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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





 

Overnight Reports vom Congress of the Collegium Internationale Neuro-Psychopharmacologicum aus Paris (CINP), Juni 2004


 

 

Was hindert Depressive am Suizid?

PARIS - Europaweit sind die Zahlen im Steigen begriffen. In den letzten zwölf Monaten nahmen sich 43 000 Personen das Leben, 700 000 versuchten es. Vor allem unter jungen Leuten sei der Anstieg alarmierend, so Professor Dr. Stuart Montgomery, Imperial College University of London. Oft steckt eine unbehandelte Depression dahinter.

15 % der Depressiven begehen Selbstmord, 60 % von ihnen sind erfolgreich. Drei Viertel der Patienten kann mit entsprechender Therapie geholfen werden - sofern man die Dringlichkeit vorher erkennt. Der zuverlässigste Prädiktor ist ein bereits erfolgter Selbstmordversuch. Fehlt dieser Anhaltspunkt, wird es schwierig. "Nebenbei hingeworfene Bemerkungen über beispielsweise Schlafstörungen müssen hellhörig machen", meint Prof. Montgomery. Denn die Depression ist seiner Meinung nach sträflichst unterbehandelt. "Bei unbehandelten ist das Suizidrisiko doppelt so hoch wie bei behandelten", sagt er weiter. Doch nicht jede Therapie tut hier gutes.

Maprotilin und Amitryptilin beispielsweise helfen nicht. Im Gegenteil: In plazebokontrollierten Studien gab es unter Verum mehr Ereignisse. Auch die Kurzzeit-Psychotherapie begünstigt die Todesgedanken, so der britische Experte. Das sei aber nicht unerwartet, schliesslich sei die Provokation Teil der Psychotherapie. Welche Behandlung kann also die fatale Tat verhindern?

In der Regel reduzieren SSRI Todessehnsüchte bei depressiven Patienten ganz zuverlässig. Die Gedanken werden unter den SSRI im Allgemeinen auch mit der Zeit nicht düsterer. "Aber achten Sie auf die Dosierung - vor allem bei Kindern. Die Erwachsenendosis scheint bei jungen Depressiven eher zu mehr Versuchen zu führen", berichtet der Experte von britischen Erfahrungen.

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Schizophrene in Behandlung - Achten Sie auf das Metabolische Syndrom

PARIS - Antipsychotika sind in der Schizophreniebehandlung nicht mehr wegzudenken. Unter den Psychopharmaka haben sich die atypischen Neuroleptika mittlerweile aufgrund ihrer geringeren extrapyramidalen Nebenwirkungen einen Platz in der Behandlung erobert. Nun mehrt sich aber die Erkenntnis, dass im Zusammenhang mit einer Neuroleptikatherapie der zweiten Generation mit einem Metabolischen Syndrom gerechnet werden muss. Und das erhöht das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko.


Eine grössere prospektive belgische Überwachungsstudie unter der Leitung von Dr. D. Van Eyck, Universitätszentrum Sint-Jozef, Kortenberg, untersucht nun diesen Zusammenhang. Momentan sind Daten von 200 nichtdiabetischen, durchschnittlich 37-jährigen, seit mindestens neun Monaten in Therapie stehenden Psychotikern zur Verfügung. Laufend kommen mehr dazu.
Die Teilnehmer werden auf das Metabolische Syndrom hin untersucht. Zusätzlich wird noch ein EKG und ein Glukosetoleranztest durchgeführt. Ein Metabolisches Syndrom wird diagnostiziert, wenn drei von fünf Parameter erhöht sind: Triglyzeride >150 mg/dl, Bauchumfang >102 cm bei Männern bzw. 88 cm bei Frauen, HDL >40 mg/dl, Blutdruck >130/85 mmHg, Nüchternglukose >110 mg/dl.

Von den bisherigen Teilnehmern stehen folgende Daten zur Verfügung: 88 % der Schizophrenen Teilnehmer erhalten atypische Neuroleptika wie Clozapin, Olanzapin, Risperidon, Quetiapin und Amisulpirid. Bei 27 % der Teilnehmer konnte ein Metabolisches Syndrom diagnostiziert werden. Spitzenreiter der erhöhten Parameter sind vor allem die Hypertriglyzeridämie (44 %), die Hypertonie (42 %) und zuviel Bauchspeck (39 %)
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Dass dem Phänomen mehr Aufmerksamkeit gezollt werden muss, hat sich herumgesprochen. Deshalb wurde kürzlich in einer Konsensuskonferenz der American Psychiatric Association und der American Diabetes Association ein Monitoringprogramm für Schizophreniepatienten unter atypischen Neuroleptika verabschiedet.

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Ist die vaskuläre Depression eine neue Krankheit?

PARIS - Vor nicht allzu langer Zeit kam die Erkenntnis auf, dass die Depression ein eigenständiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse ist. Nun steht die Frage im Raum, ob umgekehrt auch ein Schuh daraus wird. Vaskuläre Faktoren als Vorläufer einer Depression?

