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Berichte von der diesjährigen Digestive Disease Week in Orlando (2003)   Logo DDW 2003

22.5.2003

Die gastroenterologische Crème aus fünf Kontinenten trifft sich dieses Jahr in Orlando zur Digestive Disease Week, um die aktuellsten Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu präsentieren. Was die 15 000 Teilnehmer vor Ort erfahren, packen unsere Reporterinnen in ihren Overnight Reports für Sie aus.

Ablösung für den Hämokkult-Test

Neue Stuhltests versprechen deutlich bessere Akzeptanz

ORLANDO – Es ist nicht jedermanns Sache, mit Spatel und Stuhl zu hantieren, um zu erfahren, ob der Verdacht auf ein kolorektales Karzinom besteht. Entsprechend armselig ist die Teilnahme an Screening-Programmen. Wie sie deutlich verbessert werden kann, berichtete Professor Dr. Graeme Young, Flinders University, Adelaide, an der Digestive Disease Week.

Ein neuer immunchemischer Test, der !nSure®, verwendet zwar auch Stuhlproben, welche aber weniger aufwendig und abschreckend gewonnen werden können und auch keine Restriktionen von Seiten der Ernährung erfordern. Die Sensitivität des !nSure®-Tests hinsichtlich der Entdeckung eines Adenoms (> 10 mm) oder eines kolorektalen Karzinoms ermittelte die Arbeitsgruppe von Prof. Young mit 85 % vs. 39 % Hämokkult-Test. Die Richtigkeit wurde mit Hilfe einer Koloskopie überprüft.

An der Studie nahmen 450 Patienten teil, die entweder ein durchschnittliches Risiko aufwiesen (n = 284), einer Hochrisikogruppe angehörten (n = 158) oder verdächtige Symptome hatten (n = 18). Trotz der deutlich erhöhten Sensitivität lag die Rate der falsch positiven Befunde im Bereich der des Hämokkult-Tests (um 5 %). Die höhere Sensitivität und das probandenfreundlichere Handling bieten eine positive Perspektive im Screening des Kolonkarzinoms.

Routine-Screening per DNS-Test?

Die Akzeptanz eines DNS-Tests im Stuhl wurde von Professor Dr. Paul Schroy, Boston Medical Center, bei 2388 Probanden untersucht, die sich alle noch nie einem Screening unterzogen hatten. Sie erhielten das SBDNA (stool based DNA-testing), einen Hämokkult-Test und eine Koloskopie und wurden gebeten, einen Fragebogen mit 25 Positionen auszufüllen. Gefragt wurde unter anderem, ob der Umgang mit dem Test patientenfreundlich ist, ob er für sicher gehalten wird und ob er wiederholt würde, wenn der Arzt dazu riete. In jedem Punkt schloss der DNS-Test verglichen mit dem Hämokkult-Test am besten ab, lediglich bei der Wahrnehmung der Verlässlichkeit wurde die Koloskopie am günstigsten beurteilt. Als Routine-Screening-Programm wurde der DNA-Test hochsignifikant am häufigsten vorgezogen (50 % versus 35 % Hämokkult und 15 % Koloskopie).

Die neuen Tests könnten damit das Zeug haben, die Screening-Freudigkeit in der Bevölkerung zu steigern. UNo


Gesunde kapselendoskopisch gefilzt

Coxib neun mal besser als NSAR plus Magenschutz

ORLANDO - Dank der Kapselendoskopie ist es heute möglich, die Dünndarmschleimhaut nichtinvasiv zu beurteilen. Diesen Umstand machte sich Professor Dr. Jay Goldstein, University of Illinois, Chicago, zu Nutze, der den Einfluss von NSAR und Coxiben auf die Dünndarmschleimhaut untersuchte. Dabei registrierte er nicht nur einen deutlichen Vorteil zu Gunsten der Coxibe, überraschend waren auch bei einem beträchtlichen Anteil der klinisch unauffälligen Probanden Läsionen zu finden.

Für die vierwöchige prospektive doppelblinde Studie wurden bislang etwa 400 anscheinend gesunde Probanden gescreent, die mindestens zwei Wochen lang weder ASS noch andere nichtsteroidale Antirheumatika eingenommen hatten. Sie erhielten eine so genannte Kapselendoskopie (Given Imaging M2A). Diese Technologie, die jetzt seit gut zwei Jahren von der amerikanischen Food and Drug Administration zugelassen ist, liefert nach dem Schlucken der Videokapsel nichtinvasiv kontinuierliche Aufnahmen des Darms. Überraschender Weise fand man bei knapp 14 % dieser klinisch unauffälligen Probanden, die zuvor nicht unter gastrointestinalen Beschwerden zu leiden hatten, Läsionen im Bereich des Dünndarms. Und zwar im Durchschnitt vier pro Person, wie der Experte berichtete. "Dieser Tatsache sollten sich diejenigen bewusst sein, die anhand der Videoendoskopie den Dünndarm beurteilen wollen", sagte Dr. Goldstein.

