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Willkommen beim 40. Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology , New Orleans, 2004
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9.6.2004
Statine senken das Risiko für Kolonkarzinom
NEW ORLEANS – Im Rahmen einer Studie zur Wirkung der HMG-CoA-Reduktasehemmer bei Herzinfarktpatienten fiel auf, dass in der Statingruppe das Risiko für Kolonkarzinom gesenkt zu sein schien. Eine Fall-Kontrollstudie ging dieser Frage nun gezielter nach. Sie wurde am ASCO von Dr. Jenny N. Poynter, Universität von Michigan in Ann Arbor, präsentiert.
Eine epidemiologische Studie lieferte die Daten zu Patienten mit kolorektalem Karzinom (CRC). Sie umfasste 1608 israelische Patienten der Molecular Epidemiology of Colorectal Cancer Study. 1734 Personen dienten als Kontrollen, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft mit den Karzinompatienten gepaart wurden. Neben Fragen zur Ernährung, Familienanamnese, Vorsorgeuntersuchungen, körperlicher Aktivität etc. wurde die Einnahme von Statinen ermittelt. Den Untersuchern kam es gezielt auf die Patienten an, die über mindestens 5 Jahre mit Statinen behandelt worden waren. Das traf auf 8 % (267) Patienten der Karzinomgruppe zu.
Das Risiko lag unter Statineinnahme um 54 % niedriger (95 %-Vertrauensintervall 40-65 %). Nach Korrektur für Faktoren wie Alter, Aspirin- oder NSAR-Einnahme, ethnischer Herkunft, Hypercholesterolämie und Nachweis eines bestimmten protektiven Allels war das Risiko immer noch um 51 % (95 %-Vetrauensintervall 32-64 %) herabgesetzt.
Um festzustellen, ob dies eher am niedrigen Cholesterinspiegel als an der Substanz selbst liegt, untersuchte man auch auf die Auswirkungen eines anderen Cholesterinsenkers, Bezafibrat. Hier liess sich jedoch kein signifikanter Zusammenhang herleiten.
Diese Resultate der Fall-Kontrollstudie fordern dazu auf, weitere kontrollierte Studien zur Chemoprävention des CRC mit HMG-CoA-Reduktasehemmern einzuleiten.
Daran denken
Auch Über-Compliance ist möglich
NEW ORLEANS – Dieses Problem stellt sich nur selten bei chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Hypertonie, aber in der Onkologie sollte der Arzt damit rechnen: Über-Compliance. Professor Dr. Jim Cassidy, Universität Glasgow, streifte dieses Thema anlässlich des ASCO.
Hört ein Patient die Diagnose Krebs, lautet eine seiner ersten Fragen: Wie lange habe ich noch zu leben? Die Motivation, in der Therapie zu kooperieren, ist hier ausgesprochen hoch. Manchmal sogar zu hoch: Erleben die Patienten die unvermeidlichen Nebenwirkungen beispielsweise einer Chemotherapie, wie Durchfall, folgen nicht wenige der Denkweise: „Wenn es spürbar schadet, nutzt es gegen die Krebszellen besonders“. Das sollten die betreuenden Ärzte vor allem bei Behandlungen, die ambulant durchgeführt werden, bedenken. Professor Cassidy rät, sehr genau nach Nebenwirkungen zu fragen, um gegebenenfalls die Dosis auch einmal zu reduzieren oder eine entsprechende Begleittherapie zu veranlassen.
Nichtresezierbares Karzinom im Kopf- und Halsbereich
Neoadjuvante Chemotherapie erfolgreich
NEW ORLEANS - Eine Studie durchzuführen, ist riskant - allzu oft fallen die Ergebnisse negativ aus. Um so mehr freute sich Professor Dr. Jan B. Vermorken, Universitätsklinik Antwerpen, am ASCO ein positives Studienresultat bei einem besonders schwierigen Krankheitsbild vorstellen zu können. Neoadjuvante Chemotherapie mit Docetaxel kann eine Tumorprogression signifikant hinauszögern, und sie ermöglicht bei mehr Patienten eine Strahlentherapie. Insgesamt verlängerte sie auch die Überlebenszeit.
Seine Arbeitsgruppe verglich eine Kombinationstherapie unter Einbezug von Docetaxel mit einer Standardtherapie für nichtoperable Karzinome im Kopf- und Halsbereich (squamöse Karzinome). Das Protokoll sah nach beiden Chemotherapie-Schemata eine Strahlentherapie vor.
