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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight-Reports vom Cardiology Update 2005
   

Mittwoch, 16.02.2005

Kein Grund auszuruhen
Was auf uns zukommt

DAVOS - "Wir verlängern zwar Leben, doch die KHK-Inzidenz haben wir nicht im Griff", relativiert Professor Dr. Valentin Fuster, Mount Sinai Hospital, New York, am Cardioloy Update 2005 die zwar beachtlichen medizinischen Fortschritte in der Kardiologie. Doch Grund zum Ausruhen gebe es keinen.

 

Die Mortalitätszahlen bei kardiovaskulären Ereignissen sind weltweit am Sinken, die Inzidenz aber mit der Ausbreitung der kardiovaskulären Risikofaktoren aber am Steigen. Übergewicht und Diabetes ortet der ehemalige Präsident der American Heart Association als Hauptproblem unserer Gesellschaft. Waren 1990 noch weniger als 10 % der Amerikaner adipös, sind es zehn Jahre später schon mehr als doppelt so viele geworden.

Grosse Sorgen bereiten ihm die dramatische Zunahme an bereits adipösen Kindern und ihren metabolischen Störungen. Wie lässt sich die schief laufende Entwicklung anpacken? "Wir müssen wieder das zu uns nehmen, was wir vor Jahrzehnten gegessen haben", predigt Prof. Fuster. Studien haben inzwischen hinreichend belegt, dass die altmodische Ernährungweise mit Fisch, Gemüsen, Früchten etc. (siehe weiter unten) das kardiovaskuläre Risiko senkt.

Einfach muss es sein

Auch über das Essen hinaus sollte die kardiovaskuläre Prävention möglichst einfach sein, will man damit Erfolg haben. In den USA nehmen ein Jahr nach dem Herzinfarkt gerade noch 20 % der Patienten ihre verschriebenen Medikamente. Das ist der Stoff, aus dem die "Polypill" kommt. "Prävention, die nicht einfach ist, wird nie Erfolg haben, weil sie gegen die menschliche Natur ist", prophezeit der aus Spanien stammende Kardiologe.

Ein weiterer Punkt, wo Prof. Fuster dringenden Handlungsbedarf sieht, ist die Geschwindigkeit. "Im Moment vergehen etwa drei Stunden, bis ein Herzinfarktpatient zu einer Reperfusion kommt. Wir müssen um hundert Prozent schneller werden", so seine Forderung für die nächsten zehn Jahre. "Wir alle wissen, dass jene 20 % der Herzinfarktpatienten, die es nicht schaffen, in den ersten eineinhalb Stunden versterben", begründet Prof. Fuster seine weitere Forderung an die Zukunft. vh


Essen fürs Herz: Welche Nahrungsmittel das KHK-Risiko senken (nach Prof. Valentin Fuster)

Zutaten Risikoreduktion
Wein 150ml/d 32 %
Fisch 114g 4x/W 14 %
Dunkle Schokolade 100g/d 21 %
Früchte/Gemüse 400g/d 21 %
Knoblauch 2,7g/d 25 %
Mandeln 68g/d 12,5 %


LIFE-Initiative: Nationales Screening Programm (n=4996): Wie dick ist die Schweiz?

  • 10 % adipös
  • 35 % übergewichtig
  • 47 % normalgewichtig
  • 8 % untergewichtig

Diese Studie wurde von der Schweizerischen Herzstiftung 2004 durchgeführt. vh


Kampf gegen die Nikotinsucht
So können Sie helfen

DAVOS - Ringt sich Ihr Patient zu einem Rauchstopp durch, steigt seine Erfolgschance, je mehr Sie ihn unterstützen. Wie ein solcher Support aussehen kann, wurde am Cardiology Update 2005 diskutiert.

Nicht der erste rauchfreie Tag ist der schlimmste während des Nikotinentzugs, sondern die darauf folgenden zwei bis neun Tage. "Bieten Sie ihren aufhörwilligen Patienten an, am zweiten oder dritten Tag in die Praxis zu kommen", rät Dr. Jacques Cornuz vom CHUV Lausanne. Ist der Entschluss mit dem Rauchen aufzuhören einmal gefasst, sollte er nämlich so gut wie möglich unterstützt werden. Nikotinersatz ist dabei eine valable Massnahme, meint der welsche Kollege. Sie erhöht die Bereitschaft zum Aufhören um das doppelte.

"Wenn eine Applikationsform jedoch nicht ausreicht, zögern Sie nicht beispielsweise zum Patch noch den Inhalator oder den Kaugummi dazuzugeben", gibt Dr. Cornuz den Tipp. Kontraindikationen gibt es dafür im Prinzip keine. Einzig bei kürzlich gehabtem Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris, Arrhythmien oder einer Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.

