen, Strikturen, eine Fistel bei M. Crohn sowie Ulzera waren für den Ileus verantwortlich. In drei Fällen konnte die Videokapsel das Hindernis nicht passieren. Die genaue Lokalisation der Obstruktion ermöglichte aber eine unkomplizierte chirurgische Resektion. Die Kapselendoskopie eigne sich hervorragend um Ätiologie und Lokalisation eines Dünndarmverschlusses festzustellen, so Dr. Cheifetz.

Über ähnliche Ergebnisse berichtete Dr. Peter E. Legnani, Mount Sinai. Seine Gruppe hatte die Kapselendoskopie erfolgreich bei 51 Patienten mit Verdacht auf Morbus Crohn eingesetzt.
Mit der Methode liess sich bei 30 Patienten zuverlässig ein M. Crohn ausschliessen. Darüber hinaus konnten die Gastroenterologen mittels Kapselendoskopie bei zwei Crohn-Patienten Strikturen als Ursache einer Obstruktion lokalisieren.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)


Hochdosiertes, intravenöses Pantoprazol bei Ulkusblutung

NEW ORLEANS - Das Risiko, dass ein peptisches Ulkus innerhalb der nächsten drei Tage nach der ersten Blutungsepisode nochmals zu bluten beginnt, ist gross. Dr. Alan N. Barkun von der McGill University in Montreal, Kanada, untersuchte, ob eine massive Hemmung der Protonenpumpe mit Pantoprazol intravenös das Blutungsrisiko gegenüber einer Blockade der H2-Rezeptoren vermindern kann.

Die Therapie des blutenden peptischen Ulkus sollte primär immer endoskopisch erfolgen, erklärten die Autoren der Studie. Findet sich bei der endoskopischen Untersuchung ein sichtbares Gefäss am Ulkusgrund, ein frisches Koagel auf dem Ulkus oder gar eine aktive Blutung, so ist die Gefahr, dass auch nach einer endoskopischen Therapie das Ulkus nochmals innerhalb der nächsten 3 Tage zu bluten beginnt, beträchtlich. Man spricht in diesen Fällen von einem hohen Rezidivrisiko.

Durch die kontinuierliche Applikation von Pantoprazol (8 mg/h i.v.) nach einem anfänglichen Bolus von 80 mg i.v. konnte das Risiko eines Blutungsrezidivs eines Ulcus ventriculi gegenüber der Therapie mit H2-Blockern von 11 % auf 5 % in dieser Hochrisikogruppe gesenkt werden. Das Nebenwirkungsprofil war unter beiden Therapieregimes etwa gleich. Die häufigste Nebenwirkung war eine Thrombophlebitis an der Injektionsstelle. Die Autoren schlossen aus den Studienergebnissen, dass durch die hochdosierte und intravenöse Hemmung der Protonenpumpe das Risiko einer Rezidivblutung deutlich gesenkt werden kann, vor allem was das Ulcus ventriculi betrifft.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Prof. Dr. Johann Hammer)


Eine Massnahme gegen Obstipation?
Sildenafil bringt Darm in Gang


NEW ORLEANS - Männer, die den Phosphodiesterasehemmer Sildenafil einnehmen, profitieren von der Therapie in doppelter Hinsicht, vorausgesetzt sie leiden auch an einer Obstipation, so Dr. Mark Milone, Universität Nebraska, Omaha, bei einer Posterpräsentation an der Digestive Disease Week 2004.

Die Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase-5 verlangsamt den Abbau von cGMP hauptsächlich in den glatten Muskelzellen der corpora cavernosa. Durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid wird lokal eine Vasodilatation herbeigeführt. Diesen Mechanismus nutzt man in der Therapie der erektilen Dysfunktion. Stickstoffmonoxid (NO) spielt aber auch eine Schlüsselrolle in der Regulation gastrointestinaler Funktionen.

In der vorgestellten Studie hatten zehn gesunde Männer über zwei Wochen 50 mg Sildenafil täglich eingenommen. Es konnte gezeigt werden, dass die Probanden nach der Einnahme des PDE-5-Hemmers eine erhöhte Stuhlfrequenz und eine weichere Konsistenz des Stuhls aufwiesen. Die Substanz blieb jedoch überraschenderweise ohne Einfluss auf die Dickdarmtransitzeit, erklärte der Gastroenterologe.
Eine Therapie, bei der eine Aktivierung der NO-Freisetzung im Darm erfolgt, wäre eine interessante Option in der Behandlung der Obstipation, folgerte Dr. Milone.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)


Immunmodulation der neuen Art
Wurmkur fürs Immunsystem

NEW ORLEANS - Erst kam die Empfehlung, alle Kinder auf den Bauernhof zu schicken, um Asthma vorzubeugen, und nun soll eine Wurmkur mit dem Schweinebandwurm Trichuris suis entzündlichen Darmerkrankungen den Garaus machen. Professor Dr. Joel Weinstock, Universität Iowa, stellte dazu eine Studie an der Digestive Disease Week 2004 vor.

Die Beobachtung, dass in Ländern mit häufigen Parasiteninfektionen, entzündliche Darmerkrankungen selten vorkommen, führte zur Hypothese, eine verbesserte Hygiene begünstige die Enstehung dieser Autoimmunerkrankungen.

Sanfte Immunsuppression
Die These, dass Würmer gegen entzündliche Darmerkrankungen schützen, ist nicht ganz neu: Es ist nämlich bekannt, dass der Bandwurm eine immunmodulierende Wirkung im Wirt ausübt, indem er das Immunsystem herunterregelt. Um seine These zu stützen, überzeugte Prof. Weinstock 29 Patienten mit einem Morbus Crohn, 2500 Wurmeier des für den Menschen ungefährlichen Schweine-Peitschenwurms Trichuris suis alle drei Wochen zu schlucken. Die Patienten wiesen eine mittlere Krankheitsaktivität mit einem durschnittlichen Crohn's Disease Activity Index (CDAI) von 296 auf.

Bei fast drei Viertel der Patienten konnte Prof. Weinstock nach 24 Wochen eine Remission der Erkrankung verzeichenen. Eine Remission war als eine Verbesserung im CDAI um mehr als 150 Punkte definiert. Eine Besserung der Symptome trat insgesamt bei etwa 80% der Patienten ein. Die ungewöhnliche Therapie blieb ohne Nebenwirkungen.

Die Intervention sei auch interessant in der Prävention entzündlicher Darmerkrankungen. Besonders wirksam vermutet er die Wurmkur bei Kindern bis zum Alter von 12 Jahren. Bis zu diesem Alter könnte man eine langfrisitige Immunmodulation mit dem Parasiten erzielen.

In einer anderen Studie bei Patienten mit Colitis ulcerosa zeigte sich ein Benefit bei über der Hälfte der Patienten, so der Experte. Darüber hinaus erhofft sich Prof. Weinstock von der Untersuchung neue Erkenntnisse in der Pathogenese entzündlicher Darmerkrankungen zu gewinnen.

© Medical Tribune-Online Schweiz (Dr. Anka Stegmeier-Petroianu)

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