Dünndarm schlecht geschützt

Bei normalem Befund erhielten die Teilnehmer dann zwei Wochen lang doppelblind entweder Plazebo, ein nichtsteroidales Antirheumatikum plus Magenschutz oder ein Coxib. Unter 2 mal täglich 200 mg Celecoxib fand man bei einer späteren Kontrolluntersuchung neun mal weniger Läsionen im Dünndarm als unter der Einnahme von 2mal täglich Naproxen plus Omeprazol (20 mg). "Damit können wir unsere Kenntnis über die Auswirkungen von NSAR und Coxiben im Dünndarm vertiefen. Chronischer Blutverlust und Anämie unter den herkömmlichen NSAR könnten durch medikamenteninduzierte Nebenwirkungen im unteren Gastrointestinalbereich zu erklären sein. Den Stellen, an denen Protonenpumpenhemmer keinen Schutz mehr bieten," erklärte Dr. Goldstein. Mü


Kinder mit Hepatitis C

Was kann man für die kleinen Patienten tun?

ORLANDO - Erste Daten zur Behandlung von kleinen Hepatitis-C-Patienten zeigen, dass auch bei diesen pegyliertes Interferon eingesetzt werden kann.

Bislang gibt es keine zugelassene Therapieoption für Kinder mit Hepatitis C, bedauerte Dr. Kathleen B. Schwarz, Johns Hopkins University, School of Medicine, an der Digestive Disease Week. Die Behandlung mit Standardinterferon mit oder ohne Ribavirin scheint sicher und wirksam, aber die wegen ihrer besseren Verträglichkeit und Wirksamkeit heute immer häufiger eingesetzten pegylierten Interferone kamen bislang bei Kindern mit Hepatitis C noch nicht zum Einsatz.

Unter 12 Jahren liegt die Prävalenz einer Hepatitis-C-Infektion in den USA bei 0,2 %, zwischen 12 und 19 Jahren bei 0,4 % - meistens ist diese bereits unter der Geburt erworben. Die HCV-Infektion kann mit einer beträchtlichen sozialen Stigmatisierung einher gehen.

Die Gruppe um Dr. Schwarz setzte in dieser offenen Untersuchung mit 14 Kindern zwischen 2 und 8 Jahre das Peginterferon alpha 2-a in einer adaptierten Dosierung ein. Erwachsene erhalten normalerweise einmal wöchentlich 180 mcg/kg, die Dosis für die Kinder wurde in Abhängigkeit von der Körperoberfläche errechnet.

Nach 24 Wochen konnte bei 8 Patienten (57 %) das Virus eliminiert werden, bei 6 Kindern hielt dies nach insgesamt 72 Wochen immer noch an. Die hier erzielte Heilungsrate von 42 % ist jener der Erwachsenen vergleichbar und erreicht die Grössenordnung, die mit der Kombination aus Standardinterferon und Ribavirin zu erzielen ist.

Insgesamt scheinen die Kinder mit der Medikation ganz gut zurechtzukommen, ernsthafte Nebenwirkungen wurden nicht registriert. Allerdings sollte man sorgfältig auf die mögliche Entwicklung einer Neutropenie achten. Bei fünf Kindern musste die Dosis aus diesem Grunde reduziert werden. "Unsere Ergebnisse sprechen für weitere Untersuchungen, auch in Kombination mit Ribavirin," ist die Expertin überzeugt. Mü


Colitis ulcerosa

Einfach eine bakterielle Infektion?

ORLANDO – Eine japanische Studiengruppe rückt einem Bakterium immer näher auf den Pelz, um es zumindest als Mitschuldigen an der Colitis ulcerosa zur Strecke zu bringen. Die Forscher haben das Fusobacterium varium bereits länger im Visier und konnten nun mit einer Kombinationstherapie aus Amoxicillin und weiteren Antibiotika die Krankheitsaktivität signifikant dämpfen. Sie stellten ihre Ergebnisse an der Digestive Disease Week vor.

Dr. Toshifumi Ohkusa und Mitarbeiter, Medical and Dental University in Tokyo, untersuchten 20 Patienten mit chronisch aktiver Colitis ulcerosa (CU), bei denen sich eine F.-varium-Infektion nachweisen liess (hohe IgG-Titer, ELISA-Test). Randomisiert erhielten sie entweder eine Antibiose mit Amoxicillin (500 mg 2 x/Tag), Tetracyclin 500 mg 2 x/Tag, und Metronidazol 250 mg 2 x/Tag über zwei Wochen (n = 10) oder keine antibiotische Therapie. Zuvor war die Empfindlichkeit des verdächtigen Keims gegenüber dieser Kombination belegt worden. Salazosulfapyridin, 5-ASA, Prednisolon und (oder) Probiotika wurden unverändert weiter so eingenommen, wie vor Studieneintritt verordnet war. Die Symptombeurteilung sowie die endoskopische und histologische Einschätzung wurden verblindet. Die Evaluation fand zu Studienbeginn und nach 3 bis 5 Monaten statt, ebenso wie die Untersuchung auf F. varium.

Klinische Aktivität, endoskopische und histologische Scores fielen in der Behandlungsgruppe signifikant gegenüber der Vergleichsgruppe ab (p = 0,022, 0,001 und 0,036). Auch die IgG-Titer für F. varium sanken in der Behandlungsgruppe deutlich (p = 0,104). Die antibiotische Kombinationstherapie wurde gut vertragen, so dass die Autoren zu dem Schluss kommen, die Antibiose über zwei Wochen sei wirksam und sicher. Auf Grund der Ergebnisse postulierten sie einen kausalen Zusammenhang zwischen der Aktivität der chronischen Colitis ulcerosa und dem Nachweis des Fusobakterium. UNo

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