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Overnight-Reports
vom Cardiology Update 2005
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Mittwoch,
16.02.2005
Kein Grund auszuruhen
Was auf uns zukommt
DAVOS
- "Wir verlängern zwar Leben, doch die KHK-Inzidenz haben wir
nicht im Griff", relativiert Professor Dr. Valentin Fuster, Mount
Sinai Hospital, New York, am Cardioloy Update 2005 die zwar beachtlichen
medizinischen Fortschritte in der Kardiologie. Doch Grund zum Ausruhen
gebe es keinen.
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Die Mortalitätszahlen
bei kardiovaskulären Ereignissen sind weltweit am Sinken, die Inzidenz
aber mit der Ausbreitung der kardiovaskulären Risikofaktoren aber am Steigen.
Übergewicht und Diabetes ortet der ehemalige Präsident der American
Heart Association als Hauptproblem unserer Gesellschaft. Waren 1990 noch
weniger als 10 % der Amerikaner adipös, sind es zehn Jahre später
schon mehr als doppelt so viele geworden.
Grosse Sorgen bereiten
ihm die dramatische Zunahme an bereits adipösen Kindern und ihren metabolischen
Störungen. Wie lässt sich die schief laufende Entwicklung anpacken?
"Wir müssen wieder das zu uns nehmen, was wir vor Jahrzehnten gegessen
haben", predigt Prof. Fuster. Studien haben inzwischen hinreichend belegt,
dass die altmodische Ernährungweise mit Fisch, Gemüsen, Früchten
etc. (siehe weiter unten) das kardiovaskuläre Risiko senkt.
Einfach muss
es sein
Auch über
das Essen hinaus sollte die kardiovaskuläre Prävention möglichst
einfach sein, will man damit Erfolg haben. In den USA nehmen ein Jahr nach dem
Herzinfarkt gerade noch 20 % der Patienten ihre verschriebenen Medikamente.
Das ist der Stoff, aus dem die "Polypill" kommt. "Prävention,
die nicht einfach ist, wird nie Erfolg haben, weil sie gegen die menschliche
Natur ist", prophezeit der aus Spanien stammende Kardiologe.
Ein weiterer Punkt,
wo Prof. Fuster dringenden Handlungsbedarf sieht, ist die Geschwindigkeit. "Im
Moment vergehen etwa drei Stunden, bis ein Herzinfarktpatient zu einer Reperfusion
kommt. Wir müssen um hundert Prozent schneller werden", so seine Forderung
für die nächsten zehn Jahre. "Wir alle wissen, dass jene 20 %
der Herzinfarktpatienten, die es nicht schaffen, in den ersten eineinhalb Stunden
versterben", begründet Prof. Fuster seine weitere Forderung an die
Zukunft. vh
Essen fürs Herz: Welche Nahrungsmittel das KHK-Risiko senken (nach Prof.
Valentin Fuster)
| Zutaten |
Risikoreduktion |
| Wein 150ml/d |
32 % |
| Fisch 114g
4x/W |
14 % |
| Dunkle Schokolade
100g/d |
21 % |
| Früchte/Gemüse
400g/d |
21 % |
| Knoblauch
2,7g/d |
25 % |
| Mandeln 68g/d |
12,5 % |
LIFE-Initiative: Nationales Screening Programm (n=4996): Wie dick ist die
Schweiz?
- 10 % adipös
- 35 % übergewichtig
- 47 % normalgewichtig
- 8 % untergewichtig
Diese Studie wurde
von der Schweizerischen Herzstiftung 2004 durchgeführt. vh
Kampf gegen die Nikotinsucht
So können Sie helfen
DAVOS
- Ringt sich Ihr Patient zu einem Rauchstopp durch, steigt seine Erfolgschance,
je mehr Sie ihn unterstützen. Wie ein solcher Support aussehen kann, wurde
am Cardiology Update 2005 diskutiert.
Nicht
der erste rauchfreie Tag ist der schlimmste während des Nikotinentzugs,
sondern die darauf folgenden zwei bis neun Tage. "Bieten Sie ihren aufhörwilligen
Patienten an, am zweiten oder dritten Tag in die Praxis zu kommen", rät
Dr. Jacques Cornuz vom CHUV Lausanne. Ist der Entschluss mit dem Rauchen
aufzuhören einmal gefasst, sollte er nämlich so gut wie möglich
unterstützt werden. Nikotinersatz ist dabei eine valable Massnahme, meint
der welsche Kollege. Sie erhöht die Bereitschaft zum Aufhören um das
doppelte.
"Wenn
eine Applikationsform jedoch nicht ausreicht, zögern Sie nicht beispielsweise
zum Patch noch den Inhalator oder den Kaugummi dazuzugeben", gibt Dr. Cornuz
den Tipp. Kontraindikationen gibt es dafür im Prinzip keine. Einzig bei
kürzlich gehabtem Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris, Arrhythmien
oder einer Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.
Viele
Wege nach Rom
Eine
andere Strategie verfolgt die Therapie mit dem Antidepressivum Bupropion, das
die positiven Effekte des Rauchens, die Lust sowie die Entzugssymptome reduziert.