Gefragt war nach dem progressionsfreien Überleben als primärem Endpunkt, Verträglichkeit und Sicherheit waren sekundäre Endpunkte.
Das Standard-Chemotherapieregime enthielt Cisplatin (100 mg/m2 an Tag 1) und 5 Tage mit einer kontinuierlichen Infusion von 5-Fluorouracil (100 mg/m2 /Tag). Im experimentellen Arm wurden die Cisplatin- und 5-FU-Dosierungen reduziert (Cis 75 mg/m2, 5-FU 750 mg/m2 /Tag), zusätzlich wurde hier Docetaxel in einer Dosis von 75 mg/m2 an Tag 1 gegeben.
Für die sich anschliessende Bestrahlung standen verschiedene Vorgehensweisen zur Verfügung (konventionelle, beschleunigte und hyperfraktionierte Radiatio).
Der Tumor sprach im experimentellen Arm in 68 % ganz oder teilweise auf die Chemotherapie an, im Standard-Arm in 54 %. Die Tumor-Response unter Chemotherapie und Bestrahlung gemeinsam wurde im experimentellen Arm mit 72 %, im Standardarm mit 59 % ermittelt. Eine protokollgemässe Bestrahlung konnte in 73 % in der Docetaxel-Gruppe, jedoch nur in 66 % der Standard-Gruppe eingeleitet werden. Das wertete Professor Vermorken als eines der Zeichen, dass die Docetaxel-Behandlung besser toleriert wurde.
Das progressionsfreie Überleben überstieg im Docetaxel-Arm die Standardgruppe um mehr als 50 % oder 4 Monate (12,7 vs. 8,4 Monate), ebenso verlängerte sich die Gesamtüberlebensdauer um 4 Monate (18,6 vs. 14,5 Monate).
Eine Neutropenie wurde häufiger im Docetaxel-Arm, eine Thrombozytopenie häufiger im Standard-Arm beobachtet. Insgesamt war die Bilanz der Nebenwirkungen (Grad 3 oder 4) in beiden Gruppen jedoch ausgeglichen.
"Ich halte diese Ergebnisse für einen Durchbruch, und wir sollten die neoadjuvante Chemotherapie bei diesen Patienten unbedingt weiter verfolgen. Docetaxel kommt hier vermutlich zukünftig eine tragende Rolle zu", resümierte Professor Vermorken die Ergebnisse.
Docetaxel bei Prostatakarzinom: Gleich zwei überzeugende Studien
NEW ORLEANS - Noch vor Präsentation der Studienergebnisse erteilte Mitte Mai die amerikanische Food and Drug Administration Docetaxel für die Behandlung bei hormonrefraktivem Prostatakarzinom. Am ASCO wurden die Ergebnisse einer Behandlung mit Docetaxel plus Estramustin und mit Docetaxel plus Prednison mitgeteilt. Beide Regimen verlängerten die Überlebenszeit signifikant.
In der ersten randomisierten Studie, vorgestellt von Dr. Mario Eisenberger, Sidney Kimmel Comprehensive Cander Center in Baltimore, wurden randomisiert 669 Männer mit nicht mehr kurablem, hormonrefraktivem Prostatakarzinom einer Kombination aus Docetaxel und Prednison in zwei unterschiedlichen Dosierungen zugeordnet. 337 Patienten erhielten dagegen die Standardtherapie (Mitoxantron plus Prednison). In den Docetaxel-Gruppen betrug die mittlere Überlebenszeit 18 Monate, in der Vergleichsgruppe 16 Monate. Weitere Effekte waren eine stärkere Schmerzlinderung (pain response 33 % vs. 21 %) im Arm mit Docetaxel und ein stärkerer Abfall des prostataspezifischen Antigens (PSA; 47 vs. 32 %).
Die zweite Studie verglich ebenfalls ein Docetaxel-Schema mit der gleichen Standardtherapie wie in der anderen Untersuchung, wobei hier Docetaxel mit Estramustin kombiniert wurde. Die beiden Arme untersuchten 334 bzw. 332 Patienten. Hier betrug die mediane Überlebenszeit im Docetaxel-Arm 18 Monate, im anderen Arm 15 Monate. Die Zeit bis zur Krankheitsprogression dauerte 6 Monate versus drei Monate und war damit doppelt so lang. Die Nebenwirkungsrate bezüglich Nebenwirkungen des Grades 3 und 4 lag in der Docetaxelgruppe mit 54 % höher als bei den Vergleichspatienten (34 %), wobei dies aber nicht zu einer höheren Rate an behandlungsbedingten Todesfällen führte.
