| Berichte
von der diesjährigen Digestive Disease Week in Orlando (2003)
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23.5.2003
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gastroenterologische Crème aus fünf Kontinenten trifft
sich dieses Jahr in Orlando zur Digestive Disease Week, um
die aktuellsten Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu präsentieren.
Was die 15 000 Teilnehmer vor Ort erfahren, packen unsere Reporterinnen
in ihren Overnight Reports für Sie aus. |
Das Ende aller Klarheit
Was bedeutet Versagen der Protonenpumpenblockade
bei Reflux?
ORLANDO – Die Refluxkrankheiten bilden
einen Sammeltopf von Veränderungen mit harmloser bis gefährlicher
Ausprägung. In letzter Zeit wurde Ordnung geschaffen und drei Schubladen
gebildet: die nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD), die erosive Ösophagitis
(EE) und der Barrett-Ösophagus. Eine klare Aufteilung – in der Theorie.
Leider ist aus den Beschwerden absolut nicht zu erkennen, welcher Schublade
sie zuzuordnen sind. Professor Dr. Ronnie Fass, Universität von Arizona
in Tucson, erklärte an der Digestive Disease Week, wie diese
Schwierigkeiten dann auch zu Therapieversagern führen.
Auf die Symptomatik und das Ansprechen auf
Protonenpumpenblocker (PPI) ist kein Verlass. Die nicht-erosive Ösophagitis
beeinträchtigt den Patienten ebenso stark wie die erosive Variante.
Beruht das Magenbrennen auf Speiseröhrenerosionen, so heilen die
Läsionen unter einen Protonenpumpenblocker (PPI) zwar im hohen Prozentsatz
ab, aber 15% dieser Patienten haben anschliessend immer noch säurebezogene
Symptome. Im Gegensatz dazu gibt es wieder die Menschen, bei denen die
pH-Metrie eine völlig normale Säureexposition im Ösophagus
enthüllt, die aber trotzdem über Beschwerden klagen – bis zu
50% der Patienten mit nicht-erosiver Ösophagitis fallen hierunter.
Ein normaler Säurereflux ruft bei ihnen Magenbrennen hervor. Bei
dem übrigen Drittel lässt sich nicht einmal ein Zusammenhang
zwischen der (normalen) Säureexposition und dem Auftreten von Symptomen
herstellen. Professor Fass bezeichnete diese Fälle als "funktionelles
Sodbrennen". Der fehlende Zusammenhang mit Säureexposition erklärt,
warum bei bis zu 30% der Patienten mit nicht erosiver Refluxkrankheit
(NERD) die Protonenpumpenblocker nicht anschlagen – das ist bei erosivier
Ösophagitis (EE) weit seltener der Fall.
Mit Fallstricken wartet auch der Barrett-Ösophagus
auf. In einem Viertel der Fälle lässt sich die Säuresekretion
bei den Patienten mit dieser prämalignen Veränderung nicht ausreichend
kontrollieren. Bei jedem Dritten dieser objektivierten "Gering-Responder"
verschwinden aber dennoch die Beschwerden, so dass man sich bei ihnen
in falscher Sicherheit wiegen kann.
Was tun bei PPI-Versagern?
Bei einem Versagen der Protonenpumpenblockade
(= keine ausreichende Symptomkontrolle unter Standarddosierung) rät
Professor Fass, zunächst die Dosis auf zweimalige Einnahme am Tag
zu erhöhen und ausserdem genau darauf zu achten, ob das Medikament
auch richtig (eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit) eingenommen wird.
Bleiben die Symptome bestehen, sollte ein pH-Monitoring durchgeführt
werden. In 61% fördert dies einen ganz normalen pH-Wert zutage. Bei
Therapieversagern ist in absoluten Zahlen selten mit einem Barrett oder
einer erosiven Ösophagitis zu rechnen, sondern überwiegend mit
funktionellen Refluxsymptomen.
