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Orlando
, 29.5.2002
Chronische
Prostatitis
Eine Autoimmunerkrankung?
ORLANDO
– Nur wenige Patienten mit der Diagnose Prostatitis leiden an einer Infektion.
Bei der chronischen Form der Prostatitis könnte es sich um eine Autoimmunerkrankung
handeln, so Dr. Richard Alexander, Universität Maryland bei seinem Vortrag
„Prostatitis- What is new“ anlässlich des Jahresmeetings der American
Urological Association.
Nur 5 % der
Patienten mit prostatitischen Symptomen wie Dysurie, urogenitalen Schmerzen
und schmerzhafter Ejakulation leiden an einer bakteriellen Prostatitis
und benötigen eine Antibiose. Die Diagnose stellen die meisten anwesenden
Urologen mit Hilfe einer Kombination aus Urinanalyse und Prostatasekret,
die auch für die Einteilung nützlich sein kann (s.u).
Völlig unnötig, so Dr. Alexander: „Für die Diagnose kann man sich den
üblichen Nachweis des entzündlichen Prostatasekrets sparen“. Ein positiver
Urikult in Verbindung mit den typischen Symptomen reicht aus, um die Diagnose
einer bakteriellen Prostatitis zu stellen.
Für die restlichen
95%, die diesen Symptomenkomplex aufweisen, bleibt die Diagnose klinisch.
Die
Unterteilung in Formen mit oder ohne Leukozyten ist für die Therapie irrelevant.
Die
Therapie ist gegen die Entzündung gerichtet und beinhaltet Cyclooxygenase-
II-Hemmer, eventuell in Verbindung mit einem alpha-1-Rezeptorblocker um
die Blasenentleerungsstörung zu verringern.
Die
Klassifikation des National Institute of Health sieht folgende Einteilung
vor:
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Typ
I
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Akute
bakterielle Prostatitis |
| Typ
II |
Chronische
bakterielle Prostatitis |
| Typ
III (häufigste!) |
Chronische
nicht-bakterielle Prostatitis |
| III
a |
mit
Leukozyten im Prostatasekret nach Massage |
| IIIb
|
ohne
Leukozyten im Prostatasekret |
| IV |
asymptomatische
entzündliche Prostatitis |
Dafür, dass
es sich bei manchen Patienten mit chronischer Prostatitis um eine Autoimmunerkrankung
handeln könnte, spricht der Befund von Zytokinen im Prostatasekret. Künftige
Therapieansätze könnten spezifisch gegen den Tumornekrosefaktor (TNF-a),
ein pro-inflammatorisches Zytokin, gerichtet sein. Die Wirkung von Etanercept,
einem TNF-a-Inhibitor, in der Behandlung der chronischen Prostatitis wird
derzeit in Studien untersucht.
Dr.
Anka Stegmeier-Petroianu
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Therapie
der BPH
Kombination
wirkt besser
ORLANDO
– „Die Studie zur medikamentösen Therapie der benignen Prostatahyperplasie
ist die wichtigste Studie, die am diesjährigen Jahreskongress der
American Urological Association vorgestellt wurde“, so Dr. Claus
Roehrborn, Dallas. Diese unabhängige Studie zeigt, dass die Kombination
des alpha-1-Rezeptorblockers Doxazosin mit dem 5-Alpha-Reduktase-Hemmer
Finasterid die Progression dieser Erkrankung signifikant senkt.
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Die MTOPS-Experten
Dr. Claus Roehrborn, Dr. Kevin McVary und Dr. John Mc Connell |
Die MTOPS-Studie
(Medical Therapy of Prostatic Symptoms) ist eine Studie mit 3047 Patienten
in 17 verschiedenen Zentren. Die Patienten bekamen doppelblind entweder
4 oder 8mg des alpha-1-Rezeptorblockers Doxazosin (Cardura), 5 mg des
5-Alpha-Reduktase-Hemmers Finasterid (Proscar), eine Kombination aus den
beiden Substanzen, oder ein Plazebo über einen medianen Zeitraum von 4.5
Jahren.
Anders als
in früheren, kürzeren Studien, zeigte sich die Kombinationstherapie als
extrem wirksam. Die Progression der Prostatahyperplasie wurde mit der
Kombination um 67% gesenkt. Doxazosin
als Monotherapie bewirkte eine Risikoreduktion für die Progression der
BPH von 39% gegenüber dem Plazebo. Finasterid allein war mit 34% Risikoreduktion
etwas weniger wirksam als der alpha-1-Rezeptorblocker.
Als Kriterien
für die Progression der benignen Prostatahyperplasie galten eine signifikante
Verschlechterung der Symptomatik, das Auftreten rezidivierender Harnwegsinfekte,
eine Harnretention, eine Inkontinenz oder die Indikation für einen operativen
Eingriff. Auch
der von Patienten sehr gefürchtete akute Harnverhalt trat zu 79% weniger
auf unter der Kombinationstherapie.
Professor
John McConnell, Universität Texas, der die Ergebnisse bekanntgab,
folgerte: „Für diejenigen Patienten, die ein hohes Risiko für die Progression
der Prostatahyperplasie haben, ist die Kombinationstherapie die beste
Lösung“.
Je grösser
das Prostatavolumen, je höher der PSA-Wert und je älter der Patient ist,
desto mehr wird er von der Kombinationstherapie profitieren. Derzeit ist
es jedoch zu früh, um genaue Schwellenwerte für diese Parameter zu empfehlen,
so Prof. Mc Connell.
Dr.
Anka Stegmeier-Petroianu
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