Hiermit liegen gleich zwei Studien vor, die nach etlichen negativen Untersuchungen mit anderen Substanzen wieder einen kleinen Schritt vorwärts in der Therapie dieser nach wie vor nichtkurablen Tumorerkrankung zeigen.
Capecitabin
Neuer Standard zur adjuvanten Behandlung des Kolonkarzinoms in Sicht
NEW ORLEANS - Nach der operativen Entfernung eines Kolonkarzinoms ist im Dukes-Stadium C eine intravenöse Chemotherapie mit 5-Fluorouracil und Leukovorin nach Mayo-Clinic-Schema international der Standard. Am ASCO würdigte man auch in einer Highlight-Session neue Daten zur X-ACT-Studie, die Capecitabin und den Standard miteinander verglich. Professor Dr. Jim Cassidy, Universität Glasgow, als einer der Studienköpfe, meinte: "Ab der nächsten Woche sollte man Capecitabin statt 5-FU/Leukovorin einsetzen".
Capecitabin wird in der Leber in 5'DFCR und 5'DFUR umgewandelt, gelangt in die Malignomzellen und wird dort wiederum unter Vermittlung der Thymidin-Phosphorylase in 5-Fluorouracil umgewandelt. Diese Umwandlung findet zwar auch in anderen Körperzellen statt, jedoch in deutlich niedrigerem Ausmass. Capecitabin kann oral angewandt werden.
Die multivariante Analyse der X-ACT-Studie verglich das konventionelle Schema mit i.v. 5-FU/LV (5 Tage alle 4 Wochen) bei 993 Patienten mit der Anwendung von Capecitabin (ohne Leukovorin) bei 974 Patienten. Das Capecitabin-Schema sah 2 x täglich 1250 mg/m2 an zwei von drei Wochen über 6 Monate vor.
Capecitabin erwies sich als mindestens gleichwertig gegenüber dem Standardregime (primärer Endpunkt erfüllt), zog jedoch signifikant weniger Nebenwirkungen nach sich, mit Ausnahme des Hand/Fuss-Syndroms. Dieses Syndrom bezeichnete Prof. Cassidy lediglich als Unbequemlichkeit. Es bezeichnet ein Brennen an Händen und Füssen.
Neben dem günstigeren Nebenwirkungsprofil bietet die Capecitabin-Behandlung indessen weitere Vorteile: Es kann oral appliziert werden und ist daher wesentlich einfacher in der ambulanten Behandlung zu handhaben. Durch das Entfallen von Infusionen werden zudem Arzt- oder Schwesternkontakte und damit Kosten reduziert. Das günstigere Nebenwirkungsprofil geht mit einem verminderten Bedarf an symptomorientierter Medikation gegen die unerwünschten Wirkungen einher.
Antiemetikum in schwierigem Setting erfolgreich
Prävention der Chemotherapie-assoziierten Nausea
NEW ORLEANS - Aprepitant ist ein Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist, der neuerdings in den USA für die Behandlung der Übelkeit im Zusammenhang mit einer stark emetisch wirkenden Chemotherapie zugelassen ist. Eine Analyse gepoolter Daten aus zwei Phase-III-Studien, vorgestellt am ASCO von Dr. Richard Gralla, New York Lung Cancer Alliance, untermauert nun die Wirksamkeit auch bei einer mässig emetogenen Chemotherapie mit Cisplatin.
Erhalten hatten die neue Substanz Frauen mit Brustkrebs unter einer mässig emetogenen Chemotherapie plus Cisplatin. Der Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist wurde doppelblind randomisiert zusätzlich zur konventionellen Antiemesis-Medikation (Odansetron plus Dexamethason) gegeben.
Unter den 70 Frauen, die Aprepitant unter eine Therapie mit Doxorubicin oder Cycophosphamid erhielten, waren 60 % frei von Übelkeit, bei den 72 Kontrollen nur 24 %. Unter den Frauen, die keines dieser beiden Chemotherapeutika erhielten, lagen die Response-Raten bei 70 % versus 50 %. Die Ergebnisse dieser Analyse fielen hochsignifikant aus. Die Autoren betonten, dass dies ein nennenswerter Gewinn ist, da es sich um eines der schwierigsten Settings für eine antiemetische Therapie handelt.
