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Overnight
Reports aus Orlando vom 41.
Jahrestreffen der
American Society of Clinical Oncology 2005
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20. Mai 2005
Prognosen durch molekulare Marker erleichtert
Orlando – Die Ergebnisse dreier, am ASCO vorgestellter Studien
zu unterschiedlichen Karzinom-Typen, haben eines gemeinsam: Bei allen
zeigten genetische Marker ihre Nützlichkeit in Bezug auf Prognose
und eine spätere selektive Therapie.
In einer amerikanischen Phase-III-Studie konnten unter der Leitung von Dr.
Michael C. Heinrich, Portland, nach einer Kinase-Genotypisierung sowohl
die Art als auch die Dauer eines Ansprechens auf die Gabe von Imatinib vorhergesagt
werden. Imatinib ist die Standard-Therapie bei metastasierenden gastrointestinalen
Stromatumoren (GIST).
Die Forscher analysierten vor der Behandlung 332 Proben von Patienten mit GIST,
um herauszufinden, ob eine mögliche KIT-Mutation die Wahrscheinlichkeit
des Response auf Imatinib erhöht. KIT-Mutationen und die daraus folgende
Überexpression und Aktivierung des KIT-Proteins sind nicht nur für
die Pathogenese von GIST sondern auch für deren Diagnostik von zentraler
Bedeutung.
Es zeigte sich,
dass 324 Patienten KIT-positiv und 8 Kit-negativ waren. Die Gesamtfrequenz der
KIT-Mutationen, so Dr. Heinrich bei seinem Vortrag, sei für KIT-positive
und KIT-negative gleich, jedoch differiere das Spektrum der Mutationen. Die
Wahrscheinlichkeit für ein Ansprechen auf die Behandlung war deutlich besser
für Patienten mit Exon 11-Mutationen als für solche mit Exon 9- oder
gar keinen Mutationen. "Die Anwesenheit einer KIT-Exon 11-Mutation war
der beste Prädiktor für einen objektiven Response" sagte Heinrich.
In einer zweiten Studie sollte der prognostische Effekt des Verlustes der Heterozygosität
(LOH) auf Chromosom 11q bei Neuroblastom untersucht werden. Hierfür wurden
von Dr. Edward F. Attiyeh, Philadelphia, und seinen Kollegen, über
Mikrosatelliten 915 Neuroblastom-Fälle auf 11q LOH analysiert und in die
Auswertung genommen.
In 17% der Fälle wurde ein Verlust bei 11q LOH festgestellt, was eine Allel-Imbalance
bedeutete. Weiteren 17% fehlten beide Allele und 66% der Patienten wiesen keinen
Verlust auf. Eine Imbalance bei 11q LOH war mit einer signifikanten Abnahme
der Überlebensrate assoziiert. In Zukunft wird daher daran gedacht, eine
solche Diagnose als prognostischen Marker zu verwenden.
Schliesslich präsentierte Dr. Alan F. List, Tampa, Florida,
eine multizentrische Phase-II-Studie, in der man die Sicherheit und
hämatologische Aktivität von Lenalidomid prüfen wollte.
Teilnehmer waren Patienten mit transfusionsbedingter Anämie und
niedrigem oder mittlerem MDS-Risiko und der Deletion 5q31.1 - der häufigsten
Chromosomen Abnormität bei MDS. Unter MDS (Myelodysplastisches
Syndrom) werden eine Reihe von Stammzell-Erkrankungen zusammengefasst,
die meist bei Patienten zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr auftreten.
Von den 148 Patienten
(mittleres Alter: 71 Jahre) besassen 73% die Deletion 5q31.1. Nach einer mittleren
Zeit von 4,4 Wochen war ein Ansteigen des Hämoglobinspiegels zu verzeichnen,
nach 24 Wochen konnte bei 97 Patienten (66%) auf Transfusionen verzichtet werden.
Der Median für eine dauerhafte Unabhängigkeit von Bluttransfusionen
betrug 47 Wochen.
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Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Duffner
Molekular gerichtete Substanzen für molekular definierten Patienten
Das Zeitalter einer molekular gerichteten Krebstherapie ist da
ORLANDO – "Wir wissen nicht nur, dass Krebserkrankungen mit
Kinaseveränderungen auf Kinasehemmer reagieren, sondern auch, dass
Mutationen in anderen Pathways diese Reaktion abschwächen können",
so die Aussage von Dr. Charles L. Sawyers, University of California,
Los Angeles. Eine ganze Zahl von kinasebedingten malignen Erkrankungen
werden gegenwärtig mit Kinasehemmern wie Imatinib, Gefitinib and
Erlotinib behandelt.