Im Durchschnitt entwickeln 10 % aller älteren Personen eine Depression. Gleichzeitig verdoppeln sich die Todesraten von vaskulären Erkrankungen zwischen 65 und 75 Jahren. Mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen hat eine Hypertonie. Besteht hier ein Zusammenhang?

MRI-Untersuchungen konnten feststellen, dass die weisse Substanz bei alten Depressiven, deren Gemütserkrankung erst nach dem 40igsten Altersjahr begonnen hat, im Gegensatz zu nicht depressiven Alten "hyperintensiv" verändert ist. Die Progression dieser weissen Hirnsubstanz-Läsionen sind ebenso gute Prädiktoren für eine Depression, wie sie die Veränderung der grauen Hirnsubstanz für eine Demenz ist, meint Dr. R. Krishnan, vom Department of Psychiatry and Behavioral Sciences, Duke University Medical Center, Durham, USA.
Diese Veränderungen sind eine Folge von zu niedriger zerebraler Perfusion und wurden aber auch bei spät auftretender Schizophrenie, Alzheimer und Multipler Sklerose gesehen.

Bewiesen ist noch nichts, doch sei es allemal naheliegend, dass eine spät beginnende Depression eine Folge von vaskulären Beeinträchtigungen ist, meint der Psychiater. Die Risikofaktoren könnten also durchaus dieselben sein: Alter, Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie und Rauchen. Bei allen Spätdepressiven deshalb ein MRI durchzuführen, ist jedoch viel zu teuer, gibt der Experte zu bedenken. Aber soviel lässt sich seiner Meinung nach tun: "Wenn Sie einen alten depressiven Patienten vor sich haben, klären Sie ihn kardiovaskulär ab. Sehen Sie einen alten Herzpatienten, vergessen Sie nicht, nach einer Depression zu suchen.

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Wie steht es mit ADHD bei europäischen Kindern?
ADORE-Studie zeichnet das aktuelle Bild

PARIS - Wenn das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS oder ADHD) nicht diagnostisch erfasst und korrekt behandelt wird, ist damit zu rechnen, dass bei betroffenen Kindern in der Schule Probleme auftauchen. Erste Daten der ADORE-Studie (Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Observational Research in Europe) zeigen, dass die Eltern meist schon frühzeitig die Symptome bemerken und ärztliche Hilfe suchen. In Posterform berichtete die ADORE Study Group am 24. CINP-Kongress über 1458 Kinder mit ADHD aus 10 europäischen Ländern. Die Studie wird von der Firma Eli Lilly unterstützt.

Die ADORE-Studie ist eine prospektive, longitudinale, nicht-interventionelle Beobachtungsstudie, die während zwei Jahren in 10 europäischen Ländern durchgeführt wird. Es werden Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren eingeschlossen, wenn der Arzt Symptome von Hyperaktivität, Impulsivität oder Unaufmerksamkeit feststellt. Die Studie schreibt keine spezielle Behandlung vor, sondern registriert in naturalistischer Weise die vom Arzt und den Eltern gewählte Behandlung und ihre Resultate.

Bisher wurden 1458 Kinder mit ADHD in die Studie aufgenommen, hauptsächlich Knaben (89%). In Deutschland beteiligen sich 392, in Frankreich 255, in der Schweiz 62 Kinder. Das Durchschnittsalter beträgt 9 Jahre. Bei 53% der Kinder sind in der Familienanamnese ADHD-Symptome anzutreffen. Die Eltern bemerkten die ADHD-Symptome erstmals in einem durchschnittlichen Alter von 5,1 Jahren und suchten erstmals professionelle Hilfe, als die Kinder durchschnittlich 7,4 Jahre alt waren. Die Diagnose wurde 1 bis 2 Jahre später gestellt, im Durchschnittsalter von 9 Jahren. Bei der Hälfte der Kinder entstanden erhebliche Probleme im Schulzimmer mit Konsequenzen wie teilweisem Ausschluss vom Unterricht oder Übertritt in eine Spezialschule.

Nachdem die Diagnose gestellt worden war, wurde bei 24% der Kinder eine medikamentöse Therapie, bei 18% eine Psychotherapie und bei 24% eine Kombination von Pharmako- und Psychotherapie begonnen. Bei einigen Kindern wurden noch andere Therapieformen gewählt und bei 19% wurde auf eine Behandlung verzichtet.

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Zusammenhänge zwischen Parkinsonkrankheit und pathologischem Glücksspiel entdeckt

PARIS - Gelegentlich werden Patienten mit idiopathischem Parkinsonsyndrom zu pathologischen Glücksspielern. Was steckt dahinter? Dieser Frage ging eine französische Arbeitsgruppe um D. Drapier in einem Poster am 24. CINP-Kongress nach.

Die Autoren berichten über 6 Parkinsonpatienten, deren Diagnose im Mittel 7.5 Jahre zuvor gestellt worden war. Die durchschnittlich 53 Jahre alten Patienten wurden alle erst nach Beginn der Parkinsonkrankheit zu pathologischen Glücksspielern.

