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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Berichte vom Congress of the Collegium Internationale Neuro-Psychopharmacologicum aus Montréal (2002)

 

 


Montréal , 26.6.2002

Olympiastadion
Das Olympiastadion von Montréal, genannt Knochen

 

Antidepressivum reduziert Post-Infarkt-Mortalität

MONTREAL – Dass die Überlebensrate nach einem Herzinfakt bei denjenigen Patienten, die nach dem Ereignis eine Depression entwickeln, massiv reduziert ist, ist seit jüngerer Zeit ins wissenschaftliche Rampenlicht gerückt. Die Depression ist zum handfesten kardiovaskulären Risikofaktor avanciert. Die Frage ist nun, ob eine Depressionsbehandlung dieses Post-MI-Mortalitätsrisiko reduzieren kann.

Die eben fertig gestellte multizentrische SADHEART-Studie (Sertralin Antidepressant Heart Attack Randomized Trial) stellte sich dieser Frage als Pilotstudie, weil eine gross angelegte Studie unethisch wäre, so Studienleiter Prof. Alexander Glassmann, New York. Hauptanliegen waren in dieser Untersuchung die Wirkung und Sicherheit des in dieser Konstellation verabreichten Antidepressivums. Was die Mortalitätsreduktion angeht, so können aufgrund der Resultate Trends abgelesen werden, die in einer gross angelegten Studie bestätigt werden müssen. Die Publikation der SADHEART-Studie ist im JAMA vom Juli 2002 zu erwarten.

400 Patienten mit Herzinfakt oder instabiler Angina erhielten während 24 Wochen doppelblind randomisiert das Antidepressivum Sertralin in flexibler Dosierung von 50 bis 200 mg vs. Plazebo. Die 400 Patienten hatten unterschiedlich schwere Depressionssymptome, waren aber in der Verum- sowie in der Plazebogruppe gleichmässig verteilt. Die Hälfte der Patienten litt an einer milden Depression.

Bei MI-Patienten ohne Depressionsvorgeschichte wirkte das SSRI nicht mehr als Plazebo. Bei wiederholter Depression lässt sich ein Trend erkennen, so Prof. Glassmann: Je schwerer und öfter die Depressionen, desto grösser der Effekt von Sertralin. Die kombinierte Mortalitätsreduktion, die sich aus Tod, MI, Herzinsuffizienz und Angina zusammensetzt, ergibt in dieser Studie 23%. Könnte sich diese Reduktion in nun folgenden grossen Studien bestätigen, wäre etlichen Herzpatienten sehr geholfen.

vh


Nicht der Alkohol bläst dem Alkoholiker das Gehirn weg

MONTREAL – Depressionen können nicht nur aufs Gemüt schlagen, sondern auch die Kognition beeinträchtigen. Bei fast einem Viertel der behandelten Patienten bleibt die kognitive Dysfunktion bestehen.

Depressive Symptome finden sich auch oft bei chronischen Alkoholikern. Dr. Orestes Santos Morales, Memory Clinic, Havana Psychiatric Hospital, wollte sehen, wie sich die Depression bei Alkoholikern auf die Kognition bezogen ausprägt. Zwölf alkoholkranke Patienten wurden erst einer neurokognitiven Untersuchung unterzogen, dann wurden die kognitiven Funktionen gemessen. Die häufigste Störung war die Reduktion der unmittelbaren Merkfähigkeit. Mit Rechnen war auch nicht viel los und die Erinnerungsfähigkeit der Patienten war ebenfalls angeschlagen. Die Handicaps lassen sich korrelieren, so Dr. Morales: Je stärker die depressive Symptomatik beim Alkoholiker ausgeprägt ist, desto angeschlagener sind die Denkfunktionen.

vh


 

Mit Pindolol lässt sich die SSRI-Response beschleunigen

MONTREAL – Bis ein Depressiver auf die Therapie mit den selektiven Serotonin-Reuptake-Hemmern anspricht, vergeht eine gewisse Zeit. Mit Pindolol, einem partiellen Agonisten des 5-HT1A-Rezeptors, kann die Wartezeit verkürzt werden. Nicht alle SSRIs eignen sich jedoch für die Turbovariante.

 
Casino
Das Casino von Montréal

Dr. P. Plenge und Dr. E. Mellerup, Laboratory of Neuropsychiatry, Righospitalet, Dänemark, haben sich der Sache angenommen und getestet, welches der fünf gängigen SSRIs (Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin) sich dafür verwenden lässt.

Dazu massen sie die Plasmakonzentration an freiem SSRI nach Erstverabreichung oder im Steady State. Die Substanzen verhindern zwar alle den 5-HT-Uptake, sind aber in der chemischen Struktur so verschieden, dass auch die Pharmakokinetik ganz unterschiedlich ist. Und auf die kommt es an, so die Forscher. Der 5-HT-Reuptake muss von Anfang an komplett inhibiert sein. Diese Bedingung konnte nur Paroxetin erfüllen. Um sich also mit Pindolol kombinieren zu lassen, scheint sich gemäss ihren Ausführungen Paroxetin als einziges Antidepressivum der SSRI-Klasse für die Schnellstartvariante zu eignen.

vh

Alle Themen vom CINP 2002 in der Übersicht

 

 

 





 
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