|
| |
|
Overnight-Reports
vom Cardiology Update 2005
|
| |
|
|
|
|
Freitag,
18.02.2005
Viagra,
Levitra, Cialis
Was
Sie unbedingt wissen sollten
DAVOS
– Da sich die erektile Dysfunktion immer mehr zu einem aussagekräftigen
Marker einer kardiovaskulären Erkrankung mausert und demnach Kardiologen
und Hausärzte Ihre Patienten immer häufiger nach der Befindlichkeit der
Manneskraft befragen, sollten sie auch auf Gegenfragen nach den drei PDE5-Hemmern
gefasst sein. Höchste Zeit also, dass PD Dr. Frank Sommer, Urologe an
der Universität Köln, am Cardiology Update 2005 die Kardiologen
aufklären durfte.
|
|
 |
In einer Kölner
Untersuchung wurden 8 000 Männer mit erektiler Dysfunktion (ED) befragt, welche
Hilfsmittel sie für den Geschlechtsverkehr bevorzugen würden: 80 % von
Ihnen gaben Medikamenten gegenüber Nadeln oder Pumpen den Vortritt. Heute sind
die PDE5-Hemmer die Mittel der Wahl. Als Alternative bliebe noch
die penile Prostaglandin-Injektion. Apomorphin hat sich im ED-Markt nicht durchsetzen
können, die Wirkung ist im Vergleich zu den PDE5-Hemmern einfach
zu schwach.
Wenn man die drei
auf dem Markt befindlichen PDE5-Hemmer, Sildenafil, Vardenafil und
Tadalafil vergleichen will, muss man mit den äquivalenten Dosen arbeiten. Der
IC50-Wert erlaubt den Vergleich der Potenz verschiedener Medikamente
ein Enzym zu hemmen. In der Praxis wird dabei diejenige Konzentration ermittelt,
welche die Enzymaktivität um die Hälfte senkt. "Potentere Medikamente haben
einen niedrigeren IC50-Wert und für gewöhnlich gilt, je grösser die
Potenz, desto besser", meinte Dr. Sommer. Beim IC50 ist Vardenafil
der Gewinner, sowohl im Bayer- wie auch im Pfizertest. Im in vitro Enzym-Assay
durchgeführt in den Labors von Bayer und Pfizer erlangte Vardenafil (0,7 / 0,14),
Sildenafil (6,6 / 3,6) und Tadalafil (9 /6,74) IC50 (nM).
Der schnellste
Wirkungseintritt wird mit Vardenafil erreicht, gefolgt von Sildenafil und Tadalafil
(siehe Tabelle). Die längste Halbwertzeit von 17,5 Stunden hat Tadalafil.
"Schauen Sie
sic ihren Patienten hinsichtlich seines kardiovaskulären Risikos genau an",
sagte Dr. Sommer. Wer keine Nitrate nimmt, darf zwar PDE5-Hemmer einnehmen,
aber es kann ja, ganz unabhängig vom PDE5-Hemmer, zu einem kardialen
Zwischenfall kommen und der Notarzt gibt von der PDE5-Hemmer-Einnahme
nichts ahnend ein Nitrat. Vielleicht sollten sich mittlerweile die Notärzte angewöhnen
routinemässig nach der Einnahme von Viagra®, Levitra® und
Cialis® zu fragen. Ein Zuhörer wollte wissen, wie lange nach der Einnahme
kein Nitrat gegeben werden dürfte. "Warten Sie vier Mal die Halbwertszeit
ab", riet Dr. Sommer. Und immer daran denken, dass die ED ein Marker der
KHK ist!
Dauer bis
zum maximalen Wirkeintritt und Halbwertszeiten
| |
Sildenafil
100 mg (Viagra product monograph) |
Vardenafil (Klotz. World J Urol 2001)
|
Tadalafil IC-351 (Ferguson, Lilly/ICOS Symposium 2001) |
|
Tmax (Stunden)
|
1,16 +/- 0,99
|
0,666 (0,25-3)
|
2,0 (0,5-6)
|
|
T1/2 (Stunden)
|
3,82 +/- 0,84
|
3,94 +/- 1,31
|
17,5
|
Bislang sind 15
Vergleichsstudien mit den drei PDE5-Hemmern durchgeführt worden,
aber bei vielen ist das Studiendesign nicht optimal. Dr. Sommers Team ist für
Design einer Studie ausgezeichnet worden, die im Sommer 2005 publiziert wird.