Metastasierendes Mammakarzinom
Exemestan oder Tamoxifen?
NEW ORLEANS - Ein Vergleich zwischen Exemestan und Tamoxifen als Ersttherapie bei metastasierendem Mammakarzinom wurde am ASCO als eine der Studien mit besonders starken Auswirkungen auf die zukünftige Praxis eingeschätzt. Prof. Dr. Robert Paridaens, Universität Leuven, berichtete über die Ergebnisse.
Eingeschlossen wurden 382 postmenopausale Frauen mit einer nachweislich hormonabhängigen Metastasierung. Eine Chemotherapie gegen die Metastasen durfte vor Einschluss bereits durchgeführt worden sein. Die Frauen erhielten unverblindet entweder Exemestan (25 mg/Tag) oder Tamoxifen (20 mg/Tag). Die Studie wurde so angelegt, dass sie einen Anstieg der mittleren progressionsfreien Zeit von mindestens drei Monaten zugunsten des Exemestans aufdecken konnte. Als sekundäre Endpunkte wurden das Gesamtüberleben sowie die Verträglichkeit analysiert. Sämtliche Berechnungen wurden für die intention-to-treat-Gruppen vorgenommen.
Exemestan erhielten 190 Frauen, Tamoxifen 192 Probandinnen, wobei die Patientencharakteristika wie mittleres Alter, vorausgehende adjuvante Chemotherapie, Chemotherapie wegen Metastasierung, Hormonrezeptorstatus und dominierendes Metastasierungsziel in beiden Gruppen übereinstimmten.
Die mittlere progressionsfreie Spanne, also der primäre Studienendpunkt, fiel unter Exemestan signifikant länger aus als unter Tamoxifen aus, sie betrug 10,9 versus 6,7 Monate mit einem Signifikanzniveau von p = 0,04. Dies bedeutet ein Risiko (hazard ratio) von 0,79 (95 % Vertrauensintervall 0,62 - 0,99) von E gegenüber T.
Hinsichtlich der Verträglichkeit ergab sich folgendes Bild: Keine Patientin beendete die Einnahme aufgrund von Nebenwirkungen. Unerwünschte Effekte des Grades 2-3, die bei mehr als 10 % der Patientinnen dokumentiert werden konnten, waren Knochenschmerzen (E 12 %, T 18 %), Schmerzen anderer Art (E 7 %, T 14 %) und Hitzewallungen (E 5 %, T 12 %).
Mit diesen Ergebnissen erwies sich Exemestan als effektiver im Vergleich zu Tamoxifen, bei vergleichsweise guter Verträglichkeit. Die Studienautoren vertreten die Auffassung, dass Exemestan eine gute erste Wahl bei hormonsensitivem metastasiertem Mammakarzinom sei - möglicherweise auch in der adjuvanten Behandlung oder zur Metastasenprävention, was durch weitere Studien geklärt werden solle.
Multiples Myelom
Verbesserte Überlebenszeiten unter Proteasom-Inhibitor
NEW ORLEANS - Zwar handelt es sich erst um Interimsdaten, aber diese tauchen die Zukunft des Myelom-Rückfalls in ein etwas günstigeres Licht. Mit Bortezomib, einem Proteasom-Inhibitor, liess sich bei Relaps eines Multiplen Myeloms die Dauer bis zum Fortschreiten der Krankheit signifikant hinauszögern, die Gesamtlebensdauer verlängern und die Anzahl schwerer Infektionen senken. Dr. Paul Richardson, Dana-Farber-Cancer Insitute in Boston, konnte diese Nachricht am ASCO verkünden.
Die Daten dieser internationalen Phase-III-Multicenterstudie erarbeitete die APEX Study Group. Sie rekrutierte 657 Patienten mit einem Relaps eines Multiplen Myeloms. Randomisiert erhielten 327 Patienten Bortezomib und 330 Dexamethason. Als primärer Endpunkt wurde die Dauer bis zur Progression formuliert, sekundäre Endpunkte waren die Gesamtüberlebensdauer, die Häufigkeit einer Infektion ab Grad 3 und die Dauer bis zu einer skelettalen Manifestation.