  La Défense
La grande arche in La Défense

Sie frönten ihrer Sucht an Glücksspielautomaten und auf einschlägigen Internetsites. Bei allen Patienten setzte das pathologische Verhalten ein, als die Behandlung mit einem Dopaminagonisten begonnen oder intensiviert wurde. Sobald das Medikament weggelassen wurde, verschwand das pathologische Glücksspielverhalten wieder.

Die Autoren vermuten, dass das Verhalten mit dem dopaminergen Tonus der Parkinsonpatienten gekoppelt ist. Die medikamentöse Therapie hat wahrscheinlich die pathologische Verhaltensänderung ausgelöst.

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Ist Chrom ein Antidepressivum?

PARIS – Neue Untersuchungen sprechen dafür, dass sich Chrompräparate zur Behandlung atypischer Depressionen eignen. In Posterform stellte Dr. John Docherty, Comprehensive Neuroscience, White Plains, NY, USA, am 24. CINP-Kongress eine aktuelle, achtwöchige, randomisierte, plazebokontrollierte Doppelblindstudie zur Chrombehandlung atypischer Depressionen vor.

Atypische Depressionen kommen häufig vor, sie machen ein Viertel bis ein Drittel aller Depressionen aus. Bei atypischen Depressionen ist oft der Appetit erhöht und die Patienten spüren heftiges Verlangen nach Kohlehydraten (stärkehaltige Nahrungsmittel, Süssigkeiten, Schokolade). Sie nehmen an Gewicht zu, schlafen vermehrt, sind müde und energielos und klagen über bleischwere Arme und Beine. SSRI-Antidepressiva sind nur bei einem Teil der Patienten (20 % bis 40 %) mit atypischer Depression wirksam.

113 Patienten mit atypischer Depression beteiligten sich an der Studie. Sie wurden im Verhältnis 2 : 1 randomisiert der Behandlungsgruppe (Chrompicolinat, 72 Patienten) und der Plazebogruppe (41 Patienten) zugewiesen. Insgesamt konnten nach 8 Wochen zwischen beiden Gruppen bezüglich Ansprechen auf die Behandlung (mehr als 50 %-ige Reduktion auf der Hamilton-Depressionsskala) keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Aber Patienten, die ein starkes Verlangen nach Kohlehydraten spürten, sprachen im Vergleich zu Plazebo (33 %) doppelt so häufig (6 5%) auf die Chromtherapie an.

Eine signifikante Reduktion des Verlangens nach Kohlehydraten konnte bei allen mit Chrom behandelten Patienten festgestellt werden. Nebenwirkungen, auch sexuelle Funktionsstörungen, kamen mit Chrom nicht vor. Chrom scheint also eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsmöglichkeit für diejenigen Patienten mit atypischer Depression zu sein, die heftiges Verlangen nach Kohlehydraten aufweisen.

Chrom verbessert die Insulinsensitivität und verstärkt sekundär die zentrale noradrenerge und serotonerge Aktivität. Wahrscheinlich hat Chrom auch einen Effekt auf Serotonin-2A-Rezeptoren im Gehirn.

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Allergiker am Steuer - Welche Antihistaminika sind gefahrlos?

PARIS - Bekanntlich können Antihistaminika die Bluthirnschranke passieren. Das hat zur Folge, dass sie den Allergiker müde machen können. Bei gefährlichen Tätigkeiten wie beispielsweise Autofahren ist es deshalb wichtig, das Sedationspotential abschätzen zu können.

Die Forscher Dr. Joris C. Verster und Dr. Edmund E. Volkerts, University of Utrecht, Institute for Pharmaceutical Sciences, Utrecht, Holland, wollten wissen, wie sich Erst-, Zweit- bzw. Drittgenerations-Antihistaminika hinter dem Steuer verhalten. In einer Literaturrecherche machten sie sechzehn Studien aus, die einen echten 100 km-Fahrtest auf der Autobahn bei normalem Verkehr im Programm hatten.   Arc de Triomphe
Der Arc de Triomphe wird renoviert


Die Teilnehmer wurden jeweils gebeten, auf der rechten Spur in bestimmtem Abstand zur Mittellinie bei einer konstanten Geschwindigkeit von 95 km/h zu fahren. Gemessen wurde die Spurtreue, d.h. der gefragte Abstand zur Mittellinie in cm, und das "Schlingern" innerhalb der Spur.

Die Antihistaminika der ersten Generation wie Diphenhydramin, Terfenadin, Dexchloropheniramin und Clemastin beeinträchtigten die Fahrweise wie zu erwarten signifikant. Antihistaminika der zweiten Generation wie Cetirizin, Loratadin, Ebastin, Mizolastin, Acrivastin, Emedastin und Mequitazin haben ebenso das Potential, die Fahrfähigkeit zu beeinflussen. Im Vergleich zu den Erstgenerationspräparaten ist die Effektstärke der zweiten Generation laut den Forschern dosis-, geschlechts- und zeitintervallabhängig.
Womit sich jedoch schnurgerade die Spur halten lässt, sind die Drittgenerationsantiallergika Fexofenadin und Levocetirizin. Diese zwei fielen im Fahrtest nicht negativ auf und erhalten deshalb die Empfehlung der holländischen Experten.

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