Im Wesentlichen kommt es darauf an, dass die Patienten fehlerfrei instruiert
werden, das ein Crossover gewährleistet ist und dass mit Äquivalenzdosen gearbeitet
wird. Eine Verblindung hält Dr. Sommer aufgrund der absolut unterschiedlichen
"Verpackung" der drei PDE5-Hemmer für unmöglich.
Professor Dr.
Thomas Lüscher, Universität Zürich und Chairman der Sitzung, war hiermit
ganz und gar nicht einverstanden: "In der Kardiologie gelingt uns immer
die Verblindung", meinte er. Dr. Sommer argumentierte damit, dass der Wirkeintritt
bei der Behandlung der ED ein entscheidender Parameter sei, weshalb die Galenik
der Medikamente nicht verändert werden dürfte. In sieben der 15 Studien werden
keine äquivalenten Dosierungen verwandt, 9 Studien sind ohne Crossover und in
nur 6 Untersuchungen ist die einwandfreie Instruktion über die Medikamente dokumentiert.
Es gibt lediglich eine einzige Studie in der verblindet wurde (von Keitz, 2004),
sogar mit einwandfreier Medikamenteninstruktion und Crossover, allerdings nicht
mit äquivalenten Dosen.
In einer weiteren
Studie der Universität Köln wurden Männer mit ED nach ihren Vorlieben bezüglich
Valsartan, Sildenafil und Tadalafil befragt. Die Herren waren im Schnitt 47,5
Jahre alt, wogen 80,9 kg bei einer Körpergrösse von 180,4 cm und litten
seit ca. 1,9 Jahren an der ED. Bei 19 % konnten rein psychogene bei 81 %
organische oder gemischte Ursachen festgestellt werden. Von 168 Studienteilnehmern
bevorzugten PDE5-Hemmer in mittlerer Dosis: 44 % Vardenafil
(10 mg), 37 % Sildenafil (50 mg) und 19 % Tadalafil (10 mg).
201 Probanden testeten die PDE5-Hemmer in der maximalen Dosis: 39 %
bevorzugten jetzt Vardenafil (20 mg), 22 % Sildenafil (100 mg)
und 38 % Tadalafil (20 mg).
Wer ist der
beste PDE5-Hemmer?
Die Frage lässt sich
so nicht beantworten. Alle drei haben ihre Wirksamkeit bewiesen. In der Studie
von Dr. Sommer wurden die Probanden nach der Standfestigkeit bei Penetration und
der Häufigkeit von Penetrationen beim Verkehr befragt, die Unterschiede waren
nicht sehr gross. Bei der Verordnung eines PDE5-Hemmers kommt es auf
die persönlichen Vorlieben des Patienten und seiner Partnerin an. "Das ist
wie bei den Autos, alle haben vier Räder und können von A nach B fahren. Aber
der eine möchte einen Jaguar, der andere einen grossen Mercedes und der nächste
einen Fun-Car", so der Experte. Pow
Vermeidbare
Katastrophe
Schlaganfälle können verhindert werden
DAVOS - Die Prävention von Schlaganfällen versagt: Fünf Millionen
Menschen sterben jährlich an den Folgen eines Schlaganfalls, 15 Millionen
bleiben nach einem Schlaganfall behindert. Dazu kommen zehn bis fünfzehn
Mal so viele stille Schlaganfälle, die das Risiko der Betroffenen noch
weiter erhöhen. Und das, obwohl sich heute mit der richtigen Behandlung
eines der Hauptrisikofaktoren, der Hypertonie, das Schlaganfallrisiko deutlich
senken lässt.
