| Berichte
von der diesjährigen Digestive Disease Week in Orlando (2003)
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21.5.2003
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gastroenterologische Crème aus fünf Kontinenten trifft
sich dieses Jahr in Orlando zur Digestive Disease Week, um
die aktuellsten Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu präsentieren.
Was die 15 000 Teilnehmer vor Ort erfahren, packen unsere Reporterinnen
in ihren Overnight Reports für Sie aus. |
Blitzübersicht: Das gibt’s
Neues in der Gastro-Entero-Hepatologie
ORLANDO – Professor Dr. Michael Camilleri,
Mayo Medical School in Rochester, liess anlässlich der Digestive
Disease Week die wichtigsten neuen Ergebnisse der klinischen Forschung
Revue passieren. Darunter gibt es Erkenntnisse, die auch für den
normalen Arzt in der Praxis interessant sein können.
Acetylsalicylsäure ist es nach
wie vor wert, genauer studiert zu werden: In zwei Studien (Baron, 2003
und Sandler, 2003) gelang es durch Anwendung von Aspirin, innerhalb überschaubarer
Zeit die Adenomentstehung signifikant zu verringern – sowohl bei Patienten,
bei denen sich bereits ein Karzinom gebildet hatte, als auch bei Probanden,
die "nur" durch ein Adenom aufgefallen waren. In der einen Studie
wurde Plazebo mit zwei Aspirin-Dosierungen verglichen (81 mg /Tag
und 325 mg/Tag). Die niedrigere Dosis war erfolgreicher, aber auch
die höhere Dosierung besser als Plazebo, so dass die Studie vorzeitig
abgebrochen wurde.
| Die andere Studie zur
Sekundärprävention bei bereits eingetretenem Kolonkarzinom
verglich Plazebo und 325 mg Aspirin/Tag – auch hier war das Wiederauftreten
von Adenomen verzögert. Eindrucksvoll ist die Number needed to
treat (Anzahl der Behandelten pro einem verhinderten neuen Adenom
jeglicher Grösse). Sie lautet 10 für das Wiederauftreten
eines Adenoms bei einem Polypektomierten, und nur 19 Patienten müssen
Aspirin einnehmen, um einen Fall von fortgeschrittener Neoplasie zu
verhindern. |
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Zeitvertreib
an der DDW 2003 |
Die Number needed to harm beträgt
dagegen 100 für eine Blutung im Gastrointestinaltrakt, sie liegt
bei 300 bis 800 für eine ernste GI-Blutung und bei 800 für einen
hämorrhagischen Schlaganfall (alle Dosierungen, Imperiale 2003).
"Die Gabe von Aspirin ist also sinnvoll, um Kolonkarzinome zu verhindern",
resümierte Prof. Camilleri.
Entzündliche Darmerkrankungen
Bei den entzündlichen Darmkrankheiten
gibt es neues Wissen über Infliximab. Heute wird es nicht
mehr vorrangig zur Induktion einer Remission eingesetzt, sondern auch
als Medikament für die Remissionserhaltung. Dabei schälte sich
inzwischen aber ein Problem heraus. Über die Zeit bilden sich Antikörper
gegen den Antikörper, so dass das teure Medikament allmählich
unwirksam wird. Deshalb ist es nicht nur klinisch effektiver, sondern
auch kostengünstig, die Behandlung mit Infliximab durch eine Immunsuppression
(Baert 2003) oder eine Kortikoidgabe (Farell 2003) zu flankieren.
Ein weiterer Antikörper gesellte sich
der Crohn-Therapie hinzu: Natalizumab, der Antikörper gegen
ein Integrin. Hier waren die Forscher nun vorgewarnt und erkannten bereits
frühzeitig, dass sich ebenfalls das Problem der Antikörperbildung
stellt. Ansonsten erwies sich das Medikament als geeignet, um Remissionen
herbeizuführen, die entzündliche Aktivität zu dämpfen
und die Lebensqualität zu steigern (Ghosh 2003).
Das Behandlungsrepertoire der chronischen
Hepatitis B wurde durch das orale Virostatikum Adefovir Dipivoxil
erweitert, das zu signifikanten histologischen, virologischen und biochemischen
Verbesserungen führt und sich bislang über 48 Wochen bewährt
hat (Hadziyannis 2003).
Noch einen Antikörper bastelten die
Molekularbiologen, um Stromazelltumoren des Kolons zu Leibe zu rücken.