Die Arbeiten von Dr. Sawyers befassen sich mit der Suche nach molekularen
Markern, um Responder auf Kinaseinhibitoren zu identifizieren, sowie
mit der Erforschung von Mechanismen für eine Kinaseabhängigkeit.
Seine Untersuchungen auf dem Gebiet der Glioblastome haben bewiesen,
dass weder eine Mutation noch eine Amplifikation des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors
(EGFR) mit einer klinischen Reaktion zu tun hat.
Vielmehr
hat das molekulare Sequencing gezeigt, dass die EGFR-Variante III (eine
extrazelluläre Domäne) sowie die Expression von PTEN (Teil
des Phosphatidylinositol 3-Kinase Pathway, PI3K) eine Reaktion vorhersagen,
und dass eine Ko-Expression beider hohen prädiktiven Wert besitzt.
Nach
der Entdeckung, dass Pathway-Mutationen die Sensitivität von Kinaseinhibitoren
beeinflussen, konnten die Forscher in Dr. Sawyers Labor indirekte Mechanismen
einer Kinaseabhängigkeit bei einer Zahl von präklinischen
Modellen mittels Rapamycin dokumentieren. Diese Arbeit mündete
in eine klinische Phase-I-Studie für Patienten mit Glioblastomen.
Die Ergebnisse waren vielversprechend und zeigten eine verminderte Tumorzellproliferation.
Deshalb hat jetzt Novartis eine Phase-II-Studie mit einem Rapamycin-Analogon
initiiert.
Ein
grösseres Handikap für diese Studien stellt die Komplexität
der Assays dar. "Was wir benötigen", so Dr. Sawyers,
"sind pathwayspezifische Diagnostika, die hochgenau, robust für
den klinischen Alltag und benutzerfreundlich sind." Ferner sollten
sie serienmässig wiederholbar sein." Solche diagnostische
Assays werden wahrscheinlich Serummarker oder Imagingproben sein.
"40
Jahre hat es gedauert", so Dr. Sawyer, "von der ersten Beschreibung
des Philadelphia Chromosoms bis zur klinischen Reife von Imatinib zur
Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie." Gewaltig
jedoch waren die Forschritte seit seiner Einführung vor fünf
Jahren. Dr. Sawyer: "In der Tat ist das Goldene Zeitalter für
eine experimentelle Krebstherapie angebrochen, und wir habe die beispiellose
Möglichkeit, wirkliche Fortschritte zu erzielen." Noch stecken
enorme Herausforderungen in der Realisierung des vollen Potentials einer
zielgerichteten Therapie, und der wichtigste nächste Schritt ist,
molekular gerichtete Substanzen mit molekular definierten Patienten
zu verbinden.
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Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Alexander Schulz
Childhood
Cancer Survivor Study
Überlebende Kinder häufiger chronisch krank
ORLANDO – Ist lebenslanges Siechtum der Preis für eine Behandlung?
Die Ergebnisse der Childhood Cancer Survivor Studie zeigen, dass die
Überlebenden einer Krebserkrankung in der Kindheit ein viermal
höheres Risiko für eine schwere chronische beziehungsweise
lebensbedrohliche Erkrankung im Vergleich zu Geschwistern haben, die
nicht an Krebs erkrankt waren.
Überlebende von einer Krebserkrankung in der Kindheit leiden später
an einer Vielfalt von chronischen Erkrankungen, die bis zu einer schweren
Behinderung reichen können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse
der Arbeitsgruppe um Dr. K. C. Oeffinger, vorgestellt in Orlando.
Eingeschlossen in diese Arbeit waren überlebende 10'397 Kinder,
die zwischen 1970 und 1986 erkrankt waren, verglichen wurde ihr Gesundheitsstatus
mit dem von insgesamt 3'034 Geschwistern.
Im
Ergebnis litten von den ehemaligen Krebspatienten 85% an mindestens
einer chronischen Erkrankung. Im Alter von 45 Jahren litten 37,4% an
einer Erkrankung 4. Grades. Dazu zählten: Erneute maligne Neoplasie,
Herzinfarkt oder Bypass-Operation, Herztransplantation, Dialyse oder
Nierentransplantation oder geistige Retardierung. Bei den Geschwistern
litten gerade einmal 4,6% an einer Erkrankung 4. Grades. Das Risiko
für die eheamligen Krebspatienten war also fünfmal höher.
©
Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Alexander Schulz
Patienteninformation
"Herr Doktor, Wie lange habe ich noch zu leben?"
