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Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Berichte vom diesjährigen Treffen der American Urological Association (2002)
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Orlando , 30.5.2002

Erektile Dysfunktion

Sildenafil erspart diagnostische Tests

ORLANDO - Ein einfacher Test mit Sildenafil erspart vielen Patienten unnötige urologische Untersuchungen, so Dr. John J. Mulcahy, Indianapolis. Auch am diesjährigen Jahreskongress der American Urological Association war die Erektile Dysfunktion und deren Behandlungsmöglichkeiten ein Schwerpunktthema.

 
Conventioncenterblick
Blick vom Convention Center

Untersuchungen wie Doppler-Duplex der Penisgefässe, Kavernosonographien und Kavernosometrien gehörten zur Abklärung der Impotenz. Diese erübrigen sich heute bei 70% der Patienten, berichtete Dr. Mulcahy. Ein einfacher Therapieversuch mit Sildenafil (Viagra) genügt, um zu entscheiden, ob der Patient urologisch untersucht werden muss, so Dr. Mulcahy.

Eine Ausnahme bilden Patienten nach einem Trauma oder bei primärer Impotenz. Diese sollten gleich zu einem Urologen überwiesen werden.

Neben der Suche nach den bekannten Grundkrankheiten (Diabetes, Hypertonie, KHK) gehört zum Management der ED eine endokrinologische Abklärung (Prolaktin, Testosteron), vor allem, wenn zum Symptomkomplex der ED auch ein Libidoverlust und eine Lethargie gehören.

Dr. Anka Stegmeier-Petroianu


 

Dutasterid bei benigner Prostata-Hyperplasie (BPH)

Gleichwertige Alternative zu Finasterid

ORLANDO - Die benigne Prostatahyperplasie gehört zu den häufigsten Ursachen der Blasenentleerungsstörungen bei Männern. Effektive medikamentöse Therapien haben dazu geführt, dass Eingriffe wie transurethrale Resektionen der Prostata (TURP) immer seltener vorgenommen werden. Daten zu dem neuen 5-alpha-Reduktasehemmer Dutasterid präsentierte Dr. Claus Roehrborn, Dallas, am Jahreskongress der American Urological Association.

Das Enzym 5-alpha-Reduktase bewirkt die Reduktion von Testosteron in 5-Alpha-Dihydrotestosteron, das biologisch wirksamste Androgen. Seit kurzer Zeit weiss man, dass dieses Enzym in 2 Isoformen existiert, Isoform 1 in der Leber und Isoform 2 im Urogenitaltrakt. Dutasterid hemmt beide Isoenzyme der 5-alpha-Reduktase. Dadurch verkleinert sich die Prostata, der Harnfluss wird erhöht und die BPH-Symptomatik verbessert.

Das zeigen drei zusammengefasste, von Dr. Roehrborn vorgestellte Studien mit insgesamt 4325 Patienten, die mittelschwere bis schwere Symptome aufwiesen (gemessen am AUA-Symptomscore >12). Berücksichtigt wurden Männer im Alter von über 50 Jahren, deren Prostata ein Volumen von mindestens 30 ml aufwies. Der PSA-Wert der Männer musste zwischen 1,5-10 ng/ml liegen. Die maximale Harnflussrate (Qmax) durfte nicht über 15 ml/s betragen. Diese Einschlusskriterien zeigen, dass nur Patienten mit einer grossen Prostata eingeschlossen wurden, bei denen man die grösste Wirkung erwarten würde.

Ein Studienarm hatte doppelblind 0.5 mg Dutasterid bekommen. Die Patienten im anderen Studienarm nahmen ein Plazebo ein. In der Verumgruppe wurde der Harnfluss der Patienten signifikant erhöht. Auch subjektive Symptome wurden in der behandelten Gruppe deutlich vermindert: der AUA- Symptomscore nahm nach 2 Jahren im Schnitt um 4.5 Punkte ab (Plazebo -2.3).

Das Risiko einer akuten Harnretention wurde durch Dutasterid um 57% gesenkt. Diese Risikoreduktion entspricht genau den Ergebnissen der mit Finasterid durchgeführten PLESS-Studie.

Wie auch bereits von Studien mit Finasterid bekannt, kann die medikamentöse Therapie der BPH einen Einfluss auf die erektile Funktion haben. Auch in dieser Studie bestätigte sich diese Nebenwirkung: Es kam zu einem leichten Anstieg der erektilen Dysfunktion (91 Patienten = 4%) im Vergleich zur Plazebogruppe (46 Patienten = 2%).

Dr. Roehrborn folgerte, dass die beobachteten Ergebnisse auf die ganze Substanzklasse der 5-alpha-Reduktasehemmer übertragbar seien: "Ein klinisch relevanter Vorteil gegenüber Finasterid ist derzeit nicht zu erkennen."

Ob die Beobachtung, dass Dutasterid den Dihydrotestosteron-Spiegel um 90% senkt - Finasterid nur 70% - in der Chemoprävention des Prostatakarzinoms nützlich sein könnte, müssen künftige Studien beantworten.

Von klinischer Relevanz ist auch die Auswirkung auf den PSA-Wert. Wie von Finasterid bekannt, wird der PSA-Wert durch die Therapie beeinflusst. Um diesen Parameter weiter als Screeningmarker  verwenden zu können, muss man den unter Dutasterid-Therapie gemessenen PSA-Wert mit 2 multiplizieren. Das Verhältnis von freiem PSA zu gebundenem PSA wird jedoch nicht beeinträchtigt.

Dr. Anka Stegmeier-Petroianu


 

Erektile Dysfunktion als Indikator für zukünftige KHK

Unbedingt bei der Anamnese berücksichtigen

ORLANDO - "Die Erektile Dysfunktion ist eine weitere Manifestation einer endothelialen Dysfunktion im Rahmen der Atherosklerose. Sie könnte als zuverlässiger Indikator einer zukünftigen koronaren Herzkrankheit dienen", so Dr. Francesco Montorsi, Universität Mailand am Jahreskongress der American Urological Association.

In einer retrospektiven Studie mit 127 männlichen Patienten (Durchschnittsalter 63 Jahre), die aufgrund plötzlicher Thoraxschmerzen auf die Intensivstation eingewiesen worden waren, zeigte sich, dass bei einem signifikanten Teil der Patienten durchschnittlich 53.4 Monate zuvor Erektionsprobleme aufgetreten waren.

Die Diagnose einer koronaren Herzkrankheit wurde bei allen Patienten nach einer koronarangiographischen Abklärung gestellt. Bei 73% der Patienten waren Erektionsprobleme einem Myokardinfarkt oder einer Angina pectoris vorausgegangen.

Die Ergebnisse der Studie überraschen auf den ersten Blick wenig, sind doch Risikofaktoren wie Alter, Rauchen, Diabetes und Dyslipidämien für beide Krankheitsbilder etabliert. Interessant ist jedoch die Chronologie und die Möglichkeit, die ED als frühzeitiges Warnsignal einer kardio-vaskulären Erkrankung zu nutzen.

Dr. Anka Stegmeier-Petroianu

 

 

 

 

 





 
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