Die Patienten, die Bortezomib erhalten hatten, liessen eine deutlich längere Zeit bis zum Fortschreiten erkennen (5,7 Monate versus 3,6 Monate, p<0.0001, log-rank-Test). Die Gesamtüberlebensdauer war ebenfalls länger. Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 14 Monaten waren unter Bortezomib 13, unter Dexamethason 24 Todesfälle eingetreten (p =0,038). Hinsichtlich der schweren Infektionen ergab sich ein Trend zugunsten des Bortezomibs. Bei den skelettalen Ereignissen war kein Unterschied festzuhalten. Das Kommitee riet, den Dexamethason-Arm zu stoppen und den Patienten dieses Arms ebenfalls Bortezomib anzubieten.
8.6.2004
Epizentrum in der Schweiz
Nach 30 Jahren endlich Fortschritt in der Glioblastom-Therapie
NEW ORLEANS – Eine wirklich gute Nachricht konnte Dr. Roger Stupp, Multidisziplinäres Onkologiezentrum der Universität in Lausanne, am ASCO vermelden: Eine neue Behandlung verbessert markant die Prognose bei Glioblastom gegenüber der bisherigen Standardtherapie. Fast dreimal mehr Patienten als bislang überleben mit der Kombination der Strahlentherapie mit einem Alkylans mindestens zwei Jahre. Die Untersuchung wird als Landmark-Studie betrachtet, die den bisherigen Therapiestandard umkrempeln wird.
Bisher versucht man nach Diagnose eines Glioblastoma multiforma die Operation, und dabei wird es unverändert bleiben. Anschliessend oder auch bei Inoperabilität folgt die Bestrahlung. Geprüft wurde nun parallel und zusätzlich zur Bestrahlung als adjuvante Therapie das Alkylans Temozolomid. Erreicht wurden folgende Effekte:
- Die mittlere Überlebenszeit verlängert sich von 12 auf 15 Monate.
- Das progressionsfreie Überleben verlängert sich von 5 auf 7,2 Monate.
- 2 6% statt 10 % der Patienten leben länger als 2 Jahre.
Alle diese Ergebnisse waren hochsignifikant (p < 0,0001). Sie wurden an 573 Patienten gewonnen, die entweder der Temozolomid- oder einer Kontrollgruppe zugeordnet wurden.
Bemerkenswert sind an dieser Studie über das hochsignifikante Ergebnis hinaus weitere Aspekte, auf die Dr. Stupp im Gespräch mit Medical Tribune hinwies: Die Substanz ist verhältnismässig gut verträglich, so dass kaum mehr Nebenwirkungen auftreten als unter Bestrahlung. Und sie war bereits in einer vor zwei Jahren publizierten Phase-II-Studie so überzeugend, dass innerhalb kürzester Zeit diese hohe Anzahl an Studienteilnehmern rekrutiert werden konnte. 85 Zentren in ganz Europa und Kanada nahmen teil.
7.6.2004
Lymphknotenmetastasen bei Brustkrebs
Nichtchirurgische Methode zum Nachweis positiver Lymphknoten
NEW ORLEANS - Um Fernmetastasen bei Brustkrebs voraussagen zu können, sind Grösse und Zahl der Achsellymphknoten einer der wichtigsten Faktoren. Um an die Information über den Lymphknotenbefall zu kommen, gilt die Lymphknotendissektion als Goldstandard. Ein neuer Trend geht zur Wächterlymphknoten-Untersuchung. Völlig ohne Messer (wenn auch nicht ohne Eisen) kommt eine Methode aus, die Dr. Mukesh Harisinghani, Harvard Medical School, Boston, am ASCO in die Arena warf.
Man möchte den Lymphknotenbefall genau kennen, denn ein positives Ergebnis senkt die 5-Jahres-Überlebensrate um 40%. Aber die Lymphknotendissektion wiederum zieht eine recht erhebliche Morbidität nach sich. Das wurde durch die Wächterlymphknoten-Untersuchung verbessert, weil hier deutlich weniger Lymphknoten entnommen werden. Doch das ist ebenfalls keine restlos zuverlässige Methode, denn befallene Lymphknoten können entwischen. Tumoren in den inneren Quadranten drainieren möglicherweise über die inneren A.mammaria-Lymphknoten.
CT, MRI und andere konservative Techniken basieren auf dem nichtspezifischen Kriterium der Lymphknotengrösse. Ihre Diskriminationsfähigkeit hinsichtlich gesunder und pathologischer Lymphknoten ist begrenzt.