Ein Kontinuum gibt es nicht
Symptomkontrolle hin oder her – was die Patienten
bewegt, ist vor allem die Frage, ob sich die Krankheit verschlechtern
wird. Eine Progression der NERD zur erosiven Ösophagitis findet eher
selten statt, einer finnischen Studie zufolge in 17% (Isolauri 1997).
Umgekehrt tritt praktisch keine Regression von der EE zur NERD ein. Offenbar
gibt es keine verlässlichen Zahlen darüber, dass oder wie oft
eine Progression über das gesamte Spektrum der Ösophagusveränderung
von NERD über die EE zum Barrett eintritt, Professor Fass sah solche
Fälle allenfalls als Raritäten. Da die Patienten dennoch unter
ihren Beschwerden leiden, besteht laut Professor Fass die Zukunft darin,
bei Therapieversagen beispielsweise viszeral wirkende Analgetika oder
Serotonin-beeinflussende Pharmaka zum PPI hinzu zu geben. UNo
Leberkomplikationen bei
Hepatitis C
Abspecken könnte sich lohnen
ORLANDO – Erstmals zeigte eine Arbeitsgruppe,
dass Übergewicht, speziell das nach typisch männlichem Muster
angesammelte Bauchfett, mit nicht alkoholischer Steatohepatitis (NASH)
bei Hepatitis C assoziiert ist. Entsprechend ergibt sich dadurch die Option,
durch Gewichtskorrektur das Risiko schwerwiegender Leberkomplikationen
zu mindern. Auf die Wirksamkeit der antiviralen Therapie mit Peginterferon
alfa-2b und Ribavirin hatte das Körpergewicht dagegen in der entsprechenden
Studie keinen Einfluss.
Dr. Zobair Younossi,
Inova Fairfax Hospital in Falls Church, stellte an der Digestive Disease
Week eine Studie vor, die dem Zusammenhang zwischen Body Mass Index
und Taille-Hüfte-Quotienten (waist-hip-ratio, W/H) und der Häufigkeit
einer Hepatosteatose und NASH bei 119 Patienten mit chronischer Hepatitis
C auf den Grund ging. Die Patienten erhielten eine Behandlung mit pegyliertem
Interferon alpha-2b (PEG-IFN), Ribavirin (RIBA) und Amantadin. Der Grad
der Leberverfettung wurde anhand von Leberbiopsien bestimmt. Parallel
wurde die Viruselimination ermittelt.
Über die gesamte Gruppe lag der Body
Mass Index (BMI) bei 29, die W/H bei 0,90. Patienten mit einem höheren
Steatose-Grad (>33 %, n=14) hatten einen deutlich höheren
BMI (33 vs. 28, p=0,034), waren häufiger dem Genotyp 3 zuzuordnen
(21,4 % vs. 5,7 %, p=0,037) und liessen häufiger eine fortgeschrittene
Fibrose erkennen (64,3% vs. 37,1%, p=0,048) als Probanden mit einem geringeren
Steatosegrad (<33 %, n=105). Bei nachweisbarer NASH (n=22) war
Übergewicht häufiger als bei Patienten mit Steatose und bei
Teilnehmern ohne Leberverfettung (BMI: 31 vs. 30 vs. 27; p=0,008. W/H
0,97 vs. 0,91 vs. 0,87, p<0,001). Ebenso wurde bei Übergewicht
häufiger eine Fibrose gesehen (68 % vs. 45 % vs. 23 %,
p=0,001). Die Wirksamkeit des antiviralen Regimes im Hinblick auf die
Viruselimination erwies sich dagegen als unabhängig vom Übergewicht.
Der Virusgenotyp lässt sich nicht beeinflussen – um so wichtiger
könnte es sein, das Risiko für fortgeschrittene Leberveränderungen
durch Gewichtsabnahme zu senken. UNo
Helicobacter pylori -
Serologische Suche heute obsolet?