Viele fürchten einen Schlaganfall mehr als einen Herzinfarkt, dennoch stellt
die Hypertonie heute immer noch ein grosses Problem dar - das weiter zunimmt.
Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2025 etwa 30 % der Bevölkerung
einen erhöhten Blutdruck haben, umreisst Professor Dr. Björn Dahlöf,
Östra University Hospital, Göteborg, Schweden, am Satellitensymposium
der Firma MSD im Rahmen des Cardiology Update das Problem.
Aufklärung
ist gefordert, denn viele Menschen sind sich weder des hohen Blutdrucks noch
der Notwendigkeit einer Behandlung bewusst. In einer schwedischen Untersuchung
mit insgesamt 60000 Patienten fand man etwa unter 129 konsekutiven Schlaganfallpatienten
nur einen, dessen Blutdruck behandelt und unter Kontrolle war. Dabei kann bereits
durch eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 2 mmHg das Risiko für
einen Schlaganfall um 10 % und das für ischämische Herzerkrankung
um 7 % reduziert werden..
Den Blutdruck
richtig senken
Die blutdrucksenkenden
Eigenschaften eines Antihypertensivums sind nicht allein für die Senkung
des Schlaganfallrisikos verantwortlich. ACE-Hemmer beispielsweise haben hinsichtlich
der Schlaganfallprävention keinen weitergehenden Nutzen zeigen können,
während man heute weiss, dass Kalziumantagonisten und Angiotensin-II-Antagonisten
dieses Risiko senken können.
Letzteres hat eindrucksvoll
die LIFE-Studie gezeigt, in der der Angiotensin-II-Antagonist Losartan mit Atenolol
verglichen wurde. Durch Losartan konnte bei vergleichbarer Blutdrucksenkung
eine Reduktion des Schlaganfallrisikos und neuer Diabetesfälle um jeweils
25 % gegenüber dem Betablocker erzielt werden. Dieser Benefit bezog sich
gleichermassen auf hämorrhagische, ischämische und embolische Ereignisse
und bestätigte sich für alle untersuchten Subgruppen. Besonderen Nutzen
hatten Patienten mit einer isolierten systolischen Hypertonie und Vorhofflimmern.
Umgerechnet auf Europa würde eine entsprechende Behandlung in fünf
Jahren 125 000 Schlaganfälle verhindern, so Prof. Dahlöf.
Dafür verantwortlich
sind substanzspezifische Eigenschaften jenseits der Blutdrucksenkung - so unter
anderem antifibrotische, urikosurische, eine Senkung des zentralen Blutdrucks,
eine Verbesserung der linksventrikulären Hypertrophie sowie eine antientzündliche
Wirkung durch Metaboliten - die jedoch nicht allen Angiotensin-II-Antagonisten
gemein sind. Daher sieht der Experte insbesondere für hypertensive Diabetiker,
Hoch-Risiko-Patienten mit bestehenden Endorganschäden, Patienten mit Vorhofflimmern,
mit einem metabolischen Syndrom oder mit Nebenwirkungen unter anderen Antihypertensiva
die geeignete Therapie in der Kombination Losartan (eventuell plus Hydrochlorothiazid
plus Statin plus ASS).
Andere Risiken
im Auge behalten
Aber zur Vermeidung
von Schlaganfällen gehört mehr als nur die Senkung eines erhöhten
Blutdrucks. "Schauen Sie sich den ganzen Patienten an und reden auch über
andere Risikofaktoren. Diese müssen angegangen werden wie z.B. übermässiger
Alkoholkonsum, zu wenig Bewegung, erhöhte Blutfettwerte. Selbst Patienten
mit einem gut eingestellten Blutdruck können durch die zusätzliche
Gabe eines Statins ihr Risiko für einen Schlaganfall deutlich weiter senken",
erinnerte Prof. Dahlöf.
LVH ist einer der besten Risikomarker für kardiovaskuläre Ereignisse,
insbesondere auch für einen Schlaganfall. Es ist quasi als Langzeitparameter
ähnlich dem HBA1c bei Diabetikern zu sehen. Es ist ein guter Marker für
Angiotensin II abhängige Endorganschäden.