Jetzt steht eine neue Klasse von Magnetresonanzkontrast-Agenzien zur Verfügung, die sich wirksam in Lymphknoten anreichert: Ultrakleine superparamagnetische Eisenoxid-Nanopartikel (Ferumoxtran-10). Normale oder benigne veränderte Lymphknoten lassen eine Aufnahme der Nanopartikel erkennen und anschliessend einen Abfall der Signalintensität. Tumorinfiltrierten Knoten fehlt dieser Signalabfall. Bei Brustkrebspatientinnen wurde die Methode bereits untersucht und ergab positive Ergebnisse, sodass diese Magnetresonanz-Lymphographie einen Beitrag zur Morbiditätssenkung im Zusammenhang mit der Lymphknotendiagnostik liefern kann.

Grössere Kongresse, grössere Autos in den US
5.6.2004
Rituximab
Progressionsfreies Intervall bei indolentem Non-Hodgkin-Lymphom
verdoppelt
NEW ORLEANS - Die Ansprechraten des Non-Hodgkin-Lymphoms auf die gängige
Therapie sind insgesamt nicht schlecht, aber das indolente Lymphom ist durch
häufige Rückfälle gekennzeichnet. Daher interessierte die Frage,
was der CD20-Antikörper Rituximab hier erreichen kann. Eine Phase-III-Studie,
vorgestellt am 40. ASCO-Meeting, gab eine positive Antwort.
Die Studie der Eastern Cooperative Oncology Group, vorgestellt von Professor
Howard S. Hochster, New York University School of Medicine, ergab in etwa
eine Verdoppelung der progressionsfreien Zeit. 154 Patienten wurden nach einer
Vorbehandlung entsprechend CVP- oder CF-Schema mit Rituximab therapiert, 149
wurden ohne Rituximab weiter beobachtet. 31 Patienten unter Rituximab und 54 Patienten aus
der Beobachtungsgruppe erlitten einen Relaps oder starben. Der Anteil der Patienten
mit progressionsfreiem Intervall von 2 oder 4 Jahren wurde auf 74 vs. 42 % (2
Jahre) bzw. 58 und 34 % (4 Jahre) geschätzt. Die progressionsfreie Zeit
war unter Rituximab auch unabhängig von der Histologie länger. Patienten
mit grosser Tumorlast überlebten ebenfalls signifikant länger progressionfrei
als in der Beobachtungsgruppe.
Ob sich dieses längere progressionsfreie Intervall auch in einem längeren
Überleben niederschlägt, kann derzeit noch nicht beantwortet werden.
Die beschriebene Studie wurde im November 2003 vorzeitig beendet, nachdem die
vordefinierten Endpunkte bereits erreicht worden waren.
Gastrointestinale Stromatumoren
Schalter zum Abdrehen der Malignität gefunden?
NEW ORLEANS - Die medikamentöse Behandlung von Krebs befindet sich heute
in einem vergleichbaren Zustand wie die Antibiose vor etwa 50 Jahren, so Professor
Dr. George Demetri, Harvad Medical School Boston, an einem Satellitensymposium
des ASCO, zu dem Pfizer eingeladen hatte. Immer noch sucht man fieberhaft
nach "dem" Schalter, mit dem sich die bösartige Entartung einer
Zelle aufhalten lässt. Deshalb interessieren sich Forscher besonders für
die gastrointestinalen Stomatumoren (GIST), weil sich hier ein solcher Hebel eventuell
bereits aufdecken liess.
Auf die Idee, sich an einer zentralen Schaltstelle zu befinden, kamen Onkologen,
weil Imatinib als Monoagens bei der Mehrzahl der Patienten mit GIST zur Krankheitssstabilisierung
oder zur Response führt - und das ausgesprochen schnell, teils bereits nach
einer einzigen Anwendung. Patienten, bei denen eine Progression mit Hilfe dieser
Substanz unterbunden werden konnte, überlebten in über 90 % zwei Jahre
und mehr. Die Responserate betrug 83 % trotz der Aggressivität des Tumors.
In diese Beobachtung mischt sich jedoch ein Wermutstropfen: Mit der Zeit können
sich Resistenzen gegenüber dem Antikörper einstellen. Deshalb besteht
die Nachfrage nach weiteren Substanzen, die diese Situation durchbrechen können
und den Schalter erneut aktivieren. Gleichzeitig wünscht man sich natürlich
auch Substanzen, die ein breiteres Spektrum als das sehr gezielt wirkende biologische
Agens Imatinib bieten.