ORLANDO – Zwar kennen die meisten onkologisch tätigen Ärzte
die Prognose ihrer Patienten, aber nur wenige tun sich nicht schwer
mit der Schätzung, wie lang sie noch zu leben haben. Dazu Dr. Christopher
K. Daugherty, der eine Studie darüber präsentierte: "
Die Ärzte sind nicht fähig, eine genau prognostische Information
zu geben, und die Patienten wiederum überschätzen häufig
ihre Überlebenszeit."
Zu diesem Ergebnis kamen Dr. Daugherty und Dr. Fay J. Hlubocky
von der Universität Chicago nach einer Befragung von 1'200 in den
USA lebenden ASCO-Mitgliedern, wie sie mit ihren Patienten kommunizieren,
wenn "der Tod in den nächsten sechs bis zwölf Monaten
zu erwarten sei".
559 (64%) der Befragten antworteten, dass sie ihren Patienten sagten, dass die
Krebserkrankung wahrscheinlich ihren Tod zur Folge haben wird. Aber nur 5% von
ihnen sagten, dass sie Ihren Patienten auch mitteilten, wie lange sie nach ihrer
Schätzung noch zu leben hätten.
Andererseits
wünschten 75 dieser 559 Ärzte eine Schätzung ihrer Überlebenszeit,
wenn sie selbst an einem terminalen Krebs erkrankt seien.
Ferner erklärten nur 27% der Onkologen, dass sie geschult seien, über
die Prognose mit ihren Patienten zu sprechen und 80% sagten, sie hätten
kein Training erfahren, oder aber die Schulung hätte nicht ausgereicht.
"Besonders bemerkenswert war die Ambivalenz", so Dr. Daugherty, "über
das was sie sagen, wie sie es sagen und wann sie es Patienten sagen sollten."
©
Medical Tribune-Online Schweiz, Dr. Alexander Schulz
Statine
senken Brustkrebs-Risiko
ORLANDO – Wer Statine einnimmt, läuft ein um 51% reduziertes
Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das ist das Resultat einer retrospektiven
Fall-Kontrollstudie mit 40'421 Frauen im mittleren Alter von 58 Jahren.
Wie Dr. Vikas Khurana aus Shreveport/Louisiana am ASCO-Jahrestreffen
berichtete, nahmen 11,8% (4771) der analysierten Patientinnen Statine.
Insgesamt 556 Fälle von Mamma-Karzinom wurden in der Studie dokumentiert.
Das Risiko (Odds Ratio) für die Entwicklung von Brustkrebs betrug
für Frauen unter Statin-Therapie 0,49, was einer relativen Risikoreduktion
um 51% entspricht. Die statistischen Daten waren bereinigt für
die potenziellen Kovarianten Alter, Alkoholkonsum, Rauchen und Diabetes.
Da die verschiedenen geplanten Subgruppen-Analysen noch nicht vorlagen, konnte
der Referent die Frage nicht beantworten, ob und inwieweit die Lipidspiegel
oder die verschiedenen Statin-Produkte das Resultat unterschiedlich beeinflussten.
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Medical Tribune-Online Schweiz, Brigitte Richter
Endometrium-Karzinom
Raloxifen halbiert das Risiko
ORLANDO – Raloxifen reduziert das Risiko für die Entwicklung
eines Endometrium-Karzinoms um die Hälfte. Das ist das wichtigste
Resultat einer Bevölkerungs-basierten Fall-Kontrollstudie in Philadelphia.
Frauen, die Tamoxifen einnahmen, hatten im Gegensatz dazu ein um das
Dreifache erhöhtes Risiko für dieses hormonabhängige
Karzinom.
Raloxifen und Tamoxifen zählen zur Gruppe der selektiven Östrogen-Rezeptor
Modulatoren (SERM). Im Gegensatz zu Tamoxifen stimuliert Raloxifen nicht
die Östrogen-Rezeptoren im Endometrium. Eine von Dr. Angela
DeMichele am ASCO 2005 vorgestellte Studie analysierte insgesamt
1921 Patientinnen-Daten (511 Fälle und 1'410 Kontrollen). 3,3%
der Frauen, die Raloxifen einnahmen, hatten ein Endometrium-Karzinom,
verglichen mit 6,6% der Kontrollpersonen. Im Gegensatz dazu entwickelten
6,3% der Frauen, die Tamoxifen einnahmen, ein Endometrium-Karzinom,
verglichen mit 2,4% der Kontrollen.
Der protektive Effekt von Raloxifen zeigte sich besonders innerhalb der ersten
drei Jahre, war jedoch auch langzeitig nachweisbar, wie die Referentin erklärte.
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Medical Tribune-Online Schweiz, Brigitte Richter
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