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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Berichte vom Congress of the Collegium Internationale Neuro-Psychopharmacologicum aus Montréal (2002)

 

Montréal , 28.6.2002

Mit Hydrokortison gegen das Chronic-Fatigue-Syndrom

MONTREAL – Gegen das chronische Fatigue Syndrom ist ein Kraut gewachsen. Ein zartes zwar, aber immerhin. Dr. A. Cleare und Kollegen, Institute of Psychiatriy, London, haben nämlich einen milden Hypocortisolimus bei Patienten mit CFS entdeckt.

In der Annahme, die niedrigen Kortisolspiegel, die sie im 24-Stunden-Urin von 120 CFS-Patienten gefunden hatten, stünden in direkter Beziehung zur Krankheit, unterzogen sie diese Patienten einer plazebo kontrollierten, randomisierten Studie. 5 bis 10 mg Hydrokortison täglich erhielten die Patienten der Verumgruppe.

 

Jazzfestival
Bienvenue zum Jazzfestival

Die Idee bestach. 28% der Patienten mit Kortisonersatz erreichten die Müdigkeitssymptome der Normalbevölkerung. In der Plazebogruppe waren dies 9%. Das Resultat bestätigte sich auch im Spiegel des freien Urinkortisols. In der Verumgruppe war es angestiegen, in der Plazebogruppe nicht.

Auch das Human-Corticotropin-Releasing-Hormon wurde unter die Lupe genommen sowie ein Insulinstresstest durchgeführt. Die beiden Parameter bewegten sich weder in der Plazebo- noch in der Verumgruppe vom Fleck. Das heisst, dass eine niedrig dosierte Kortisonersatztherapie mit Hydrokortison die Symptome zu beheben vermag, ohne eine kompensatorische Suppression auszulösen, so die Forscher. Weiter gehende Studien müssen diese Resultate nun bestätigen.

vh

 

Sind Antidepressiva die Schlafmittel von morgen?

MONTREAL – Vor allem Antidepressiva mit sedierendem Effekt werden immer mehr bei primärer Insomnie eingesetzt. Bis jetzt gibt es wenige klinische Studien, die diesen Einsatz rechtfertigen. Eine weitere wurde an diesem Kongress vorgestellt.

Während vier Wochen erhielten Patienten mit pimärer Insomnie nach dem Zufallspinzip Trimipramin 100 mg, Lometazepam oder Plazebo. Die Wirkung auf die Schlaflosigkeit wurde objektiv per Polysomnograph sowie subjektiv mit diversen Rating Scales punkto Tagesmüdigkeit und Schlafqualität gemessen.

Musik beim Jazzfestival
Musik in der ganzen Stadt

Verglichen mit Plazebo, wirkte das Antidepressivum als Schlafmittel sehr effektiv. Was die Schlafparameter betrifft, so beeinflusste Trimipramin die REM-Phase nicht und hinterliess auch keinen Reboundeffekt nach Absetzen der Therapie. Lormetazepam verkürzte die Wach- sowie die Tiefschlafphase. Dr. U. Vorderholzer, Department of Psychiatry and Psychotherapy, Universität Freiburg i.Br., hält deshalb den Einsatz von sedierend wirkenden Antidepressiva für eine viel versprechende Alternative bei primärer Insomnie.

vh

Schlafentzug hilft Depressiven

MONTREAL – Es mutet zwar etwas seltsam an, doch Schlafentzug bringt den durcheinander gebrachten zirkadianen Rhythmus von Depressiven wieder in normale Bahnen. Vier Stunden Schlaf von 21 bis 1 Uhr nachts heben die Stimmung der Depressiven.

Studien mit 12 Post-partum- und PMS-depressiven Frauen zeigten, dass die depressiven Symptome mit dieser "Wach-Therapie" bei etwa 80% der Patienten um mindestens 50% innerhalb von einem Tag gelindert werden konnten, berichtete Dr. Barabara Perry, University of California, San Diego. Die Wirkung hält mindestens sechs Wochen an, bei 20% der Teilnehmerinnen sogar bis zu zwei Monaten, so Dr. Parry weiter.

 
Jazzfestival
Beim Jazz verfliegt die Depression

Lässt der Effekt nach, kann die Therapie wiederholt werden. Ab ein Uhr nachts müssen sich die Patienten dann irgendwie beschäftigen, um nicht wieder einzunicken. Dr. Parry betonte, dass der Effekt grösser ist, wenn die Patienten ihre vier Stunden Schlaf zwischen neun und ein Uhr nachts abhielten als zwischen drei und sieben Uhr morgens.

Die Methode des Schlafentzugs ist eine gute Alternative für Depressive, die sich nicht für die antidepressive Pharmakotherapie eignen, wie bei diesen Frauen. Andere Studien mit dieser "Wachtherapie" haben gezeigt, dass der Schlafentzug auch bei weiteren Formen der Depression gute Wirkung zeigt, meinte Dr. Parry abschliessend.

 

Alle Themen vom CINP 2002 in der Übersicht

vh

   





 
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