Ein Kandidat ist der Tyrosinkinase- und sogar Multikinase-Inhibitor SU11248. Er
blockiert die entscheidende KIT-Kinase, und darüber hinaus mehrere für
die Malignität relevante Rezeptoren, so den des Platelet Derived Growth Factor
und weitere Rezeptoren. Bei Patienten mit GIST, die auf Imatinib nicht mehr ansprachen, konnte
durch orale Behandlung mit diesem Inhibitor wieder eine Response erreicht werden.
Die für Stromatumoren wichtige Angiogenese wird hiermit ebenfalls blockiert.
Mit dem Inhibitor SU11248 verknüpft sich die Hoffnung, anders als mit Imatinib
ein breiteres Spektrum von Tumoren erreichen zu können, da dieser Inhibitor
mehrere Ziele an der Krebszelle blockiert.

Im French Quarter
tanzen auch die Laternen
Der Preis des Erfolges
Kardiale Folgekrankheiten nach Chemo- und Strahlentherapie
NEW ORLEANS - Die Krebstherapie bei Kindern ist glücklicherweise nicht mehr trostlos. 75 % bis
80 % der Kinder, die vor der Pubertät an Krebs erkranken, können heute geheilt
werden. Damit sind aber nicht alle Probleme gelöst. Inzwischen wird die Patientenpopulation
immer grösser, bei denen mit Folgekrankheiten, unter anderem eine beschleunigte
Atherosklerose, zu rechnen ist. Dr. Louis Constine vom Rochester Medical Center
lenkte am 40. ASCO-Meeting die Aufmerksamkeit auf dieses Thema, das auch für erwachsene Krebstherapie-Überlebende relevant ist.
Kinder und Jugendliche, die 5 Jahre nach Beginn der Krebstherapie noch leben,
haben eine Mortalitätsrate von etwa 10 %. Davon entfallen zwei Drittel auf
den primären Krebs, etwa 10 % auf eine zweite maligne Erkrankung und in gleicher
Höhe - 10 % - auf Behandlungsfolgen. Bei Erwachsenen sind Zahlen beispielsweise
für das Hodgkin-Lymphom bekannt: Hierbei sterben in etwa 15 % an einer therapiebedingten
kardiovaskulären Krankheit (CVD, cerebrovascular disease). Die Mortalitätsrate
unter niederländischen Hodgkin-Patienten betrug 6,8 % für die Todesursache
Hodgkin und 6,3 % für CVD. Bei Patienten, die noch vor dem Alter von 21 Jahren
behandelt worden waren, lag die CVD-Mortalität mit 13,6 % sogar nahezu doppelt
so hoch.
Worauf beruht die Kardiotoxizität?
- Doxorubicin
(toxisch ab Gesamtdosen von 400 - 550 mg/m2) verursacht Arrhythmien, das Perikarditis-Myokarditis-Syndrom,
Herzinfarkt, plötzlichen Herztod, Kardiomyopathie mit Insuffizienz.
- Mitoxantrone
(100 - 140 mg/m2) ruft Herzinsuffizienz, verringerte linksventrikuläre
Auswurffraktion, Herzinfarkt, EKG-Änderungen und Arrhythmien hervor.
- Cyclophosphamid
(100 - 120 mg/m2 über 2 Tage) geht u.U. mit hämorrhagischen Herzmuskelnekrosen,
systolischer Dysfunktion, EKG-Änderungen und Herzinsuffizienz einher.
- Cisplatin bewirkt
bei konventionellen Dosen EKG-Änderungen, Herzinsuffizienz, Arrhythmie.
- Fluorouracil,
konventionelle Dosis: Herzinfarkt, Angina pectoris, kardiogener Schock, plötzlicher
Herztod, dilatative Kardiomyopathie.
- Trastuzumab:
Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie.
- Paclitaxel:
Plötzlicher Herztod, Bradyarrhythmie, Myokardinfarkt.
- Auch die Bestrahlung
kann sich auf das Herz auswirken (interstitielle Fibrose u.a.).
Was bedeutet
das für die Praxis?
Der Onkologe muss
sich um eine Therapie bemühen, das möglichst gering kardiotoxisch ist.