ORLANDO – Um dem Helicobacter auf die
Schliche zu kommen, sollte man heute vorrangig aktive Tests einsetzen,
ist Dr. Nimish Vakil, University of Wisconsin, überzeugt. Eine serologische
Untersuchung ist damit in den meisten Fällen obsolet und die Eingangsfrage
daher mit ja zu beantworten.
Die Sensitivität der serologischen Tests
liegt bei etwa 80 %, die von Stuhl- und Atemtest bei etwa 94 %,
die Spezifität letzterer zwischen 97 und 100 %. Daher hat im
klinischen Setting in den meisten Fällen die serologische Abklärung
einer Helicobacter-Infektion für den Experten keinen Platz mehr,
allenfalls im Rahmen von Studien oder zur Abklärung stattgehabter
Infektionen macht die Serologie hier noch Sinn.
Was ist von dem Vorschlag zu halten, ein
initiales serologisches Screening durchzuführen und dann die Verdachtsfälle
weiter abzuklären? Könnte man damit Kosten sparen? Nein, selbst
unter Kostenaspekte rentiert sich das serologische Screening nicht, machte
Dr. Vakil deutlich. Die aktiven Tests kosten heute relativ wenig und liefern
ihre Ergebnisse - anders als die serologische Untersuchung - unabhängig
von der gegebenen Prävalenz.
Daher empfiehlt der Experte zur Abklärung
des Helicobacters den Atem- oder den Stuhltest, je nach das ein oder andere
jeweils kostet. In Europa beispielsweise ist unter diesen Aspekten für
Dr. Vakil der Atemtest der Test der Wahl. Mü
CINODS - Schmerzkiller
der Zukunft?
ORLANDO – Wirksamer und besser verträglich
als die bisherigen nichtsteroidalen Antirheumatika und sogar als die Coxibe
sollen sie sein, die sogenannten CINODS. Was sich dahinter verbirgt und
was sie können, berichtete der Pharmakologe Professor Dr. John L.
Wallace, University of Calgary, Kanada, an der Digestive Disease Week.
Grosse Hoffnungen setzten Experten in die
Cox Inhibiting Nitric Oxid Donors (CINOD).
Bei diesem Konzept wird ein NSAR (NSAR oder COXIB) mit einem Spacer, der
aktiv oder inert sein kann, und einem NO-freisetzenden Molekül gekoppelt.
Diese Kombination soll eine gesteigerte Wirksamkeit bei gleichzeitig besserer
gastrointestinaler Verträglichkeit ermöglichen.
Kardiovaskuläre Sicherheit
Derzeit gibt es zwei Hoffnungsträger,
beide haben noch Nummern anstelle von Namen: AZD-3582 enthält als
NSAR das Naproxen, NCX-4016 stellt eine Kombination mit Acetylsalicylsäure
dar. Grundsätzlich könnte aber eine ganze Reihe von Substanzen
auf diese Art und Weise modifiziert werden, ergänzte der Experte.
In ersten klinischen Studien beim Menschen fand man unter NO-ASS keinerlei
Ulzerationen, jedoch die gleiche antithrombotische Wirksamkeit wie unter
ASS-Einnahme. Anders als bei der Acetylsalicylsäure erwies sich die
gleichzeitige Gabe mit Coxiben als unproblematisch.
Auch unter kardiovaskulären Aspekten
bestechen die neuen Medikamente: NO-Naproxen zeigte in Tierversuchen keine
Auswirkungen auf den Blutdruck, solange dieser normal war. War er jedoch
zu hoch, entwickelte die Substanz sogar antihypertensive Eigenschaften.
Interaktionen mit Enalapril wurden nicht beobachtet.
Und die Analgesie?
Auch die schmerzstillenden Möglichkeiten
dieser neuen Substanzen sind beträchtlich, NO-Naproxen soll bis zu
zehnmal stärker den Schmerz hemmen als die herkömmliche Substanz,
wie der Experte berichtete. Bei AZ-3582 spricht man zumindest von einer
der "Originalsubstanz" vergleichbaren Wirksamkeit. Mü
zur
Inhaltsübersicht DDW 2003
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