Das scheint zu funktionieren, belegte Demetri (2002) bei Patienten mit
fortgeschrittenen und nicht mehr resezierbaren Stromazelltumoren. Imatinib
ist der Name des Proteins, der sich bisher bereits bei chronischer myeloischer
Leukämie bewährt hat. UNo
Hausmittel mit
wissenschaftlichen Weihen
Nützliches Arsenal bei gastroenterologischen
Alltagsbeschwerden
ORLANDO – Als Hardcore-Antialternativmediziner
führte sich Dr. Ronald L. Koretz, Olive View Medical Center, Kalifornien,
an der Digestive Disease Week ein. In seinem Arztleben habe er noch nie
Alternativmedizin angewandt, war aber gebeten worden, die Evidenz für
Alternativverfahren zusammenzutragen. Eine umfassende Aufgabe, denn Studien
gibt es inzwischen reichlich. Ihre Ergebnisse münden in konkrete
Behandlungsempfehlungen.
| Zunächst die Phytotherapie:
Übelkeit und Erbrechen lassen sich durch Ingwerwurzel
mildern. Drei randomisierte kontrollierte Studien (RCT, randomized
controlled trials) belegen dies für Schwangerschaftserbrechen,
vier für Reiseübelkeit. |
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Der Eingang
zur DDW 2003 |
Neun Studien (RCT) belegen eine signifikante
Wirkung von Pfefferminzöl bei funktionellen Störungen
des Gastrointestinaltrakts. Auch gegen Hepatitis B ist ein Kraut gewachsen,
des Namens Phyllanthus. 22 RCT und eine systematische Übersicht
zeigten eine bessere Clearance von Hepatitis-B-Virus als Plazebo sowie
eine bessere Redukton der Transaminasen und des Bilirubins – eine Konkurrenz
zu Interferon.
Die Akupunktur konnte zwar für
die Indikationen Tinnitus, Fettsucht, Drogenmissbrauch und chronische
muskuloskeletale Schmerzen noch keine Evidenz zusammentragen, die Dr.
Koretz überzeugte. Aber in 17 von 23 RCT liess sich durch die traditionelle
chinesische Nadeltechnik postoperative Übelkeit signifikant beeinflussen.
Eine echte Doppelblinduntersuchung lässt sich bei dieser Methode
aber praktisch nicht realisieren.
Zur Homöopathie liegt eine
Metaanalyse vor, die für die homöopathisch Behandelten bessere
Effekte als unter Plazebo belegte, beispielsweise für den postoperativen
Ileus. Im Bereich Gastroenterologie hob Dr. Koretz vor allem eine solide
doppelblinde Studie hervor (Jacobs 2003), die eine signifikante Wirkung
der Kügelchen bei akuter Diarrhö belegte. Er untersuchte die
Methode an Kindern in Entwicklungsländern. Durch Homöopathika
konnte die Dauer der Diarrhö von 4,1 auf 3,3 Tage verkürzt werden.
Als evidenzbasiert können damit folgende
Optionen gelten (vorausgesetzt, dass die Methode beherrscht wird):
- Pfefferminzöl bei funktionellen
Störungen im Magen-Darm-Trakt.
- Ingwerwurzel bei Übelkeit und Erbrechen.
- Postoperative Übelkeit: Akupunktur.
Akute Diarrhö bei Kindern:
Homöopathie. UNo
Lebensstiländerung
bringt's doch
Kaugummi kauen mindert Reflux
ORLANDO - Das Kauen von Kaugummi kann
nicht nur einen frischen Atem oder der Zahnbürste Konkurrenz machen
- nein, es ist sogar in der Lage, die Speiseröhre vor essensbedingter
Säureexposition zu schützen.
Jüngste an der Digestive Disease
Week präsentierte Daten konnten zeigen, dass nach einer Mahlzeit
das 30minütige Kauen eines Kaugummis die Säure in der Speiseröhre
signifikant reduzieren kann.
Da Speichel eine protektive Rolle beim
gastroösophagealen Reflux spielt, liegt es nahe zu vermuten, dass
Kaugummi in diesem Zusammenhang nützlich sein könnte. Immerhin
regt es die Speichelproduktion an und bringt die Peristaltik in Gang.
Aber lässt sich diese These halten? Diese Frage stellten sich Dr.
Rebecca Moazzez, Department of Conservative Dentistry, Guy's Hospital,
London.
21 Freiwillige mit gastroösophagealen
Refluxbeschwerden waren bereit, für die Wissenschaft zu kauen. An
zwei aufeinander folgenden Tagen erhielten die Probanden nach vierstündigem
Fasten eine gleiche Mahlzeit mit 60 % Fettanteil. Nur nach einer
der Mahlzeiten kam das Kaugummi zum Einsatz. Anhand von pH-Metrie-Daten
konnte gezeigt werden, dass dadurch die Zeit, in der der pH unter 4 lag,
signifikant reduziert werden konnte. Mü
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Inhaltsübersicht DDW 2003
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