Viele Wege nach Rom

Eine andere Strategie verfolgt die Therapie mit dem Antidepressivum Bupropion, das die positiven Effekte des Rauchens, die Lust sowie die Entzugssymptome reduziert. Mit dem Antidepressivum muss aber vor dem Rauchstopp begonnen werden, da ein paar Tage bis zur vollen Wirkung vergehen. Sind die Nebenwirkungen insbesondere die Insomnie und trockener Mund zu stark, kann eine Dosisreduktion helfen: statt dreimal 150 mg/d kann auf zweimal bzw. einmal 150 mg/d umgestiegen werden. Kontraindiziert ist diese Strategie bei bekannter Epilepsie und Anorexie. Vorsicht geboten ist bei einer Schwangerschaft, sonstiger Antidepressiva- oder Neuroleptikaeinnahme. Gänzlich ineffektiv für eine Rauchstoppunterstützung sind Benzodiazepine, fügt Dr. Cornuz hinzu.

Andere Therapieansätze wie beispielsweise die Impfung oder der Kampf mit den eigenen Waffen sind im Test. Hätte Bill Clinton damals nämlich wirklich inhaliert, hätte er bemerkt, dass Marihuana die Lust zum Essen und zum Rauchen steigert. Dann würde er auch verstehen, dass die Blockade von endocannabinoiden Rezeptoren diese Lust bremsen kann.

Auf diesem Prinzip beruht die viel versprechende Substanz Rimonabant, die momentan in breit angelegten Phase-III-Studien getestet wird. "Im Vergleich zu Plazebo ist die Therapie nach zwei Monaten erfolgreich, wie wir in Lausanne sehen konnten", berichtet der Kollege. Ob der Effekt allerdings für die zwölfmonatige Nachbeobachtungszeit anhält, kann noch nicht gesagt werden, die Studie läuft noch. Das Konzept sei aber interessant, weil mit der Endocannabinoidrezeptor-Blockade der gefürchteten Gewichtszunahme entgegengewirkt werden kann, so der Lausanner Mediziner.

Womit auch immer - eine Absage an die Glimmstängel bringt es bis ins hohe Alter. Die kardiovaskuläre Mortalität kann zwar nach dem 60. Altersjahr nicht mehr beeinflusst werden. Das zeigte die British Doctors Study. Doch die Lebensqualität und und die Lunge werden es trotzdem danken. vh


So kontern Sie Raucher-Ausflüchte

  • Ich rauche gern: Es gibt auch andere Freuden: Geschmack, Fitness
  • Rauchen ist entspannend: Es gibt auch andere Methoden zur Entspannung
  • Ich habe den Willen nicht: Millionen von Raucher habens geschafft, warum nicht auch Sie?
  • Ich bin zu abhängig: Nikotinpflaster oder Kaugummi helfen Ihnen über den Entzug hinweg
  • Ich fürchte mich vor dem Misserfolg: Die meisten Ex-Raucher brauchten zwischen drei und fünf Anläufen
  • Ich habe Angst vor dem Zunehmen: Rauchen ist schädlicher als 3 bis 4 kg zuviel
  • Es ist zu spät zum Aufhören: Rauchstopp bringt in jedem Alter viel
  • Ich rauche ja nur ein paar Zigaretten, das ist nicht gefährlich: Es gibt kein "Nullrisiko" beim Rauchen, auch wenn es nur wenige Zigaretten sind
  • Nicht nötig, ich rauche leichte Zigaretten: Das Risiko ist dasselbe, man zieht einfach mehr an der Zigarette und inhaliert stärker. vh

Herzschutz für Raucher
Schoggi schmiert die Gefässe

DAVOS - Rauchen bleibt zwar ungesund fürs Herz. Doch wer vom Glimmstängel partout nicht lassen kann, kann dem Herzen trotzdem etwas gutes tun. Dreimal täglich vierzig Gramm dunkle Schweizer Schokolade lautet das Geheimnis, das ein Poster am Cardiology Update 2005 enthüllt.

Die antioxidativen Polyphenole, die in Schokolade reichlich enthalten sind, haben einen positiven Einfluss auf das Gefässendothel und die Plättchenreaktivität. Das haben Untersuchungen an gesunden Freiwilligen gezeigt. Ob und welche süssen Antioxidantien bereits angeschlagene Endothelien und hyperreaktive Plättchen von Rauchern verbessern, zeigt der ultimative Schoggitest der Kardiologie vom Zücher Universitätsspital mit schwarzer und weisser Schweizer Schokolade.

25 gesunde chronische Raucher im Alter von durchschnittlich 26 Jahren erhielten für den Test 40 Gramm schwarze oder weisse Schoggi. Der schwarze Stimmungsheber enthielt 74 % Kakao, der weisse 4 %. Bereits zwei Stunden nach dem Schoggigenuss war eine Wirkung zu sehen, allerdings nur bei der dunkeln Fraktion. Im Vergleich zu vorher verdoppelte sich der mit Ultraschall gemessene durchflussabhängige Dialation nahezu und die stressabhängige Plättchenadhäsion sank ebenfalls signifikant. Und der antioxidative Effekt gegen den Gefässstress hielt für acht Stunden an.

Verteilen Raucher demnach ihren bittersüssen Schoggigenuss auf dreimal täglich vierzig Gramm, gönnen sie ihren Gefässen sozusagen einen Dauerschutz. Das einzige Problem dabei: Die zusätzlichen 665 kcal der täglichen 120 Gramm Schokolade müssen müssen anderswo irgendwie eingespart oder bei einer Stunde Jogging abverdient werden. vh

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