Nachbetreuende Ärzte sollten bei Patienten, die eine potenziell kardiotoxische
Therapie überlebt haben, regelmässig - selbst bei Symptomfreiheit
- das Herz untersuchen, wobei noch kein definitives Vorgehen hinsichtlich der
Effektivität evaluiert ist. Intervalle von einem bis drei Jahren erscheinen
ratsam, meinte Dr. Constine, je nachdem, welche Risikofaktoren sonst noch hinzukommen.
Zusätzliche Belastungen wie Behandlung mit Wachstumshormonen, Beginn einer
sportlichen Betätigung oder Schwangerschaft erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit.
Im Labor eignen sich in erster Linie C-reaktives Protein, Lipoprotein alpha,
Fibrinogen und Homocystein zur Risikoeinschätzung. Zusätzlich kommen
in Frage: BNP, Insulin, Insulin-like growth factor, freies T4 und Thyreoideastimulierendes
Hormon sowie der Estradiol- bzw. Testosteronspiegel.
© für alle oben stehenden Texte: Medical Tribune-Online Schweiz, UNo
Oraler Angiogenesehemmer PTK/ZK
BERLIN/NEW ORLEANS - Schering Deutschland hat bekannt gegeben, dass die Patientenrekrutierung für eine der zwei klinischen Phase III-Studien des experimentellen Wirkstoffs PTK/ZK (PTK787/ZK 222584), den sie zusammen mit Novartis entwickelt haben, abgeschlossen ist.
Die CONFIRM 1-Studie (Colorectal Oral Novel Therapy for the Inhibition of Angiogenesis and Retarding of Metastases in First-line/Second-line) diente der Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von PTK/ZK in Verbindung mit der Chemotherapie (FOLFOX-4-Schema) bei mehr als 1.000 zuvor unbehandelten Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom. Das FOLFOX-4-Schema mit Oxaliplatin/5-Fluoro-Uracil/Leucovorin entwickelt sich zu einem Behandlungsstandard für Patienten mit zuvor unbehandeltem kolorektalen Karzinom.
"PTK/ZK hat in Verbindung mit der Chemotherapie das Potenzial, die Überlebensperspektive von Patienten mit kolorektalem Karzinom deutlich zu verbessern", erläuterte Marc Rubin, Vorstandsmitglied der Schering AG und verantwortlich für die Entwicklung. "Die schnelle Patientenrekrutierung für die Studie CONFIRM 1 zeigt den Enthusiasmus und das Engagement der Kliniken bei der Entwicklung innovativer Behandlungsmethoden dieser aggressiven Krebserkrankung."
PTK/ZK ist ein neuartiger Angiogenesehemmer, der einmal täglich oral verabreicht wird und durch Einwirkung auf die Blutgefäße des Tumors dessen Wachstum sowie die Metastasenbildung bremst. PTK/ZK hat das Potenzial, ein effizienter Angiogenesehemmer zu werden, da der Wirkstoff alle bekannten VEGF- Rezeptoren blockiert.
Die Studien CONFIRM 1 und CONFIRM 2 sind randomisierte und multinationale Phase III-Doppelblindstudien mit Plazebo-Kontrolle bei Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom. Die Anfang 2003 begonnenen Studien CONFIRM 1 und CONFIRM 2 umfassen ca. 2.000 Patienten aus mehr als 200 Behandlungszentren weltweit.
Kolorektales Karzinom auf dem Vormarsch
Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation gab es im Jahr 2000 weltweit nahezu 940.000 Fälle kolorektaler Karzinome, davon fast 65 % in den höher entwickelten Ländern. Nach Angaben des Colorectal Cancer Network sind in den USA nur Lungenkarzinome für mehr Todesfälle aufgrund von Krebserkrankungen verantwortlich.
Was steckt hinter PTK/ZK
PTK/ZK ist ein neuartiger Angiogenesehemmer, der alle bekannten VEGF-Rezeptor-Tyrosinkinasen blockiert, die eine wichtige Rolle bei der Tumor-Angiogenese, beim Tumorwachstum und bei der Metastasenbildung spielen. PTK/ZK blockiert - unabhängig vom Wachstumsfaktor (VEGF A-E) - die Signalisierung über alle bekannten VEGF-Pfade an den Rezeptoren (VEGFR1, VEGFR2, and VEGFR3).
Quelle: Pressemitteilung der Schering Deutschland AG
Die Themen aller Berichte vom ASCO 2004 in der Übersicht
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