Mit dem Antidepressivum muss aber vor dem Rauchstopp begonnen werden, da ein
paar Tage bis zur vollen Wirkung vergehen. Sind die Nebenwirkungen insbesondere
die Insomnie und trockener Mund zu stark, kann eine Dosisreduktion helfen: statt
dreimal 150 mg/d kann auf zweimal bzw. einmal 150 mg/d umgestiegen werden. Kontraindiziert
ist diese Strategie bei bekannter Epilepsie und Anorexie. Vorsicht geboten ist
bei einer Schwangerschaft, sonstiger Antidepressiva- oder Neuroleptikaeinnahme.
Gänzlich ineffektiv für eine Rauchstoppunterstützung sind Benzodiazepine,
fügt Dr. Cornuz hinzu.
Andere
Therapieansätze wie beispielsweise die Impfung oder der Kampf mit den eigenen
Waffen sind im Test. Hätte Bill Clinton damals nämlich wirklich inhaliert,
hätte er bemerkt, dass Marihuana die Lust zum Essen und zum Rauchen steigert.
Dann würde er auch verstehen, dass die Blockade von endocannabinoiden Rezeptoren
diese Lust bremsen kann.
Auf
diesem Prinzip beruht die viel versprechende Substanz Rimonabant, die momentan
in breit angelegten Phase-III-Studien getestet wird. "Im Vergleich zu Plazebo
ist die Therapie nach zwei Monaten erfolgreich, wie wir in Lausanne sehen konnten",
berichtet der Kollege. Ob der Effekt allerdings für die zwölfmonatige
Nachbeobachtungszeit anhält, kann noch nicht gesagt werden, die Studie
läuft noch. Das Konzept sei aber interessant, weil mit der Endocannabinoidrezeptor-Blockade
der gefürchteten Gewichtszunahme entgegengewirkt werden kann, so der Lausanner
Mediziner.
Womit
auch immer - eine Absage an die Glimmstängel bringt es bis ins hohe Alter.
Die kardiovaskuläre Mortalität kann zwar nach dem 60. Altersjahr nicht
mehr beeinflusst werden. Das zeigte die British Doctors Study. Doch die
Lebensqualität und und die Lunge werden es trotzdem danken. vh
So kontern Sie Raucher-Ausflüchte
- Ich
rauche gern: Es gibt auch andere Freuden: Geschmack, Fitness
- Rauchen
ist entspannend: Es gibt auch andere Methoden zur Entspannung
- Ich
habe den Willen nicht: Millionen von Raucher habens geschafft, warum nicht
auch Sie?
- Ich
bin zu abhängig: Nikotinpflaster oder Kaugummi helfen Ihnen über
den Entzug hinweg
- Ich
fürchte mich vor dem Misserfolg: Die meisten Ex-Raucher brauchten zwischen
drei und fünf Anläufen
- Ich
habe Angst vor dem Zunehmen: Rauchen ist schädlicher als 3 bis 4 kg zuviel
- Es
ist zu spät zum Aufhören: Rauchstopp bringt in jedem Alter viel
- Ich
rauche ja nur ein paar Zigaretten, das ist nicht gefährlich: Es gibt
kein "Nullrisiko" beim Rauchen, auch wenn es nur wenige Zigaretten
sind
- Nicht
nötig, ich rauche leichte Zigaretten: Das Risiko ist dasselbe, man zieht
einfach mehr an der Zigarette und inhaliert stärker. vh
Herzschutz
für Raucher
Schoggi schmiert die Gefässe
DAVOS
- Rauchen bleibt zwar ungesund fürs Herz. Doch wer vom Glimmstängel
partout nicht lassen kann, kann dem Herzen trotzdem etwas gutes tun. Dreimal
täglich vierzig Gramm dunkle Schweizer Schokolade lautet das Geheimnis,
das ein Poster am Cardiology Update 2005 enthüllt.
Die antioxidativen Polyphenole, die in Schokolade
reichlich enthalten sind, haben einen positiven Einfluss auf das Gefässendothel
und die Plättchenreaktivität. Das haben Untersuchungen an gesunden
Freiwilligen gezeigt. Ob und welche süssen Antioxidantien bereits angeschlagene
Endothelien und hyperreaktive Plättchen von Rauchern verbessern, zeigt
der ultimative Schoggitest der Kardiologie vom Zücher Universitätsspital
mit schwarzer und weisser Schweizer Schokolade.
25
gesunde chronische Raucher im Alter von durchschnittlich 26 Jahren erhielten
für den Test 40 Gramm schwarze oder weisse Schoggi. Der schwarze Stimmungsheber
enthielt 74 % Kakao, der weisse 4 %. Bereits zwei Stunden nach dem Schoggigenuss
war eine Wirkung zu sehen, allerdings nur bei der dunkeln Fraktion. Im Vergleich
zu vorher verdoppelte sich der mit Ultraschall gemessene durchflussabhängige
Dialation nahezu und die stressabhängige Plättchenadhäsion sank
ebenfalls signifikant. Und
der antioxidative Effekt gegen den Gefässstress hielt für acht Stunden
an.
Verteilen
Raucher demnach ihren bittersüssen Schoggigenuss auf dreimal täglich
vierzig Gramm, gönnen sie ihren Gefässen sozusagen einen Dauerschutz.
Das einzige Problem dabei: Die zusätzlichen 665 kcal der täglichen
120 Gramm Schokolade müssen müssen anderswo irgendwie eingespart oder
bei einer Stunde Jogging abverdient werden. vh
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