Wie
sicher ist Celecoxib?
Kardiologen üben Gelassenheit
DAVOS - "Bevölkerungsbasierte Studien in verschiedenen Ländern
lassen vermuten, dass Celecoxib nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären
Risiko assoziert ist," sagte Dr. Frank T. Ruschitzka, Abteilung für
Kardiologie, Universität Zürich, am Cardiology Update 2005.
Die Osteoarthritis ist eine der am häufigsten auftretenden Erkrankung,
meist bei über 50jährigen Patienten. Die Schmerzbehandlung erfolgt
meistens mit NSAR und Cox-2-Hemmern. Diese Patienten haben in der Regel eine
kardiovaskuläre Begleiterkrankung wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit
oder Herzinsuffizienz. Nicht alleine deshalb ist die kardiovaskuläre Sicherheit
der Medikamente in das Zentrum des Interesses gerückt.
Seitdem Rofecoxib weltweit vom Markt genommen wurde, stellen sich Ärzte,
Behörden und vor allem die Presse die Frage, ob es sich bei den möglichen
kardiovaskulären Nebenwirkungen um ein spezifisches Problem von Rofecoxib
oder um einen Klasseneffekt handelt. Experimentelle Daten lassen vermuten, dass
COX-2-Hemmer vom Sulfon-Typ sich von denen vom Sulfonamid-Type unterscheiden
und zwar auf mehren Ebenen. "Andererseits, neben der Hemmung des Arachidonsäure-Stoffwechse,l
interagieren einige Substanzen, und speziell Celecoxib, mit dem L-Arginin/Natriumoxid-Stoffwechsel
und dem JNK-Pathway in sehr günstiger Weise", sagte Dr. Ruschitzka.
Leider gibt es aber derzeit keine vernünftige Studie mit kardiovaskulären
Patienten, die einerseits das kardiovaskuläre Risiko untersucht und andererseits
den möglicherweise günstigen Effekten der Senkung des C-reaktiven
Proteins nachgeht. "Und auch die kardiovaskuläre Sicherheit der NSAR
ist in keiner solchen Studie belegt", sagte Dr. Ruschitzka. Die meisten
NSAR zeigen ein leicht erhöhtes kardiovaskuläres Risiko verglichen
mit Plazebo oder Celecoxib. Die zur Verfügung stehenden randomisierten
Studien leiden unter der Tatsache, dass die randomisierten Patienten nur relativ
kleine kardiovaskuläre Ereignisse erlebt haben, was die Analyse schwierig
macht.
"Eine grosse Metaanalyse lässt vermuten, dass Celecoxib kein erhöhtes
Risiko für Herzinfarkt hat, verglichen mit Plazebo und NSAR, und dass Celecoxib,
verglichen mit NSAR, klar eine verminderte Inzidenz für Schlaganfall hat",
meinte Dr. Ruschitzka. Der Experte mahnte weiterhin, nicht zu vergessen, dass
NSAR im Allgemeinen den Blutdruck erhöhen und es zu Wasser- und Salzeinlagerung
kommen kann.
Dr. Ruschitzka fordert, dass jetzt eine grosse randomisierte Studie durchgeführt
wird, die die neuen Coxibe mit den traditionellen NSAR vergleicht, und zwar
bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko. Idealerweise sollte
so eine Studie eine Plazebogruppe einschliessen. Anhörungen bei der europäischen
EMEA in London und der FDA in den USA lassen auf einen Start hoffen.
Dr. Jan Steffel, Universität Zürich, stellte eine Studie vor,
die zeigt, dass Celecoxib die Expression des Tissue Factors (TF) mindert und
dessen Aktivität durch Hemmung der JNK-Phosphorylation dämpft, und
zwar unabhängig von der COX-Hemmung. Rofecoxib oder experimentelles Coxib
ist dazu nicht in der Lage. TF ist ein Schlüsselprotein für die Initiation
der Koagulation und spielt eine Rolle in der Pathogenese des akuten Koronarsyndroms.
Pow
Alle
Themen in der Übersicht
|